Lebensdaten
1821 bis 1883
Geburtsort
Clausthal (Harz)
Sterbeort
Halle/Saale
Beruf/Funktion
Montanist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11756768X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Riebeck, Adolf
  • Riebeck, Adolph
  • Riebeck, Adolf
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Zitierweise

Riebeck, Adolph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11756768X.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Bergmannsfam. im Harz;
    V Carl Christian, Steiger u. Markscheidergehilfe in C. u. Harzgerode;
    M N. N.;
    1) Berlin 1847 Marie Renke ( 1873), 2) Halle/Saale 1877 Emilie Balthasar ( 1930);
    3 S aus 1), u. a. Emil (1853–85), Chemiker, unternahm nach Studium d. Naturwiss. in Karlsruhe, Leipzig u. Freiburg 1880-83 e. Forschungsreise nach Syrien, Palästina, Arabien, Indien, China u. Japan, übertrug seine Slgg. d. Kunstgewerbemus., d. Ethnograph. Mus. in Berlin u. d. Mus. Halle, Vf. v. „Die Hügelstämme v. Chittagong“ (s. Henze, Entdecker), Paul (1859–69), stiftete d. Paul-Riebeck-Stift als Altersheim in H., beide gründeten 1888 d. „A. Riebeck'sche Montanwerke AG“, Halle, 6 T aus 1), u. a. Marie (1854–1931, Hermann Credner, 1841–1913, o. Prof. d. Geol. u. Paläontol. in Leipzig, Dir. d. sächs. Geol. Landesanstalt, s. NDB III), 2 S aus 2).

  • Leben

    R. war bereits im Alter von zehn Jahren im Bergbau tätig. Nach der Konfirmation wurde er Bergjunge, bald darauf Lehrhäuer. 18jährig ging er auf Wanderschaft und fand in verschiedenen Bergbauunternehmen Anstellung. Besonders interessierte ihn der Braunkohlebergbau, der vor der Mitte des 19. Jh. noch als randständiger Zweig des Bergbaus galt. Infolge seiner Aktivität in der Revolution 1848/49 mußte R. eine einjährige Haftstrafe in Sonnenburg (Neumark) verbüßen. 1855 war er als Bohrmeister in der „Sächs.-Thüring. Aktiengesellschaft für Braunkohleverwertung“ tätig. Eine leitende Stellung in diesem führenden dt. Unternehmen wurde ihm jedoch aufgrund seiner mangelnden Schulbildung verwehrt.

    R. schied 1858 aus dem Unternehmen aus und wandte sich als Selbständiger der Erschließung bitumenhaltiger Braunkohle zu; die Gewinnung von Teer aus Kohle wurde erst seit 1846 praktiziert. In einer gepachteten Braunkohlegrube in Grosserau bei Weißenfels (Sachsen-Anhalt) führte er das Schwelen (trockene Destillation, bes. bei stark bitumenhaltiger Braunkohle) ein und war damit Urheber des ersten technisch ausgereiften Verfahrens der chemischen Braunkohleverarbeitung. Die Beschaffenheit der „fetten“ Lager im Revier um Halle begünstigte R.s Arbeit. 1859 gründete er in Webau (Sachsen-Anhalt) eine Fabrik, die für die Erzeugung eines Veredlungsprodukts, des Paraffins, vorgesehen war und seit 1865 mit dem Guß von Paraffinkerzen, den preiswerten und in der Folge nach England, Skandinavien, Südamerika und Nordafrika exportierten Nachfolgern der Wachskerzen Berühmtheit erlangte.

    Seit 1866 nahm R. seinen Wohnsitz in Halle und pflegte Beziehungen zu Chemikern der dortigen Universität, so zu dem Mineralölchemiker Karl Engler. Mit dem Aufschwung der Industrieregion Mitteldeutschland in den 1860er Jahren beschäftigte er sich aber auch zunehmend mit der Braunkohle als Rohstoff für die Energiegewinnung. Die ersten Gruben, in der Braunkohle als Brennstoff gefördert wurde, lagen bei Luckenau, wo wiederum durch Schwelen ein Veredlungsprodukt der Kohle, der („Grude-“)Koks erzeugt wurde. Die Gruden, aber auch die von R.s Braunkohlenwerken gelieferten Naßpreßsteine (Briketts) veränderten in den 1880er Jahren den Alltag ebenso einschneidend wie zuvor die Paraffinkerzen.

    1882 stand R. an der Spitze der mitteldt. Braunkohlewerke; er besaß, zusammengefaßt in der „OHG A. Riebeck“, 15 fördernde Gruben, 11 Schwelereien, 7 Ziegeleien, die Mineral- und Paraffinfabriken Webau, Oberreublingen und Reußen. Auch mit seiner Bierbrauerei bei Leipzig trug R. entscheidend zur Industrialisierung der Region bei. Nach 1883 gründeten seine Söhne Emil und Paul die „A. Riebeck'sche Montanwerke AG“, Halle, die sie 1888 an ein Bankenkonsortium verkauften. 1918-25 gehörten die Werke zur „Hugo-Stinnes AG“, 1925 übernahm die BASF bzw. die „I. G. Farben“ die Gesellschaft wieder unter dem Namen des Firmengründers. 1945 wurden die Betriebe teilweise in einem „Volkseigenen Betrieb“, die in Westdeutschland verbliebenen Firmenteile 1954 zur „Parrafin- und Mineralölwerk Messel GmbH“ zusammengefaßt. Die von R. begründeten Unternehmen sind bis zum heutigen Tag bedeutende Arbeitgeber in Mitteldeutschland.

  • Literatur

    Die Groß-Ind. d. Kgr. Sachsen in Wort u. Bild, T. 1, 1892;
    H. Krey, in: Mitteldt. Lb. I, 1926, S. 258-70 (P);
    A. Riebeck'sche Montanwerke, Die Gesch. e. mitteldt. Bergwerksges., 1933;
    W. Serlo, Männer d. Bergbaus, 1937;
    Gedenktage d. mitteldt. Raumes, 1971, S. 98-101 (L, P).

  • Autor/in

    Petra Listewnik
  • Empfohlene Zitierweise

    Listewnik, Petra, "Riebeck, Adolph" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 557-558 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11756768X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA