Lebensdaten
erwähnt 1234, gestorben 1274
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Bischof von Basel ; Graf von Neuenburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135951372 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinrich III. von Neuenburg
  • Heinrich von Neuenburg
  • Heinrich III.
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Zitierweise

Heinrich III., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135951372.html [12.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. in d. Westschweiz begüterten Grafen v. Neuenburg (s. HBLS);
    V Ulrich III. (1182–1225), Gf. v. N. u. Herr zu Arconciel, S d. Ulrich II. ( ca. 1191), Gf. v. N.;
    Ov Rudolf II. ( 1196), Gf. v. N., Berthold ( 1220), Bischof v. Lausanne (s. HBLS), Heinrich II. ( 1223), Bischof v. Straßburg (s. NDB VIII);
    B Otto ( ca. 1246), Propst v. Solothurn, Gf. Rudolf ( vor 1258), Stifter d. Linie Nidau (vielleicht identisch mit d. Minnesänger Rudolf v. Fenis-Neuenburg), Berthold I. ( 1270), Stifter d. Linie Strassberg, Ulrich (1226–76), Stifter d. Linie Aarberg u. Valangin;
    Vt Berthold, teilt mit Ulrich III. nach anfänglich gemeinsamer Regierung den Fam.besitz so, daß Ulrich die deutschen Ländereien u. Berthold die franz. erhielt.

  • Leben

    H. wird 1234 erwähnt als Basler Domherr, 1239-59 als Archidiakon und 1247-57 als Archipresbyter. Etwa 1246-57 leitete er als Nachfolger seines verstorbenen Bruders Otto die Propstei Solothurn und 1249-56 diejenige zu Münster-Granfelden, an Stelle des 1249 zum Bischof von Basel gewählten Berthold von Pfirt; gleichzeitig war er Stiftsdekan von Rheinfelden. Als Dompropst (seit 1259) und Koadjutor (seit 1261) administrierte er das Bistum Basel und leitete die bischöfliche Politik, die ihn 1261 in den von Straßburgs Bürgerschaft gegen den dortigen Bischof Walther geführten Krieg, das sogenannte bellum Waltherianum, verstrickte. Am 5.11.1262 bestätigte ihm König Richard von Cornwall als seinem Kaplan, daß Breisach und das elsässische|Münstertal der Basler Kirche gehören. Unmittelbar nach dem Tode Bertholds (10.12.1262) setzte H., obschon nur halbgebildet, ohne Widerspruch des eingeschüchterten Domkapitels seine Wahl zum Bischof durch, vor Dezember 1264 bestätigt. H. verwandte seine volle Kraft auf die Verwirklichung machtpolitischer Ziele, einerseits auf Festigung seiner Stellung als Bischof gegenüber dem mächtigen Hochstift und als Stadtherr angesichts der aufstrebenden Bürgerschaft, andererseits auf den Ausbau des Bistums zum geistlichen Territorialfürstentum. Durch wichtige Akte schuf er sich in der Stadtbevölkerung eine breite solide Basis dafür. So gewährte er 1264/69 den aufstrebenden Handwerken der Gärtner und so weiter, 1268 der Weber und Leinwetter, 1271 der Maurer und verwandter Gewerbe die Zunftfreiheit, verlieh 1274 dem jetzt befestigten Kleinbasel eine Handfeste und gab der Bischofstadt die bis ins 16. Jahrhundert gültige Ratsverfassung. Ferner stützte er sich in seinem Ringen auf die ihm treuergebene, aus bischöflichen Ministerialengeschlechtern bestehende Adelsfaktion (Turniergesellschaft?) der Psitticher, die in scharfem Gegensatz zu jener der habsburgfreundlichen Sterner stand, die 1271 der Stadt verwiesen wurden. Die Durchsetzung seiner anfänglich erfolgreichen Machtpolitik, die das Bistum seit 1268 in einen zerstörerischen Krieg mit Graf Rudolf von Habsburg stürzte, scheiterte an der Erhebung des letzteren zum deutschen König, der 1274 die von H. erworbenen, für die Begründung des geplanten Territorialstaates wichtigen Städte Breisach, Neuenburg a. Rh. und Rheinfelden an das Reich zog. Wenige Monate nach der am 13.1.1274 erfolgten Huldigung Rudolfs durch Bischof und Stadt erlag H. einem Schlaganfall.

  • Literatur

    ADB XI;
    Regg. d. Bischöfe v. Konstanz I;
    Regg. d. Bischöfe v. Straßburg II;
    P. Grellet, in: Genealog. Hdb. z. Schweizer Gesch., 1900/1908, S. 117 u. Tafel 17;
    O. Redlich, Rudolf, v. Habsburg, 1903;
    A. Burckhardt, in: Basler Biogrr. II, 1904, S. 1-81;
    W. R. Staehelin, in: Musée Neuchâtelois NS 7, 1920, S. 46 ff.;
    W. Meyer, in: Basler Zs. f. Gesch. u. Altertumskde. 67, 1967, S. 5 ff.

  • Literatur

    zu Heinrich I.-III.: 17;
    Tonjola, Basilea sepulta, Basel 1661;
    J. Trouillat, Monuments de l'hist. de l'ancien évêché de Bâle, I-III, 1852 ff.;
    UB d. Landschaft Basel, 1881;
    L. Vautrey, Hist. des évêques de Bâle I, 1884;
    UB d. Stadt Basel I, 1890;
    R. Wackernagel, Gesch. d. Stadt Basel I, 1907, S. 21 ff.;
    A. Bernoulli, in: Basler Chroniken VII, 1915.

  • Autor/in

    Albert Bruckner
  • Empfohlene Zitierweise

    Bruckner, Albert, "Heinrich III." in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 339-340 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135951372.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heinrich III., Bischof von Basel, gest. am 13. Septbr. 1273, war ein Sohn des Grafen Ulrich von Neuenburg am See. Ulrich hatte mit seinem Neffen Berthold eine Theilung der Rechte und Besitzungen des Hauses Neuenburg vorgenommen, durch welche Berthold die Herrschaft Neuenburg erhielt, während die deutschen Gebiete sowie die gräfliche Würde an Ulrich fielen. Von den fünf Söhnen Ulrichs wurden drei die Stifter der Linien Nidau, Straßberg und Aarberg, zwei, Otto und Heinrich, traten in den geistlichen Stand. — Im J. 1236 begegnet uns H. als Domherr zu Basel, wo er in der Folge zum Archidiacon und zum Dompropst vorrückte. Um 1246 wurde er auch als Nachfolger seines verstorbenen Bruders Otto Propst zu Solothurn, 1249 Propst von Münster in Granfelden in Folge der Beförderung des Berthold von Pfirt auf den bischöflichen Stuhl von Basel. Nachdem Bischof Berthold am 10. Decbr. 1262 gestorben, nahm H., der in der letzten Zeit dessen Coadjutor gewesen war, den bischöflichen Stuhl ein, ohne daß das Capitel zu widersprechen wagte. Die päpstliche Bestätigung hat er im Laufe des Jahres 1264 erhalten. Er zeichnete sich nicht durch Gelehrsamkeit aus — quasi illiteratus nennt ihn der Chronist Mathias von Neuenburg —, und ob er es mit der geistlichen Seite seines Amtes sehr ernst genommen, muß dahingestellt bleiben — wir erfahren in dieser Beziehung nicht viel anderes, als daß er das Haupt des heil. Pantalus, der als Bischof von Basel mit der heil. Ursula und ihren elftausend Jungfrauen das Martyrium erlitten haben soll, aus Köln nach Basel kommen ließ —, dagegen war er ein kräftiger Regent, bemüht das Hochstift aus schwieriger Lage zu einer festbegründeten Macht zu heben. Schon als Tompropst war es ihm gelungen, die streitigen Ansprüche des Reiches und der Kirche Basel auf die Stadt Breisach und das elsässische Münsterthal durch eine Urkunde, welche ihm König Richard am 5. Novbr. 1262 in Schlettstadt ausstellte, zu Gunsten der letzteren entschieden zu sehen. Eben die Ansprüche auf das Münsterthal waren mit ein Grund gewesen, warum H. sich im J. 1261 nebst dem Grafen Rudolf von Habsburg und einigen anderen Herren mit den Bürgern von Straßburg gegen deren Bischof Walther von Geroldseck und seine Verwandten verbündet hatte, da auch die Geroldseck Ansprüche auf dasselbe Münsterthal geltend machten, die denen der Kirche Basel zuwiderliefen. Nachdem H. die Anerkennung der Rechte seiner Kirche auf Breisach durch Richard erhalten hatte, löste er die Ansprüche des Grafen Rudolf von Habsburg, welchem die Stadt durch König Konrad IV. verpfändet worden war, durch eine Geldzahlung ab und nahm im J. 1264 die Huldigung der Bürger entgegen. In demselben Jahre huldigten ihm auch die Bürger von Rheinfelden, das nicht wie Breisach ein althergebrachter Besitz der Basler Kirche, sondern erst in den letzten Jahrzehnten durch Bischof Berthold unter deren Schirm genommen worden war, nachdem Friedrich II. es aus dem zäringischen Nachlasse ans Reich gezogen hatte. Das auf einer Insel des Rheins belegene Schloß, den sog. Stein zu Rheinfelden, der den Mittelpunkt einer eigenen kleinen Herrschaft bildete, brachte H. durch Waffengewalt in seine Hand. — Nicht minder als die Wahrung der Rechte der Kirche nach außen ließ sich H. die Befestigung der Zustände im Innern angelegen sein, und hier ging sein Hauptaugenmerk auf die Herstellung eines guten Einvernehmens mit der Bürgerschaft. Er ertheilte ihr eine Handveste, die bis zum Schlusse des Mittelalters bei jedem Regierungswechsel vom Bischof und von der Bürgerschaft beschworen worden ist und beide zur gegenseitigen Anerkennung ihrer Rechte und Handhabung in denselben verpflichtet. Die Wahlart des Rathes, welche bis dahin einen Gegenstand des Streites gebildet hatte, wurde durch sie in einer Weise geregelt, die dem Rathe die gewünschte Selbständigkeit gab und zugleich die Autorität des Hochstiftes wahrte; jedes|Jahr bezeichnete der abtretende Rath sechs seiner Mitglieder, welche zwei Domherren zu sich nahmen und mit diesen zusammen den neuen Bürgermeister und den neuen (aus zwölf Mitgliedern bestehenden) Rath wählten. In diesem hatten, wie damals allenthalben in den deutschen Städten, die Handwerker noch keine Vertretung. H. pflegte aber, wenn es sich um wichtige Angelegenheiten des Hochstistes handelte, neben den Gotteshausdienstleuten und dem Rathe noch die Meister der Zünfte, deren selbständige Entwickelung er gefördert und deren Zahl er durch Stiftung zweier neuer vermehrt hat, zuzuziehn. Durch dieses Anlehnen an die Bürgerschaft wurde er in den Stand gesetzt, dem Domcapitel und dem Adel gegenüber fest aufzutreten und auswärtige Feinde mit Nachdruck zu bekämpfen. Sein trotziges Selbstbewußtsein soll er selbst dem Papste gegenüber gezeigt haben: als er einst, so wird uns berichtet, eine Vorladung nach Rom erhielt, zwang er den Boten, nachdem er ihn ehrenvoll empfangen hatte, den Papst selbst auf eben diesen Termin vor ihn auf sein Schloß Birseck zu citiren. Ein gefährlicher Gegner erwuchs ihm in der Person seines früheren Verbündeten, des Grafen Rudolf von Habsburg. Nachdem H. noch im J. 1267 zwischen seinen Schwestersöhnen, den Freiherrn von Regensberg und dem Grafen, allerdings vergeblich, den Vermittler gemacht hatte, finden wir ihn seit dem J. 1268 selbst mit Rudolf im Kriege. Im J. 1270 gewann dieser einen Verbündeten an dem Abte von St. Gallen, mit dem er nach Seckingen rückte, um Basel zu belagern. Allein H., der ihnen mit den Bürgern entgegengezogen war, bewog den Abt in einer Zusammenkunft zu Beuggen, sich mit ihm auszusöhnen. Der Krieg zwischen dem Grafen und dem Bischof wurde unter gegenseitigen Verwüstungen fortgeführt. Um das durch die Rheinbrücke mit der Stadt Basel verbundene jenseitige (mindere) Basel, das damals noch ein offener Ort war, vor solchen sicher zu stellen und dadurch auch die Brücke zu schützen, umgab es H. mit einer Mauer. Durch Ankauf verschiedener Schlösser und Herrschaften stärkte er seine Macht. Die wichtigste Erwerbung dieser Art war die der Oberlehnsherrlichkeit über die Grafschaft Pfirt, deren Inhaber bis dahin nicht immer in den besten Beziehungen zum Hochstift gestanden. Den 15. Jan. 1271 trat Graf Ulrich mit Zustimmug seines Sohnes Diebold gegen die Summe von 850 Mark Silbers seine sämmtlichen Besitzungen mit Ausnahme eines Schlosses und eines Hofes an den Bischof ab, um sie wieder von ihm zu Lehen zu empfangen. Im folgenden Jahre bemächtigte sich dieser der Stadt Neuenburg am Rhein. Graf Heinrich, der jüngere Sohn des Grafen Conrad von Freiburg, dem jene Stadt nach dem Tode seines Vaters zugefallen war, hatte am Vorabend des Huldigungstages die Frau eines Bürgers geschwächt, die Bürger, darüber erzürnt, verweigerten ihm die Huldigung und während der Graf von Habsburg zu seiner Hülfe heranzog, riefen sie den Schutz des Bischofs an. Dieser besetzte die Stadt, und am 22. März 1272 huldigten die Bürger ihm und dem Gotteshause zu Basel auf so lange, bis ein Kaiser oder König von den Fürsten recht und redlich erwählt sein werde. — Die baslerische Ritterschaft hatte sich in die zwei feindlichen Parteien der Sittiche und der Sternträger gespalten, von denen die letzteren mit den Feinden des Bischofs, namentlich mit dem Grafen von Habsburg, im Einvernehmen standen. Im J. 1271 trieb sie H. aus der Stadt, doch scheint es ihm damit nicht gelungen zu sein, die unzuverlässigen Elemente vollständig aus seiner Umgebung zu entfernen, und er sah sich durch die Haltung der Seinen mehrfach an freier Bewegung gegen den Feind gehindert. — Im folgenden Jahre 1273 legte sich Rudolf zu wiederholten Malen vor die Stadt Basel. Hier traf ihn der Burggraf von Nürnberg, der ihm seine Erwählung zum römischen Könige überbrachte. Ebenderselbe vermittelte hierauf einen Waffenstillstand zwischen ihm und dem Bischof, und beide Theile|entließen ihre Heere. „Sitz fest, Herr Gott“, soll H. bei der Nachricht von der Königswahl ausgerufen haben, „oder Rudolf wird Deinen Platz einnehmen!“ Die Folgen derselben waren schlimm genug für ihn, indem Rudolf die Städte Rheinfelden, Neuenburg und Breisach ans Reich zog. Am 13. Jan. 1274 traf der König, nachdem er in Aachen gekrönt worden war, in Basel ein und wurde vom Bischof und der gesammten Geistlichkeit feierlich empfangen. Nicht lange überlebte H. den Triumph seines Gegners, er starb den 13. Septbr. desselben Jahres, wie man annahm, vom Kummer sich mit Einem Schlage um die Frucht langjähriger Anstrengung und Ausdauer gebracht zu sehen, dahingerafft.

    • Literatur

      Vgl. die zum vorhergehenden Artikel genannten Werke.

  • Autor/in

    W. Vischer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Vischer, W., "Heinrich III." in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 478-480 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135951372.html#adbcontent

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