Lebensdaten
1732 bis 1808
Geburtsort
Bötzingen am Kaiserstuhl (Baden)
Sterbeort
Karlsruhe
Beruf/Funktion
Forstmann ; Forstrat ; Kammerrat ; badischer Verwaltungsbeamter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117700762 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Enderlin, Joseph Friedrich
  • Enderlin, Josef Friedrich

Quellen(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Enderlin, Joseph Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117700762.html [22.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph, Gutsbesitzer, Vogt zu Bötzingen;
    M Anna Ursula Mono;
    Augusta Dor. Maler ( 1789).

  • Leben

    E. studierte in Jena Botanik, Mathematik, Physik, aber auch Staats- und Kameralwissenschaften. Dieses befähigte ihn, nach Abschluß seines Studiums und zweijähriger praktischer Verwaltung des väterlichen Gutes in Bötzingen von 1756 ab in seinen Stellungen als badischer Forstsekretär, Forst- und Kammerrat (1766) und schließlich Hofrat (1779) auf dem Gebiete des Forstwesens, aber auch des Wasserbaus und der Landwirtschaft viele originelle Vorschläge zu machen und zahlreiche Verbesserungen einzuführen. Da er schon sehr früh die Wechselbeziehungen zwischen Forstwirtschaft und Landwirtschaft erkannt hatte, wollte er einer drohenden Holznot insbesondere durch Umgestaltung und Hebung der Landwirtschaft begegnen, die er dadurch in die Lage zu versetzen hoffte, ohne die damals verheerenden Waldnutzungen, insbesondere die Waldweide, auszukommen. E., welcher auch auf literarischem Gebiet eine vielseitige Tätigkeit entfaltete und als Kameralist der physiokratischen Schule anhing, war der erste vollständig wissenschaftlich ausgebildete badische Forstmann.

    Besondere Bedeutung hatte er für die Entwicklung der forstbotanischen Richtung, die er in Deutschland unter Anlehnung an Duhamel du Monceau zusammen mit J. G. Gleditsch begründete. Besonders zu nennen ist sein Werk über „Die Natur und Eigenschaften des Holzes – seines Bodens nebst seiner Nahrung und Ursachen des Wachstums“ (1767), das neben Fragen der Standorts- und Zuwachslehre vor allem die Anatomie, Morphologie und insbesondere die Physiologie der Holzgewächse behandelte und damit diese naturwissenschaftliche Seite der Forstwirtschaft begründete.

    E., der immer wieder die Notwendigkeit einer Holzvorratsinventur als Grundlage einer nachhaltigen Nutzungsplanung der Waldbestände betonte, war seinen Zeitgenossen weit voraus. Allerdings konnten viele seiner Pläne beim damaligen Stande des Forstwesens noch keine Verwirklichung finden. Außer auf forstlichem, hat sich E. insbesondere auch auf dem Gebiet der Flußverbauung des Rheins und seiner Nebenflüsse, der Durchführung größerer Be- und Entwässerungsprojekte sowie um die Intensivierung der badischen Landwirtschaft große Verdienste erworben.

  • Literatur

    ADB VI;
    M. Seeger, J. F. E. …, in: Allg. Forst- u. Jagdztg. 1932;
    Lay, Kammerrat F., in: Die neue Schule, 1925, H. 5;
    O. Schühle, Die Entwicklung d. Planung in d. bad. Forsteinrichtung, Diss. Freiburg 1938.

  • Autor/in

    Kurt Mantel
  • Empfohlene Zitierweise

    Mantel, Kurt, "Enderlin, Joseph Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 495 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117700762.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Enderlin: Joseph Friedrich E., kurfürstlich badischer Geheimer Hofrath zu Karlsruhe, geb. zu Bötzingen, Oberamts Emmendingen, 25. Januar 1732, woselbst sein Vater ein reicher Gutsbesitzer und badischer Vogt war; zu Karlsruhe 26. Januar 1808. Nachdem derselbe in der lateinischen Schule zu Emmendingen und auf dem Gymnasium zu Karlsruhe die nöthige höhere Schulbildung sich angeeignet, bezog er die Universität Jena und widmete sich dort dem Studium der Mathematik, Physik, der Staats- und Cameralwissenschaft. Von dort in die Heimath zurückgekehrt, hielt er sich zunächst auf den elterlichen Gütern auf, um daselbst seinen Kenntnissen eine nützliche Anwendung zu geben, bereitete sich gleichzeitig für den Acceß an der fürstlichen Rentkammer vor und wurde auch später als wirklicher Rentkammer- und Forstrath in das Collegium der Rentkammer eingereiht. Während seiner Wirksamkeit an dieser Stelle arbeitete er einige Schriften über cameralistische Gegenstände aus, verfaßte mehrere kleine Abhandlungen staatswissenschaftlichen Inhalts, welche in Zeitschriften veröffentlicht wurden. Seine verdienstlichen Bestrebungen waren aber auch auf die Hebung der Culturzustände des badischen Landes gerichtet, man verdankte seiner erfolgreichen Wirksamkeit die Flußregulirung an der verheerenden Wins bei Lörrach, die Austrocknung der zwischen Gottsau und Rippure gelegenen ausgedehnten Sumpf- und Moorgründe, sowie deren Umwandlung in fruchtbares Wiesenland. Aehnliche Meliorationen vollführte er in den heimathlichen Fluren und schuf dort vorzügliche Rebanlagen an die Stelle öder und kahler Hänge. In Anerkennung solcher Verdienste wurde ihm 1778 unter Verstattung der Wohnung auf dem väterlichen Erbgute ein Theil der Forstadministration am Kaiserstuhle, sowie die Inspection über den Flußbau und mehrere Zweige der Landescultur übertragen. Auch in diesem Wirkungskreise als ein sehr thätiger Mann, als erfahrener Landwirth und Forstverständiger geschätzt, erhielt er im J. 1804, wo ihm jener anstrengende Dienst schon beschwerlich fiel, einen Ruf in das Hofrathscollegium zu Karlsruhe und hier war er im Range eines Geheimen Hofrathes noch bis zu seinem Ende nach Kräften bemüht, seine umfassenden Kenntnisse den Interessen der Landescultur dienstbar zu machen. Seine Schriften, die ihm wiederholte ehrenvolle Berufungen eintrugen, sind folgende: „Der unfehlbare Weg Vermögen zu erwerben, oder allgemeine Grundsätze einer vernünftigen Oekonomie", 1766; „Die Natur und Eigenschaften des Holzes und seines Bodens nebst seiner Nahrung und Ursachen des Wachsthums", 1767; „Ueber den Einfluß des Bauernstandes auf den Staat (Beantwortung einer Preisfrage)“, 1773; „Die natürliche Cameralwissenschaft“, 2 Thle., 1774—78 (dem Kaiser Joseph II. zugeeignet); „Grillen über den Straßenbau", 1788; „Allgemeine Grundsätze der Oekonomie“, 2. Aufl.; „Die natürliche praktische Cameralwissenschaft, Staatswirthschaft und Finanzen praktisch beurtheilt“, 1804. Außer diesen in den Buchhandel gelangten Schriften hatte E. vor seiner Versetzung nach Karlsruhe eine Abhandlung über die Beurbarung der öden Sandgegenden auf der oberen Hardt verfaßt, welche er nebst den von ihm dazu entworfenen Plänen seinem Fürsten, dem damaligen Markgrafen Karl Friedrich von Baden, überreichte. Ebenso behandelte er in einer früheren Schrift (um 1774 entworfen) den Einfluß der Murg auf|den Nahrungsstand des Landes und das Interesse des Fürsten hierbei; auch diese Schrift ist nicht veröffentlicht, sondern im Manuscripte aufbewahrt worden.

    • Literatur

      Vgl. Meerwein, Grundstein zu einem Ehrendenkmal für die um Badens Landescultur verdienten Männer. Bernhardt, Gesch. des Waldeigenthums etc., II. S. 144.

  • Autor/in

    Leisewitz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Leisewitz, Carl, "Enderlin, Joseph Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 107-108 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117700762.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA