Lebensdaten
erwähnt 725, gestorben nach 741
Beruf/Funktion
bayerische Adelige ; Gemahlin des Hausmeiers Karl Martells
Konfession
-
Normdaten
GND: 137465106 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seranahilt
  • Sunnichildis
  • Sonichild
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Zitierweise

Swanahild, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137465106.html [17.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Agilolfinger (s. NDB I);
    V wohl Tassilo, S d. Theudebert, bayer. Hzg.;
    M wohl Imma, T d. Gottfrid ( 709), alemann. Hzg.; Gr-Tante-v Plektrud († n. 717, Pippin d. Mittlere, um 640/50–714, fränk. Hausmeier, s. NDB 20), fränk. Adlige (s. NDB 20);
    Ov Hugbert († 736), bayer. Hzg.;
    Om Lantfrid († 730), alemann. Hzg. (s. NDB 13), Odilo († 748), bayer. Hzg. (s. NDB 19);
    Tante-v Guntrud ( Liutprand, Kg. d. Langobarden, 744, s. ADB 19; LexMA));
    725 Karl Martell (um 688/89?–741, 1] Chrotrud, 725), fränk. Hausmeier (s. NDB XI);
    S Grifo (Gripho) († 753), fränk. Hausmeier (s. NDB VII).

  • Leben

    Über S. gibt es nur spärliche Quellenaussagen. 725 zog Karl Martell nach Bayern, wo er in agilolfing. Erbauseinandersetzungen eingriff und Hzg. Hugbert zum Sieg über dessen Onkel Hzg. Grimoald verhalf. Von diesem Zug brachte der Hausmeier die Frau des Grimoald, Pilitrud, und deren Nichte S. mit. Bald nach dem Tod seiner ersten Gemahlin Chrotrud († 725) ging Karl Martell mit S. eine zweite Ehe ein. Im Gegensatz zur späteren karoling. Propaganda des beginnenden 9. Jh., die die „improba mulier“ S. zu Karls „concubina“ machte, war sie zweifellos seine legitime Ehefrau (und erscheint in seiner letzten Urkunde auch als „inlustris matrona“). Die sicher politisch motivierte Ehe mit der Angehörigen einer altehrwürdigen, ja königsgleichen Familie stärkte Karls Ansehen und sicherte den Ausgleich mit Bayern ab. Schon bald (726?) gebar S. einen Sohn Grifo, der als legitimer Nachfahre neben seinen Stiefbrüdern Pippin und Karlmann Erbansprüche hatte; S. verteidigte diese tatkräftig. In den parteiischen, sämtlich prokaroling. Quellen finden sich widersprüchliche Aussagen bezüglich der Nachfolgeregelung: Reichsteilung zugunsten allein der beiden Söhne aus erster Ehe, Gleichberechtigung aller drei Söhne oder – unter S.s massivem Einfluß – Bestimmung Grifos zum Haupt- oder sogar Alleinerben; diese Möglichkeiten werden auch in der Forschung kontrovers diskutiert.

    Ende 740 /Anfang 741 scheint es am Hof Karls zu einem politischen Umschwung gekommen zu sein: Die „bayerische“ Partei seiner Frau S. gewann offenbar zunehmend an Gewicht. Dazu paßt, daß in Karls letzter überlieferter Urkunde fünf Wochen vor seinem Tod nur S. und Grifo als „consentientes“ unter den Zeugen erscheinen, nicht aber Pippin und Karlmann. In dem nach Karls Tod im Okt. 741 ausbrechenden Streit vertrieben Pippin und Karlmann ihren Stiefbruder Grifo und dessen Mutter. Grifo wurde gefangengesetzt und kam 753 im Kampf bei Saint-Jean-de-Maurienne ums Leben; S. verschwand im Königskloster Chelles (Dép. Seine-et-Marne), wahrscheinlich als dessen Äbtissin. Ihre bedeutende Stellung spiegelt der – unkorrekte – Eintrag im Reichenauer Verbrüderungsbuch als „Suanahil regina“ neben ihrem korrekt bezeichneten Gatten „Karolus maior domus“.

  • Literatur

    T. Breysig, Jbb. d. fränk. Reiches 714–741, 1869, Nachdr. 1975;
    E. Hlawitschka, Die Vorfahren Karls d. Gr., in: Karl d. Gr., Lebenswerk u. Nachleben, Bd. I, 1965, S. 51–82;
    J. Jarnut, Btrr. zu d. fränk.-langobard. Beziehungen im 7. u. 8. Jh., in: ZBLG 39, 1976, S. 331–52;
    ders., Unterss. z. Herkunft S.s, der Gattin Karl Martells, ebd. 40, 1977, S. 245–49;
    R. Schieffer, Karl Martell u. seine Fam., in: Karl Martell in seiner Zeit, hg. v. J. Jarnut, U. Nonn u. M. Richter, 1994, S. 305–15;
    J. Jahn, Hausmeier u. Herzöge, Bemm. z. agilolfing.-karoling. Rivalität bis z. Tode Karl Martells, ebd., S. 317–44;
    M. Becher, Eine verschleierte Krise, Die Nachfolge Karl Martells u. d. Anfänge d. karoling. Hofgesch.schreibung, in: Von Fakten u. Fiktionen, Ma. Gesch.darst. u. ihre krit. Aufarbeitung, hg. v. J. Laudage, 2003, S. 95–133;
    U. Nonn, Die Nachfolge Karl Martells u. d. Teilung v. Vieux-Poitiers, in: Der Dynastiewechsel v. 751, Vorgesch., Legitimationsstrategien u. Erinnerung, hg. v. M. Becher u. J. Jarnut, 2004, S. 61–73;
    LexMA.

  • Autor/in

    Ulrich Nonn
  • Empfohlene Zitierweise

    Nonn, Ulrich, "Swanahild" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 723 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137465106.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA