Lebensdaten
1553 bis zwischen 1605 und 1609
Geburtsort
Görlitz
Beruf/Funktion
Orientalist
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 121469182 | OGND | VIAF: 100192806
Namensvarianten
  • Hutter, Elias
  • Huterus, Elias
  • Hutherus, Elias
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Zitierweise

Hutter, Elias, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121469182.html [05.08.2020].

CC0

  • Leben

    H. studierte in Jena oriental. Sprachen und wurde Magister, lehrte sie dann in Leipzig und wurde dort 1577 Professor der hebräischen Sprache. Obwohl er so sein Auskommen haben mußte, hielt es ihn nicht lange in dieser Stellung; sein weiterer Lebensweg wird trotz allen Schwierigkeiten von dem einen hohen Ziel bestimmt: Verbreitung der „uralten, heiligen Sprache“, des Hebräischen, und der Bibel in mehrsprachigen Ausgaben. 1578 brachte er sein hebräisch-deutsches Wörterbuch heraus; daraufhin berief ihn Kf. August von Sachsen nach Dresden, um sich von ihm Unterricht im Hebräischen geben zu lassen Um seiner großen Pläne willen machte sich H. auf die Suche nach finanzieller Unterstützung und ging 1583 nach Lübeck, 1585 nach Hamburg. Hier wurden ihm die Geldmittel zur Verfügung gestellt, die es ihm erlaubten, 1586 Teile und im Jahre darauf das ganze Alte Testament in der Ursprache erscheinen zu lassen. Er hatte Handschriften und frühere Ausgaben sorgfältig verglichen und ein brauchbares Werk geschaffen, jedoch sein Erfolg war gering, die Kosten wurden nicht gedeckt, und die Gönner versagten weitere Unterstützung. 1594 versuchte H. sich in Naumburg als Buchdrucker und -händler; als dies nicht glückte, ließ er sich 1597 in Nürnberg in derselben Eigenschaft nieder. Hier konnte er sich eine Zeitlang halten, da er Geldgeber fand und selber auch noch Sprachunterricht erteilte. 1598-1603 brachte er in unermüdlicher Arbeit jedes Jahr ein Werk heraus, Bibelausgabe oder -wörterbuch in jeweils mindestens 4 Sprachen, manches Ausgearbeitete blieb noch ungedruckt. 1604 zwang ihn Verschuldung, die Stadt zu verlassen. Er hielt sich vorübergehend in Frankfurt/Main auf. Über seine letzten Lebensjahre ist nichts bekannt. Es war nicht nur frommer Eifer um das Wort Gottes, was ihn antrieb, sondern eine Art linguistisch-pädagogisches Sendungsbewußtsein: Man sollte nicht nur die Bibel in verschiedenen Sprachen lesen, man sollte diese auch möglichst klar und Wort für Wort vergleichen, in ihrem verschiedenen und doch im Prinzip gleichen Bau erkennen und so um so leichter lernen können. Demgemäß gestaltete er die Druckeinrichtung seiner polyglotten Ausgaben, scheute er nicht zurück vor Abänderungen des überlieferten Textes, um eine genauere Wortentsprechung zu erreichen; und da das heilige Hebräisch immer dabei sein mußte, übersetzte er selbst das Neue Testament in diese Sprache (diesen Text hat 1661 William Robertson separat herausgegeben). Seine linguistischen Überzeugungen und sein Hauptanliegen spricht er in seinem „Öffentlich Außschreiben an allgemeine Christliche Obrigkeit“ (1602) aus. Anders als die übliche „Sprachenharmonie“, die das Griechische, Lateinische und Deutsche vom Hebräischen herleiten will, wendet H. die am Hebräischen gewonnenen morphologischen Erkenntnisse auf die drei andern Sprachen an. Die 3 Konsonanten des hebr. Wortes (Sinnbild der Trinität!) sind die literae radicales oder Wurzelbuchstaben (die eigentlichen Bedeutungsträger), die affigierten Buchstaben (die die Bedeutung modifizieren) sind die literae accidentales. Diese Unterscheidung wendet er auf die drei flektierenden Sprachen an und druckt als Beispiel einen Satz in allen vier Sprachen spaltenweise nebeneinander mit zeilenweiser Wortentsprechung, die literae radicales bzw. Wortstämme schwarz, die accidentales bzw. Vor-, Endsilben und Partikeln dagegen rot, zwar nicht ganz exakt, aber doch die Wortstrukturen, d. h. die verschiedenartigen Morpheme, anschaulich machend. Dies dient außerdem dem pädagogischen Zweck, schon den Kindern das Erlernen der Sprachen zu erleichtern. Neben solchen relativ modernen Methoden besteht aber z. B. der Glaube, mit Hilfe mechanischer Dreibuchstaben-Kombination die „adamitische Kunst der Namengebung“ wiederentdecken zu können.

  • Werke

    Weitere W Sacrae linguae Cubus Hebraico-Germanus, 1578;
    Via sancta sive Biblia Sacra eleganti et maiuscula characterum forma …, 1587;
    Dictionarium harmonicum biblicum Ebraeum, Graecum, Latinum, Germanicum, 1598;
    Biblia Sacra Ebraice, Chaldaice, Graece, Latine, Germanice, Gallice (Slavonice, Italice), 1599 (erschienen nur 8 Bücher);
    Novum Testamentum Syriace, Italice, Ebraice, Hispanice …, 1600;
    Novum Testamentum harmonicum Ebraice, Graece, Latine, Germanice, 1603.

  • Literatur

    ADB 13;
    J. Moller, Cimbria litterata II, 1744, S. 392;
    G. Will, Nürnberg. Gel.-Lex. II, 1756, S. 213, VI, 1805, S. 147;
    H. Arens, Sprachwiss., 21969, S. 76 ff.

  • Autor/in

    Hans Arens
  • Empfohlene Zitierweise

    Arens, Hans, "Hutter, Elias" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 103 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121469182.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hutter: Elias H., Orientalist, geb. 1553 zu Görlitz, zwischen 1605 u. 1609. Die Nachrichten über sein Leben sind lückenhaft. Er studirte zu Jena namentlich unter Hieron. Opitz' Anleitung die morgenländischen Sprachen mit gutem Erfolge und erwarb daselbst die Magisterwürde. Später war er einige Zeit in Leipzig als Lehrer der morgenländischen Sprachen thätig und erhielt an dortiger Universität 1577 eine Professur der hebräischen Sprache. Sein 1578 herausgegebener „Sacrae linguae Cubus Hebraico-Germanus“ galt damals als ein brauchbares Wörterbuch für Anfänger und wurde in der Folge, von Dav. Wolder ins Lateinische übersetzt, mehrfach aufgelegt. Von Leipzig berief ihn 1579 der Kurfürst August von Sachsen nach Dresden, um von ihm Unterricht in der hebräischen Sprache zu nehmen. Nachdem H. sich dieser Aufgabe erfolgreich entledigt hatte, ging er an die Ausführung größerer litterarischer Pläne, die zunächst auf eine neue hebräische Ausgabe des alten Testaments und weiterhin auf die Herstellung biblischer Polyglottenwerke sowie überhaupt auf die Förderung des Bibelstudiums gerichtet waren. Er verfolgte diese Pläne durch sein ganzes Leben mit rastlosem Eifer und zäher Ausdauer, trotz vieler Hindernisse und Mißerfolge, die sich ihm entgegenstellten. Er machte also, um sein Unternehmen zu sichern, mehrere Reisen, ging 1583 nach Lübeck und 1585 nach Hamburg. Hier fand er ausreichende Unterstützung und schon 1586 konnte er einzelne alttestamentliche Bücher als Proben der künftigen Gesammtausgabe erscheinen lassen. Die letztere, welche durch eine besondere für den Gebrauch nicht eben vortheilhafte Druckeinrichtung zugleich den Zweck verfolgte, die Erlernung des Hebräischen zu erleichtern, kam mit sorgfällig aus der Vergleichung der Handschriften und der früheren Ausgaben zusammengestelltem Texte 1587 u. d. T.: „Via sancta sive Biblia Sacra eleganti et maiuscula characterum forma“ etc. (in späteren Jahren mehrfach mit neuem Titelblatt versehen) heraus, ein für seine Zeit verdienstliches und äußerlich wohl ausgestattetes Werk. Allein es hatte wenig Erfolg und deckte nicht die großen Kosten, welche H. und seine Gönner daran gewendet hatten. Da die Begünstigung seiner Unternehmungen in Hamburg nicht von Dauer war, so sehen wir H. 1594 in Naumburg, wo er eine Buchdruckerei und einen Buchladen begründete, die er aber finanzieller Bedrängnisse wegen bald wieder aufgeben mußte. Später suchte er in Nürnberg seine Zwecke zu erreichen. Er ließ sich dort 1597 nieder, gab Unterricht in Sprachen (einer seiner Schüler war der nachmalige Altdorfer Professor Schwenter) und unterhielt wesentlich mit fremdem Gelde eine Buchhandlung und eine Buchdruckerei, aus welcher zahlreiche Werke hervorgingen, namentlich 1599 seine lang vorbereitete Polyglotten-Bibel. Das alte Testament, u. d. T.: „Biblia Sacra Ebraice, Chaldaice, Graece, Latine, Germanice, Gallice (Sclavonice, Italice)“ wurde jedoch nicht vollendet und umfaßt nur acht Bücher. Das neue Testament in zwölf Sprachen, u. d. T.: „Novum Testamentum Syriace, Italice, Ebraice, Hispanice, Graece“ etc., wurde im folgenden Jahre fertig. Die darin enthaltene hebräische Uebersetzung (1661 von Will. Robertson besonders herausgegeben) ist von H. selbst ausgearbeitet. Er ließ auch eine Anzahl einzelner biblischer Bücher und die Perikopen in mehreren Sprachen drucken und 1603 eine andere Ausgabe des neuen Testaments in vier Sprachen, u. d. T.: „Novum Testamentum harmonicum Ebraice, Graece, Latine, Germanice“. Bei der Herausgabe dieser Polyglotten befolgte er den|verfehlten Grundsatz, die verschiedenen Uebersetzungen durch willkürliche Aenderungen des überlieferten Textes mit einander in Uebereinstimmung zu bringen, durch welches Verfahren der kritische Werth der Ausgaben stark beeinträchtigt ist. Die harmonia linguarum auf lexikalischem Gebiet hat zum Gegenstand sein „Dictionarium harmonicum biblicum Ebraeum, Graecum, Latinum, Germanicum“, 1598. Andere mehrsprachliche und sonstige Werke sind ungedruckt geblieben. Auch in Nürnberg konnte sich H. auf die Dauer nicht halten. Seine geschäftlichen Unternehmungen wollten nicht glücken, Schulden häuften sich, und so mußte er 1604 das Geschäft aufgeben und Nürnberg verlassen. Darauf ist er wahrscheinlich nach Augsburg oder Frankfurt gegangen; über die letzten Schicksale und das Todesjahr dieses rastlosen unternehmenden Mannes fehlen jedoch bestimmte Nachrichten. 1605 hat er noch gelebt, 1609 aber war er nicht mehr am Leben; in die Zwischenzeit fällt also sein Todesjahr.

    • Literatur

      Vgl. Moller, Cimbria litterata, II. 392. Will, Nürnberg. Gelehrten-Lexikon, II. 213 und VI. 147.

  • Autor/in

    Redslob.
  • Empfohlene Zitierweise

    Redslob, Gustav Moritz, "Hutter, Elias" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 475-476 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121469182.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA