Lebensdaten
1407 bis 1491
Geburtsort
Ulm
Sterbeort
Bologna
Beruf/Funktion
Dominikaner ; Glasmaler ; Landsknecht ; Hausverwalter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 128648864 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jacobus de Alemania
  • Jacobus Teutonicus
  • Tedesco, Jacobus
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Zitierweise

Griesinger, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128648864.html [20.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Dietrich (?). Der Familienname des Jacobus de Alemania ist v. d. Ulmer Dominikanerprior Felix Fabri (1441–1502) überliefert. Die Griesinger waren im 15. Jh. in Ulm Handwerker u. Müller. Eine Griesingermühle wird 1462-1529 genannt.

  • Leben

    G., der wohl in Ulm das Maler- oder Glaserhandwerk erlernte, wanderte 1432 nach Rom, verbrachte 4 Jahre als Landsknecht im Heere des Königs Alfons V. von Aragonien und 5 Jahre als Hausverwalter eines Juristen in Capua. 1441 trat er als Laienbruder in das Dominikanerkloster San Domenico in Bologna ein und arbeitete dort als kunstfertiger und geachteter Glaser, Maler, Schlosser und Schmied bis zu seinem Tode. 1463 entstanden die 6 großen Rundfenster des Mittelschiffs von San Petronio und das Rundbogenfenster der Fassade von San Domenico. 1464-66 schuf er mit anderen Mitbrüdern und dem Maler Michele di Matteo das, als einziges noch erhaltene, Glasfenster der Gesellschaft der Notare in der Heilig Kreuzkapelle der Basilika, ein realistisches Kunstwerk, in dem sich deutsche und italienische Stilelemente mischen. In den Jahren bis 1476 ist die Bemalung der Klosterbibliothek, die Arbeit an den großen Rundbogenfenstern ihres Mitteltraktes und an den Spitzbogenfenstern der Dominikuskapelle bezeugt. G. bildete mehrere Schüler heran, darunter auch seinen Biographen Ambrogino da Soncino. Ihnen schreibt die Überlieferung Glasfenster im Mailänder Dom und in anderen Kirchen Oberitaliens zu. Gleich nach seinem Tode wurde G. als Seliger verehrt. Papst Leo XII. gestattete 1825 der Diözese Bologna und dem Dominikanerorden seine Erwähnung im Offizium und in der Messe am 12. Oktober.

  • Literatur

    ADB IX;
    Frater Felix Fabri, Sionspilgerin, Hs. 1493, Bl. 343;
    AA SS Oct., Bd. 5, S. 790-803 (Ber. d. Ambrogino da Soncino, 1501);
    J. N. Sepp, J. G. v. Ulm, Patron d. Glasmaler, in: Münsterbll. 1888, 5, S. 37-51;
    J. Burckhardt, Der Cicerone 2, S. 241 (Gesamtausg. 1933, III);
    H. Wilms, Der sel. J. G. aus Ulm, 1922;
    F. Filippini, Il Beato Fra. Jacopo da Ulma, domenicano, maestro di vetrate, in: Il VII. centenario di S. Domenico, Bologna, 1921, XII, S. 279 ff.;
    M. Casali, La Bibl. di San Domenico in Bologna, ebd. 1959;
    V. Alce, Der Ulmer Glasmaler J. G. in Bologna, in: Ulm u. Oberschwaben 36, 1962, S. 39-45.

  • Autor/in

    Max Huber
  • Empfohlene Zitierweise

    Huber, Max, "Griesinger, Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 65 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128648864.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Griesinger: Jacob G., geboren zu Ulm 1407, gestorben zu Bologna den 11. October 1491, zweiter Sohn des Ulmer Kaufmanns Dietrich G., brachte den größten Theil seines Lebens in Italien zu. Als Jüngling von 25 Jahren pilgerte er nach Rom; da es ihm aber an Mitteln zur Heimreise gebrach, wandte er sich nach Neapel und ließ sich für das Heer König Alfons' V. anwerben, jedoch angewidert durch das Treiben der raublustigen Söldnerbanden verließ er ihre Reihen und trat in die Privatdienste eines adlichen Rechtsgelehrten in Capua. Nachdem er fünf Jahre in dessen Hause zugebracht, riß er sich los, um endlich die Heimath wiederzusehen. Allein auf der Rückreise machte er längeren Halt in Bologna und dort reifte in ihm der Entschluß, bei den Dominicanern, deren ernste Frömmigkeit ihm imponirte, als Novize einzutreten (um 1437 oder 1438). So blieb er denn zeitlebens im Kloster S. Domenico zu Bologna als Laienbruder. Während er es an keiner mönchischen Tugend fehlen ließ, suchte er für seine fleißige und geschickte Hand einen Beruf in der Glasmalerei, welche damals vorzugsweise in Klöstern gepflegt wurde. Er schmückte zunächst sein Kloster und die dazu gehörige Kirche mit Proben seiner Kunstfertigkeit, besonderen Ruhm aber erwarb er sich durch seine Arbeiten für|die städtische Domkirche S. Petronio. Die Behauptung, daß er auch ins Elsaß gekommen sei und dort gemalt habe, ermangelt jeglichen Beleges und ist unvereinbar mit den Nachrichten über seinen Lebensgang. In Bologna allein hat er gewirkt; dort hinterließ er auch Schüler im Kloster S. Domenico selbst. Unter diesen that sich Ambrogino aus Soncino hervor, welcher auch mit G. in Petronio malte. Er setzte seinem Lehrer ein schönes Denkmal in der Biographie, die ursprünglich italienisch abgefaßt und besonders gedruckt (Bologna 1510 und 1613), später in die Acta Sanctorum aufgenommen wurde; es ist darin allerdings über G. ein Heiligenschein ausgegossen, weshalb ihn auch die Glasmalerzunft in Paris zu ihrem zweiten Patron erhob und Papst Leo XII. ihn im J. 1825 selig sprach. Während ihn seine Klosterbrüder unter dem Namen Giacomo Alemanno (Jacobus Teutonicus) kannten, verehrt ihn die katholische Kirche als den sel. Jacob von Ulm. In der Geschichte der Glasmalerei ist ihm kein unbedeutender Platz zu vindiciren, wenn auch sein Wirkungskreis nicht über Bologna hinausging. Ob er aber zu denen zu zählen sei, welche deutsche Kunst nach Italien verpflanzten, ist fraglich. Sein Biograph sagt nirgends, daß er irgend welche Erfahrung in der Glasmalerei aus der Heimath mitgebracht hat. Manches mittelitalienische Kloster (Pisa, Arezzo, Florenz, Perugia) zählte schon ehe G. in Bologna wirkte, in seiner Mitte Mönche, welche in der Glasmalerkunst wohlerfahren waren; wie leicht konnte sich von solchen naheliegenden Herden aus diese Kunstübung auch nach Bologna verpflanzen! Doch wenn auch nicht deutsche Technik, so trug er doch deutsche Kunstanschauungen über die Alpen. Sein Stil mischte sich, wie Jacob Burckhardt sagt, aus deutschem und italienischem Realismus. Leider ist es schwer, Malereien zu finden, welche ganz unzweifelhaft von der Hand dieses Meisters stammen. Was er in S. Domenico malte, ist zerstört; in S. Petronio ist es noch nicht vollkommen gelungen, die von ihm herrührenden Malereien von denen seiner Schüler und Anderer zu scheiden; eine sichere Uberlieferung über die Urheber liegt nicht vor. Nach einer alten Tradition unter den Glasmalern Frankreichs wäre Jacob von Ulm durch einen glücklichen Zufall Erfinder des sogenannten Kunstgelb geworden; allein neueren Forschungen zufolge war diese Schmelzfarbe bereits im vierzehnten Jahrhundert im Gebrauch.

    • Literatur

      Der Lebensgang Jac. Griesinger's ist hier geschildert nach Ambrogino's (da Soncino) Biographie desselben, wie sie in lateinischer Ubertragung durch Isidor von Mailand in Acta SS. Boll. Oct. T. 5 p. 790—803 vorliegt (eine andere Ubersetzung bei Surius T. 5—1574 — p. 722 ff.), wozu zu vergleichen Melloni, Atti degli uomini illustri in santità nati o morti in Bologna 3, 224—272. Den Geschlechtsnamen G. schöpfte Weyermann, Neue Nachrichten von Ulmer Gelehrten und Künstlern, S. 137, aus Felix Fabri's „Sionspilgerinnen“ (ungedr.). Ueber Griesinger's künstlerische Thätigkeit bringt Vinc. Marchese, Memorie dei più insigni pittori, scultori e architetti Domenicani, Ed. 3 T. 1 p. 504 ff., urkundlichen Nachweis. Weiteres zu seiner Charakteristik s. bei Schnaase, Gesch. der bildenden Künste, Bd. 7, 2. Aufl., S. 464, bei Burckhardt, Cicerone, 2. Aufl., S. 865, und bei Wackernagel, Die deutsche Glasmalerei, S. 26. 64. 158 f. Ueber die angebliche Erfindung des Kunstgelb vgl. Levieil in der Description des arts et métiers, T. 21, p. 108, col. 2, not. a, vgl. auch p. 34. Unger, Art. Glasmalerei bei Ersch u. Gruber. S. 59. Labarte, Hist. des arts industriels, 3, 363. Die Wirksamkeit Griesinger's im Elfaß erörtert mit negativem Resultat Gérard, Les artistes d'Alsace pendant le moyen âge, 2, 342 f.

  • Autor/in

    Heyd.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heyd, Wilhelm von, "Griesinger, Jakob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 667-668 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128648864.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA