Lebensdaten
1645 bis 1705
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Komponist ; Organist
Konfession
lutherische Familie
Normdaten
GND: 128912766 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Löhner, Johann
  • Lochner, Johann
  • Löhner, Johannes

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Zitierweise

Löhner, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128912766.html [19.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Joachim (1599–1650), Röhrenmeister d. Gf. Günther v. Schwarzburg in Arnstadt, dann in N., S d. Zeugmeisters Hans in N. u. d. Helena Weimann;
    M Anna ( 1660), T d. Pfarrers Jakob Windhesel ( 1632) in Eschenau u. d. Dorothea Bayer;
    Ur-Gvm Nikolaus Bayer, bamberg. Verwalter d. Klosters Neunkirchen, dann Spitalmeister in N.;
    B Martin (s. 2); Schwager Georg Caspar Wecker (1632–95), Komponist u. Organist in N. (s. MGG 14); - ledig.

  • Leben

    L. wurde nach dem Tod seiner Mutter von G. C. Wecker in dessen Familie aufgenommen und zum Musiker ausgebildet. Um 1660-65 spielte er unentgeltlich das Regal in St. Sebald. Danach wurde er Tenorist in verschiedenen Kirchen Nürnbergs und trat dort 1669 mit Sigmund v. Birken in Verbindung. 1669/70 wirkte er vorübergehend als Hoforganist in Bayreuth. Eine Studienreise führte ihn im Juli 1670 nach Wien und später nach Salzburg, wo er vor Erzbischof Max Gandolf v. Kuenberg musizierte; auch besuchte er Leipzig, um u. a. Sebastian Knüpfer zu hören. 1671 nach Nürnberg zurückgekehrt, fand er wieder als Tenorsänger an den Hauptkirchen und nebenamtlicher Organist an der Frauenkirche Verwendung. 1682 erhielt er das Organistenamt an Hl. Geist und 1694 an St. Lorenz, wo er bis zu seinem Tod blieb.

    Von L. sind, vorwiegend in Sammlungen nürnberg. Andachts- und Erbauungsliteratur, rund 300 geistliche Gesänge überliefert, die als kontemplative „christliche Hausmusik“ zu verstehen sind: kurze Strophenlieder in fast durchweg syllabischer Deklamation mit schlichter Generalbaßbegleitung, von denen einige ein Streicherritornell aufweisen; in ihrer knappen Form und lyrischvolkstümlichen, kantablen Melodik, die affekthaftes Pathos und figürliche Wortausdeutung meidet, stehen sie ganz auf dem Boden der Nürnberger Schultradition. L.s bedeutendstes Werk ist die 12 geistliche Konzerte für Solostimme, 2 obligate Violinen und Basso continuo umfassende „Auserlesene Kirch- und Tafel-Music“ (1682), die Texte der älteren Strophenlieder neu vertont und nunmehr durchkomponiert, damit „man sie nicht nur in Arien singe, sondern noch etwas deutlicher ausdrücke“. Fünf dieser Stücke werden von einem kurzen Bibelabschnitt eröffnet und stellen so die frühesten Nürnberger Belege der Spruchodenkantate dar.

    Außer Sigmund Theophil Staden war L. der einzige Nürnberger Opernkomponist des 17. Jh. Von seinen Bühnenwerken sind indessen neben den Libretti nur eine Orgeltabulatur und zwei Ariensammlungen überkommen: „Keusche Liebs- und Tugend-Gedancken“ (1680; zum Teil aus „Die triumphirende Treu“) und „XLIV Arien aus der Opera von Theseus“ (1688). L.s Opernarien erweisen sich als schlichte Strophenlieder mit Generalbaß, die stilistisch nicht von seinen entsprechenden geistlichen Gesängen zu trennen sin. – Instrumentalwerke scheint L. nicht geschrieben zu haben.

  • Werke

    Weitere W u. a. Geistl. Sing-Stunde od. XXX Andacht Lieder, 1670;
    150 Lieder in: Ch. A. Negelein, Die alte Zions-Harpfe, 1694;
    Suavissimae canonum musicalium delitiae, 1700. -
    Opern (Musik, außer 2 Arienslgg. u. Orgeltabulatur, verschollen) Herodes (J. L. Faber), 1675 (Nürnberg;
    Abraham [J. L. Faber], 1675 (f. Nürnberg;
    1684 auf 5 Akte erweitert);
    Die triumphirende Treu (C. Heuchelin, P. Keller), 1679 (f. d. Ansbacher Hof);
    Der gerechte Zaleukus (L., vermutl. nach G. F. Minato, Seleuco), 1687;
    Theseus (L., vermutl. nach G. F. Aureli, Teseo fra li rivali) 1688 (f. Nürnberger Mäzene). - Ca. 50 Gelegenheitskompositionen, vorwiegend f. Nürnberger Bürger, 1670-96.

  • Literatur

    ADB 19;
    J. G. Doppelmayr, Hist. Nachr. v. d. Nürnberg. Mathematicis u. Künstlern, 1730;
    J. Mattheson, Grundlage e. Ehren-Pforte, 1740;
    J. Zahn, Die Melodien d. dt. ev. Kirchenlieder, 1889-93;
    M. Seiffert, Vorwort zu DTB VI/1 (= 10), 1905;
    A. Sandberger, Zur Gesch. d. Oper in Nürnberg …, in: Archiv f. Musikwiss. 1, 1918/19, S. 84-107, wieder in: ders., Ges. Aufsätze z. Musikgesch., 1921, S. 188-217;
    R. Wagner, Die Organisten d. Kirche z. Hl. Geist in Nürnberg, in: Zs. f. Musikwiss. 12, 1929/30, S. 458-71;
    G. Schmidt, Die Musik am Hofe d. Markgrafen v. Brandenburg-Ansbach, 1956, S. 64, 135 f.;
    H. E. Samuel, The Cantata in Nuremberg during the 17th Century, Diss. Cornell University 1963, Ann Arbor, Mich. 1982 (W);
    H. Harrassowitz, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Stadt Nürnberg 60, 1973, S. 84-87;
    W. Braun, Einl. zu DTB NF VI, 1984;
    MGG VIII (W, L);
    Riemann The New Grove (W, L).

  • Autor/in

    Franz Krautwurst
  • Empfohlene Zitierweise

    Krautwurst, Franz, "Löhner, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 39 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128912766.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Löhner: Johann L., beliebter Componist, geb. als Zwilling am 21. December 1645 zu Nürnberg und am 2. April 1765 ebenda. Nachdem er früh Waise geworden, nahm sich sein Schwager, der Organist Georg Kaspar Wecker in Nürnberg, seiner an und unterrichtete ihn in der Musik. Zu seiner weiteren Ausbildung ging er nach Wien. Auf der Rückreise ward er zu Salzburg vom|Erzbischof „mit einem schönen Gnadenpfennige“ beehrt. Hernach war er auch in Leipzig. Er wurde dann Organist in Nürnberg und zwar zuerst (vor 1673) an der Kirche Unserer lieben Frauen, sodann im J. 1682 am Heiligen Geist und zuletzt 1694 zu St. Lorenz. L. blieb unverehelicht. Im J. 1673 gab er zu Nürnberg die von den Mitgliedern des Pegnitzblumenordens verfaßte poetische Bearbeitung einzelner Andachten aus Heinrich Müller's geistlichen Erquickstunden mit von ihm verfertigten Choralmelodien in Arienform heraus (Nürnberg, bei Wolf Eberhard Felsacker, mit einer Widmung an Andreas Ingelstetter [sic!], von welchem einige dieser Lieder sind, und Johann Leonhard Stöberlin). Im Nürnberger Gesangbuch von 1677 befinden sich 8 Melodien von ihm; hernach lieferte er zu Arnschwanger's Palmen und Psalmen 1680 wieder 21 Melodien.

    • Literatur

      Mattheson, Ehrenpforte, S. 172. Winterfeld, Der evangel. Kirchengesang, II, S. 461. Döring, Choralkunde, S. 112. Gerber, Lexikon der Tonkünstler, III, Sp. 248. Fétis, Biographie universelle des musiciens, V, Paris 1863, S. 336. Koch, Geschichte des Kirchenlieds u. s. f., 3. Aufl., IV. S. 127. Rotermund zum Jöcher, III, Sp. 2037.

  • Autor/in

    l. u.
  • Empfohlene Zitierweise

    l. u., "Löhner, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 131-132 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128912766.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA