• Genealogie

    V Martin, Kaufm.;
    M Lina Blumgart; ledig.

  • Leben

    M. wuchs in einem wohlhabenden Elternhaus auf. Er besuchte Schulen in Berlin und Weilburg/Lahn, wo er 1905 das Reifezeugnis erhielt. Im Anschluß daran studierte er Zahnheilkunde zunächst in München und dann in Berlin, wo er 1908 das Staatsexamen ablegte. Im selben Jahr nahm er in Greifswald das Studium der Medizin auf und bestand dort 1911 das Medizinische Staatsexamen. 1912 promovierte er mit der Arbeit „Über die ersten Entwicklungsstadien der Glandula submaxillaris“ zum Dr. med. und mit der Arbeit „Über die ersten Entwicklungsstadien der Glandula parotis“ zum Dr. phil. Im selben Jahr absolvierte M. seine Medizinal-Praktikantenzeit in Berlin und wurde Assistent am zahnärztlichen Institut der Univ. Marburg.|1913 wechselte er an das zahnärztliche Institut in Rostock, wo er sich im Sommer 1914 mit der Arbeit „Über die Lage des Anästhesiedepots“ habilitierte. Im selben Jahr wurde M. nach Einberufung von Johannes Reinmöller die kommissarische Leitung des Instituts übertragen, die er bis 1918 innehatte; 1917 erhielt er den Professortitel. Als Reinmöller Rostock 1920 verließ, wurde das bis dahin in dessen Privatbesitz befindliche Institut staatlich, und man übertrug M. die Leitung zunächst als ao., 1923 als o. Professor. Vortragsreisen führten M. vorwiegend in die Länder Südosteuropas. Zu Beginn der 30er Jahre unternahm er infolge schwerer Depressionen zwei Selbstmordversuche. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde M. gezwungen, sich auf unbestimmte Zeit beurlauben zu lassen. Wenig später wählte er den Freitod.

    M. veröffentlichte 89 Arbeiten, darunter mehrere Monographien und Buchbeiträge. Sein wissenschaftliches Interesse galt zunächst der lokalen Anästhesie, als deren Wegbereiter in der Zahnheilkunde er gemeinsam mit Guido Fischer anzusehen ist. Neben der klinischen Anwendung beschäftigten ihn vor allem die anatomischen und physiologischen Grundlagen dieser damals neuen Anästhesieform. In späteren Jahren folgten Arbeiten zu Fragen der Zahnerhaltungskunde, darunter grundlegende Studien zur Wurzelkanalbehandlung, und zu verschiedenen Formen von Zahnmißbildungen. Nach der Übernahme der Institutsleitung beschäftigte sich M. dann überwiegend mit Fragen der Mundchirurgie und -pathologie. Daneben galt sein besonderes Interesse der Universitäts- und Standespolitik, wobei er energisch für die Anerkennung der Zahnheilkunde als einer gleichberechtigten Teildisziplin der Medizin eintrat.|

  • Auszeichnungen

    Dr. med. dent. h. c. (Rostock 1924).

  • Werke

    u. a. Die Leitungsanästhesie im Ober- u. Unterkiefer auf Grund d. anatom. Verhältnisse, 1910 (mit Bünte);
    Einf. in d. Klinik d. Zahn- u. Mundkrankheiten, 1920;
    Wurzelbehandlung, in: Hdb. d. Zahnheilkde., 1924;
    Atlas d. Mundkrankheiten mit Einschluß d. Erkrankungen d. äußeren Mundumgebung, 1924 (mit Frieboes);
    Spezielle Pathol. d. Mundhöhle, in: Fortschritte d. Zahnheilkde., 1926.

  • Literatur

    D. Pahncke u. E. Beetke, H. M. (1885-1933) – zu Leben u. Werk, in: Btrr. z. Gesch. d. Univ. Rostock, H. 15, 1990 (P);
    U.-W. Depmer, Weg u. Schicksal verfolgter Zahnmediziner während d. Zeit d. Nationalsozialismus, Diss. Kiel 1993;
    E. Häussermann, Letzte Auswege waren Selbstmord u. Emigration, in: Zahnärztl. Mitt. 84, 1994, S. 1542;
    Rhdb. (P);
    Fischer.

  • Autor/in

    Christoph Benz
  • Empfohlene Zitierweise

    Benz, Christoph, "Moral, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 79 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119519402.html#ndbcontent

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