Lebensdaten
1771 – 1855
Geburtsort
Hundsthurm bei Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Seidenfabrikant ; Unternehmer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138327807 | OGND | VIAF: 89883988
Namensvarianten
  • Mestrozi, Paul

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Zitierweise

Mestrozi, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138327807.html [20.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Josef (1742–90), Seidenweber, seit 1765 in W.;
    M Catharina N. N.;
    B Vitalis (1774–1823), Seidenzeugfabr.;
    Elisabeth Schlechta;
    3 S, 2 T, u. a. Ludmilla ( Ludwig Damböck, 1798–1850, Spitzenfabr. in W., s. ÖBL);
    E Paul (1851–1928), Musiker, Komp., Theaterfachmann (s. ÖBL; Kosch, Theater-Lex.).

  • Biographie

    Vom Vater in der Seidenzeugherstellung unterwiesen und in der privaten Manufakturzeichenschule F. Grabners ausgebildet, erwarb sich M. den Ruf, besonders schwierige Webmuster ausführen zu können, was ihn vor einer Rekrutierung für die Armee bewahrte. Nach dem Tod des Vaters verlegten M. und sein Bruder Vitalis die bescheidene Seidenzeugherstellung wiederholt; 1798 bekamen sie auf dem Schottenfeld bei Wien, dem „Brillantengrund“, die Fabriksbefugnis. 1803 unterhielten sie schon rund 200 Arbeitsplätze. Den steilen Aufstieg des Unternehmens ermöglichten das künstlerische Talent M.s, das ihn begehrte Muster entwerfen ließ, Marktstrategien, nach denen in den Wirren der Franzosenkriege auf Vorrat gearbeitet und später auf Grund des Nachholbedarfes mit beachtlichem Gewinn verkauft werden konnte, sowie Werbereisen von M.s Bruder bis nach Bayern und Italien, die auch den Direktbezug von Seide ermöglichten. Wichtige technische Verbesserungen, die M. einführte, waren die Verwendung von Platinnadeln zur Herstellung weißer Samte, der Bau einer „Dessein-Maschine“ zur Ausführung detailreicher Muster (1815–17) und die Entwicklung einer Chinierungsmethode zur Produktion „geflammter“ Stoffe und ganzer Gemälde (1818). Auf dem heimischen Markt wurden die Produkte der Fabrik sogar vergleichbaren franz. Stoffen vorgezogen, Angehörige des kaiserl. Hofes deckten ihren Bedarf bei M., ebenso ausländische Kunden, insbesondere in England, Polen und Rußland. 1818 beschäftigte die Fabrik bereits rund 600 Arbeiter bei einem Umsatz von etwa zwei Mill. Gulden.

    Seine angegriffene Gesundheit und der Tod des Bruders (1823) bewogen M. zur Auflösung der Fabrik. Weiter wirkte er jedoch als Schätzmeister des Merkantil- und Wechselgerichts (seit 1811) und des Gremiums der Seidenzeugfabrikanten (seit 1812). 1838 erhielt er das Wiener Bürgerrecht. In den 1830er Jahren war er noch in der Spitzenfabrik seines Schwiegersohnes Ludwig Damböck tätig. M.s Wirken hatte hohen Anteil an der Entstehung des Qualitätsbegriffes „Wiener Mode“. Eine von ihm 1824-26 angelegte Sammlung von etwa 8000 Mustern befindet sich im Besitz des Österr. Museums für angewandte Kunst.

  • Werke

    Die wichtigsten Momente meines Lebens, gewidmet seinen Nachkommen z. stäten Erinnerung, 1839 (Ms., Wien, Österr. Mus. f. angew. Kunst).

  • Literatur

    F. Bujatti sen., Die Gesch. d. Seiden-Industrie Österreichs, deren Ursprung u. Entwicklung bis in d. neueste Zeit, 1893, S. 58 f., 124, 128, 130;
    M. Dreger, Beginn u. Blüte d. Wiener Seidenwebereien, in: Kunst u. Kunsthandwerk 18, 1915, S. 325, 357-91;
    M. Bucek, Gesch. d. Seidenfabrikanten Wiens im 18. Jh. (1710–92), Eine wirtsch.-kulturhist. als auch soziolog. Unters., Diss. Wien 1968, S. 185-87;
    ÖBL. – Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Josef Mentschl
  • Zitierweise

    Mentschl, Josef, "Mestrozi, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 228-229 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138327807.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA