Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Berner Familie
Konfession
-
Normdaten
GND: 13979431X | OGND | VIAF: 102640538
Namensvarianten
  • Scharnachtal von

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Zitierweise

Scharnachtal von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13979431X.html [06.07.2022].

CC0

  • Biographische Darstellung

    Der Name derer v. S. leitet sich von dem gleichnamigen Dorf am Eingang ins Kiental im Berner Oberland ab. Seine Träger waren ursprünglich Ministeriale der Freiherren von Wädiswil. Teile eines Stammbaums lassen sich erst seit dem 14. Jh. rekonstruieren, zuvor sind einzelne Vertreter als Ritter belegt. Das Geschlecht war im Berner Oberland begütert, so auch Burkart, der um 1300/01 für sich und seine Nachkommen das Berner Bürgerrecht erwarb. Niklaus (I.) ( 1413/14), Sohn Konrads (I.) ( um 1391), heiratete 1395 Antonio v. Seftigen, was ihn zu einem Erben einer der reichsten Berner Familien des 14. Jh. machte. Zu seinen ausgedehnten Erwerbungen zählte u. a. die Twingherrschaft Oberhofen (1398).

    Niklaus' Söhne begründeten zwei Linien: Heinzmann ( 1470) die ältere, Franz ( 1439) die jüngere. Heinzmanns kinderlos gebliebener Sohn Konrad (II.) ( 1472) ist v. a. durch seine ebenso weitreichenden wie sorgfältig dokumentierten Reisen (vier oder fünf) bekannt geworden, die ihn zwischen 1433 und 1459 ins Hl. Land, daneben auch nach Spanien, Schottland, Irland, Ungarn oder Slowenien führten. Anders als seine Verwandten scheint sich der am savoy. Hof aufgewachsene Konrad den Diensten seiner Heimatstadt willentlich entzogen zu haben, um dafür die Adelsreise als standesgemäßen Lebensstil zu pflegen. Konrads jüngerer Bruder Wilhelm ( 1466) war nacheinander bern. Vogt zu Bipp (1455–57), Bechburg (1458–60) und Aarburg (1463). Sein steuerpflichtiges Vermögen belief sich indes nur auf einen Bruchteil dessen, was die Mitglieder der jüngeren Linie versteuerten. Mit seinem 1488 als Schultheiß von Büren letztmals bezeugten Sohn Hans Wilhelm, der im Ruf eines Verschwenders stand, erlosch die ältere Linie.

    Franz, Begründer der politisch ungleich bedeutenderen jüngeren Linie, war 1423-26 Schultheiß zu Thun, 1427 Kleinrat und diente seiner Stadt als Tagsatzungsgesandter. Sein älterer Sohn Kaspar (1416–73) zählte 1448 zu den vermögendsten Bernern. Wie sein Vater war er Kleinrat (1447–48) und Schultheiß zu Thun (1450–54). 1455 wurde er eidgenöss. Vogt von Baden; im selben Jahr erwarb er die einträgliche Herrschaft Brandis im Emmental. In der Folge scheint er sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen zu haben. Erst 1468 kehrte er ins Tagesgeschehen zurück: Ende Juni befehligte er die bern. Reiterei auf dem Zug in den Sundgau, an dem auch sein Bruder Niklaus in führender Stellung teilnahm; im folgenden Monat zog er mit einem Berner Kontingent vor Waldshut, dessen Belagerung zum Unwillen der bern. Führung von den übrigen eidgenöss. Orten im August abgebrochen wurde. Kaspar starb ohne männlichen Erben; die Linie wurde durch seinen jüngeren Bruder Niklaus (II.) (1419-89) fortgesetzt. Ähnlich begütert wie sein Bruder Kaspar, stand er lange im Mittelpunkt bern. Politik, nicht zuletzt anläßlich wiederholter diplomatischer Missionen, bei denen ihm sein – vermuteter – Jugendaufenthalt am franz., vielleicht auch burgund. Hof zugute gekommen sein dürfte. Niklaus nahm 1451 im Kleinen Rat Einsitz und bekleidete, wie bereits sein Vater und Bruder, das Amt des Schultheißen zu Thun (1458–59). 1463 wurde er als erster Vertreter seines Geschlechts zum Berner Schultheißen gewählt, die höchste Würde des Stadtstaates, die er bis 1476 insgesamt fünfmal innehatte. Als militärischer Führer befehligte er bern. Kontingente im Sundgau und vor Waldshut (1468) sowie in den Burgunderkriegen, wo er zu den Siegern von Héricourt (1474), Grandson und Murten (1476) zählte.

    Während Niklaus' unehelicher Sohn Jakob, der als erster seiner Familie eine Universität besuchte (1497 Baccalaureus artium in Tübingen), als Geistlicher versorgt wurde (zuletzt 1514 Chorherr in Zofingen), trat sein legitimer Halbbruder Hans Rudolf ( 1512) in die väterlichen Fußstapfen: Nachdem er bis 1486/87 am franz. Hof als Page geweilt hatte, kehrte er nach Bern zurück und trat 1488 in den Kleinen Rat ein. Er diente oft als Gesandter und befehligte verschiedentlich bern. Kontingente, so auch 1499 bei den Auszügen|in den Hegau und den Klettgau im sog. Schwabenkrieg. Vor seiner Wahl zum Berner Schultheiß unternahm er 1506/07 eine Ritter- und Pilgerfahrt ins Hl. Land. 1507-10 sowie 1512 war er Schultheiß. Die mit hohen Kosten verbundenen Pflichten im Dienst der Stadt zehrten am Familienvermögen, so daß sich Hans Rudolf nach alternativen Einkommensquellen (Bergbau u. Handel) umsehen mußte, die jedoch nur neue Mittel verschlangen; er starb tief verschuldet. Sein Sohn Hans Beat ( 1541), im Winter 1512/13 in Basel immatrikuliert und 1514 der Prinzessin von Orange zu Hofdiensten empfohlen, sah sich gezwungen, Teile der ererbten Herrschaften zu verpfänden bzw. zu veräußern. Sein Sohn Niklaus (III.) starb 1590 nach seinen Söhnen als letzter männlicher Vertreter des Geschlechts.

    Die auf dem Land begüterten S. gehörten im 15. Jh. zur städtischen Führungsschicht. Wie andere Adelige gerieten sie vor dem Hintergrund städtischer Territorialisierungsbestrebungen in Konflikt mit handwerklich dominierten Teilen der Bürgerschaft, als diese den Einfluß der Stadt ausdehnen wollten. Während des Twingherrenstreites 1469-71 wurden daher Konrad (II.), Hans Wilhelm, Kaspar und Niklaus (II.) verurteilt, was der Familie aber keinen größeren Schaden zufügte.

  • Literatur

    K. L. v. Sinner, Versuch e. diplomut. Gesch. d. Edlen v. S., 1823 (Sonderdr. aus: Der Schweizer. Gesch.forscher 3, 1820);
    R. Feller, Gesch. Berns, I: Von d. Anfängen bis 1516, 1946, ⁴1974;
    U. M. Zahnd, Die Bildungsverhältnisse in d. bern. Ratsgeschlechtern im ausgehenden MA, 1979;
    F. de Capitani, Adel, Bürger u. Zünfte im Bern d. 15. Jh., 1982;
    R. Gerber, Gott ist Burger zu Bern, Eine spätma. Stadtges. zw. Herrschaftsbildung u. soz. Ausgleich, 2001;
    Slg. Bern. Biogrr (SBB) I, 1884, S. 50-54 (Niklaus II.), 154-56 (Konrad II.), 157-60 (Kaspar), 161-66 (Hans Rudolf);
    HBLS;
    zu Konrad (II.):
    W. Paravicini, Seigneur par l'itinérance?, Le cas du patricien bernois C. de S., in: L'itinérance des seigneurs (XIVe-XVIe siècles), Actes du colloque internat. de Lausanne et Romainmôtier, 29 nov. – 1er déc. 2001, hg. v. A. Paravicini Bagliani, E. Pibiri u. D. Reynard, 2003, S. 27-71;
    zu Hans Rudolf:
    K. Streun, Das Testament d. H. R. v. S. 1506, in: Berner Zs. f. Gesch. u. Heimatkunde 55, H. 3, 1993, S. 157-201.

  • Autor/in

    Georg Modestin
  • Zitierweise

    Modestin, Georg, "Scharnachtal von" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 572-573 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13979431X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA