Lebensdaten
1819 bis 1890
Geburtsort
Grafenberg Kreis Nürtingen
Sterbeort
Stuttgart-Berg
Beruf/Funktion
Maschinenbauer
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 136605435 | OGND | VIAF: 80921086
Namensvarianten
  • Kuhn, Gotthilf
  • Kuhn, Gotthilph

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Kuhn, Gotthilf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136605435.html [13.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Ludwig ( 1828), Schulmeister in G.;
    M Agnes Catharina Torst ( 1831);
    Berlin 1848 Maria Henriette Caroline Haberzettel (1827–89);
    S Ernst (1853–1903), Dipl.-Ing., KR, Hauptgesellschafter d. Maschinenfabrik G. Kuhn OHG 1879–90, Vorsitzender d. VDI 1898/97.

  • Leben

    K., der seine Eltern früh verlor, erwarb sich nach einer Schlosserlehre in Giengen/Brenz weitere Fachkenntnisse auf der Wanderschaft in München, Wien und besonders Berlin. Hier arbeitete er sich in der Maschinenfabrik von Carl Hoppe bis zum Werkführer hinauf. Hoppe erkannte K.s Begabung und unterrichtete ihn abends in Mathematik und Mechanik. Als K. 1851 den Wunsch äußerte, in seine Heimat zurückzukehren und sich selbständig zu machen, gab ihm Hoppe als Starthilfe Zeichnungen seiner Lokomobilen mit. 1852 eröffnete K. in einem Bierkeller und weiteren Gebäuden in Berg b. Stuttgart eine mechanische Werkstatt und Kesselschmiede mit einer Belegschaft von 30 Mann. Er fand die Unterstützung des Technischen Rates Ferdinand Steinbeis von der 1848 gegründeten Zentralstelle für Gewerbe und Handel und konnte fast konkurrenzlos beginnen in dem Moment, als sich die württ. Industrie zu entfalten begann. K. liefert ein gutes Beispiel für den Typ des unternehmenden Handwerkers, der sich in einem der ersten deutschen Industriebetriebe Kenntnisse erwarb, um dann selbst Unternehmer zu werden. Gebraucht wurden in Württemberg damals vor allem Lokomobilen, die wegen ihrer Beweglichkeit in Landwirtschaft und Industrie gesucht waren, solange Kraftstrom noch nicht zur Verfügung stand. K. baute sie und wurde dadurch zum ersten Dampfmaschinenbauer in Württemberg. Er begann mit der einfachen Niederdruck-Balanciermaschine ohne Dampfmantel und Kondensation und kam bis zur Hochdruckdampfmaschine mit mehrstufiger Expansion, Kondensation, Präzions- und Zwangslaufsteuerung (nach Moritz Kuchenbecker 1881); er begann mit dem einfachen Walzenkessel zu 3 at mit Planrostfeuerung und kam bis zum kombinierten Großraum-Wasserrohrkessel zu 15 at Betriebsdruck und rauchverzehrender Feuerung.

    K. mußte in dieser Aufbauzeit vielseitig sein, und so lieferte er Betriebsmaschinen für die überall entstehenden Industriebetriebe sowie für Brauereien, Brennereien, Ziegeleien und Zuckerfabriken. 1860 baute er die Ausrüstung für das erste Wasserwerk sowie Dampfmaschinen zum Dynamo-Antrieb für das Elektrizitätswerk, beide in Stuttgart. 1862 nahm K. als erster in Süddeutschland den Vollgatter-Sägenbau aus Eisen und Holz auf, 1863 baute er das größte Eisengatter mit 1,3 Meter, 1871 das größte Holzgatter mit 2 Meter Durchgang. Auf Anregung von Steinbeis beschäftigte sich K. 1860 mit dem Lenoirschen Gasmotor, um sich auch an der Entwicklung des aufkommenden Verbrennungsmotors zu beteiligen. Sein Oberingenieur Rudolf Ernst Wolf konstruierte ihn neu, mußte aber wegen zu unwirtschaftlichen Betriebs die Versuche abbrechen. 1890 versuchte K. noch den Lizenzbau eines Gasmotors des Magdeburger Ingenieurs Langensiepen, der 1891 auf der Frankfurter Ausstellung gezeigt wurde.

    Hatte K. den Maschinenguß zunächst von auswärts bezogen, so eröffnete er 1857 eine eigene Gießerei. Neben Maschinengehäusen goß sie Stücke für Eisenhochbauten (Bau- und Ornamentenguß). Er mußte sie mehrmals vergrößern, bis sie selbständige Abteilung seines Unternehmens wurde. Seit 1887 lieferte er für Gottlieb Daimler Automobilmotoren-Zylinder in Spezial-Grauguß und 1890 den ersten Vierzylinderblock der Welt nach Konstruktion von Wilhelm Maybach. Das hohe Ansehen von K.s Unternehmen zog befähigte Nachwuchskräfte aus ganz Deutschland an, die später selbst berühmt wurden: 1857-61 lernte hier Max Eyth, 1854-62 arbeitete Rudolf Ernst Wolf als Oberingenieur bei ihm und 1888-92 Immanuel Lauster als Konstrukteur von Verbrennungsmotoren. Da K.s Geschäfte bald sehr weit reichten, errichtete er Büros in Berlin (1887), Köln, Frankfurt a. M. und München (1888). – 1867 warf ein Großfeuer, von dem Schmiede, Dreherei und Magazin betroffen waren, K. zurück. Er nahm die Gelegenheit zur Modernisierung wahr, indem er die übrigen älteren Gebäude abriß und 1868 einen Neubau in Betrieb nahm. Nach K.s Tod führte zunächst sein Sohn Ernst das Unternehmen weiter, geriet aber in finanzielle Bedrängnis und verkaufte seine Gesellschaftsmehrheit an die Maschinenfabrik Esslingen. Diese führte K.s Programm jedoch nicht weiter. 1895 wurden die Sägegatter, 1904 die Dampfkessel eingestellt. Nach dem frühen Tod des Sohnes löste Esslingen die Betriebe in Berg 1912/13 ganz auf und übernahm die K.schen Gießerei-Kapazitäten. 1924 kaufte die Stadt Stuttgart die G. Kuhn GmbH von der Maschinenfabrik Esslingen als Grundstücksgesellschaft.|

  • Auszeichnungen

    KR (1878).

  • Literatur

    Die industr. Werke Dtld.s, 1900;
    C. Matschoss, Gesch. d. Dampfmaschine, 1908, I, S. 194 f., II, S. 246 f., 325;
    ders., R. Wolf d. Begründer d. Maschinenfabrik R. Wolf in Magdeburg-Buckau, in: Technikgesch. 4, 1912, S. 9-13;
    ders., Die Maschinenfabrik R. Wolf Magdeburg-Buckau 1862-1912, 1912;
    ders., Männer d. Technik, 1925;
    H. Steudel, Geschichtl. Entwicklung d. Maschinenindustrie in Württemberg, Diss. Tübingen 1923;
    E. Brösamlen, Das schöne Stuttgart-Berg, 1939, S. 32-35;
    K. E. v. Marchtaler, Die Linsenhofener Vorfahren d. Industriellen G. K., in: Aus unserer Heimat, Beil. z. Nürtinger Tagebl. v. 3.2.1940;
    R. Trinkner, Ein Btr. z. Gesch. d. Sägeindustrie d. Schwarzwaldes, in: Süddt. Holzztg. 69/26, 1943, Nr. 58 v. 8.6.1943, S. 369;
    P. Siebertz, Ferd. v. Steinbeis u. d. Aufschwung d. württ. Industrie, 1943 u. 1952;
    F. Redlich, Der Unternehmer, 1964, S. 270, 277;
    G. Arnold, Carl Hoppe, in: Technikgesch. 32, 1965, Nr. 1, S. 52, 59;
    V. Hentschel, Wirtsch.gesch. d. Maschinenfabrik Esslingen 1846-1918, 1977, S. 85-87;
    Mitt, d. Stadtarchivs Stuttgart.

  • Autor/in

    Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß
  • Empfohlene Zitierweise

    Seherr-Thoß, Hans Christoph Graf von, "Kuhn, Gotthilf" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 259 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136605435.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA