Lebensdaten
erwähnt 933, gestorben 976
Sterbeort
Gorze (Lothringen)
Beruf/Funktion
Abt von Gorze
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 122062043 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Johannes
  • Johann
  • Johannes
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Orte

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Zitierweise

Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122062043.html [23.08.2019].

CC0

  • Leben

    Seinen ersten Unterricht erhielt J. in Metz, dann kehrte er zurück, um die Familiengüter zu verwalten. Plötzlich fühlte er sich zu einer vollkommenen christlichen Umkehr berufen und führte eine Zeitlang ein Einsiedlerleben, erst mit dem Eremiten Humbert von Verdun, dann mit Lambert. Nach einer Pilgerfahrt nach Rom und zum Monte Gargano nahm er sein Einsiedlerleben in Metz mit einer Gruppe von Männern und Frauen wieder auf. Die Verwirklichung seines Wunsches, noch einmal nach Italien zu gehen, wurde von Bischof Adalbero I. von Metz unmöglich gemacht. 933 vertraute dieser nämlich J. und seinen Genossen die Abtei Gorze an. Einold, einer von ihnen, wurde dort Abt. J. wurde Pförtner, Kellermeister, dann Prior und 967 Abt. Das Ziel dieser|Maßnahme war die Durchführung der Klosterreform, vor allem in bezug auf das religiöse Leben und das Armutsideal. Letzteres war eines der Hauptanliegen J.s, wohl als Reaktion auf das damalige adelige Leben. Seine Vorschriften, unter anderem bezüglich der Liturgie, sind der örtlichen monastischen Tradition angeglichen und tragen gemeinsame Züge mit denen von Cluny. So greifen sie die alten Ideale Armut und Weltflucht wieder auf. – 953-56 betraute ihn Otto I. mit einer diplomatischen Mission zum Kalifen Abd-al Rahman III. von Córdoba, mit dem Ziel, die arab. Seeräuberei im Mittelmeer, vor allem an der ital. Küste zu beenden. J. zeichnete sich hierbei durch Redlichkeit, Mut und Tatkraft aus. Seine asketische Haltung verbunden mit der Teilnahme am politischen Leben ist für das mittelalterliche Mönchtum charakteristisch.|

  • Auszeichnungen

    Im benediktinischen Martyrologium wurde J. als Seliger verehrt. (Tag 27. Febr.). Sein Leben ist durch seinen Zeitgenossen Johann von St. Arnulf ( vor 984), auf Grund von Angaben aus erster Hand, beschrieben worden (s. L).

  • Literatur

    ADB 14;
    Vita, in: IV (unvollendet);
    L. Lager, Die Abtei Gorze in Lothringen, in: StMBO 8, 1887, S. 46-56, 181-84, 189-92;
    F. Chaussier, L'abbaye de Gorze, 1894, S. 79-101;
    L. Zöpf, Heiligenleben im 10. Jh., 1908, S. 94-103;
    Z. Garcia Villada, Hist. ecclesiastica de Espana, 1936, S. 162-64;
    K. Hallinger, Gorze-Kluny, 2 Bde., 1950 f.;
    R. van Doren, in: Bibl. Sanctorum VI, 1965, Sp. 813 f.;
    I. Leclercq, Jean de G. et la vie religieuse au Xe siècle, in: Saint Chrodegang, 1967, S. 133-52, wieder in: Aspects du monachisme hier et aujourd'hui, 1968, S. 235-59. - Zu Johann v. St. Arnulf:
    Wattenbach-Holtzmann.

  • Autor/in

    Réginald Grégoire
  • Empfohlene Zitierweise

    Grégoire, Réginald, "Johann" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 553 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122062043.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Johannes, von 960—974 Abt des Klosters Gorze bei Metz, gehört zu den Männern, welche mit großer Anstrengung und Aufopferung den in den Zeiten der Anarchie verwilderten Benedictinerorden innerlich erneuten, während Otto I., dessen Bruder Bruno, Erzbischof von Köln und andere Fürsten zu der äußerlichen Herstellung der verfallenen Klöster halfen. Dem Abt Eginold von Gorze (933—959) hatte J. thatkräftig zur Seite gestanden; dann wurde er selbst Abt, und beförderte die Ausbreitung der Reform auch nach anderen Klöstern. Gleichgesinnt stand ihm zur Seite der Abt Johannes von St. Arnulf zu Metz, und dieser unternahm es, sein Leben zu beschreiben, scheint jedoch seine Aufgabe nicht zu Ende geführt zu haben; wenigstens ist nicht nachweisbar, daß die Biographie jemals weiter als bis 956 gereicht habe. Sie ist das wichtigste und inhaltreichste Document über die lothringische Klosterreform, erhält aber eine besondere Bedeutung dadurch, daß J. noch als Mönch 953 sich hatte bereit finden lassen, für Otto I. als Gesandter nach Cordova zu gehen. Seine unerschrockene Festigkeit erwarb ihm auch hier die Achtung des gefürchteten Kalifen Abderrahman III., aber leider ist die Erzählung mitten in diesem Berichte abgebrochen. Um 980 scheint Johannes von St. Arnulf noch an der Biographie geschrieben zu haben; wie lange er noch lebte, wissen wir nicht. Er konnte dazu auch Schriften des J. benutzen, Miracula S. Gorgonii und Miracula S. Glodesindis, Wundergeschichten, welche auch einige geschichtliche Nachrichten über die Klosterreform enthalten. J. starb nach Dümmler am 7. März 974.

    • Literatur

      Vita Joh. Gorz. ed. Pertz, Mon. Germ. SS. IV, 327—377. W. v. Giesebrecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit, I, 506 ff. Dümmler, Otto I. S. 280. 302—306. Wattenbach, Geschichtsquellen (4. Aufl.) I, 299.

  • Autor/in

    W. Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 457 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122062043.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA