Lebensdaten
1909 bis 1975
Geburtsort
Mannheim
Sterbeort
Bozen
Beruf/Funktion
NS-Funktionär
Konfession
-
Normdaten
GND: 12023338X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Six, Franz Alfred
  • Siks, Franc Alfred
  • Six, Alfred Franz
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Zitierweise

Six, Franz Alfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12023338X.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Alfred (* 1879, altkath.), Dekorateur, Polsterer, Möbelhändler in M., S d. Johann Ferdinand (um 1844–94), Theatermusiker;
    M Anna Maria Schwindt (altkath.), T e. Kleinlandwirts in d. Pfalz;
    1) 1940 1967 Ellen gesch. Kohrt (* 1914), aus Hannover, T d. Friedrich Ernst August Offenbach (* 1888), Eisenbahnangest., 2) Essen 1970 1974 Sibylle Lachemann (* 1938), Sekr.;
    1 T aus 1), 1 Stief-Taus 1).

  • Leben

    S. besuchte das Lessingrealgymnasium seiner Geburtsstadt, unterbrach die Schulzeit, um als Maurer zu arbeiten, und studierte 1930–34 in Heidelberg Jura und Zeitungswissenschaften. Seit 1929 war er im NS-Schülerbund engagiert, der NSDAP trat er am 1.3.1930 bei. Aus kleinen Verhältnissen stammend, gelang ihm während der NS-Zeit eine rasche Karriere. Mit einer inhaltsarmen, aber linientreuen Arbeit über „Die politische Propaganda der NSDAP im Kampf um die Macht“ wurde er 1934 bei Arnold Bergsträsser (1896–1964) promoviert. Über die Pressearbeit der Reichsstudentenführung gelang ihm der Einstieg in die SS-Hierarchie. 1935 wurde er als SS-Untersturmführer in den Sicherheitsdienst (SD) übernommen, seitdem leitete er im SD-Hauptamt die Presseabteilung. Im April 1937 übertrug ihm Reinhard Heydrich (1904–42) auch die Leitung der „Weltanschaulichen Auswertung“. Hier konnte S. seine Vorstellungen von einer auf wissenschaftlichen Analysen fußenden Bekämpfung der ideologischen Gegner des Nationalsozialismus, die „Gegnerforschung“, verwirklichen. Unter seiner Mitwirkung wurde die „Judenpolitik“ des „Dritten Reichs“ sowohl aggressiver als auch systematischer. S. beteiligte sich zudem daran, konzeptionelle und organisatorische Grundlagen der Judenverfolgung zu entwickeln. Im Frühjahr 1938 sandte er seinen Mitarbeiter Adolf Eichmann (1906–62) nach Wien, um die zwangsweise Auswanderung der Juden zu beschleunigen. S. beteiligte sich auch aktiv an der Vorbereitung und Durchführung erst des „Anschlusses“ Österreichs, dann des Krieges gegen Polen und die Sowjetunion und der damit verbundenem systematischen Beschlagnahme von Kulturgut sowie an der Jagd auf Emigranten oder ideologische Gegner.

    Trotzdem gelang es S. nach Schaffung des Reichssicherheitshauptamts (1939) nicht, seine herausgehobene Position zu halten. In den internen Machtkämpfen der SS-Führungsriege verlor er zunehmend an Einfluß. Die Leitung der „Gegnerforschung“ hatte er schon 1940 nur noch formal inne, im April 1943 wurde er in dieser Funktion ganz abgelöst. Er meldete sich im April 1940 zur Waffen-SS und kommandierte während des Überfalls auf die Sowjetunion vom 22. 6. bis 28.8.1941 eine Einheit der Einsatzgruppe B der Sicherheitspolizei und des SD; hierbei beschäftigte er sich vornehmlich mit der Plünderung von Kulturgütern, v. a. in Smolensk. Eine Mittäterschaft bei Morden an der dortigen Bevölkerung ist wahrscheinlich, aber nicht zweifelsfrei nachgewiesen.|Parallel zu seiner SS-Karriere stieg S. auch im Wissenschaftsbetrieb auf. Nach einer kurzen Assistentenzeit in Heidelberg konnte er 1935 an der Univ. Königsberg ein Institut für Zeitungswissenschaften einrichten. Dort war er zunächst Dozent, nach Habilitation 1938 und Ernennung zum ao. Professor im selben Jahr dessen Direktor. 1939 an die Univ. Berlin berufen, wurde S. 1940 zum Professor und Dekan der neugegründeten Auslandswissenschaftlichen Fakultät und Direktor des Dt. Auslandswissenschaftlichen Instituts ernannt, das unter ihm eine Wendung zum Völkischen vollzog. Im April 1943 wechselte S. in das Auswärtige Amt. Als Leiter der Kulturpolitischen Abteilung trug er den Titel „Gesandter Erster Klasse als Ministerialdirigent“. Er betrieb in den letzten beiden Kriegsjahren eine auf antibolschewistische Propaganda reduzierte auswärtige Kulturpolitik in den verbündeten oder neutralen Staaten und baute das Netz dt. wissenschaftlicher Institute im Ausland aus. Am 30.1.1945 beförderte Himmler ihn noch zum SS-Brigadeführer. Nach Kriegsende tauchte S. in Süddeutschland unter, wurde jedoch im Januar 1946 inhaftiert und im Nürnberger „Einsatzgruppenprozeß“ zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der vorzeitigen Entlassung am 30.4.1953 arbeitete er als Geschäftsführer beim Verlag C. W. Leske, Darmstadt, dann als Werbeleiter der Porsche Diesel Motorenbau GmbH, Friedrichshafen, zuletzt als selbständiger Unternehmensberater in Essen. Seit 1957 war er Dozent an der „Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft“, Bad Harzburg.

  • Auszeichnungen

    SS-Auszeichnungen.

  • Werke

    | Freimaurerei u. Judenemanzipation, 1938;
    Das Reich u. Europa, Eine pol.-hist. Skizze, 1943;
    Marketing in d. Investitionsgüterind., 1971.

  • Literatur

    | R. Urban u. R. Herpolsheimer, in: Ztg.wissenschaftler im Dritten Reich, hg. v. A. Kutsch, 1984, S. 169–212;
    L. Hachmeister, Die Gegnerforscher, Die Karriere d. SS-Führers F. A. S., 1998 (W-Verz., P); M. Wildt, Generation des Unbedingten, Das Führungskorps d. Reichssicherheitshauptamtes, 2002;
    W. Dierker, Himmlers Glaubenskrieger, 2002;
    T. Friedman (Hg.), SS-Brigadeführer Prof. F. S., Vorgesetzter Adolf Eichmanns, d. bei d. Endlösung d. Judenfrage 1933–1945 aktiv beteiligt war, 2002;
    G. Botsch, „Pol. Wiss.“ im 2. Weltkrieg, Die „dt. Auslandswiss.“ im Einsatz 1940–1945, 2006;
    W. Augustinovic u. M. Moll, in: Hdb. d. völk. Wissenschaften, hg. v. I. Haar u. M. Fahlbusch, 2008, S. 642–47.

  • Autor/in

    Martin Kröger
  • Empfohlene Zitierweise

    Kröger, Martin, "Six, Franz Alfred" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 479-480 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12023338X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA