Lebensdaten
1625 bis 1664
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Sankt Gotthard/Raab
Beruf/Funktion
Reiseschriftsteller ; Offizier
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 124827527 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sahr, Johann Jakob
  • Saar, Johann Jakob
  • Sahr, Johann Jakob
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Zitierweise

Saar, Johann Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124827527.html [24.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Christoph ( 1659), Kaufm., Genannter d. Größeren Rats in N.;
    M Magdalena Krausberger ( 1631); mehrere B;
    Nürnberg 1661 Katharina ( nach 1666), T d. Johann Georg Söhner (1603–66), Amtmann in N., u. d. Susanna Schmauss.

  • Leben

    S. wurde im Alter von 18 Jahren zur kaufmännischen Ausbildung nach Hamburg geschickt, trat jedoch mangels einer Anstellung und aus Abenteuerlust 1644 in Amsterdam als Fahnenjunker in den Dienst der niederländ. Ostindiengesellschaft (VOC). 1645-47 versah er zunächst Garnisonsdienst in Batavia (Java, heute Jakarta), auf Ambon und den Molukken, wo er an mehreren militärischen Expeditionen gegen die Einwohner benachbarter Inseln beteiligt war. Seit 1647 war er hauptsächlich in Ceylon tätig, abgesehen von Aufenthalten in den Niederlassungen der VOC in Gamrun (Persien) und Surat (Indien) 1649/50 und der Teilnahme an zwei Operationen gegen portugies. Stützpunkte in Indien (1653 bzw. 1659). Bei seiner Ankunft zeichnete sich bereits jener Krieg ab, der 1652-59 zur Verdrängung der Portugiesen von der Insel Ceylon führen sollte. S., seit 1654 Korporal, nahm an allen bedeutenden Kriegshandlungen teil, in deren Verlauf er bei der Belagerung von Colombo zweimal verwundet wurde und mehrere Monate in portugies. Kriegsgefangenschaft verbrachte. Ende 1659 erhielt S. in Batavia seinen Abschied und kehrte im folgenden Jahr über Mauritius, das Kap der Guten Hoffnung und Amsterdam nach Nürnberg zurück. Dort versuchte er, anscheinend erfolglos, sich eine bürgerliche Existenz aufzubauen; jedenfalls kehrte S. 1664 bei Beginn des Krieges gegen die Türken wieder in den Soldatenberuf zurück. Im fränk. Kontingent der ksl. Armee erhielt er als Fähnrich den Oberbefehl über eine Kompanie, fiel jedoch bereits wenige Monate später in Ungarn in der Schlacht von St. Gotthard/Raab. Die in der Literatur vorherrsehende Angabe, S. sei als Kaufmann in Nürnberg gestorben, geht auf einen Autor des 18. Jh. zurück.

    S. hatte nach seiner Rückkehr aus Asien unter Mitarbeit des befreundeten Nürnberger Theologen Daniel Wülffer (1617–85) einen Bericht über seine Erlebnisse verfaßt, der zu den meistgelesenen Reisebeschreibungen der damaligen Zeit zählt. Das politische und militärische Geschehen und die Lebensumstände in Asien während seines Aufenthaltes schilderte S. aus der Perspektive des einfachen Soldaten. Darüber hinaus versuchte S. aufgrund eigener Beobachtungen eine umfassende Beschreibung seiner Aufenthaltsorte, ihrer natürlichen Gegebenheiten und der Lebensgewohnheiten ihrer Einwohner zu liefern. Als geographische Darstellung ragt sein Werk kaum über das Gros der zeitgenössischen Reiseliteratur über Asien hinaus, sein kulturgeschichtlicher Wert ist hingegen erheblich. Weite Verbreitung erlebte S.s Reisebericht v. a. als Informationsquelle für jene zahlreichen Deutschen, die damals ebenfalls erwogen, in niederländ. Diensten nach Ostindien zu gehen.

  • Werke

    Ost-Indian. Funfzehen-Jährige Kriegs-Dienste [ … ], 1662 (P), erw. Neuaufl. u. d. T. Reisen nach Java, Banda. Ceylon u. Persien 1644–60, 1672 (P), Nachdr. 1930 (P), niederl. Übers. u. d. T. De Reisbeschryving van J. J. S. naar Oostindien [ … ], 1671.

  • Literatur

    ADB 30;
    (J. F. Riederer), Merckwürdiges Leben einiger hier u. da gewesener Kaufleute, oder: Der illustren Negocianten, 2. T., 1739, S. 7-24;
    J. Beckmann. Litt. d. älteren Reisebeschreibungen. II, 1809, S. 324-27 (Neudr. 1971);
    P. Kirsch, Die Reise nach Batavia, Dt. Abenteurer in Ostindien 1609–95, 1994;
    R. van Gelder, Het Oost-Indisch avontuur, Duitsers in dienst van VOC, 1997 (dt. u. d. T. Das ostind. Abenteuer, Deutsche in Diensten d. Vereinigten Ostind. Kompanie d. Niederlande (VOC) 1600-1800, 2004);
    Lpr. v. J. C. Arnschwanger, 1664 (Kat. Stolberg 4/1,46 [Wolfenbüttel, Hzg.-August-Bibl., Nr. 19625]);
    Zedler 33, S. 23-26.

  • Portraits

    Kupf. v. G. Strauch, V. Sommer u. J. A. Böhmer, undatiert (Wolfenbüttel, Hzg.-August-Bibl. A 18577-80).

  • Autor/in

    Roman Siebertz
  • Empfohlene Zitierweise

    Siebertz, Roman, "Saar, Johann Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 317-318 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124827527.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Saar: Johann Jakob S., geboren um 1625 zu Nürnberg, trat mit 19 Jahren in niederländische Kriegsdienste und verbrachte 15 Jahre in militärischen Stellungen in Niederländisch-Indien, meist in Ceylon. Sein Tagebuch hatte er verloren und gab daher aus der Erinnerung mit Hülfe des Pfarrers Müller zu Nürnberg, seines Jugendfreundes, die Reisebeschreibung heraus, welche 1662 zu Nürnberg erschien. Sie trägt den Titel: „Ost-Indianische funfzehnjährige Kriegs-Dienste und wahrhafftige Beschreibung, was sich Zeit solcher funfzehen Jahr, von Anno Christi 1644 bis Anno Christi 1659 zur See und zu Land, in offentlichen Treffen, in Belägerungen, in Stürmen, in Eroberungen, Portugäsen und Heydenscher Plätze und Städte, in Marchirn, in Quartirn mit Ihm und andern Seinen Camerades begeben hab, am allermeisten auf der grossen und herrlichen Insel Ceilon.“ 1672 erschien sie zum zweiten Male und 1671 in holländischer Uebertragung. Wenn das Buch sich weiter verbreitet hat als manche andere seines Gleichen, so liegt der Grund mit in der langen, in der 2. (Folio-) Ausgabe 34 Seiten einnehmenden Einleitung des Herausgebers, welche die Frage, ob es erlaubt sein solle, in fremde Kriegsdienste zu gehen, ob christliche Potentaten das Recht hätten, heidnische Völker zu bekriegen|und zu unterwerfen u. dgl. mit einem großen Aufwande alter und neuer Citate behandelt. Die Reisen und Erlebnisse Saar's zeichnen sich nicht vor denjenigen anderer Reisläufer dieses Zeitalters aus und ihre Erzählung würde einen kümmerlichen Eindruck machen, wenn nicht der Herausgeber die zeitgenössische Litteratur in ausgiebige Mitbenützung gezogen hätte. Wir begegnen langen Anführungen aus den Schriften Jürgen Andersen's, Mandelsloh's, Iversen's, Neuhof's, Olearius', van der Behr's. S. kommt als „Adelpursch“ zu den niederländisch-indischen Truppen nach Bantam und Batavia, von wo er Expeditionen nach Engano und den Molukken (1646) mitmachte. 1647 wurde er nach Ceylon gesandt, von dessen Natur und Bevölkerung er, wesentlich mit Hülfe der Herport'schen Berichte, eine eingehende Schilderung entwirft, welche den größten Theil des Buches einnimmt. 1649 fuhr er mit der Geleitflotte nach Surate und Ormus, kehrte im darauffolgenden Jahre nach Ceylon zurück und fand Gelegenheit, die Kriegszüge der Holländer und Dänen gegen die Portugiesen mitzumachen. 1655 wurde er beim Sturm auf Colombo verwundet, war 1658 an der Einnahme von Jaffanapatam betheiligt, die ihm reiche Beute brachte. Anfang 1659 verließ S. den Dienst, berührte auf der Rückreise Palembang, Mauritius, das Cap der guten Hoffnung und kam im Juli 1660 in Middelburgh an. Vor dem Erscheinen der zweiten Ausgabe der Reisebeschreibung, also vor 1672, ist S. in Nürnberg gestorben.

    • Literatur

      Die Reisebeschreibung. — Beckmann, Litteratur II.

  • Autor/in

    F. Ratzel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ratzel, Friedrich, "Saar, Johann Jakob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 30 (1890), S. 106-107 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124827527.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA