Lebensdaten
1908 bis 1974
Geburtsort
Mainz/Rhein
Sterbeort
Orselina (Schweiz)
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 128714867 | OGND | VIAF

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Zitierweise

Krahn, Johannes, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd128714867.html [29.07.2016].

CC0

Krahn, Johannes

Architekt, * 17.5.1908 Mainz/Rhein, †17.10.1974 Orselina (Schweiz). (katholisch)

  • Genealogie

    V August (1882–1955), Beamter; M Barbara Schneider (1882–1975); Offenbach/Main 1934 Friedet Niedenthal (* 1907); 2 S, 1 T.

  • Leben

    In Offenbach besuchte K. 1923-27 die Kunstgewerbeschule und die Bauschule. Seine Lehrer waren Dominikus Böhm und Rudolf Schwarz. Der „Wandervogel“ gab K. die geistige Prägung. 1927/28 besuchte er unter Böhm die Kölner Werkschulen. Anschließend war er bis 1933 in Zusammenarbeit mit Schwarz und Hans Schwippert an der Kunstschule in Aachen tätig. Hier entfalteten sich Kontakte zu den Malern und Bildhauern Anton Wendung, Hein Minkenberg, Maria Eulenbruch und Wilhelm Rupprecht. Die Zeit des Nationalsozialismus überbrückte K. als Freischaffender zusammen mit Schwarz in Frankfurt. Er mußte sich auf den Bau einiger Wohnhäuser sowie Möbelentwürfe beschränken. In den Kriegsjahren war er in einem Industrie-Baubüro in Berlin tätig.

    Beim Wiederaufbau der Paulskirche in Frankfurt (1947–48) war K. federführender Architekt der Planungsgemeinschaft. Mit eigenem Architekturbüro konnten anschließend zahlreiche Bauten, zum Teil auf Grund von Wettbewerbserfolgen geschaffen werden, darunter die Französische Botschaft in Bad Godesberg (1950), 11 französische und deutsche Schulen (1950–53), der Wiederaufbau des Städelschen Kunstinstitutes in Frankfurt (1966), der sich mit großem Einfühlungsvermögen der verbliebenen Substanz anpaßt, das Hochhaus „Passage zum Bienenkorb“ in Frankfurt (1955), sowie das Deutsche Haus in der Cité Universitaire in Paris (1956).

    1954 wurde K. als Professor der Abteilung Baukunst an die Städelschule in Frankfurt berufen, 1965-70 war er deren Direktor. Bestimmte Prinzipien begleiteten seine Lehr- und Arbeitstätigkeit: Vorrang der Funktion, Konstruktions- und Materialgerechtigkeit, Verzicht auf Ornament und vorgeblendete Fassade sowie Liebe zum Detail. Zahlreiche Wohn- und Bürohochhäuser zeugen vom Bestreben nach innerstädtischer Verdichtung zugunsten von Freiräumen und Grünanlagen. K. stemmt sich gegen das Spezialistentum, ein Blick auf sein vielseitiges Schaffen verdeutlicht dies: Büro- und Geschäftshäuser, Hotels, Soldatenfriedhöfe in Frankreich (1959), Krankenhäuser in Offenbach/Main (1958), Riedlingea/Donau (1960) und Aachen-Würselen (1966), Studentenheime und Familienferiendörfer, medizinische und technische Ausbildungsstätten in Indien (1958), Banken und Sparkassen, Deutsche Botschaft in Neu Delhi (1960). Einige wegweisende Sakralbauten waren für ihn als gläubigen Katholiken die Krönung seines Schaffens, hierzu gehören die Pfarrkirchen Sankt Wendel (1957) und Sankt Sebastian (1966) in Frankfurt, die Klaus-von-der-Flüe Friedenskirche in Wörsdorf (1962) sowie Sankt Martin in Idstein (1965).|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Künste, Berlin (1955); Goldmedaille f. d. „Krahn“-Stuhl auf d. 9. Triennale in Mailand 1951.

  • Werke

    Weitere W u. a. Franz. Hotel in Bad Godesberg (1952);  New Quartermaster Depot Nahbollenbach/Nahe (1953);  Wiederaufbau d. Altstadt Wesel/Niederrhein (1954);  Hauptverwaltung d. Frankfurter Sparkasse v. 1822, Frankfurt (1956);  Bürohaus d. Hüttentechn. Vereinigung d. Dt. Glasindustrie, ebd. (1957);  Haus d. Volksarbeit, ebd. (1964);  Bürogebäude d. Fa. Ph. Holzmann AG, ebd. (1966);  Friedrich-Dessauer-Haus, Studentenheim, ebd. (1966);  Wohn- u. Bürohochhaus Henninger, ebd. (1967);  Airport Hotel, ebd. (1968);  Hochhaus am Platz d. Republik, ebd. (1975);  Indo-German-Prototype Workshop and Training Centre in Okhla b. Neu Delhi (1958);  Staatl. Werkkunstschule in Kassel (1958);  Dt. Sitzungssaal im UNESCO-Gebäude in Paris (1958);  Dt. Soldatenfriedhöfe Lesneven u. Pornichet (Bretagne) (1959);  Gruftanlagen f. 13 000 Tote in d. Normandie (bei Mont St. Michel);  Verbandssparkasse in Wesel/Niederrhein (1962);  Kath. Kirche Großkrotzenburg/Main (1965 Renovierung e. hist. Bauwerkes);  St. John’s Medical College & Hospital, Bangalore/Indien (1965);  Fam.feriendorf in Hübingen/Westerwald (1966);  Zweites Dt. Fernsehen, Verwaltungsgebäude Mainz (1973);  Hochhausgruppe Bonifatiusplatz., ebd. (1978).

  • Literatur

    A. Simon, Bauen in Dtld., 1969, S. 17, K 10;  R. v. Steinbüchel-Rheinwall u. a., Hotel- u. Restaurantbauten, 1970, S. 35-37;  H. Deilmann, Bauten d. Gesundheilswesens, 1972, S. 91-93;  H. Schnell, Der Kirchenbau d. 20. Jh. in Dtld., 1973, passim, bes. S. 97 ff.;  - Bauen u. Wohnen, 1950, S. 520-27;  ebd., 1951, S. 694-96;  ebd., 1954, S. 532-38;  ebd., 1956, S. 17-19;  Baukunst u. Werkform, 1954, S. 137-50;  Die Bauverwaltung, 1954, S. 286;  ebd., 1957, S. 450-55;  Glasforum, 1957, S. 2-7;  ebd,. 1959, S. 7-15;  Die Bauztg., 1958, S. 268-71;  The Indian Architect, 1959, S. 9-18;  Baumeister, 1964, H. 10;  Dt. Bau-Zs., 1967, S. 37-41, 1651 f.;  ebd., 1968, S. 1627–30.

  • Autor

    Hans-Joachim Lorenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Lorenz, Hans-Joachim, "Krahn, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 661 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd128714867.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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