Lebensdaten
erwähnt 1777, gestorben 1808
Beruf/Funktion
Montanist
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 136426522 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Koulhacz, Johann Ferdinand
  • Koulhaas, Johann Ferdinand
  • Koulhacz, Johann Ferdinand

Zitierweise

Koulhaas, Johann Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136426522.html [15.12.2018].

CC0

  • Leben

    K., der in Stahlhammer bei Tarnowitz wohnte, war Berater Friedrichs des Großen und seiner Minister bei der Begründung des schlesischen Eisenhüttenwesens. Als erster Aufenthaltsort in Oberschlesien läßt sich für K. Peiskretscham nachweisen. Dort hatte er ein Hüttenwerk (Hochofen, Frischfeuer) gepachtet, das Friedrich Graf von Posadowsky gehörte. Seit 1777 beschäftigte er sich zu Mokrus bei Kutschau mit Versuchen der Stahlfabrikation; 1781 erhielt er ein Privileg zum Bau einer Fabrik für „cementirten Stahl aus inländischem Material auf 10 Jahre“. Er hatte ein Luppenfeuer in einen Koksofen umgebaut, das Abschwefeln (Verkoken) der Steinkohle versucht sowie das erste Frischfeuer in Oberschlesien zur Erzeugung von Stahl errichtet. Bei der Anlage des Stahlwerkes Königshuld bei Malapane machte man sich seine Erfahrungen zunutze. In der 1780 für den König angefertigten Zusammenstellung sämtlicher Bergwerksprodukte der preußischen Staaten wird K. als einziger Stahlproduzent Schlesiens mit einer Produktion von 200 Ztr. im Wert von 2 000 Reichstalern genannt. In einem Lieferungsvertrag von 1783, wonach auf Rechnung des Haupteisencomptoirs in Berlin Eisen aus oberschlesischen Hütten nach Ratibor, Kosel, Oppeln oder Breslau zu liefern war, findet man ihn ebenfalls verzeichnet. Um die Qualität seiner Produkte zu steigern, errichtete K. 1783 eine neue Hochofen- und Frischfeueranlage. Durch den Bau eines Kalkpochwerks einschließlich Schleifsteinbetriebs erfuhr die Anlage eine beträchtliche Erweiterung. Nach langwierigen Versuchen gelang ihm Ende 1789 zu Kutschau, nur wenige Tage nach dem Hüttenfaktor Breustedt in Malapane, als Zweitem in Schlesien die Herstellung von Eisen, das unter Verwendung von Steinkohle beziehungsweise dem daraus gewonnenen Koks erschmolzen worden war. 1792 konnte er durch Zusammenschweißen von Eisen und Stahlstäben sogenannter Damaszener Stahl, der bei der Herstellung von Gewehrläufen und Säbelklingen verwendet wurde, gewinnen. 1799 erwarb er das Rittergut Macziekowitz, auf dem er 1801 die Grube Beata mutete.

  • Literatur

    J. G. Schummel, Reise durch Schlesien, Juli/Aug. 1792, 1792, S. 87 f.;
    H. Fechner, Die Gründungsgesch. d. Eisen- u. Stahlwarenfabrik Königshuld in Oberschlesien, in: Zs. f. d. Berg-, Hütten- u. Salinenwesen im Preuß. Staate 40, 1892, S. 280 f., 284;
    ders., Gesch. d. schles. Berg- u. Hüttenwesens, ebd. 49, 1901, S. 284 ff., 420, 427, 434 f., 441, 444, 502;
    ders., Gesch. d. schles. Berg- u. Hüttenwesens, ebd. 50, 1902, S. 477 f., 491, 735 f., 761;
    G. Hoffmann, Gesch. d. Stadt Kattowitz, 1895, S. 36 f.;
    W. Serlo, in: Glückauf 62, 1926, S. 1622;
    A. Perlick, Oberschles. Berg-|u. Hüttenleute, 1953;
    ders., Zur Gesch. d. oberschles. Reviers, in: Mitt. d. Beuthener Gesch.- u. Mus.ver. 34/35, 1973/74, S. 52-73;
    K. Jürgens, 150 J. Königshuld, in: Stahl u. Eisen 55, 1935, S. 977-81;
    K. Fuchs, Vom Dirigismus z. Liberalismus, Die Entwicklung Oberschlesiens als preuß. Berg- u. Hüttenrevier, 1970, S. 9, 70 f.

  • Autor/in

    Konrad Fuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuchs, Konrad, "Koulhaas, Johann Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 626 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136426522.html#ndbcontent

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