Lebensdaten
1821 bis 1878
Geburtsort
Brandenburg/Havel
Sterbeort
Außensihl bei Zürich
Beruf/Funktion
Militärschriftsteller ; preußischer und Schweizer Offizier
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11669937X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schwertlieb, Huldreich (Pseudonym)
  • Rüstow, Wilhelm
  • Rustow, Guillaume
  • mehr

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Zitierweise

Rüstow, Friedrich Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11669937X.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Wilhelm (* 1786), preuß. Major d. Landwehr;
    M N. N. v. Buchholz;
    B Alexander (1824–66), Cäsar (1826–66, ⚔), beide preuß. Majore, Mil.schriftst. (s. ADB 30);
    N. N.;
    2 T;
    Gr-N Alexander (s. 2).

  • Leben

    Der 1838/40 zum preuß. Genieoffizier ausgebildete R. geriet schon in seinen ersten publizistischen Arbeiten in Konflikt mit der Staats- und Gesellschaftsordnung des Vormärz. Als Radikaldemokrat und Befürworter eines dt. Nationalstaats setzte er sich während der Revolution 1848 für eine Reichsarmee auf der Basis eines Volksheeres ein, stieß damit aber auf breite Ablehnung im preuß. Offizierkorps. Langwierigen ehren-, dann kriegsgerichtlichen Verfolgungen (1848/50), die im Vorwurf des Hochverrats gipfelten, entzog er sich 1850 durch Flucht in die Schweiz. Seit 1853 diente er hier als Truppen- und Stabsoffizier. 1860 nahm er im ital. Unabhängigkeitskampf am Freischarenzug Garibaldis zur Befreiung Süditaliens teil. Im Herbst 1877 zum Dozenten für Kriegswissenschaften am Zürcher Polytechnikum gewählt, konnte er sich mit seiner Bewerbung um eine entsprechende Professur Anfang 1878 jedoch nicht durchsetzen. Aus Enttäuschung erschoß er sich in seinem Haus bei Zürich.

    Geeinter National- und freier Volksstaat bildeten in seinem Denken eine Einheit. Vehement bekämpfte R., befreundet mit Ferdinand Lassalle und Briefpartner von Karl Marx und Friedrich Engels, Junkertum und Privilegiensystem der preuß. Monarchie als historisch überholten „Klassenstaat“. Für einen republikanischen und demokratischen Nationalstaat eintretend, propagierte R. ein Milizsystem auf der Grundlage der allgemeinen Wehrpflicht und suchte dafür den Nachweis besonderer Kriegstauglichkeit des Volksaufgebots gegenüber den stehenden Heeren aus der Beobachtung der Kriege seiner Zeit zu führen. Das „Volk in Waffen“ hielt er für den besten Schutz einer demokratischen Verfassungsordnung nach innen und außen. Die Grundideen darüber hatte er bereits in seinem mehrfach aufgelegten Frühwerk „Der dt. Militärstaat vor und während der Revolution“ (21851, Nachdr. 1971) vorgetragen. Als Befürworter eines allgemeinen Volksaufgebots gegen die zeitgenössischen stehenden Heere wurde er zu einem Vordenker frühsozialistischer Wehrvorstellungen, wie sie im letzten Drittel des 19. Jh. dann von Friedrich Engels, Wilhelm Liebknecht und August Bebel aufgegriffen und programmatisch umgesetzt wurden.

  • Werke

    Weitere W Der Krieg d. Zukunft, Einige Worte an d. junge Generation, 1848;
    Der Krieg v. 1805 in Dtld. u. Italien, 1853;
    Unterss. über d. Organisation d. Heere, 1855;
    Die preuß. Armee u. d. Junker, 1862;
    Der Krieg v. 1866 in Dtld. u. Italien, 1866;
    Der Krieg um d. Rheingrenze 1870, 2 Bde., 1870/71;
    Die Feldherrenkunst d. neunzehnten Jh., 2 Bde., 1878/79.

  • Literatur

    M. Herwegh, Guillaume Rustow, 1935 (P);
    R. v. Steiger, Der R.-Prozeß 1848-1850, Diss. Bern 1937;
    P. Wiede, W. R. (1821-1878), Ein Mil.schriftst. d. dt. Linken, Diss. München 1958 (W, L);
    K.-J. Müller, Einheit u. Freiheit im Denken W. R.s, in: Jb. d. Inst. d. Dt. Gesch. 3, 1974, S. 119-51;
    HBLS.

  • Autor/in

    Bruno Thoß
  • Empfohlene Zitierweise

    Thoß, Bruno, "Rüstow, Friedrich Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 227-228 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11669937X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA