Lebensdaten
1801 bis 1844
Geburtsort
Vaihingen/Enz
Sterbeort
Zell unter Aichelberg (Schwäbische Alb)
Beruf/Funktion
Nationalökonom ; Agrarwissenschaftler ; Kameralist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 104222891 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Knaus, Karl Christian
  • Knaus, Carl Christian
  • Knaus, Karl
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Zitierweise

Knaus, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104222891.html [16.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gottlieb, Dr. med., Oberamtsarzt, S e. Chirurgen in Grunbach;
    M Caroline Christiane (* 1770), T d. Conrad Christian v. Klein (1740–1815), württ. Leibchirurg u. Prof. d. Anatomie, Chirurgie u. Geburtshilfe an d. Hohen Carls-Schule, u. d. Justina Carol. Sibylla Sigle;
    Om Carl Christian v. Klein (1772–1825), württ. Leibmedikus. Chirurg u. Medizinalrat in St. (s. L); -| 1828 Franziska (1807–63, kath.). T d. Jacob Stabel, bad. Kastenverwalter in Stockach, u. d. Maria Anna Strobel;
    4 S, 3 T.

  • Leben

    K. besuchte das Gymnasium in Stuttgart und war dann 3 Jahre lang bis 1819 in Kameralbeamtung als praktischer Vorbildung tätig. 1819/20 besuchte er die neugegründete landwirtschaftliche Schule zu Hohenheim. In Tübingen studierte er 1820-23 Kameralwissenschaften bei Fulda, Poppe, Krehl und Hundeshagen, trat dort 1822 in eine Burschenschaft ein und bestand die abschließende Fakultätsprüfung wie auch die Dienstprüfung nach einjährigem Referendariat im Finanzministerium in Stuttgart. Weitere praktische Erfahrungen im Kameralwesen und die Begründung einer Karriere erwartete K. von seiner staatlich unterstützten wissenschaftlichen Reise durch Deutschland im Sommer 1824. Doch war inzwischen seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft bekanntgeworden; er wurde nach 7 Monaten Untersuchungshaft 1825 zu 2 Jahren Festungshaft verurteilt. Da er, bedingt durch die Haft, immer öfter krank wurde, konnte er nach einem Gnadenerlaß im Januar 1826 zunächst nur ein widerrufliches Dienstverhältnis als gräflicher Ökonomieverwalter im badischen Stockach eingehen, erhielt jedoch am 1.9.1826 die Stellung eines Ökonomieverwalters der Fürsten von Löwenstein-Wertheim in Wertheim (Baden), zugleich die Verwaltung der fürstlichen Güter in Umpfenbach (Bayern), und wurde 1828 zum Ökonomierat und Mitglied der Domänenkanzlei in Wertheim befördert. 1832 trat er in die fürstliche Domänenkanzlei in Amorbach (Odenwald) ein und führte dort wirtschaftliche Reformen durch, die ihn nun überregional bekannt machten: Verbesserungen im bäuerlichen Güteraustausch und -erwerb und die gütliche Ablösung von Schäfereiberechtigungen. Sowohl Eigentümer von Privatgütern als auch Gemeinden nominierten ihn als Bevollmächtigten zur gütlichen Ablösung von Schäfereiberechtigungen. Die wissenschaftliche Bearbeitung dieses Problems brachte ihm 1839 einen Preis der Versammlung deutscher Landwirte.

    1840 wurde K. ordentlicher Professor der Land- und Forstwirtschaft an der staatswirtschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen, welche ihm nach seiner Antrittsvorlesung „über den hohen Wert einer landwirtschaftlichen Bildung für ein Ackerbau treibendes Volk“ den Titel eines Doktors der Staatswirtschaft zuerkannte. K.s Vorlesungen waren meist von Exkursionen in landwirtschaftliche Betriebe begleitet. Auch seine Tätigkeit in landwirtschaftlichen Vereinen und den Versammlungen „deutscher Land- und Forstwirte“ war von der Praxis bestimmt. Jedoch versuchte er, die privatwirtschaftlichen Probleme der Landwirtschaft als echter Kameralist im staatswirtschaftlichen Rahmen zu lösen. So ließ er nur einen einheitlichen Bauernstand gelten und verfocht die Nivellierung der Interessen von Grundherren und Bauern. Die Wanderversammlung württembergischer Landwirte wurde von ihm angeregt und trat 1843 in Schwäbisch Hall zum ersten Mal zusammen. K. war Mitbegründer der Zeitschrift für die gesamten Staatswissenschaften in Tübingen und Mitarbeiter zahlreicher anderer staatswirtschaftlicher Zeitschriften in ganz Europa.

  • Werke

    u. a. Der Flurzwang in s. Folgen u. Wirkungen, in: Cotta'sche dt. Vj.schr., H. 2, 1843 (mit Karten vermehrt selbst ersch. 1843).

  • Literatur

    ADB 16;
    R. Heß, Lb. hervorragender Forstmänner, 1882, S. 186 (W, L). - Zu Om Carl Ch. v. Klein: ADB 16;
    R. Toellner, C. Ch. v. K., 1965 (W, L, P).

  • Autor/in

    Erhard Dittrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Dittrich, Erhard, "Knaus, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 164-165 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104222891.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Knaus: Carl Christian K., Cameralist, geb. am 7. Februar 1801 zu Vaihingen an der Enz, wo sein Vater württembergischer Amtsphysikus war,| am 2. September 1844 als Professor der Land- und Forstwirthschaft zu Tübingen. Seine erste Jugend verlebte er im Hause seiner frühzeitig verwittweten Mutter in Stuttgart, besuchte hier das Gymnasium und brachte drei Jahre zu seiner praktischen Vorbildung für das Cameralfach in einer Cameralbeamtung zu. 1819 bezog er die neugegründete landwirthschaftliche Anstalt zu Hohenheim, wo er insbesondere unter Leitung von Schwerz sich während dreier Semester landwirthschaftlichen Studien widmete. Im Herbst 1820 bezog er die Universität Tübingen, wo damals Fulda, Poppe, Krehl und Hundeshagen lehrten und trat nach absolvirtem Facultätsstudium 1823 als Referendar bei dem Finanzministerium in Stuttgart ein. Wahrend er im folgenden Jahre auf einer wissenschaftlichen Studienreise in Schlesien verweilte, wurde er zurückberufen, um sich über seine Theilnahme an den burschenschaftlichen Vereinigungen während seiner Universitätszeit zu verantworten. Bei der außerordentlichen Strenge, mit der dieselben damals verfolgt wurden, gelang es ihm, obgleich er sich keiner schuldbaren Handlung außer der Theilnahme an der geheimen politischen Studentenverbindung selbst bewußt war, nicht, die schweren Folgen von sich abzuwenden, welchen auch seine Genossen unterlagen: er ward 7 Monate in Untersuchungshaft gehalten, dann noch weiter zu 2 Jahren Festungsstrafe auf Hohenasperg verurtheilt; ein Gnadenact setzte ihn doch wenigstens schon im Januar 1826 in Freiheit; doch mußte er erst noch eine schwere Krankheit als Folge der Gefangenschaft überstehen, bevor er an die Wiederaufnahme seines gestörten Lebensplanes denken konnte. Von seinen ehemaligen Lehrern an der Hohenheimer Anstalt bestens empfohlen, fand K. zunächst auf der gräflich Welsperg'schen Herrschaft Langenstein, dann auf den fürstlich Löwenstein-Werthheim'schen Gütern zu Werthheim und Umpfenbach eine Stelle als Oekonomieverwalter. Im Herbste 1831 berief ihn der Fürst zu Leiningen als Domänenrath in seine Domänenkanzlei zu Amorbach (Unterfranken). Erst hier fand K. Gelegenheit zu erfolgreicher Bethätigung seiner vielseitigen, durch sorgfältiges Studium und reife Ueberlegung hervorragenden organisatorischen Talente und staatswirthschaftlichen Ansichten. Besonders wirkte er durch zweckmäßige Arrondirungen und Ablösung von Schäfereiberechtigungen günstig für die Ordnung des Domanialbetriebs. Kleine Schriften „Ueber die Ausbildung landwirthschaftlicher Beamten", 1838, „Ueber die Mittel, um die Waldstreu für die Landwirthschaft möglichst entbehrlich zu machen", 1839, „Ueber die Benutzung und Verwaltung größerer Güter“, 1839, sowie seine Preisschrift „Ueber Schafweide-Ablösungen und deren Einfluß auf die Cultur des bisher weidebelasteten Grundeigenthums“, 1840, zeugen gleichmäßig von seinen reichen praktischen Erfahrungen wie von seiner staatswirthschaftlichen Auffassung privatwirthschaftlicher Fragen. Eben diese Richtung der Thätigkeit wie der Schriften von K. war es auch, welche die Aufmerksamkeit der staatswirthschaftlichen Facultät an der Universität Tübingen auf ihn lenkte; 1840 wurde er als ordentlicher Professor der Land- und Forstwirthschaft dahin berufen und eröffnete seine Lehrthätigkeit mit einer Rede „Ueber den hohen Werth einer landwirthschaftlichen Bildung für ein ackerbautreibendes Volk.“ Mit eisernem Fleiße und einer oft übermäßigen Anstrengung arbeitete er sich nun in seinen neuen Beruf ein; sein lebendiges Wesen und fein dem öffentlichen Wohle mit Begeisterung zugethanes Streben führten ihn von einer Aufgabe zur anderen; auf dem Katheder, in Vereinen und Versammlungen, als Schriftsteller wie als Berather in praktischen Fragen erschöpfte er frühzeitig seine ohnehin sehr geschwächte Gesundheit. Er war Mitarbeiter an den in Prag erscheinenden „Oekonomischen Neuigkeiten“ von André, an der landwirthschaftlichen Litteraturzeitung des Staatsraths Fischer zu Birkenfeld; für die Cotta'sche Vierteljahrsschrift lieferte er Abhandlungen „Ansichten und Vorschläge über den Betrieb und Geschäftsgang der jährlichen Versammlung deutscher Landwirthe" (1841); „Ueber tüchtige Fortbildung des Bauernstandes" (1841); „Ueber die Organisation und Wirksamkeit landwirthschaftlicher Vereine" (1843); „Der Flurzwang in seinen Folgen und Wirkungen" (1843). Besonders mit dieser letzteren Schrift, welche in vermehrter Auflage auch selbständig erschien, begründete er dauernd seinen Ruf als ebenso praktisch wie tief blickender Nationalökonom und hat nachhaltig auf die Anschauungen seiner Zeit eingewirkt. In der Zeitschrift für die gesammten Staatswissenschaften, welche er als Mitglied der Tübinger Facultät mit begründen half, legte er noch seine Ansichten „Ueber den Werth eines Zeitpächterstandes“ und über „Die politische Gemeinde als Grundeigenthümerin“ nieder (1844). Kurz vorher war es ihm noch vergönnt eine Lieblingsidee zu verwirklichen; die von ihm angeregte Wanderversammlung württembergischer Landwirthe, ein Nachbild der großen deutschen Versammlung, trat 1843 zum ersten Mal zusammen; über ihre Versammlung in Schwäbisch-Hall erschien erst nach seinem Tode in André's ökonomischen Neuigkeiten ein Bericht aus seiner Feder. Unerwartet überfiel ihn eine Ruhrkrankheit und machte seinem thätigen Leben im 44. Jahre ein Ende. Mit Recht hat ihm schon Roscher seine Stelle in der Litteratur unter den Agrarpolitikern historischer Richtung angewiesen: doch kam diese weniger in der Anwendung der historischen Methode, als in einer ächt historischen Auffassung der staatswirthschaftlichen Probleme, in einer gerechten Würdigung des Werthes der bestehenden Verhältnisse zum Ausdrucke; nichts destoweniger ist das Streben nach zweckmäßigen Reformen und durchgreifenden Fortschritten bei K. auf das Entschiedenste ausgeprägt; den Bauernstand wollte er besonders durch vermehrte Bildung wohlhabend erhalten; die Vereinigung der noch vielfach gegensätzlichen Interessen des Grundherrn- und des Bauernstandes war ein ebenso dem Geiste des Fortschritts wie den innersten Bedürfnissen der landwirthschaftlichen Bevölkerung entsprechendes Programm, das auch in unserer Zeit erneuter socialer Bewegungen noch seine volle Bedeutung hat.

    • Literatur

      Biographie von Schüz in der Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft, 1. Bd. 1844.

  • Autor/in

    Inama.
  • Empfohlene Zitierweise

    Inama von Sternegg, Theodor, "Knaus, Karl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 270-272 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104222891.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA