Lebensdaten
1842 bis 1922
Geburtsort
Karlsruhe
Sterbeort
Baden-Baden
Beruf/Funktion
Maler ; Illustrator
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118561065 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Keller, Ferdinand

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Zitierweise

Keller, Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118561065.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph ( 1877), bad. Baurat u. Hochbau-Ing., baute d. ersten Eisenbahnen in Südbaden, S d. Oberamtmanns Franz Anton in Philippsburg u. d Katharina Kühn;
    M Maria, T d. Kaufm. Ferdinand Delorme in Braunschweig;
    B Franz K.-Leuzinger (1835–90), Prof., Ing., Forschungsreisender, Schriftsteller, Maler, Illustrator (s. ADB 51; ThB);
    - 1) 1870 Mina Fecht, 2) Martha Henriette Wilke.

  • Leben

    Als der Vater von der brasilianischen Regierung 1857 den Auftrag erhielt, Flußregulierungen und Brücken- und Wegebauten auszuführen, durften ihn K. und sein Bruder Franz begleiten. Über 4 Jahre fertigte der begabte Autodidakt in den Urwäldern Brasiliens hunderte von Zeichnungen voller Phantastik, aber auch von präziser sachlicher Beobachtung an. 1862 kehrte K. nach Karlsruhe zurück und begann seine Ausbildung auf der Kunstschule. Unter Karl Schick besuchte er zunächst die Zeichenklasse, wechselte dann zu C. Fr. Schirmer in die Landschaftsklasse über, dann zu Hans Gude und Des Coudres, was keinen großen Gewinn für seine künstlerische Entwicklung brachte, es sei denn eine gewisse Tendenz vom Naturalismus zur idealistischen Auffassung. Als der Wiener Maler Hans Canon 1864 zum zweiten Mal an die Karlsruher Akademie kam, wurde K. sein Schüler; nun erhielt er die maltechnische Grundlage in der Figurenmalerei und die Ausbildung als Kolorist. 1866 folgten Studienreisen in die Schweiz und nach Frankreich. 1867-69 lebte er in Rom, wo er durch Vermittlung Victor von Scheffels die Bekanntschaft Feuerbachs machte, der neben Canon starken Einfluß auf ihn ausübte. K. befreundete sich mit ihm, stand ihm Modell und beteiligte sich an der Vollendung des „Urteil des Paris“, das 1870 auf der Herbstausstellung in Berlin zu sehen war. Damals lernte er auch Nana Risi kennen, die er in einem kleinen Bildnis im verlorenen Profil konterfeite. 1870 berief ihn Großherzog Friedrich I. zum Lehrer der Portrait- und Historienmalerei an die Kunstschule in Karlsruhe, nachdem K. mit seinem Historienbild „Tod Philipps II.“ bereits 1867 auf der Pariser Weltausstellung Anerkennung gefunden hatte. 1873 wurde er zum Professor ernannt und war in den folgenden Jahren auch Direktor der Kunstschule. Über die Grenzen Badens hinaus bekannt wurde K. erst durch den preisgekrönten Entwurf für den Vorhang des Semperschen Hoftheaters in Dresden 1876. Da diese allegorische Darstellung für ein Werk Makarts gehalten wurde, nannte man K. oft den „badischen Makart“.

    K.s Schaffen läßt sich in 3 Perioden einteilen: Zunächst ist die zeichnerische Ausbildungszeit und koloristische Reifung unter Canon zu nennen; die 2. Periode ist von der Kunst Feuerbachs beeinflußt und läßt K. seinen persönlichen Stil finden; schließlich beginnt um 1885/86 eine 3. Periode, die vor allem durch repräsentative Aufträge gekennzeichnet ist. Hauptwerke der 1. Periode sind das große Gemälde „Tod Philipps II. von Spanien“ (1867) und „Der Alchimist“ (1868, Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle), das noch stärker und überzeugender in der Diagonalkomposition, in Zeichnung und Kolorit sowie durch Licht- und Schattenverteilung die rubenshafte Lasurtechnik Canons erkennen läßt. In den 70er Jahren verarbeitete K. Anregungen der barocken Tafelmalerei und der leichten Freskomalerei der Hochrenaissance, die er in Italien und in Galerien kennenlernte, wie auch Impulse der virtuosen Malerei K. Pilotys und Makarts. Aus dieser Zeit stammen sowohl die friesartigen Fresken im Treppenhaus des Karlsruher Sammlungsgebäudes (im letzten Krieg zerstört) als auch der Vorhang des Dresdener Hoftheaters. Wichtigstes Hauptwerk dieser Zeit aber ist das kolossale Gemälde „Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden in der Schlacht von Salankamen“ (3 X 5 m, 1879, Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle). Mit dieser Darstellung des Türkenlouis, nach Beutestücken rekonstruiert, hat sich K. einen hervorragenden Platz unter den Historienmalern gesichert. In dieser gewaltigen Diagonalkomposition, die an Rubens erinnert, schwingt die Theatralik der zeitgenössischen Repräsentationssucht mit.

    Einen deutlichen Stilwandel in der 3. Periode zeigt die Farbgebung. Das bunte und leuchtende Kolorit weicht einer kühleren, in silbergraue und goldgelbe Töne übergehende Palette, zum Beispiel „Der große Kurfürst in der Schlacht bei Fehrbellin“ (1884) und im Wandbild „Die Gründung der Universität Heidelberg“ (1886, Aula der alten Universität). Eher routiniert als künstlerisch ist „Die Apotheose Kaiser Wilhelms I. “(1888, Berlin, Nationalgalerie) gestaltet. Als gefeierter Bildnismaler, vor allem am badischen Hof, gleicht sich K. dem internationalen Salonstil an. Im Ausdruck und Vortrag etwa Fr. A. von Kaulbach verwandt, klingt gelegentlich die malerische Kultur Canons mit ihren warmen Tönen nach. Problematischer ist die Landschaftsdarstellung. Hier ist das Vorbild Böcklins unverkennbar, das sich in der effektvollen Darstellung von „Böcklins Grab“ (1901/02) dokumentiert.

    An K. wird die Problematik der Kunst der deutschen Gründerzeit mit ihren erhöhten Ansprüchen an gesellschaftliche Repräsentation und ihrer Vorliebe für bombastisch sinnbildliche Verherrlichung dynastischer, wirtschaftlicher und kultureller Errungenschaften deutlich. Als Vertreter des „akademischen Prinzips“ genoß er die Gunst des badischen Hofes.

  • Werke

    Weitere W Das klass. Altertum, 1875;
    Die Neuzeit, 1885 (beide Karlsruhe, Sammlungsgebäude);
    Verherrlichung Kaiser Friedrichs III., 1890 (Görlitz, Mus.);
    3 Fresken MA, Neuzeit, Kg. Karl I. v. Württemberg im Krönungsornat, 1894/95, 1895/96, f. d. große Halle d. ehem. Neubaus d. Landesmus. Stuttgart;
    Darst. d. 5 Fakultäten, 1902 (f. d. Aula d. Univ. Freiburg).

  • Literatur

    F. W. Gaertner, F. K., 1912;
    J. A. Behringer, Bad. Malerei im 19. Jh., 1913;
    ders., Bad. Malerei 1770-1920, 1922;
    A. v. Schneider, Bad. Malerei d. 19. Jh., 1968;
    E. Petrasch, F. K.s Türkenlouis-Gem. in d. Karlsruher Kunsthalle, Ms. 1954;
    ThB.

  • Autor/in

    Richard Bellm
  • Empfohlene Zitierweise

    Bellm, Richard, "Keller, Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 434-435 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118561065.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA