Lebensdaten
um 1492 bis nach 1526
Geburtsort
Augsburg
Beruf/Funktion
Bildschnitzer ; Medailleur
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 12270911X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schwarz, Hans
  • Schwarz, Johann

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Zitierweise

Schwarz, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12270911X.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    Wohl aus um 1400 aus Rettenbergen b. Gersthofen nach A. zugewanderter Zimmermannsfam.;
    V Ulrich (III.) (um 1476–1539), S d. Ulrich (II.) (1448–1519), Weinschenk, Wirt z. Goldenen Krone am Weinmarkt in A., 1496 Ratsherr, stiftete 1508 e. in d. Werkstatt v. Hans Holbein d. Ä. gemaltes Votivbild in A. (heute Augsburg, Maximilianmus.), u. d. Magdalena Schreyer ( vor 1491), Wwe d. Hans Teufel;
    M Sophia Schütz;
    Ur-Gvv Ulrich (1422–78 hingerichtet), Bgm. in A. (s. Gen. 2);
    Ov Simbrecht (um 1493–1539, Goldschmied in A., Lukas (um 1495–1550, Weinschenk, Wirt z. Goldenen Krone in A., 1548 Salzfertiger, Matthäus (s. 2);
    10 Geschw u. Halb-Geschw.

  • Leben

    1506 wurde ein Hans Schwarz, des Ulrich Schwarz Sohn, von dem Bildschnitzer Meister Stefan Schwarz der Augsburger Zunft als ein Junge, zum Handwerk geeignet, vorgestellt. Aus dieser Angabe läßt sich S.s Geburtsjahr nur ungefähr erschließen, und auch aus dem weiteren Leben ist nur wenig urkundlich überliefert. Auszahlungsvermerke belegen seine Tätigkeit als Medailleur 1518 in Augsburg und 1519 im Haus des Propstes Melchior Pfinzing (1481–1535) in Nürnberg. Wegen eines Streits wurde S. im Febr. 1520 aus Nürnberg ausgewiesen; Dürer schickte ihm im selben Jahr seinen Lohn nach Augsburg. Ein dem Alter nach passender Steuerzahler ist in den Augsburger Steuerbüchern von 1515 bis 1520 vermerkt.

    Seit 1516 sind datierte und mit HS signierte Holzreliefs erhalten, die Merkmale des Donaustils zeigen, den S. vielleicht während seiner Wanderschaft kennenlernte. Neuere Untersuchungen möchten ihm auch größere und vollrunde Plastiken zuschreiben. Seine größte Bedeutung gewann S. jedoch als Medailleur; neben der Tätigkeit in Augsburg und Nürnberg lassen zahlreiche datierte Medaillen von Teilnehmern des Reichstags in Worms 1521 seinen Aufenthalt dort zwingend erscheinen. Eine Medaille von 1526 auf den Maler Jan Gossaert gen. Mabuse, laut Inschrift „. . . AB IO NIGRO GERMANVS AD VIVVM EXPRESSVS“, aber mit Rückseite von anderer Hand, macht einen Aufenthalt in den Niederlanden wahrscheinlich. Abgelehnt werden von der neueren Forschung Aufenthalte in Polen und Paris, auch andere verschiedentlich vorgeschlagene Reisen sind aus dem Werk heraus nicht erforderlich. Der weitere Lebensweg ist unbekannt. Conrad Peutinger (1465–1547), Augsburger Stadtschreiber, ksl. Rat und Kunstförderer, war es wohl, der S. die Porträtmedaille näherbrachte, ein bis dahin in Deutschland fast unbekannter Zweig der Kunst. S. erreichte mit seinen Medaillen von Peutinger und einigen Personen aus dessen Umfeld die Aufmerksamkeit der Teilnehmer des Reichstags 1518 in Augsburg, erhielt zahlreiche Aufträge auch im folgenden Jahr in Nürnberg, konnte diesen Erfolg 1521 in Worms wiederholen und führte so die Medaillenkunst in Deutschland innerhalb kurzer Zeit zu ihrer ersten Blüte. In diesen wenigen Jahren schuf er mehr als 150 Bildnismedaillen. S. schnitt seine Medaillen – anders als seine Nachfolger – in Holz, meist Buchsbaum, von diesen Modellen wurden in Formsand Gußformen hergestellt. Damit wurden in diesen Anfangsjahren Medaillen in der Regel aus unedlen Metallen gegossen, aus Blei und Bronze (bzw. Messing). Die Umschriften der Augsburger Medaillen sind mit den Bildern in Holz geschnitten, erst in Nürnberg erlernte S. die Verwendung von Punzen, mit denen die Umschriften in den Formsand geschlagen wurden. Die Schrift konnte so kleiner gestaltet werden und trat gegenüber dem Bild zurück, auch erlaubte diese Technik die mehrfache Verwendung eines Bildes zu verschiedenen Zwecken. 136 Kohlezeichnungen in Klebebänden aus dem Besitz der Familie Pfinzing wurden erst nach längeren Kontroversen als Vorzeichnungen S.s für Medaillen erkannt. Über die originalen Beschriftungen lassen sich die Personen auf schriftlosen Modellen benennen. Wichtiger ist, daß sie auf die große Bedeutung verweisen, die S. dem Profil zumaß; viele wurden ausgeschnitten, um die Wirkung des Profils vor einem dunklen Hintergrund besser beurteilen zu können. Der Augsburger Herkunft entsprechend ist das Relief des S. stark plastisch, die Brustbilder füllen das Medaillenrund weitgehend, sie strahlen Vitalität aus und sind vorzüglich charakterisiert. Selbst auf der Medaille der fünf Brüder Pfinzing, die in einer Reihe dargestellt sind, ist diese individuelle Charakterisierung gut gelungen (Habich 177). Die Darstellung im Profil ist bei S. die Regel, von der es nur wenige Ausnahmen gibt, wie den „lustigen Rat“ Ks. Maximilians, Kunz von der Rosen, im Dreiviertelprofil (Habich 120), und die En-face-Darstellung Pfalzgf. Johanns II. von Simmern-Sponheim 1521 (Habich 210). Der am Anfang des Medaillenwerks stehende Conrad Peutinger, der mit großem Eifer die röm. Geschichte erforschte, ließ sich antikisierend darstellen, barhäuptig und mit nacktem Hals als Brustbild in strengem Profil (Habich 111). Die ihm folgenden Auftraggeber, wie mehrfach Ks. Karl V. nach seiner Krönung (Habich 223–25, 229 ff.), ließen sich in ihrer Gesellschaftskleidung darstellen, die S. auch sehr detailliert wiedergab. Den Platz, den S. der Medaille in Deutschland eroberte, hat sie auch in den folgenden Jahrhunderten behalten. Sein Werk zeichnet sich vor anderen dadurch aus, daß es durch die Tätigkeit bei den Reichstagen das Aussehen so außergewöhnlich vieler wichtiger Persönlichkeiten, die das politische und kulturelle Geschehen am Hofe Ks. Maximilians und Ks. Karls V. gestaltet haben, überliefert.

  • Literatur

    G. Habich, Studien z. dt. Renaissancemedaille II, H. S., in: Jb. d. Kgl. Preuß. Kunstslgg. 27, 1906, S. 30–69;
    ders., Die dt. Schaumünzen d. 16. Jh., Bd. I/1, 1929, S. 23 ff., Bd. II/1, 1932, S. XC ff.;
    Theodor Müller, H. S. als Bildhauer, in: Phoebus III, 1950–51, S. 5–30;
    ders., Bildwerke, Kat. d. Bayer. Nat.mus. XIII/2, 1959, S. 277–83;
    R. Gaettens, Der Konterfetter H. S. auf d. RT zu Worms 1521, in: Wormsgau III, 1951–58, S. 8–17;
    P. Grotemeyer, Da het ich die gestalt, 1957;
    ders., H. S. als Zeichner, in: Münchner Jb. f. bildende Kunst 3. F. 21, 1970, S. 143–66;
    P. Volz, Conrad Peutinger u. d. Entstehen d. dt. Medaillensitte zu Augsburg, Diss. Heidelberg 1972;
    H. Maué, Nürnberger Medaillen, in: Wenzel Jamnitzer, Ausst.kat. German. Nat.mus. Nürnberg 1985, S. 151 f., Nr. 436–38;
    ders., H. S. in Nürnberg, in: The Medal 13, Herbst 1988, S. 12–17;
    ders., H. S., Zeichnungen f. Bildnismedaillen, in: Designs on Posterity, Drawings for medals, hg. v. M. Jones, 1994, S. 64–72;
    M. Trusted, German Renaissance Medals, A Catalogue of the collection in the Victoria and Albert Mus., 1990, Nr. 155–58;
    A. Schädler, Zum Werk d. Augsburger Bildschnitzers H. S., in: Pinxit, sculpsit, fecit, FS f. Bruno Bushart, hg. v. B. Kopplin, 1994, S. 59–70;
    R. Kastenholz, H. S., e. Augsburger Bildhauer u. Medailleur d. Renaissance, 2006 (W-Verz.);
    ThB;
    Augsburger Stadtlex.;
    Dict. of Art;
    Nürnberger Künstlerlex.

  • Portraits

    Selbstbildnis, Medaille, o. J. (Habich 171, Taf. XXIV, 2).

  • Autor/in

    Gerlind Werner
  • Empfohlene Zitierweise

    Werner, Gerlind, "Schwarz, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 1-2 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12270911X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA