Lebensdaten
1654 oder 1652 bis 1730
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118603353 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rottmayr, Johann Michael (bis 1704)
  • Rottmayr von Rosenbrunn, Johann Michael
  • Rottmayr, Johann Michael (bis 1704)
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Zitierweise

Rottmayr von Rosenbrunn, Johann Michael, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118603353.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1626–90), Handelsmann, Organist u. Stiftschorregent in L.;
    M Margareta Magdalena (* 1629, 23.8.1687), Malerin in L. (s. ThB 29), T d. Kaspar Zehentner (Zeche[n]tner, Zehenter) (um 1639–58), Maler u. Vergolder in L. (s. ThB 36);
    1690 Maria Helena Barbara Reischpeckh, aus Salzburg.

  • Leben

    Nach einer ersten Lehre bei seiner Mutter war R. laut eigener Aussage in seinem Gesuch um Verleihung des Adelsprädikats (1704) seit 1675 in Venedig 13 Jahre lang Schüler und Assistent in der Werkstatt Johann Carl Loths (1632–98). Außer einer mutmaßlichen Beteiligung an der Ausmalung der Cappella del Crocifisso (Trient, Dom, 1686/87) durch Loth ist über weitere Werke R.s in Italien nichts bekannt. In diesem frühen sowie in seinen ersten nach der 1688 erfolgten Rückkehr nach Salzburg entstandenen Werken zeigt sich R. noch von Loth beeinflußt, doch bereits die Gemälde der frühen 90er Jahre stellen v. a. eine glänzende Rezeption der Koloristik Peter Paul Rubens' dar (Himmelfahrt Christi, 1691, Michaelbeuren; Hl. Agnes, 1693–95, Hl. Sebastian, 1694, beide Passau, Dom; Himmelfahrt Mariens, 1696, Heiligenkreuz). Dabei verzichtete R. auf eine klare Vermittlung von Kompositionen und Figuren im Sinne des röm. Hochbarocks, wie er etwa von Pietro da Cortona (1596–1669) vertreten wurde, zugunsten einer intensiven, hellen und leuchtenden Farbigkeit. Seine Farbpalette bevorzugt zarte Nuancen von Lichtgelb, Orange, Hellblau und Rosa, deren lasierender Auftrag im Sinne von Rubens erst die weich konturierten Formen zu festen Körpern zusammenschließt.

    Seine ersten Fresken, die 1689 geschaffenen mythologischen Szenen im Karabinierisaal der Salzburger Residenz, neigen noch zu einer frischen, robusten Körperlichkeit und Farbigkeit, doch gelang R. bereits 1695 (allegor. Fresken im Ahnensaal d. Fam. Althan auf Schloß Frain/Thaya) durch eine lichtere und harmonischere Farbskala teilweise der Anschluß an seine luziden Tafelbilder.

    Seit 1696 in Wien ansässig, stieg R. zum großen Dekorateur der Habsburger-Monarchie auf, gleichermaßen geschätzt bei weltlichen und geistlichen Auftraggebern. Die großen Freskenausstattungen der folgenden Jahre lassen R.s Vertrautheit mit den prächtigen illusionistischen Dekorationen in Rom – v. a. Cortonas Fresken im Palazzo Barberini und in Santa Maria in Vallicella – erkennen, die er für seine Zwecke adaptierte. In diesen Werken beherrscht ein auf Rot, Gelb und Blau abgestimmter Farbklang die Hauptszenen, denen konzentrisch Nebenszenen und -figuren zugeordnet werden, so daß in weiten, hell luftigen Himmelsregionen rhythmisch bewegte Bilder entstehen (Breslau, St. Matthias, 1704–06; Wien, Peterskirche, 1713/14; Melk, Stiftskirche, 1716–23). Unter den profanen Raumausstattungen der Zeit ragen die zusammen mit Martino Altomonte (1657–1745) ausgemalten Prunkräume der Salzburger Residenz hervor (1710-14). In den Szenen aus dem Leben Alexanders d. Gr., die als Leinwandgemälde in Stuckrahmen eingesetzt wurden, ist in der perspektivischen Anlage und der fein abgestimmten Farbigkeit der Einfluß Veroneses und seiner Nachfolger sichtbar.

    In seinem Spätwerk unter dem Einfluß des beginnenden Barockklassizismus neigt R. zu größerer Klarheit in der Komposition, in der die differenzierte Farbigkeit zugunsten einer vereinheitlichenden Farbhaltung und einer stärkeren Betonung des Figurenumrisses zurücktritt (Wien, Karlskirche, Glorie d. hl. Karl Borromäus, 1725–30).

    R. war der angesehenste und bedeutendste Maler des beginnenden österr. Hochbarocks, der als Tafelbildmaler und Freskant gleichermaßen Reputation erlangte. Er ist neben Michael Willmann in Schlesien und Cosmas Damian Asam in Bayern und Böhmen der Begründer einer nordalpinen Monumentalmalerei, die auf die österr. Maler des 18. Jh. beträchtlichen Einfluß ausübte. In seinem umfangreichen Werk spiegelt sich die Vielfalt künstlerischer Vorbilder und Strömungen der Malerei im 17. Jh., v. a. die Wirkung von Rubens sowie der röm. und venezian. Barockkünstler. R. verarbeitete seine Vorbilder|jedoch frei und gelangt so zu eigenständigen Lösungen.

  • Werke

    Weitere W Opferung d. Iphigenie, um 1691 (Wien, Barockgal. Unteres Belvedere);
    Engelssturz, 1697 (Tittmoning, Schloßkapelle);
    Hl. Lukas u. hl. Caecilie, 1698 (Laufen, Pfarrkirche);
    Hl. Benno, 1702 (München, Alte Pinakothek);
    Allegorien nach Motiven d. griech. Mythol., 1706-08 (Wien, Gartenpalais Liechtenstein);
    Hl. Fam., 1708 (Salzburg, Kajetanerkirche);
    Martyrium d. hl. Barbara, 1709 (Salzburg, Johannesspitalkirche);
    Sieg d. Schönbornschen Tugenden über d. Laster, 1717/18 (Schloß Pommersfelden, Marmorsaal);
    Anbetung d. Könige, 1723 (Melk, Abteikirche).

  • Literatur

    ADB 29;
    H. Tietze, in: Jb. d. Zentralkomm. f. Erforsch, u. Erhaltung d. Kunst- u. hist. Denkmale, NF 4, 1906, Sp. 81-186;
    J. M. R., Ausst.kat. Residenzgal. Salzburg 1954;
    E. A. Maser, Disegni inediti di J. M. R., in: Monumenta Bergomensia XXX, 1971;
    J. M. R., Aquarellierte Zeichnungen aus lombard. Privatbes., Ausst.kat. Barockmus. Salzburg 1980;
    E. Hubala, J. M. R., 1981;
    J. Ramharter. „Weil der Altar altershalben unförmblich und paufellig …“, Rechtsfragen z. Ausstattung d. Sakralbauten im Salzburger Raum, 1996 (Qu);
    Biogr. Lex. Böhmen;
    Hist. Lex. Wien;
    Breslau-Lex.

  • Autor/in

    Peter Prange
  • Empfohlene Zitierweise

    Prange, Peter, "Rottmayr von Rosenbrunn, Johann Michael" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 147-148 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118603353.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Rottmayr: Johann Michael R., später in den Adelstand erhoben mit dem Prädicate v. Rosenbrunn, Maler, wurde zu Lauffen im Salzburgischen 1652 (nicht 1660) geboren. Seine Erziehung erhielt er als Chorknabe im nahen Benedictinerstifte Michelbeuern, dann kam er in die Schule des Carlo Lotto in Venedig. In der Folge finden wir ihn in Mähren und Böhmen, wo er an mehreren Orten, so in der Schloßcapelle von Choltiz das Bild des h. Romedius, malte. Es war dies im J. 1692. Das Schloß gehörte dem Grafengeschlechte der Thun-Hohenstein, welches damals dem Erzbisthum Salzburg in Cardinal Johann Ernst einen besonders kunstsinnigen Hirten gegeben hatte. Auch im Saale des Thun'schen Palastes in Prag malte er Scenen aus dem trojanischen Kriege, welche 1794 von Feuer zerstört wurden. Es ist nicht sicher, ob der Künstler nun von Böhmen damals schon nach Breslau ging, wo er 1696 die großen Deckenfresken bei den Jesuiten ausgeführt hat, oder ob er nicht vorher kürzere Zeit wieder in Salzburg verweilte. Das Familiengrab, welches er sich hier in der Vorhalle der Peterskirche stiftete, trägt das Datum 1693. Daß er schon 1685 sich nach Wien begeben habe, wie behauptet wird, ist kaum anzunehmen; ich finde ihn dort nicht vor 1700. Salzburg ist reich an Arbeiten des Meisters, doch sind manche erst später von Wien aus für Salzburg geliefert worden. Bekannt sind mir davon: die gewaltigen Deckenbilder des Carabinersaales in der erzbischöflichen (jetzt kaiserlichen) Residenz; jene in der Sommerreitschule; die Altarbilder: Set. Nicolaus Tolent. bei den Augustinern in Mülln; der Gekreuzigte in der ehem. Salvatorkirche (verschollen), mehrere im Johannisspital, in der Universitätstirche, S. Anna bei den Cajetanern, bei den Franziskanern der Stifter des Ordens; die Fresken im Treppenhaus des Schlosses Mirabell; das Urtheil des Salomon und dasjenige Daniel's im Rathhaus, der englische Gruß bei den Franziskanern, ehemals im Schloß Leopoldskron, jetzt verschwunden, sein Selbstporträt, Susanna im Bade, Magdalena, Apollo und Marsyas, S. Vitus, Christus und seine Mutter, S. Hieronymus und Magdalena, der Gekreuzigte, Iphigenie. In der ehem. Sammlung Volckmann: Ecce homo. Um jene Zeit entstand wol auch das Hochaltarbild in Michelbeuren, welches die Auferstehung des Herrn vorstellt. Im Kloster Schlierbach in Baiern malte er 1691—1692 die Altarblätter S. Katharina und Bernhard.

    Seine ersten Arbeiten in der Kaiserstadt waren im Palais Liechtenstein in der Vorstadt Rossau die schönen Fresken der Durchfahrtshalle, den Plafond im Treppenhaus schmückt das Bild des Titanenkampfes. Im damaligen Speisesaal (jetzt Stiegenhaus) zu Schönbrunn malte er als Anspielung auf die damals|stattgehabte Abreise Karl's III. nach Spanien 1703 das colossale Deckenfresko der Abfahrt der Griechen von Aulis. Um diese Zeit entstand das Deckenbild über dem Hochaltar in Klosterneuburg — Himmelfahrt Mariae —, welches öfters dem Daniel Gran zugeschrieben wird, der Plafond der Bibliothek im Stifte Heiligenkreuz aber schon 1701, das Hochaltarbild bei S. Ruprecht in Wien 1703, um 1705 begann seine umfassende Thätigkeit für die Ausschmückung der umgebauten Kirche S. Dorothea, Deckenfresken und sieben Altarbilder, welche heute verloren sind. Für Heiligenkreuz malte er wieder 1710 das große Gemälde S. Benedict und Scholastica sowie die Fresken im Kapitelsaal. Zwei große Plafondbilder auf Leinwand entstanden 1715 für den Saal des alten Wiener Rathhauses, (jetzt im neuen) für 1400 fl. Seit 1713 arbeitete er für die S. Peterskirche, das Altarbild S. Franziscus Sales. und die Kuppel ist erhalten. Für die Liebfrauenkirche in Prag vollendete er 1715 das Bild des h. Cajetan. In der prachtvollen Stiftskirche in Müll malte R. im Verein mit dem Architekturmaler Ipolito Scanzoni 1718 die riesigen Fresken des Gewölbes, 1719 den h. Augustin für die Stiftskirche S. Florian in Oberösterreich, um 1723 den h. Karl Borr. für die Waisenhauskirche in Wien, im selben Jahre für Mölk S. Michael und die heil. drei Könige. Die damals geführten Verhandlungen wegen Herstellung der Fresken für den Kaisersaal in S. Florian zerschlugen sich und er hielten statt ihm die beiden Altomonte den Auftrag. Wieder für Mölk malte er 1727 die Taufe Christi, 1729 kaufte ihm die Stadt Wien um 1500 fl. Malereien für die neue Bibliothek ab. Die Ausschmückung der Kuppel in der Karlskirche hatte schon 1725 begonnen, ca. 1727 entstanden seine Fresken im Schlosse Frain in Mähren und die Taufe Christi für Borgo in Südtirol. 1729 malte er wieder eine Himmelfahrt Maria's für Heiligenkreuz, 1730 einen h. Nicolaus für Grosprotta in Niederösterreich, ferner die Plafondfresken sowie die Altarbilder: Christus auf dem Oelberg, Stigmatisation des heil. Franciscus und S. Aegydius in Lanzendorf bei Wien. Der ausgezeichnete Künstler starb in letzterer Stadt am 25. Oct. 1730.

    Weitere Schöpfungen Rottmayr's, deren Entstehungszeit ich nicht anzugeben vermag, sind: die Fresken im Palais Hatzfeld in Breslau, im Verein mit dem Würzburgischen Hofmaler Robert Byß gemalt. S. Joseph und der Gekreuzigte in der Kirche zu Hietzing bei Wien; Pietà auf dem ehem. Friedhof in Innsbruck (nicht mehr vorhanden); S. Quirinus in Kleinmünchen bei Linz; Loth's Töchter in der Münchener Pinakothek; S. Martin in Obersulz in Niederöstreich. Im Dom zu Passau Pauli Bekehrung, Enthauptung Johannis, S. Agnes, Sebastian. Plafond des großen Saals im Schlosse Pommersfelden, wo der Meister ein Jahr lang arbeitete, 1000 Th. erhielt und mit seiner Familie freigehalten wurde; die Fresken in Reitenhaslach; Tod der h. Anna in der Carmeliterkirche in Regensburg; Christus vor Pilatus, ehedem in Salzdahlum. Endlich noch in Wien: bei S. Stephan S. Carolus Borr., heil. Familie, Franciscus, Michael; bei den Paulanern die Kreuzigung; bei den Franziskanern eine Immaculata; bei den Minoriten das jüngste Gericht; bei S. Michael eine heil. Familie, in der kais. Galerie das Opfer der Iphigenie, in der Ambrasersammlung zwei Allegorien, in der Liechtensteingalerie Diana und Endymion, Venus und Adonis, Jupiter und Antiope, Mehreres im Joanneum in Graz, im Museum zu Hermannstadt in Siebenbürgen der Samariter, der verlorene Sohn, die Heilung des Blinden, Hiobs Verspottung, Mercur und Argus. Vierzehn Gemälde im Stift S. Paul in Kärnten, welche bald ihm, bald dem sog. Kremser Schmidt zugeschrieben werden, habe ich nicht gesehen. Ein schönes Porträt des Künstlers in Stiftzeichnung besitzt die Fideicommißbibliothek des Kaisers in Wien.

    Leopold I. ernannte R. zum Hofmaler und ertheilte ihm am 21. Juli 1704|den Adel; Karl VI. machte ihn noch zum Kammermaler. Unsere Anekdotenlitteratur erzählt von ihm die Geschichten, daß er zu lange Hälfe gemalt und bei ungenügender Honorirung zu schleudern geliebt habe. Das ist Geschwätz. Gewiß aber war er einer der bedeutendsten Künstler der Barocke, gleich so vielen noch gar nicht gewürdigt. Seine Composition, sein Phantafiereichthum, sein Prachtsinn sind von monumental großartiger Wirkung. Dabei hat er ein lebendiges, kraftvolles, sattes Colorit. Besonders kennzeichnet seine Schöpfungen eine gewaltige Wucht der Formen, die am mächtigsten in den Fresken des Carabinerfaales in Salzburg zur Erscheinung kommt.

    • Literatur

      Aus dem Manuscripte meines Werkes über die Fischer v. Erlach.

  • Autor/in

    Ilg.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ilg, Albert, "Rottmayr von Rosenbrunn, Johann Michael" in: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 402-404 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118603353.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA