• Genealogie

    1) Else (Streit?, 1478), 2) Adelheid Treutwein ( v. 1516);
    1 S, 3 T aus 1), u. a. Wolfgang (erw. letztmals 1495), Malergeselle, K aus 2), u. a. Bernhard (erw. 1507), Mitarbeiter K.s. - Ob d. Bamberger Maler Lorenz Katzheimer (erw. 1505 u. um 1510, s. L) auch e. S K.s aus 2. Ehe war, ist bisher nicht zu belegen.

  • Leben

    Da der Familienname Katzheimer vor 1465 in Bamberg nicht vorkommt, muß K. in jungen Jahren von auswärts zugezogen sein. Nach dem Tode seiner 1. Frau war er immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten, nicht zuletzt wohl deshalb, weil er die Forderungen seiner 4 Kinder aus 1. Ehe zu erfüllen hatte. Als er 1488 ein zweites Haus (am Markt) kaufte, mußte er, um dieses vollständig bezahlen zu können, 1489 nicht nur auf sein Haus zur Grünlinde, sondern auch auf seine Äcker Ewiggelder aufnehmen.

    Nachrichten über die Lehrzeit K.s sind nicht bekannt. Als er 1465 zum erstenmal einen Auftrag vom Bamberger Stadtbauhof erhielt, war er jedenfalls schon Meister. Er beschäftigte nicht nur Maler-, sondern auch Bildschnitzergesellen, wie 1484 bezeugt ist. Aus den Quellen ist zu schließen, daß er einer größeren Werkstatt vorgestanden haben muß, in der auch Schnitzaltäre entstanden sind. Seine Hauptauftraggeber waren die Stadt Bamberg und vor allem der bischöfliche Hof, in dessen ab 1487/88 erhaltenen Rechnungen K. nahezu in jedem Jahr mit Zahlungen bedacht wurde. Diesen Rechnungseinträgen liegen genau aufgeschlüsselte Abrechnungszettel von der Hand K.s zugrunde, die, vor allem für die Jahre ab 1505, einen Überblick über die Arbeiten K.s für den täglichen Bedarf am Bischofshof geben: Er malte Fahnen und Wappen und entwarf die jeweilige Sommer- und Winterkleidung des Hofes. Auch die Entwürfe zu Glasgemälden, die Vorzeichnung zu einem Wappenstein und die Risse zu den Holzschnitten der Halsgerichtsordnung werden als kleinere Arbeiten auf den Zetteln aufgeführt.

    Urkundlich für K. gesicherte Gemälde sind nicht erhalten, aber mehrere Werke, zu denen er Vorzeichnungen angefertigt hat. Der von ihm 1494 entworfene Wappenstein für das Tor der Alten Hofhaltung in Bamberg wurde von einem Nürnberger Meister, vermutlich von Adam Kraft, gearbeitet und 1498 gesetzt. Im Februar 1505 fertigte K. die Visierung für die Grabplatte Bischof Georgs Marschalk von Ebneth, die in der Vischer-Werkstatt in Nürnberg gegossen und Anfang Oktober 1505 auf dem Georgenchor des Domes gesetzt wurde. Bei diesen beiden Werken sucht man vergeblich nach K.schen Elementen, da sie von der Eigenart der ausführenden Meister zu sehr geprägt sind. Erhalten sind allerdings auch Arbeiten, die K.s Entwürfe getreuer wiedergeben. Zu ihnen sind die beiden Reliefs mit Szenen aus der Pankratius-Legende zu rechnen, die heute im barocken Hochaltar der Kapelle auf dem Gügel (Landkreis Bamberg) eingelassen sind. Sie stammen von dem alten Hochaltar dieser Kapelle, der zwischen 1501 und 1505 als Auftrag der Bischöfe Veit Truchseß von Pommersfelden und Georg Marschalk von Ebneth in K.s Werkstatt entstanden ist. Die Vermutung, daß die beiden um 1500/05 zu datierenden Bartholomäus-Tafeln (Bamberg, Residenz) zu dem Gügel-Altar gehörten, trifft wegen der unterschiedlichen Maße von Reliefs und Gemälden nicht zu.

    Ausgangspunkt für die Beurteilung K.s und für die Zuschreibung von Gemälden an ihn, also auch für die Zuschreibung der eben erwähnten Bartholomäus-Tafeln, sind nach wie vor K.s 22 Holzschnitte für die 1507 von Johann Pfeyll in Bamberg gedruckte Bambergische Halsgerichtsordnung. Trotz der Vereinfachungen, die die beiden namentlich erwähnten Holzschneider bei der Ausführung ihrer Arbeit vorgenommen haben, läßt sich die Eigenart K.scher Zeichenweise erkennen. Charakteristisch ist das altertümliche Übereinanderstaffeln der Figurengruppen, um Raumtiefe in der Landschaft anzudeuten, einfachste Darstellung der Innenräume, zumeist nur durch Wiedergabe eines Raumausschnittes, akkurates Aufreihen der Personen in Horizontalen oder Diagonalen und dadurch leicht überschaubare Kompositionen. Gerade darin unterscheiden sich die Arbeiten K.s aber von den Gemälden des ungefähr gleichzeitig in Bamberg tätigen „Meisters des Hersbrucker Hochaltars“, mit dem K. nicht identisch sein kann. K. ist ein traditionsgebundener, nicht sehr wandelbarer Maler. Trotzdem gehört seine Werkstatt zu den bedeutenderen in Bamberg im letzten Drittel des 15. und im beginnenden 16. Jahrhunderts.

  • Werke

    Weitere W (urkundl. belegt, aber nicht erh.) Marienaltar f. St. Martin in Bamberg, v. 1487;
    Heiltumskästchen f. d. Obere Pfarrkirche in Bamberg, 1490-92;
    12 Scheiben f. d. Bamberger Fenster in St. Sebald zu Nürnberg, 1493-95;
    Scheibenriß mit Heinrich u. Kunigunde f. e. Fenster in d. neuen Gemach d. Alten Hofhaltung Bamberg, v. Febr. 1505;
    nicht ausgeführt: 2. Scheibenriß f. dass. Fenster mit Wappen d. Bischofs Georg Schenk v. Limpurg u. d. Hochstifts Bamberg in einem Vierpaß, zw. Febr. u. Mai 1505 (ausgef. 1505 v. V. Hirsvogel in Nürnberg);
    2 Risse f. Vierpaßscheiben mit Heinrich u. Kunigunde, Wappen Georg Schenk v. Limpurgs u. d. Hochstifts f. e. Fenster in d. Kanzlei 1507 (ausgef. v. V. Hirsvogel, 1507).

  • Literatur

    K. Arneth, Die Malersippe Katzheimer in Bamberg, Wiss. Beil. z. Jber. 1940/41 d. Gymnasiums Bamberg, 1941;
    K. Sitzmann, Künstler u. Kunsthandwerker in Ostfranken, 1957, S. 283-87 (auch f. Lorenz);
    A. Stange, Dt. Malerei d. Gotik, IX: Franken. Böhmen u. Thüringen-Sachsen in d. Zeit v. 1400-1500, 1958, S. 99-105;
    F. Anzelewsky. Eine spätma. Malerwerkstatt, Stud. üb. d. Malerfam. Katzheimer in Bamberg, in: Zs. d. Dt. Ver. f. Kunstwiss. 19, 1965, S. 134-50;
    R. Baumgärtel-Fleischmann, Bamberger Plastik v. 1470-1520, in: 104. Ber. d. Hist. Ver. Bamberg, 1968, S. 33-39, 146-50 (ältere L);
    ThB. -
    Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Renate Baumgärtel-Fleischmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Baumgärtel-Fleischmann, Renate, "Katzheimer, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 337 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121598632.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA