Lebensdaten
1866 bis 1925
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Münster (Westfalen)
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 189542330 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meister, Aloys
  • Meister, A.

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Zitierweise

Meister, Aloys, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd189542330.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg, Postdir.;
    M Anna Staudt;
    Münster 1901 Paula (* 1880), T d. Emil Tilmann (1838–1917), Bergrat u. Stadtrat in Dortmund, u. d. Henriette Herbertz;
    3 S, 6 T, u. a. Hatwig (1906–97, ⚭ Karl Peters, 1904–98, Prof. f. Strafrecht in M. u. Tübingen).

  • Leben

    Nach dem Abitur nahm M. 1885 das Theologiestudium in Münster auf. 1886 wechselte er an die neugegründete Reichsuniv. Straßburg und wandte sich dem Studium der Geschichte zu, vor allem bei P. Scheffer-Boichorst. 1890 wurde er mit der Arbeit „Die Hohenstaufen im Elsaß, 1079-1255“ promoviert. Anschließend in München, beschäftigte M. sich vor allem mit den historischen Hilfswissenschaften. Durch Vermittlung von H. Grauert erhielt er 1890 ein zweijähriges Stipendium für einen Forschungsaufenthalt in Rom. 1894 habilitierte er sich mit einer Arbeit über das Schisma im Straßburger Domkapitel 1583–92. Seit Ende 1894 Privatdozent in Bonn, wurde M. auf Vorschlag H. Finkes 1899 als dessen Nachfolger zum ao. Professor in Münster. 1903 zum persönlichen Ordinarius und 1908 zum o. Professor ernannt.

    Während seines röm. Aufenthaltes begann M., sich in die Geschichte der päpstlichen Nuntiaturen, die Geschichte des Straßburger Kapitelstreites und die ital. Kryptographie einzuarbeiten. Seine Darstellung des Straßburger Kapitelstreites (1899) ist bis heute maßgeblich geblieben. Mit seinem Werk „Die Geheimschrift im Dienste der päpstlichen Kurie“ (1906) lieferte er ein äußerst nützliches Hilfsmittel für alle Editoren chiffrierter Depeschen der Kurie. In der Folgezeit wandte er sich mehr und mehr landes- und wirtschaftsgeschichtlichen Arbeiten zu. In Bonn gehörte M. zu dem Kreis um den Rechtshistoriker H. Hüffer, der eine enge Verbindung von Landesgeschichte und Universität anstrebte. In Münster arbeitete er in den dortigen Geschichtsvereinen und vor allem in der Historischen Kommission für die Provinz Westfalen mit. Mit feinem Gespür für die neuen Aufgaben der Geschichtswissenschaft in der Zeit des modernen Industriekapitalismus, der deutschen Bestrebungen nach weltweiter Wirtschaftsexpansion, aber auch der zunehmenden sozialen Spannungen begann M., sich intensiv mit Industriegeschichte als einem wesentlichen Zweig der Entwicklung der materiellexn Kultur zu befassen. Um den Studierenden die Orientierung auf dem sich damals stark bewegenden Forschungsfeld der Verfassungs- und Rechtsgeschichte zu erleichtern, brachte er 1907 eine knappe „Deutsche Verfassungsgeschichte von den Anfängen bis ins 15. Jh.“ (31922) heraus. Dem Mangel an wissenschaftlichen Handbüchern für das Geschichtsstudium suchte M. durch einen „Grundriß der Geschichtswissenschaft“ abzuhelfen, der seit 1906 erschien. Er gewann für die einzelnen Hefte namhafte Spezialisten, die knapp und übersichtlich je einen Zweig der historischen Wissenschaften behandelten. Noch direkter kam M.s hochschuldidaktisches Anliegen in den „Richtlinien für das Studium der Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit“ (1916) zum Ausdruck, deren Erscheinen lebhaft begrüßt wurde. Auch mit Fragen des Geschichtsunterrichts in der Schule und seines Zusammenhangs mit dem Universitätsstudium hat er sich in den Jahren vor und nach dem Ersten Weltkrieg befaßt. Ein weiteres, damals noch wenig bebautes Feld wissenschaftlicher Tätigkeit war für M. die Publizistik. Diese müsse, zumal sie während des 1. Weltkrieges den nationalen Interessen nicht hinreichend gedient habe, reformiert werden (Die deutsche Presse im Kriege und später, 1916). In der Kriegszieldiskussion schlug M. sich auf die Seite der Annexionisten (Unser belg. Kriegsziel, 1917).

    Entgegen dem vorherrschenden Wissenschaftspositivismus gehörte M. zu jenen wenigen Historikern, die sich um grundsätzliche Klarheit in den Prinzipienfragen ihrer Wissenschaft bemühten und sich so über die angeblich „voraussetzungslos“ ihre Arbeit beginnenden Historiker erhoben, ohne je den festen Boden historisch-kritischer Erforschung der Tatsachen unter den Füßen zu verlieren. In diesem Bemühen wurde er auch durch den Wunsch bestärkt, der Geschichtsforschung deutscher Katholiken die gleichberechtigte Anerkennung neben der lange überlegenen prot. Geschichtsforschung zu verschaffen. M. war jedoch in erster Linie Anreger und Organisator.

  • Werke

    Weitere W u. a. Der Straßburger Kapitelstreit 1583–92, Ein Btr. z. Gesch. d. Gegenref., 1899;
    Grundzüge d. hist. Methode, 1906, 31923;
    Der neue Gesch.unterricht, 1920 (mit A. Behler u. a.). – Hrsg.: Die Fragmente d. Libri VIII Miraculorum d. Cäsarius v. Heisterbach, 1901;
    Grundriß d. Gesch.wiss. z. Einführung in d. Studium d. dt. Gesch. d. MA u. d. Neuzeit, 1906 ff., 31922 ff. (14 Bde.);
    Ausgew. Qu. u. Tabellen z. Wirtsch.gesch. d. Gfsch. Mark, 1909;
    B. Gebhardt, Hdb. d. dt. Gesch., 61922 f.

  • Literatur

    B. Mütter, in: Westfäl. Zs. 121, 1971, S. 173-247 (W-Verz.).

  • Autor/in

    Bernd Mütter, Robert Meyer
  • Empfohlene Zitierweise

    Mütter, Bernd; Meyer, Robert, "Meister, Aloys" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 723 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd189542330.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA