Lebensdaten
1490 bis 1535
Geburtsort
Burg Vigaun (Oberkrain)
Sterbeort
Schloß Kostainica/Unna (Kroatien)
Beruf/Funktion
Obristfeldhauptmann ; Landeshauptmann von Krain ; österreichischer Staatsmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 131426478 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Khatzianer, Hans
  • Coczianer, Hans
  • Katzianner, Hans
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Zitierweise

Katzianer, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd131426478.html [23.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Leonhard, auf Katzian b. Radkersburg, S d. Georg I. u. d. Euphenia (Magdalena) Rainerin, Erbin d. Schlosses Vigaun (später Katzensteingen.);
    M Ursula ( 1533), T d. Leonhard v. Herberstein ( 1511) u. d. Barbara v. Lueg;
    Om Sigmund Frhr. v. Herberstein ( 1566), Diplomat, Rußlandreisender (s. NDB VIII);
    B Franz ( 1544), Bischof v. Laibach;
    - 1) Sara, T d. Johann Strein v. Schwartzenau u. d. Amalia v. Volkersdorf, 2) Elisabeth ( 1549), Wwe d. Thoman v. Gnadeneck, T d. Andre Stremeler;
    3 S aus 1) (jung †), mindestens 6 K aus 2) (3 jung †), u. a. Scholastika ( 1] Ulrich Frhr. v. Eytzing, 2) N. N. v. Saurau), Erbin K.s.

  • Leben

    Nach dem Tod des älteren Bruders Andreas (1512) folgte K. im väterlichen Erbe. Die türkischen Einfälle nach Krain ließen ihn früh die Bedeutung des Kriegshandwerks erkennen. Seinen eigenen Angaben nach nahm er an den venezianischen Kriegen Maximilians I. teil. 1522 trat K. in den Dienst Erzherzog Ferdinands I. und verwaltete seit 1523 das 1518 geschaffene Amt eines Obristfeldhauptmannes in den innerösterreichischen Ländern. In dieser Stellung leitete er in Krain bis 1526 ein Söldnerheer zur Abwehr der Türken. 1525 kam er mit seinen Truppen den steirischen und Kärntner Landständen zur Niederwerfung der Bauernaufstände zu Hilfe.

    Nach der Katastrophe von Mohács (1526) und der Wahl Ferdinands I. zum König von Kroatien organisierte K. bis Februar 1527 die kroatische Grenzsicherung. Der Abberufung nach Wien im April 1527 folgte die Ernennung zum Stadthauptmann von Preßburg. Dieser Aufgabe (bis Juli 1527) war er nicht gewachsen; sein rücksichtsloses Vorgehen in Steuerfragen löste Beschwerden der Königin Maria und der ungarischen Magnaten bei Ferdinand I. aus. Im Sommer 1527 unternahm K. seinen ersten Feldzug gegen den ungarischen Gegenkönig Zápolya. Tyrnau und Neutra wurden eingenommen, K.s Truppen (höchstens 3 000 Mann) kontrollierten Oberungarn bis Trentschin, das im Spätherbst 1527 vergeblich belagert wurde. Von Tyrnau aus zog K. in die Ostslowakei und schlug Zápolya am 8.3.1528 südlich|von Kaschau. K. bewies strategisches Geschick; durch die Flucht Zápolyas nach Polen war der Erfolg aber beeinträchtigt. Zwar nahm K. Trentschin und Teile der Zips ein. Diese Erfolge waren jedoch nicht von Dauer. Die ersten Rückschläge erfolgten im Herbst 1528 in der Ostslowakei. Erst im Herbst 1529, im Zuge des türkischen Rückzuges, eroberte K. Tyrnau und Trentschin zurück. 1530 wurde er Obristfeldhauptmann der innerösterreichischen Länder. Sämtliche Truppen in Ungarn, die Besatzungen in Kroatien und der Windischen Mark waren ihm unterstellt. Er stand nun vor der schwierigen Aufgabe, weitverstreute kleine Truppenteile zur Grenzsicherung im Südosten und zur Bekämpfung Zápolyas befehligen zu müssen. Bis zum Frühjahr 1531 versuchte K. in Oberungarn vergeblich, gegen Zápolya Gebietsgewinne zu erzielen. Danach rückte die Grenzverteidigung in Kroatien und Krain, als Landeshauptmann (seit 1528), in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit. Auf dem innerösterreichischen Ausschußlandtag in Unterdrauburg, im März 1531, trat K. für die Errichtung eines Kundschafterdienstes und die Ansiedlung serbischer Christen an der Krainer Grenze ein. Die Verwirklichung dieser Projekte wurde wichtig für die Grenzsicherung der innerösterreichischen Länder. Als Obristfeldhauptmann fügte er im September 1532 den durch die Steiermark abziehenden türkischen Truppen und den Streifscharen Kasim-Begs im Wiener Becken empfindliche Verluste zu. Im Oktober 1532 wurde er mit einem Heer von 5 000 Mann mit der Entsetzung Grans beauftragt, ferner mit Waffenstillstandsverhandlungen, die Ende Dezember 1532 erfolgreich abgeschlossen werden konnten.

    Im Mai 1537 wurde K. mit der Vorbereitung eines Feldzuges zur Eroberung von Esseg beauftragt. Gegen die ihm von Ferdinand I. beigegebenen Kriegsräte konnte sich K. als Oberbefehlshaber nicht durchsetzen. Die Katastrophe vor Esseg (21.-30. September 1537) ist daher nur zum Teil K. anzulasten. Völlig zu Recht hat Ferdinand I. die Flucht des Oberbefehlshabers mißbilligt und K. zur Verantwortung gezogen. Dessen Verteidigung, am 11. Dezember in Krems, akzeptierte er nicht. K. wurde in die Wiener Hofburg gebracht und sollte dort auf seinen Prozeß – Anschuldigung des Crimen laesae maiestatis – warten. Seine Flucht (31.1.1538) führte ihn zwangsläufig auf die Seite von Ferdinands Gegnern: Zápolya und die Türken. Zunächst fand K. bei den Grafen Zrinyi auf deren Schloß Kostainitz – trotz des königlichen Haftbefehls vom 4.2.1538 – Asyl. Von hier aus plante er nach dem inzwischen abgeschlossenen Frieden zwischen Zápolya und Ferdinand I. (24.2.1539) den Übertritt auf die türkische Seite. Die damit verbundene Übergabe von Kostainitz an die Türken führte zu schweren Differenzen mit den Grafen Zrinyi. K. wurde daher von Graf Niklas Zrinyi ermordet. Das Vorgehen Ferdinands I. K. gegenüber, das sich nicht, wie gelegentlich behauptet worden ist, auf den direkten Einfluß der Königin Maria von Ungarn gründete, hat bei K. eine Reaktion ausgelöst, die das Stigma des Majestätsverbrechers irreversibel machte. Zrinyi entschied sich in einer Situation, die durch die Bedrohung des eigenen Besitzes und des Einvernehmens mit dem Landesherren charakterisiert war, gegen K.

  • Literatur

    ADB 15;
    F. B. v. Bucholtz, Gesch. d. Regierung Ferdinand I., Bd. 3, 1835, S. 99 ff.;
    J. Voigt, Der Frhr. H. K. im Türkenkrieg, in: Raumers Hist. Taschenbuch NF 5, 1844, S. 1-246;
    R. Apfelauer, H. K., ein Feldherr Ferdinands I., phil. Diss. Wien 1939 (ungedr.);
    G. Gerhartl, Die Niederlage d. Türken am Steinfeld 1532, 1974.

  • Autor/in

    Alfred Kohler
  • Empfohlene Zitierweise

    Kohler, Alfred, "Katzianer, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 338 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131426478.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Katzianer: Hans K., Freiherr zu Katzen stein und Fledingen, Landeshauptmann von Krain und Obristfeldhauptmann des römischen Königs Ferdinand von Oesterreich; geb. Ende des 15. Jahrhunderts auf der Burg Katzenstein in Krain aus edlem Geschlechte, im Grenzschlosse Kostainitza an der Unna, am 27. October 1539. — Die erste Kunde von ihm fällt in das Jahr 1527, als Ferdinand von Oesterrreich das Kriegsvolk seiner Erblande aufbot, um nach der Katastrophe von Mohács sein Recht auf die Krone Ungarns wider den Gegenkönig Johann Zápolya zu wahren. K. führte dem bei Wien sich sammelnden königlichen Heere die Streiter aus Krain zu und gab während dieses Kriegszuges so glänzende Beweise seines kühnen Unternehmungsgeistes, daß ihm Ferdinand 1528 den Befehl in Oberungarn übertrug, wo er Zápolya am 8. März bei Szina (südlich von Kaschau) besiegte, aber durch Erpressungen und die Gewaltthätigkeiten seiner Soldatesca sich die Bevölkerung entfremdete. 1529 betheiligte er sich rühmlichst an der Vertheidigung Wiens während der Türkenbelagerung und kämpfte nach Aufhebung derselben erfolgreich als Befehlshaber der leichten Reiterei mit der Nachhut Solimans, wobei er viele gefangene Christen befreite. Nach des Grafen Niklas von Salm Tode 1530 zum Obristfeldhauptmann in Ungarn ernannt, oblag ihm die schwierige Aufgabe, sich mit geringen Mitteln gegen den wachsenden Anhang Zápolyas in dem von erbitterten Parteikämpfen heimgesuchten Lande zu behaupten. Als Soliman 1532 mit seinen Horden Ungarn neuerdings überschwemmte und während der Belagerung von Güns (vgl. Jurischitz), Kasim Beg und Osman Aga zur Verwüstung der österreichischen Lande ausfandte, glückte es K. die Reste dieser von den kaiserlichen und Reichstruppen bei Leobersdorf und Traiskirchen geschlagenen türkischen Streifcorps auf ihrer Flucht durch die südöstlichen Grenzgebirge Niederösterreichs vollends zu vernichten. K. brachte hierauf dem über Steiermark abziehenden Sultan durch Beunruhigung seines Marsches empfindliche Verluste bei und unternahm schon im nächsten Jahre einen Repressalienzug nach Bosnien. Nach einer kurzen Waffenstillstandsperiode kam es 1537 in Folge ernsterer Grenzverletzungen durch die Paschas von Bosnien und Semendria zu neuem Kriege. Um die Türken aus Slavonien zu vertreiben, sammelte sich ein königl. Heer von 24,000 Mann bei Kopreinitz an der Drau. K., zum Oberbefehlshaber darüber ernannt, vermochte sich jedoch bei dieser aus den widerstrebendsten Elementen zusammengewürfelten Streitmacht nicht das nothwendige Ansehen zu verschaffen und der Feldzug nahm bei der Unschlüssigkeit und dem fortwährenden Zwiste der Anführer ein klägliches Ende. Nach einem|erfolglosen Marsche gegen Essegg löste sich das durch Hunger und Seuchen demoralisirte Heer während des Rückzuges gegen Valpó zum großen Theile auf, nur ein Haufen Oesterreicher, Kärnthner, Tiroler und Böhmen, der sich noch zur Wehre setzte, unterlag der Uebermacht des Feindes. K., dem der unglückliche Ausgang zur Last gelegt und insbesondere der Vorwurf gemacht wurde, daß er die Seinigen im Stiche gelassen und sich vorzeitig aus dem Feldlager bei Gara auf die Flucht gemacht habe, ward durch königl. Befehl auf den Landtag zu Krems zur Verantwortung entboten, und als seine Vertheidigungsschrift für ungenügend erklärt worden war, verhaftet und nach Wien geführt. Seine Schuld, welche man am Hofe Ferdinands als Crimen laesae majestatis aufgefaßt wissen wollte, ist niemals völlig erwiesen worden. Nachdem er wiederholt, aber vergeblich, an die Gnade des Königs appellirt hatte, entzog er sich dem voraussichtlich ungünstigen Ausgange des Processes am 31. Januar 1538 durch die Flucht nach Kroatien, wo ihm die Grafen Zrinyi das Schloß Kostainitza an der Unna zum Aufenthalte einräumten. Obwol geächtet, gewann er dort bald einen großen Anhang und ward nun erst durch Conspiration mit den Gegnern Ferdinands zum offenen Verräther. Ehe sich jedoch seine feindseligen Pläne verwirklichen konnten, wurde er am 27. October 1539 von dem jüngeren Grafen Niklas Zrinyi beim Gastmahle meuchlings erdolcht. Das tragische Ende Katzianer's ist auf seinem Grabmale zu Oberburg in Krain durch die Fabel vom Fuchs dargestellt, der einen Vogel zu Gaste ladet, um ihn dann selbst als willkommene Speise zu verzehren.

    • Literatur

      Raumer, Historisches Taschenbuch, Neue Folge, 5. Jahrg. Leipz., 1844.

  • Autor/in

    K. A.
  • Empfohlene Zitierweise

    A., K., "Katzianer, Hans" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 458-459 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131426478.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA