Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Kartographen ; Verleger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13900291X | OGND | VIAF: 95603041
Namensvarianten
  • Ravenstein

Verknüpfungen

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Zitierweise

Ravenstein, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13900291X.html [06.08.2020].

CC0

  • Leben

    Die Familie übersiedelte von Thüringen nach Frankfurt/M. Der Beamtensohn Friedrich August (1809–81, s. Nassau. Biogr.) begann 1825 eine Lehre bei der Jügel'schen Buch- und Kunsthandlung. Daneben nahm er Privatunterricht in Sprachen, Mathematik und Zeichnen. 1827 erschien als seine erste topographische Arbeit ein Panorama des Rheinlaufs von Mainz bis Köln. Bis 1851 durch eine Stelle als Kanzlist bei der Thurn und Taxis'schen Postdirektion abgesichert, gründete er 1830 das „Geographische Institut von August Ravenstein“. Die Produktion umfaßte Karten des Frankfurter Raumes, Relief- und erste Reisekarten. Erstes Großprojekt war die unvollendet gebliebene (9 von 12 Bll. ersch.) „Höhenschichten-Karte von Central-Europa“ (1858/59) im Maßstab 1:500 000 von August Papen mit Darstellung der Höhenstufen in genormter, kontrastreicher Farbskala. Als engagierter Bürger Frankfurts war August Mitbegründer des ersten Turnvereins (1833), des Geograph. Vereins (1836), der Volksbibliothek (1843), des Bauvereins (1850) und des Taunusklubs (1860). Sein „Volksturnbuch“ (1863) erlebte zahlreiche Auflagen.

    Von den drei Söhnen Augusts ging Ernst Georg (1834–1913, s. BJ 13, Tl.) 1852 nach London, wo er als Kartograph und Geograph Karriere machte (Dr. h. c.); er war beteiligt an der Organisation der geographisch-wissenschaftlichen Erforschung Afrikas. Simon (1844–1932) war Architekt in Frankfurt. Die Leitung des Kartenverlags übernahm 1866 der mittlere Sohn Ludwig (1838–1915). Selbst begeisterter Bergsteiger, schuf er zusammen mit dem dt. und österr. Alpenverein die sehr erfolgreiche „Karte der Ostalpen“ im Maßstab 1:250 000 (9 Bll., seit 1880, Nachfolgekarten bis heute).

    Entscheidende Weichenstellungen erlebte der Verlag seit 1896 unter der Leitung von Ludwigs Sohn Anton Simon Hans (1866–1934, s. Rhdb.; Wenzel). Dieser erwarb 1896 die Rechte an der Mitteleuropakarte (1:300 000, 164 Bll.) von Wilhelm Liebenow. Auf ihrer Grundlage erschienen seit 1900 zahlreiche Rad- und Autokarten in Verbindung mit dem Dt. Radfahrerbund und dem ADAC, dessen Mitbegründer Hans 1904 war. Hohe Auflagen erlebte auch die Folge „Ravenstein's Dt. Kriegskarten“ (1914-18).

    1925 trat Simons Sohn Ernst (1891–1953, s. Rhdb.; Wenzel), Dipl.-Ing., in die Geschäftsleitung ein, gleichzeitig wurde der Verlag in eine AG umgewandelt. Er vergrößerte das|Angebot an Auto-, Rad- und Wanderkarten und brachte 1930 den ersten dt. Autoatlas heraus. Die Wirtschaftskrise überwand er durch Kooperation mit marktverwandten Firmen (Hapag-Weltkarte, Dunlop-Autoatlas, Leuna-Zapfstellenatlas). Nach Dienstverpflichtung für das Oberkommando der Wehrmacht und Ausbombung 1943 begann 1948 der weitere Aufstieg zu einem führenden dt. Hersteller von Reise-, Büro- und Organisationskarten. Die Geschäftsführung übernahm 1955 Ernsts Tochter Helga (1919–95). Teilhaber 1961-67 war Klaus Völger (1926–83), Inhaber des Luftbilddienstes „Aero Exploration“ (1952-67) und Pionier der Fernerkundung in Deutschland. Durch die Konzeption als schnellebiges Verbrauchsmedium sehr innovativ war der seit 1962 erschienene, jährlich aktualisierte „Straßen“-Autoatlas. Seit 1984 war der Firmensitz in Bad Soden (Taunus). Helga erwarb sich auch große Verdienste durch ihr berufsständisches Engagement, 1991 stiftete sie den „Ravenstein-Förderpreis“ für den kartographischen Nachwuchs. 2001 wurde das Haus Ravenstein mit der Haupka-GmbH verschmolzen.

  • Literatur

    ADB 30;
    A. Zundel, Denkschr. z. hundertj. Bestehen d. Geograph. Verlagsanstalt u. Druckerei Ludwig Ravenstein, 1930;
    Chronik d. Verlagshauses Ravenstein, 1980 (P);
    U. Freitag, in: Kartograph. Nachrr. 54, 1995, S. 112 f.;
    Frankfurter Biogr. (P).

  • Autor/in

    Peter H. Meurer
  • Empfohlene Zitierweise

    Meurer, Peter H., "Ravenstein" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 221-222 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13900291X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA