Lebensdaten
1800 bis 1875
Geburtsort
Meerdorf bei Braunschweig
Beruf/Funktion
Nahrungsmittelfabrikant
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 136101429 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Knorr, Carl Heinrich

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Zitierweise

Knorr, Carl Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136101429.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Christian Julius (1766–1832), Lehrer u. Kantor;
    M Joh. Dor. Henriette Rosendahl (1762–1843);
    1) 1828 Henriette Ziegenmeyer ( 1834), 2) Heilbronn 1838 Amalie Henr. Carol. (1806–67). T d. Phil. Ludw. Christian Seyfardt u. d. Anna Carol. Gläser;
    1 T aus 1), 3 S, 2 T aus 2), u. a. Carl (1843–1921), Alfred (1846–95), beide Nahrungsmittelfabr., 1875-95 gemeinsam Leiter d. Unternehmens, d. Carl dann bis 1899 allein führte;
    E Carl (1881–1952), 1912-32 Mitgl. d. Vorstands d. Knorr AG, dann Mitgl. d. Aufsichtsrats, Alexander (1889–1978), seit 1923 Mitgl. d. Vorstands d. Knorr AG, Otto (1873–1909), Geschäftsführer b. Ch. Knorr in Wels, Anna (⚭ Karl Keiper-Knorr, * 1877, 1915, 1911-13 Geschäftsführer in Wels, dann Prokurist in H.);
    Ur-E Carl-Heinrich (* 1913), Prokurist u. stellv. Verkaufsleiter, Joachim (* 1927), Prokurist, Jürgen v. Weltzien (* 1912), Dir. u. stellv. Geschäftsführer „Knorr-Caterplan“, Hans Keiper-Knorr (* 1908), Geschäftsführer, dann Vorsitzender d. Unternehmensleitung in Wels.

  • Leben

    K. lebte seit 1828 in Osterode am Harz. Nach dem frühen Tode seiner ersten Frau siedelte er nach Hanau über, wo er einer kaufmännischen Tätigkeit nachging. Bei einem Geschäftsbesuch lernte er in Heilbronn seine spätere zweite Frau kennen und wurde dort 1838 eingebürgert. Mit einem Vermögen von 2 000 Gulden und 5 000 Gulden, die seine Frau in die Ehe mitbrachte, gründete er Ende 1838 ein eigenes Unternehmen. Er erhielt die Konzession zum Bau eines Fabrikgebäudes vor dem Brückentor auf der linken Neckarseite, in welchem er zunächst Zichorien-Kaffeesurrogat herstellte. Außerdem wandte er sich dem in Heilbronn blühenden Handel mit Lebensmitteln und Kolonialwaren und dem Dörren von Obst zu. Das Geschäft in „deutschem Kaffee“ aus Zichorien, Eicheln und Mandeln nahm bald erheblichen Umfang an, und die Erzeugnisse des Unternehmens wurden auch in Baden, Bayern und der Schweiz abgesetzt. 1844 betrug der Jahresumsatz 25 000 Gulden. Zunehmende Konkurrenz und vielleicht auch Finanzierungsprobleme führten dazu, daß K. die Fabrik 1855 an einen Bruder seines Schwiegersohnes, August Closs aus Winnenden, verkaufte.

    Nach vorübergehender Tätigkeit als Tuchfabrikant (1856–58) wandte K. sich wieder dem Handel mit Landesprodukten zu. Gehandelt wurde mit Grünkern, Reis, Gerstengraupen, Tapioka und vor allem mit Dörrobst, das in ganz Deutschland verkauft wurde. Exportiert wurde unter anderem nach Ungarn. Mit der Fabrikation von Roll-Gerste nahm K. erneut die eigene Herstellung von Lebensmitteln auf. 1866 trat der älteste Sohn, Carl, nach längerer Ausbildung im Ausland in das Unternehmen ein, der sich in erster Linie dem Verkauf und dem Export widmete, 1870 auch der zweite Sohn, Alfred, der sich vor allem der technischen Entwicklung der Produktion annahm. Anfang der 1870er Jahre leitete K. die Fabrikation von präparierten Mehlen aus Grünkern, Erbsen, Linsen, Bohnen, Sago und Tapioka ein, die er unter der Marke „Bienenkorb“ in den Handel brachte. Er unternahm auch Versuche, Hülsenfruchtmehle mit getrockneten und gemahlenen Gemüsen und mit Gewürzen zu mischen. Den Anstoß hierzu gaben unter anderem die Erkenntnisse Liebigs über Nahrungsmittel und ihre Verwertung im menschlichen Organismus.

    Politisch durch die Reichsgründung und wirtschaftlich durch die allgemeine Industrialisierungswelle begünstigt, setzte der Aufstieg des Unternehmens zu internationaler Bedeutung bald nach K.s Tod ein. Seine Söhne errichteten 1884 am Südrand von Heilbronn eine neue, modern ausgestattete Fabrik, in der auf der Basis von Hülsenfrüchten, Kartoffeln und Reis erstmals in Tafelform gepreßtes Suppenkonzentrat hergestellt wurde. Seit 1886 kamen die Knorrschen „Suppentabletten“ in Dutzenden von Geschmacksrichtungen auf den Markt. Die Versorgung mit den benötigten Hülsenfrüchten und Gemüsen wurde durch Anbauverträge mit Landwirten in der Umgebung von Heilbronn gesichert. Die Suppentabletten wurden später durch die Suppenwurst und schließlich durch den Suppenwürfel ersetzt. Die 1889 herausgebrachte Knorr-Erbswurst und das Knorr-Hafermehl, neben dem sich immer mehr auch die ursprünglich als „Platthafer“ bezeichneten Haferflocken den damals noch zum Teil von den englischen Oats beherrschten Markt eroberten, wurden in der ganzen Welt vertrieben. K. war ebenso Lieferant für Heer und Marine wie Ausstatter bekannter Forschungsreisender Ebenfalls in den 1880er Jahren wurden von Fremderzeugern gekaufte Teigwaren in das Verkaufsprogramm aufgenommen, mit so gutem Erfolg, daß 1892 eine eigene moderne Teigwarenfabrik in Betrieb genommen werden konnte.

    Hervorgegangen aus Abpackstellen im grenznahen Gebiet, entstanden damals zunächst in der Schweiz (Thayngen) und Österreich (Wels), später auch in Frankreich (Nancy) und Italien (Monza) Zweigbetriebe, denen weitere Gründungen in Berlin, Bayreuth und Posen folgten. Es wurden betriebliche Sozialeinrichtungen, darunter eine Unterstützungs- und Pensionskasse, geschaffen. Der wachsende Kapitalbedarf hatte 1899 die Umwandlung der Firma, die zu diesem Zeitpunkt etwa 700 Mitarbeiter beschäftigte, in eine AG zur Folge, an der zunächst noch die Familie mehrheitlich beteiligt war. Das Unternehmen konnte sich trotz zeitbedingter Rückschläge als weltbekannter Nahrungsmittelhersteller (vor allem bei kochfertigen Suppen und Saucen) behaupten. In seinen Führungsgremien waren bis in die Gegenwart Enkel und Urenkel K.s tätig, dessen stilisierter Namenszug eines der bekanntesten Markenzeichen wurde. – 1958 wurde die Knorr-Gruppe auf Grund ihrer engen Verbindung mit der Firma Deutsche Maizena-Werke Hamburg Mitglied des multinationalen Konzerns CPC.

  • Literatur

    W. Thunert, C. H. K., Gründer e. Weltunternehmens, in: Heilbronn - Sie machten Geschichte, 1977, S. 80-88 (P);
    C. H. K.s Nahrungsmittelfabriken, 1898 (P);
    100 J. Knorr, 1938 (P).

  • Autor/in

    Hans Keiper-Knorr
  • Empfohlene Zitierweise

    Keiper-Knorr, Hans, "Knorr, Carl Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 222 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136101429.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA