Lebensdaten
um 1165 bis 1230
Beruf/Funktion
Erzbischof von Mainz
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13686337X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siegfried von Eppstein
  • Siegfried von Mainz
  • Sigfrid II.
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Zitierweise

Siegfried II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13686337X.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus hess. Fam. edelfreier Herren, benannt zunächst nach Burg Hainhausen, dann nach Burg Eppstein (Taunus) (s. NDB IV);
    V Gerhard I. v. E.;
    M N. N.;
    B Gottfried I. v. E. (erw. 1189, 1223), Schw Hildegard (?) (⚭ Philipp II. v. Bolanden, 1189);
    N Siegfried III. v. E., Ebf. v Mainz (um 1195–1249, s. NDB 24);
    Gr-N Werner, Ebf. v. Mainz ( 1284, s. ADB 42; LexMA; Gatz IV; Nassau. Lb. IV), Gerhard II., Ebf. v. Mainz ( 1305, s. NDB VI).

  • Leben

    S. ist zuerst 1189 als Propst von St. Gangolf in Mainz nachzuweisen, 1194 als Propst von St. Martin in Worms und 1196 als Propst von St. Peter in Mainz. Im Nov. 1200 wurde er von einer Minderheit in Bingen als Gegenkandidat der päpstl. und der welf. Partei zum Erzbischof gewählt – gegen Lupold von Scheinfeld, Bischof von Worms ( 1217), den Kandidaten der stauf. Seite. S. mußte danach aus dem staufisch dominierten Mittelrheingebiet nach Köln fliehen, wo er sich mit Kg. Otto verbündete und – von diesem militärisch unterstützt – wieder zurückkehren konnte. Am 24.12.1200 krönte er Otto im Mainzer Dom. S. selbst erhielt 1201 die Weihe und 1202 in Rom das Pallium, konnte sich aber trotz päpstl. Unterstützung nicht durchsetzen, auch nicht in seine Bischofsstadt einziehen. 1205 setzte er im Auftrag Papst Innozenz' III. den Kölner Ebf. Adolf von Altena ab, mußte jedoch im Jahr darauf vor diesem nach Rom fliehen, wo ihn der Papst zum Kardinalpriester von Santa Sabina erhob. Nach der Ermordung Kg. Philipps von Schwaben am 21.6.1208 gelang S. gegen Lupold von Scheinfeld die Rückkehr und Durchsetzung in Mainz. Er berief einen Reichstag nach Frankfurt ein und leitete dort im Nov. 1209 die erneute Wahl Kg. Ottos. Nach dessen Kaiserkrönung und dem anschließenden Bruch zwischen Innozenz III. und Otto IV. wechselte S. die Seite: Spätestens seit Sept. 1210 gehörte er zu den Reichsfürsten, die Friedrich II. unterstützten. Vom Papst im Febr. 1212 zum Legaten ernannt, betrieb er die Erhebung des jungen Staufers. Nach der Frankfurter Wahl unter seinem Vorsitz krönte S. Friedrich II. in Mainz am 9.12.1212 (unter Verzicht des – von S. wieder restituierten – Kölner Erzbischofs) und schließlich nach der Niederlage der welfisch-engl. Partei bei Tournai 1214 ein zweites Mal 1215 in Aachen (bei Vakanz in Köln). Im selben Jahr nahm er am IV. Laterankonzil in Rom teil. Im April 1220 gehörte er wohl zu den Wählern Kg. Heinrichs (VII.) und war bei der Kaiserkrönung Friedrichs II. im Nov. 1220 in Rom. Darüber hinaus betrieb S. eine aktive Böhmenpolitik, krönte Kg. Wenzel I. von Böhmen und dessen Gemahlin und ließ sich das Recht der Mainzer Kirche auf die Krönung des böhm. Königs verbriefen.

    S.s Amtszeit brachte dem Mainzer Erzstift reichen Gewinn. Die großen Fürstenprivilegien Friedrichs II. – Goldbulle von Eger 1213 und Confoederatio cum principibus ecclesiasticis 1220 –, die ihn als vornehmsten Zeugen nennen, schufen die Basis für den Aufbau der Mainzer Territorialherrschaft. Es gelang S., die Erhebung Prags zum Erzbistum und die damit verbundene Schmälerung der Mainzer Rechte zu verhindern. Für den gezielten Ausbau seiner Landesherrschaft wußte S. eine große Bandbreite an politischen Mitteln zu nutzen und viele der Erwerbungen, die dann seinem Neffen und Nachfolger Siegfried III. gelangen, vorzubereiten: Dank kgl. Privilegien erhielt er das Silberbergwerk bei Lahnstein und die Königsrechte an der Abtei Lorsch. In der territorialen Auseinandersetzung mit den benachbarten Dynasten sicherte er sich Anrechte an wichtigen Burgen, teils durch Verkauf (Battenburg u. Kellerberg von den Grafen v. Wittgenstein), teils durch Lehensauftragungen (Ronneburg, Wittgenstein) oder Pfandschaft (Vogtei über Bensheim vom Pfalzgrafen). In Verhandlungen erwarb er Einzelrechte, wie z. B. die Unterstellung der in seiner Diözese ansässigen Deutschordensherren unter seine Jurisdiktion. Hinzu traten eine aktive Kirchenpolitik (Ausbau der Archidiakonatsstruktur; Konzilien 1223, 1225, 1226, 1227; Förderung u. a. von Kloster Eberbach) und die Behauptung der reichsrechtlichen Stellung des Mainzer Erzbischofsstuhls gerade auch gegenüber dem Kölner Erzbischof.

  • Quellen

    Qu Regg. z. Gesch. d. Mainzer Erzbischöfe, bearb. v. J. F. Böhmer u. C. Will, Bd. II.: Von Konrad I. bis Heinrich II. 1161–1288, 1886, Nachdr. 1966, S. 121–211; Regg. Imperii V.

  • Literatur

    ADB 34;
    G. W. Sante, in: Nassau. Lb. I, 1940, S. 1–16;
    A. Gerlich, Thronstreit – Erzbistumsschismen – Papstpol. (1198–1208), in: E.-D. Hehl, H. Seibert u. F. Staab (Hg.), Deus qui mutat tempora, Menschen u. Institutionen im Wandel d. MA, FS Alfons Becker zu seinem 65. Geb.tag, 1987, S. 283–320;
    I. Reichel-Müller, Mainzer Territorialpol. in d. ersten Hälfte d. 13. Jh. als Element d. Reichs- u. Erzstiftsgesch., Diss. Mainz 1995;
    A. Gerlich, Könige, Fürsten, Adel u. Städte am Mittelrhein u. in Franken zw. Thronstreit u. Mainzer Reichslandfrieden 1198–1235, 2001;
    LThK1–3;
    BBKL X;
    LexMA;
    Gatz IV.

  • Autor/in

    Regina Schäfer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schäfer, Regina, "Siegfried II." in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 348-349 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13686337X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Sigfrid II. von Eppstein, Erzbischof von Mainz, 1200—1230. Er war Propst zu St. Peter in Mainz, als er nach dem am 4. Juli 1200 erfolgten Tode des Erzbischofs Konrad I. von Wittelsbach, von einigen Anhängern König|Philipp's von Schwaben, zu Bingen dem bereits von der wittelsbachischen Partei zum Erzbischof erhobenen Bischof Lupold von Worms entgegengesetzt wurde. Aus Bingen mußte er zunächst weichen, aber er kehrte nach zu Köln erfolgter Belehnung durch König Otto mit einem Heere zurück und gewann Bingen wieder. Nachdem er das Jahr darauf von dem päpstlichen Legaten Guido zu Köln zum Priester und Bischof geweiht war, erhielt er zu Rom vom Papst Innocenz III. das Pallium. Auf der Seite Otto's bis zu dessen Absetzung, verkündete er als päpstlicher Commissarius in Gemeinschaft mit dem Bischof Johann von Cambrai am 19. Juni 1205 im Dom zu Köln die Absetzung des Erzbischofs Adolf, vermochte aber nicht nach dem im folgenden Jahre von König Philipp über König Otto bei Wassenberg gewonnenen Siege sich in Deutschland zu halten, flüchtete nach Rom und wurde zum Cardinalbischof von Sta. Sabina ernannt. Nach Deutschland zurückgekehrt, verkündigte er im J. 1211 die Excommunication Otto's, wirkte nach dem Willen des Papstes unter den Fürsten für die Wahl des jugendlichen Staufers Friedrich, zog, zum päpstlichen Legaten für Deutschland ernannt, mit anderen Fürsten ihm entgegen, als er im Herbst des Jahres 1212 das Reich betrat, empfing von ihm auf dem Hoftage zu Mainz die Lehen, vollzog an ihm, da der erzbischöfliche Stuhl von Köln unbesetzt war, am 25. Juli 1215 zu Aachen die Krönung und nahm an demselben Tage mit dem Gekrönten und vielen Fürsten und Großen das Kreuz. Nach der im April 1220 zu Frankfurt erfolgten Wahl Heinrich's VII. ist er im Sommer Friedrich II. zur Kaiserkrönung nach Rom gefolgt, aber schon im November nach Deutschland zurückgekehrt und hat unter den Regentschaften des Erzbischofs Engelbert von Köln und des Herzogs Ludwig von Baiern bis zu seinem am 9. September 1230 erfolgten Tode seiner hohen Stellung gemäß an allen wichtigen Reichsangeleaenheiten hervorragenden Antheil genommen.

  • Autor/in

    Schirrmacher.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schirrmacher, Friedrich, "Siegfried II." in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 259-260 unter Sigfrid II. von Eppstein [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13686337X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA