Lebensdaten
um 1456 bis 1508
Sterbeort
Burg Bevergern bei Rheine
Beruf/Funktion
Bischof von Osnabrück und Münster
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 136418988 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Konrad von Rietberg
  • Konrad II. (mitunter als Bischof von Münster)
  • Konrad IV.
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Zitierweise

Konrad IV. von Rietberg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136418988.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus einer Nebenlinie d. Hauses Arnsberg (s. NDB I);
    V Konrad V. ( 1472), S d. Konrad IV. ( 1428) u. d. Irmgard v. Diepholz ( 1426);
    M Jakobe ( 1492), T d. Gumprecht II. Gf. v. Neuenahr ( 1455) u. d. Margarethe Gfn. v. Limburg;
    Om Konrad III. ( 1482), Bischof v. Osnabrück (s. NDB XII);
    B Johann I. Gf. v. Rietberg ( 1516, s. L);
    Schw Margarethe ( 1483 Friedrich, 1495, Hzg. v. Braunschweig-Lüneburg-Calenberg).

  • Leben

    K. studierte in Rom, erhielt nach seiner Rückkehr eine Domherrnstelle zu Köln, weiter die Dompropstei zu Osnabrück und 1483 noch die Stiftspropstei zu Deventer. Am 13.7.1482 postulierte ihn das Osnabrücker Domkapitel in Iburg einstimmig zum Nachfolger Konrads III. von Diepholz, seines Paten und Onkels (Bischofsweihe 1484). Den bewährten Ratgeber seines Vorgängers, Erwin Erdmann ( 1505), übernahm er. Osnabrücker Weihbischof wurde der Augustiner-Eremit Johannes Schodehoet (Schadehoit, 1515); dieser, Titularbischof von Triacla, verwaltete das gleiche Amt später auch im Bistum Münster. – Um die Erneuerung des kirchlichen Lebens bemüht und in weltlichen Händeln als Schlichter auftretend, geriet K. dennoch in kriegerische Verwicklungen mit angrenzenden Herren und besonders in eine Fehde seines Schwagers Herzog Friedrich mit dessen Braunschweiger Sippe. Zunächst kam der Schwager in Gefangenschaft und dann sein Bruder Johann I. Die hohen Feldzugs- und Lösegeldkosten verschuldeten K. erheblich. Für die Abtragung mußte er sich 1495 gegen weitere Zugeständnisse von den Landständen eine neue Schatzung bewilligen lassen. Schon vorher hatte der geistliche Fürst den ungewöhnlichen Weg beschritten, selber, wohl zur Besserung der Finanzen, jahrelang in den Dienst des Kurfürsten Johann von Brandenburg zu treten und mit diplomatischen Aufgaben Dänemark, Polen und Ungarn aufzusuchen.

    Nach dem Tode des Bischofs Heinrich von Münster (1496) wählte das Domkapitel einmütig 1497 K. zum Oberhaupt des seit alters befreundeten Nachbarstiftes. Mit beiden Bistümern verfügte er nunmehr über eine bedeutende Macht, die er jedoch weiterhin überwiegend friedlich einzusetzen wußte. Bei guter Haushaltsführung blühten Wirtschaft und Bautätigkeit auf. Mißbräuche des verweltlichten Klerus wurden bekämpft und Klöster und Kollegiatsstifte reformiert. K.s Gebefreudigkeit gewährte mancherlei Hilfe. In diese Zeit fällt auch das Aufblühen der Wissenschaft (Rudolph von Langen); Rechtspflege wie Münzwesen kehrten zu geordneten Formen zurück, und K., weithin geachtet, bemühte sich um Ausgleich der größeren und kleineren Zwiste seiner Untertanen.

  • Literatur

    ADB 16;
    J. I. Sandhoff, Antistitum Osnaburgensis ecclesiae res gestae, 1785, S. 372-86;
    Osnabrücker Gesch.qu. 2, 1894, S. 183-86, 198, 311 f.;
    M. Geisberg, Bau- u. Kunstdenkmäler v. Westfalen 41, 5, 1937, S. 248;
    Börsting-Schröer, Hdb. d. Bistums Münster, 1946, S. 105, 119, 145;
    W. Leesch, Die Grafen v. Rietberg aus d. Häusern Arnsberg u. Ostfriesland, in: Westfäl. Zs. 163, 1963, S. 319-25, 355;
    A. Schröer, Die Kirche in Westfalen vor d. Ref. 1, 1967, S. 68-71.

  • Autor/in

    Dietrich Graf von Merveldt
  • Empfohlene Zitierweise

    Merveldt, Dietrich Graf von, "Konrad IV. von Rietberg" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 514 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136418988.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Konrad von Rietberg. Bischof von Osnabrück und Münster, um 1456 geboren als Sohn des Grafen Konrad VI. von Rietberg, hatte in Rom den Grund zu einer gediegenen wissenschaftlichen Bildung gelegt und war nach seiner Rückkehr nach Deutschland Domherr zu Köln geworden. Freundschaftliche Beziehungen zu dem dortigen Erzbischofe Hermann, sowie der Umstand, daß er mit dem im März 1482 verstorbenen Osnabrücker Bischof Konrad von Diepholz verwandt war, trugen zu seiner einmüthigen Erhebung auf den bischöflichen Sitz zu Osnabrück bei. Im Juli 1482 beschwor er seine umfangreiche Capitulation und erhielt sehr bald die päpstliche Bestätigung seiner Würde. Noch sehr jung fiel ihm mithin die schwierige Ausgabe zu, das segensreiche Wirken seines tüchtigen Vorgängers fortzusetzen. Zu seinem vertrauten Rathgeber erwählte auch er den Bürgermeister Erdwin Erdmann, einen Mann von hervorragenden Talenten, einen erfahrenen und gewandten Juristen. Nicht lange nach seinem Regierungsantritte wurde K. in den verderblichen Bruderzwist verwickelt, welcher damals das Haus der Herzöge von Braunschweig spaltete. Naturgemäß ergriff er die Partei des Herzogs Friedrich, der erst kürzlich Margaretha, die Schwester Konrads, zur Gemahlin genommen hatte. War der Feldzug 1485 schon an und für sich ohne Erfolg, so zeigte er sich für Osnabrück um so verhängnißvoller, als er mit Allem, was er im Gefolge hatte, die Finanzlage des Bischofs derartig zerrüttete, daß K. keinen anderen Ausweg sah, als ins Ausland zu gehen und fremden Fürsten in ihren Cabinetten und bei Gesandtschaften zu dienen, so den Königen von Dänemark, Ungarn, Polen. Noch lange Jahre hindurch kam in|den Haushalt keine Ordnung; erst wiederholte von den Ständen gewährte Landschatzungen führten allmählich eine Besserung herbei. Während des Bischofs häufiger und ausgedehnter Abwesenheit lag die Regierung in den Händen einiger der Domherrn und des Bürgermeisters. Der Mangel einer einheitlichen, kräftigen Oberleitung machte sich bald fühlbar. Die Fehden im Lande nahmen bedenklich zu, die Bande der Sittlichkeit lockerten sich mehr und mehr; das weltliche Leben der Geistlichen, ihre Sucht, sich auf Kosten der Laien zu bereichern, rief 1489 selbst einen gefährlichen Volkstumult unter Lenethun hervor. Doch trug der Bischof, wenn er vorübergehend in seinem Lande Hof hielt, Sorge, den Uebelständen energisch zu wehren. 1488 war er unter der Zahl der rheinischen und westphälischen Fürsten, welche zu Dortmund über die Schäden im Münzwesen beriethen und einen festen Münzwerth verordneten. Auch gegen die Mißbräuche des Klerus schritt er ein. Aus vollem Herzen den Reformbestrebungen ergeben, welche, von der Bursfelder Congregation ausgehend, darnach trachteten, die Benedictinerregel in ihrer alten Strenge wieder herzustellen, führte auch er wie sein Vorgänger sie mit Erfolg in verschiedenen Klöstern durch. Die Stimmung im Volke war, als nach dem Aufstande 1489 die Regierung thatsächliches Entgegenkommen bewiesen hatte, einem auf inneren Frieden gerichteten Wirken sehr günstig und bethätigte sich in zahlreichen Armenstiftungen aus allen Schichten der Bevölkerung. Durch Vermittlungen, bei denen die milde, friedliebende Natur des Bischofs K. den entschiedensten Einfluß übte, wurden die bedrohlichsten Fehden beigelegt. In den auswärtigen Verhältnissen, so namentlich auch 1495 bei der schon lange heftig geführten Feindschaft zwischen dem Bischofe Heinrich von Münster und dem Grafen Edzard von Friesland, stellte K. durch erfolgreiche Intervention den Frieden wieder her. Den besten Beweis, wie sehr man ihm vertraute und sein mildes Regiment würdigte, liefert die Thatsache, daß das Münstersche Domkapitel nach dem Tode des Bischofs Heinrich (24. December 1496) seine Wahl auf K. von Osnabrück lenkte, der am 28. April 1497 auch die päpstliche Bestätigung zugleich mit der Erlaubniß erhielt, unter dem Titel eines Administrators das Bisthum Osnabrück weiter zu verwalten. Von nun an wandte K. beiden Diöcesen seine ungetheilte Sorgfalt zu und hielt sich, nachdem er im Juni 1497 mit dem Grafen Edzard einen Handelsvertrag geschlossen hatte, von allen auswärtigen Verwickelungen fern. Seine enge Freundschaft mit dem Erzbischofe Hermann von Köln, der auch das Stift Paderborn verwaltete, rief ein segensreiches Bündniß ins Leben. Im Februar 1500 vereinigten sich beide Fürsten zum Schutz ihrer ausgedehnten Länder gegen die Plage fremder Truppendurchzüge und raublustigen Gesindels, denen sie gemeinsam mit Waffengewalt entgegentreten wollten. Die Sicherheit im Lande nahm zu, die Rechtspflege kehrte in geordnete Bahnen zurück; und um so ungestörter konnte K. sich seiner friedlichen Wirksamkeit hingeben, als sein Haushalt schon lange im besten Stande war. Als er am 9. Februar 1508 starb, wurde er allgemein als milder Regent betrauert, dem das Wohl der ihm anvertrauten Lande in erster Linie am Herzen lag.

    • Literatur

      Sandhoff, Antistitum Osnabr. res gestae. — Stüve, Gesch. d. Hochstifts Osnabrück. — Erhard, Gesch. Münsters.

  • Autor/in

    Detmer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Detmer, "Konrad IV. von Rietberg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 599-600 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136418988.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA