Lebensdaten
1860 bis 1928
Geburtsort
Böhmisch Aicha
Sterbeort
Gumpoldskirchen Bezirk Mödling (Niederösterreich)
Beruf/Funktion
Maschinenindustrieller ; Erfinder
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 129214582 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Klinger, Richard

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Zitierweise

Klinger, Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129214582.html [12.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1833–93), Baumeister in B. u. Münchengrätz, S d. Landwirts Anton (1802–58) in B. u. d. Anna Mlynar;
    M Marie Lang (1838–1918) aus B.;
    B Josef (1864–1944), Baumeister in Budapest, Gustav (1868–1932), kaufmänn. Dir. im Werk Gumpoldskirchen, Rudolf (1876–1965), techn. Dir. im Werk Gumpoldskirchen;
    - Wien 1888 Marie (1862–1932), T d. Gärtners Josef Soukup in Neuhaus (Böhmen) u. d. Marie Zednik;
    3 S, 3 T u. a. Gustav (1888–1949), techn. Dir. im Werk Berlin-Tempelhof, Richard (1890–1918), Karl (s. 2).

  • Leben

    K. besuchte die Oberrealschule in Böhmisch Leipa und studierte 1880-86 an der TH Wien Maschinenbau. Schon als Student machte er einige Erfindungen auf glastechnischem Gebiet. So vermochte er durch einen besonderen Schliff bei Gablonzer Schmucksteinen eine gesteigerte Leuchtkraft zu erzielen und entwickelte ein Schleifgerät, das es ermöglichte, den bis dahin üblichen Einzelschliff von Hand durch die gleichzeitige Bearbeitung einer größeren Zahl von Steinen zu ersetzen. Seit 1886 stellte er dieses und andere Geräte in Wien in einer eigenen kleinen Werkstatt her.

    Auf der Wiener Industrieausstellung von 1884 wurde K. auf die damals gebräuchlichen Anzeigevorrichtungen für den Wasserstand an Dampfkesseln aufmerksam. Diese bestanden aus einfachen Glasrohren, die in Hahnköpfen gelagert und mittels Stopfbüchsen abgedichtet waren. Selbst bei den damaligen niedrigen Betriebsdrücken von höchstens 8 atü erwiesen sich solche Rohre als unzureichend und gefährlich, da zum einen der Wasserstand schlecht ablesbar war und zum anderen die Rohre häufig platzten, was immer wieder zu Verbrühungen und anderen Verletzungen führte. K. stellte die Überlegung an, daß bei entsprechendem Rillen-Schliff einer Glasplatte Sehstrahlen, die in Höhe des Dampfraumes auffallen, total reflektiert, hingegen solche, die in Höhe des Wasserraumes auffallen, total absorbiert werden müßten, so daß der Dampfraum silberhell, der Wasserraum dunkel und der Wasserstand als deutliche Grenzfläche zwischen beiden erscheinen würde. Nach zahlreichen Versuchen kam er zur Erfindung des Reflexions-Schauglases mit Spezial-Oberflächenhärtung, das, in einen Bronze- oder Stahlkörper eingebaut, den Wasserstand deutlich und gefahrlos sichtbar machte und für dessen Herstellung er 1891 und 1893 Privilegien erhielt. Im Zusammenhang hiermit entwickelte K. ein neues Dichtungsmaterial, das druck- und temperaturbeständiger war als die bis dahin verwendeten organischen Dichtungen aus Preßspan, Leder oder Hanf und auch die Nachteile der zu harten Kupferdichtungen vermied. Auf dieses aus fein aufgeschlossenem Asbest und anderen Chemikalien sowie Kautschuk bestehende Dichtungsmaterial erhielt er 1898 ein Privileg. Es wurde später „Klingerit“ benannt, immer wieder verbessert und wird noch heute hergestellt. Die Kombination von K.s beiden Erfindungen erlaubte die Anwendung höherer Temperaturen und Dampfdrücke, so daß nun Kessel mit verbessertem Wirkungsgrad gebaut werden konnten.

    Der weltweite Erfolg seiner Erfindungen ermöglichte K. seit 1893 den Betrieb einer eigenen Fabrik in Gumpoldskirchen (Gumpoldskirchener Maschinen- und Metallwarenfabrik Richard Klinger), in der später auch Azetylen-Beleuchtungsanlagen, Stopfbüchsenpackungen sowie verschiedene Arten von Pumpen (Rundlauf-, Feuerlösch-, Öl- und Fettschmierpumpen) erzeugt wurden. Seit 1921 stellte K. auch Abschlußorgane her. Das Klinger-Ventil und der Klinger-Hahn verwendeten das von ihm erfundene Dichtungs-material. Das mit ursprünglich 28 Beschäftigten begonnene Unternehmen nahm einen bedeutenden Aufschwung. 1913 wurde in Berlin-Tempelhof ein Zweigbetrieb errichtet. Die 1912 in eine GmbH umgewandelte Firma hatte dort bei K.s Tod 600 und im Stammwerk Gumpoldskirchen 500 Beschäftigte.

  • Literatur

    Kat. d. v. d. kaiserl.-kgl. Privilegien-Archive registrierten Erfindungsprivilegien, 1891, 1893, 1898;
    Neue Freie Presse v. 15.7.1928;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Erhard Marschner
  • Empfohlene Zitierweise

    Marschner, Erhard, "Klinger, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 82 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129214582.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA