Lebensdaten
1913 bis 1941
Geburtsort
Gelsenkirchen
Sterbeort
bei Breslau
Beruf/Funktion
Jagdflieger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11858300X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mölders, Werner

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Zitierweise

Mölders, Werner, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11858300X.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Viktor (1881–1915, ⚔) aus Braunschweig. Studienrat in G., S d. Anton (* 1849), Magazin- u. Bahnaufseher in Braunschweig, u. d. Maria Lippelt (* 1850) aus Wolfenbüttel;
    M Annemarie Riedel (* 1888) aus Brandenburg/Havel;
    B Victor (* 1914), Architekt in Warstein (Sauerland);
    Falkenstein/Taunus 1941 Luise verw. Baldauf (* 1913), T d. Johann Thurner u. d. Rosel N. N.; 1 Stief-T.

  • Leben

    Nach dem Abitur in Brandenburg/Havel wurde M. 1931 Infanterist, später Pionier und schließlich Jagdflieger (1934 Leutnant). Im März 1936, bei der Besetzung des bis dahin entmilitarisierten Rheinlandes, landete er mit seiner Staffel als erster Einheit in Düsseldorf. Als Kapitän der Jagdstaffel 3./J 88 nahm er 1938 am Span. Bürgerkrieg teil. Hier erwies er sich nicht nur als fähiger Einheitsführer und fürsorglicher Vorgesetzter (Beförderung zum Hauptmann), sondern mit 14 Abschüssen auch als erfolgreichster Jagdflieger der „Legion Condor“. Als Lufttaktiker entwickelte er darüber hinaus eine neuartige Gefechtsformation für Jagdflieger, die im 2. Weltkrieg auch von anderen Luftstreitkräften übernommen wurde. Es war der „Vierfinger-Schwarm“, eine aufgelockerte, nach Seite und Höhe abgestufte, guten Überblick und gegenseitigen Schutz gewährende, sehr effektive taktische Angriffsgliederung. Vom 1.10.1939 bis 5.6.1940 war M. Gruppenkommandeur (III./JG 53), dann nach kurzer franz. Gefangenschaft bis 19.7.1941 Kommodore des Jagdgeschwaders 51 „Pik As“ und kämpfte im Frankreichfeldzug, an der Kanalfront und in Rußland. Nach dem Frankreichfeldzug bewirkte er die Aufhebung des Todesurteils gegen einen Franzosen, der ihn bei seiner kurzfristigen Gefangenschaft mißhandelt hatte. Als erster deutscher Jagdflieger wurde er am 29.5.1940 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet (im selben Jahr Major und Oberstleutnant). Am 15.7.1941 erzielte M. seinen 100. Luftsieg und erhielt am selben Tag als erster Soldat der Wehrmacht die bis Ende 1944 höchste deutsche Tapferkeitsauszeichnung, das Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Fünf Tage später erfolgte die Beförderung zum Oberst verbunden mit einem Feindflugverbot, da er als Vorbild und zur Weitergabe seiner Erfahrungen an den fliegerischen Nachwuchs geschont werden sollte.

    Seine neue Verwendung als Inspekteur (seit 7.8.1941) bzw. General der Jagdflieger (15.9.1941) bot ihm die Möglichkeit, sein Können und seine Ideale auf die Jagdflieger zu übertragen. M. wollte nicht nur „Abschießer“ sein und ließ daher stets auch seine Rottenflieger („Katschmareks“) nach entsprechender Anleitung Abschüsse vornehmen. Er wollte der „Boelcke“ der deutschen Jagdfliegerei sein, d. h. er wollte sich um die Ausarbeitung neuer Taktiken und um die Verbesserung von Organisation, Technik, Ausbildung und vor allem Menschenführung kümmern. Trotz der Heroisierung seiner Person durch die NS-Propaganda blieb M. bescheiden, ein ritterlicher, stets hilfsbereiter Soldat. Bloßen Drill und unwürdige Behandlung Untergebener lehnte er ab; militärische Ordnung sollte seiner Meinung nach auf freiwilliger Disziplin beruhen. Schon 1941 forderte M. vorausschauend eine Verstärkung der deutschen Jagdabwehr und eine höhere Jagdflugzeugproduktion, als der Generalstabschef der Luftwaffe wegen der Erfordernisse des Angriffskrieges im Osten noch nicht daran dachte. Auf dem Fluge von der Ukraine zur Beisetzung des Generalluftzeugmeisters Ernst Udet verunglückte er mit einer von ihm nicht selbst gesteuerten Kuriermaschine wegen Motorschadens bei Breslau-Schöngarten tödlich. M. wurde am 28.11.1941 in einem feierlichen Staatsakt auf dem Invalidenfriedhof in Berlin in der Nähe der Gräber Udets und Manfred v. Richthofens beigesetzt.

    Die in der neuen Dienststellung gewonnenen Einsichten in die Schwächen und Fehler der Luftwaffenführung und Luftrüstung hätten M. zusammen mit der wachsenden Erkenntnis des wahren Charakters des Nationalsozialismus unweigerlich in schwere Gewissenskonflikte gebracht. Dies war dem brit. Geheimdienst bekannt. Wie man erst Jahre nach dem Kriege erfuhr, hatte dieser Anfang 1942 in Deutschland einen angeblichen Brief M.s an einen – nicht existierenden – kath. Propst Johst in Stettin verbreitet, der ein klares Bekenntnis zur kath. Kirche sowie einige defaitistisch erscheinende Äußerungen enthielt. Er wurde für echt gehalten und innerhalb der Bevölkerung weiterverbreitet. Mit dem Brief verbanden sich zahlreiche Gerüchte, wonach M. von der Gestapo in ein Konzentrationslager gesteckt bzw. getötet worden sei. Der brit. Geheimsender beschuldigte den Reichsführer-SS Heinrich Himmler, M., „das leuchtende Vorbild deutscher Männlichkeit feige ermordet zu haben“.

    M. soll sich auch für den mutigen Bischof von Münster, Clemens August Gf. v. Galen, eingesetzt haben, der sich kritisch über die Euthanasie geäußert hatte. Verbürgt ist, daß M. in der kath. Jugendbewegung aktiv war und auch als Soldat praktizierender Katholik blieb. Seine ablehnende Haltung gegenüber der Judenverfolgung und der Kirchenfeindlichkeit des Nationalsozialismus war seiner Umgebung bekannt. Die Bundesmarine taufte 1968 den Lenkwaffenzerstörer D 186, die Bundesluftwaffe 1972 eine Kaserne in Visselhövede und 1973 das Jagdgeschwader 74 in Neuburg/Donau auf den Namen M.s, eines der populärsten deutschen Soldaten des 2. Weltkrieges.

  • Literatur

    F. v. Forell, M. u. seine Männer, 1941;
    ders., M., Mensch u. Flieger, 1951;
    ders., W. M., Die Gesch. d. großen Jagdfliegers, 1982;
    P. R. Skawran, Der Fall M., in: Jägerblatt, 1956, Nr. 6;
    M. u. seine Männer, ebd., 1981, H. 5;
    G. Fraschka, Mit Schwertern u. Brillanten, Leben u. Taten d. 27 höchstdekorierten dt. Soldaten d. II. Weltkrieges, 1961;
    Oberst W. M., d. soldat. Vorbild, in: Information f. d. Truppe, 1965. Nr. 11;
    H. Witetscheck, Der gefälschte u. d. echte Mölders-Brief, in: VfZ 16, 1968, S. 60-65;
    E. Obermaier u. W. Held, Jagdflieger Oberst W. M., 1982 (P);
    Oberst W. M., in: Dt. Soldatenjb. 11, 1963;
    G. Rübell, Kreuze am Himmel – wie auf Erden, Frontleben im Jagdgeschwader Mölders, 1980;
    R. Brauns, W. M., Eine militar- u. religionssoziolog. Studie, Magisterarbeit, Phil. Fak. Univ. Würzburg 1988.

  • Autor/in

    Horst Boog
  • Empfohlene Zitierweise

    Boog, Horst, "Mölders, Werner" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 625-626 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11858300X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA