Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Fabrikanten in Riga
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139789480 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mündel

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Zitierweise

Mündel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139789480.html [16.11.2019].

CC0

  • Leben

    Die Familie gehörte seit dem Beginn der Industrialisierung in der ersten Hälfte des|19. Jh. über drei Generationen – bis zur Umsiedlung der Deutschbalten 1939 – zu den führenden Fabrikbesitzern in Riga. Gründer der drei im Familienbesitz befindlichen Fabriken war Johann Wilhelm (1820–87), Sohn des Tischlermeisters Johann Christoph aus dem kurländ. Bauske. In Riga, das seit der Mitte des Jahrhunderts die erste Stelle in der Zigarrenfabrikation Rußlands einnahm, gründeten er und August Klau 1849 mit bescheidenen Mitteln die Fabrik „Mündel & Klau“ zur Herstellung von Zigarren und Pfeifentabak. Nach zwei Jahren führte Johann Wilhelm die Firma unter der Bezeichnung „Mündel & Co.“ allein weiter und baute sie in der Folgezeit kontinuierlich aus. 1864 waren in der Fabrik 252 Arbeiter beschäftigt, 1872 bereits 318. Eine weitere Expansion erfolgte seit 1888 durch die Produktion von Papyros und türk. Rauchtabaken. Den geschäftlichen Höhepunkt erreichte das Unternehmen vordem 1. Weltkrieg mit ca. 500 (fast ausschließlich weiblichen) Beschäftigten. – 1864 gründete Johann Wilhelm, seit 1867 Ältester der Großen Gilde, mit der Firma „J. W. Mündel“ die erste Rigaer Fabrik zur Herstellung von Gummiwaren, die sich ebenfalls zu einem bedeutenden Unternehmen entwickelte. Hauptprodukt neben Erzeugnissen für technischen Bedarf waren Gummigaloschen, der wichtigste Ausfuhrartikel der Rigaschen Gummiindustrie. Im 1. Weltkrieg wurde die Gummiwarenfabrik nach Moskau evakuiert und anschließend liquidiert. Eine dritte Gründung, die Rigaer Eisenindustrie „Mündel & Co.“, bestand nur 1878-96.

    Seine beiden Söhne August (1851–1919) und Carl (1853–1926), ebenfalls Älteste der Großen Gilde, wurden Mitbesitzer und Erben der Fabriken. August leitete die Gummiwarenfabrik, Carl die Tabakfabrik. Carl war ehrenamtlich in kirchlichen und sozialen Einrichtungen tätig, außerdem Mitglied des Direktoriums der Gegenseitigen Feuer-Versicherungsgesellschaft. Sein Sohn Erich (1882–1954) trat nach dem Studium in Riga und Karlsruhe als Chemiker in die Familienunternehmen ein. 1908-15 war er Direktor und technischer Leiter der Gummiwarenfabrik, 1920-39 Leiter der 1927 in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Tabakfabrik. 1925 wurde er Direktor-Kandidat und 1932 Vorstandsmitglied der Kreditgenossenschaft beim Verein „Große Gilde“. Eine führende Rolle spielte er in der Selbstverwaltung der deutschen Minderheit in Lettland nach dem 1. Weltkrieg, insbesondere in der politischen und kulturellen Spitzenvertretung der Deutsch-Baltischen Volksgemeinschaft. Obwohl er während seiner Präsidentschaft 1935-38 um einen friedlichen Ausgleich mit der nationalsozialistischen Bewegung, die der Volksgemeinschaft die Führungsrolle streitig machte, bemüht war, sah er sich schließlich zum Rücktritt veranlaßt. Nach dem 2. Weltkrieg betätigte er sich ehrenamtlich in der Deutschbaltischen Landsmannschaft. Seine Schwester Margarethe (1884–1965) war über viele Jahre in verantwortlichen Positionen auf dem sozialen Sektor der deutschen Volksgruppenarbeit in Lettland tätig.

  • Literatur

    Btr. z. Gesch. d. Industrie Rigas, hrsg. v. Techn. Ver. zu Riga, 2, 1911;
    Dt.balt. Biogr. Lex. (zu Johann Wilhelm, Erich u. Margarethe).

  • Autor/in

    Wilhelm Lenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Lenz, Wilhelm, "Mündel" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 527 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139789480.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA