Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Münchner Künstlerfamilie
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 139789146 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Muralto
  • Muralt
  • Moralt
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Orte

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Zitierweise

Moralt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139789146.html [24.07.2019].

CC0

  • Leben

    Die Familie geht – wie die schweizer. Familie Muralt – auf Capitanei in Locarno zurück, die ursprünglich Vasallen des Kaisers sowie des Bischofs von Como waren, von dem sie u. a. die Türme von Muralto als Lehen erhielten, nach denen sie sich benannten. Martin Muralto ( 1567), Dr. iur. utr. , und der Wundarzt Johannes Muralto ( 1579) wanderten wegen ihres prot. Glaubens 1555 nach Zürich aus und wurden die Stammväter der Zürcher und Berner Muralt. Dieser Zweig behielt das Adelsprädikat bei, nicht so Familienmitglieder, die nach Deutschland und Österreich auswanderten.

    Adam (um 1741–1811, s. MGG), kurfürstl. Hofkalkant in Mannheim, übersiedelte 1778 nach München. Er wurde der Stammvater der Münchener Künstlerfamilie M. Seine acht Söhne, alle Hofmusiker, begründeten die Zweige der Familie, seine Tochter Clementine (1797–1845, s. MGG), kgl. Hofsängerin, heiratete den Sänger Julius Pellegrini (1806–58, s. ADB 25; MGG). Über seine Frau Maria Anna Kramer war Adam mit der Londoner Musikerfamilie Cramer verwandt.

    Joseph (1775–1855, s. MGG), Schüler von Peter Winter, war ein vorzüglicher Violinist. 1800 wurde er zum kurfürstl. Konzertmeister ernannt. Mit seinem Bruder Philipp gehörte er 1811 zu den Initiatoren der Münchener „Musikalischen Akademie“, deren Konzerte er häufig dirigierte. Seit 1827 Hofmusik-Instrumental-Direktor (Dirigent des Hoftheater-Orchesters), machte er sich um die Pflege der berühmten Mannheim-Münchener Streichertradition verdient. Mit seinen Brüdern Johann Baptist, Jakob und Philipp bildete er das sog. Moralt-Quartett, eines der frühesten reisenden Streichquartette, das ausgedehnte Konzertreisen innerhalb Deutschlands sowie in die Schweiz, nach Frankreich und England unternahm. Josephs Sohn Otto (1828–87) wurde 1880 Landgerichtsdirektor in München. Dessen gleichnamiger Sohn (1855–1913) war Redakteur bei den Münchener Neuesten Nachrichten und bei der München-Augsburger Abendzeitung (s. L). Josephs Tochter Emilie (1865–1954) heiratete den späteren bayer. Generalleutnant Franz Xaver Ritter v. Held (1862–1943).

    Johann Baptist (1777–1825, s. MGG) erhielt seine musikalische Ausbildung bei dem Münchener Hofmusik-Instrumental-Direktor Karl Cannabich und bei Joseph Grätz. Mit 21 Jahren wurde er als Violinist Hofmusiker. Seine an Joseph Haydn erinnernden Kompositionen, darunter mehrere Symphonien, wurden vor allem in der „Musikalischen Akademie“ aufgeführt. Seine Quartette für Flöte, Violine, Viola und Violoncello (1815) werden auch heute noch gespielt. Johann Baptists Töchter Maria Ottilie (1812–44) und später Angelika (1819–73) waren mit dem Musikalienhändler Eduard Spitzweg (* 1811) verheiratet, einem Bruder des Malers Carl Spitzweg. Johann Baptists Sohn Wilhelm (1815–74) wurde 1835 Hofmusiker, machte sich aber auch um die Volksmusik verdient. Er komponierte mehrere Stücke für die Zither. Seiner Ehe mit der Hofkapellsängerin Josephine Deybeck (1815–98) entsproß Paul Alois (1849–1943), kgl. Kammermusiker, der auch als Zeichner und Maler hervortrat. In seiner Jugend war er Schüler Carl Spitzwegs und Christian Morgensterns gewesen. Sein Sohn Willy (1884–1947) studierte an der Münchener Akademie der Bildenden Künste bei Karl Raupp Malerei. Da er es meisterhaft verstand, im Stil seines Großonkels Carl Spitzweg zu malen, und auch dessen Motive einer biedermeierlichen „heilen Welt“ übernahm, blieb der Erfolg nicht aus. Auf der Großen Internationalen Kunstausstellung in Venedig 1924 errang er die Goldene Medaille (s. L).

    Jakob (1780–1820) brachte es auf der Viola zu hoher Meisterschaft. Von seinen Söhnen folgten ihm Anton (1812–83) und Eduard Anton (1819–59) als Hofmusiker, Ludwig (1815–88) wurde Historienmaler (s. L) und Heinrich Anton (1816–59) Apotheker, seine Tochter Maria Magdalena (1813–75) heiratete den Architekturprofessor Rudolf Josef v. Kramer (1809–74). Ludwig war an der Münchener Akademie Schüler von Heß, Schlotthauer und Cornelius. Er fertigte zwei Gemälde für den Regensburger Dom (1840) und die Fresken im Dom zu Gran (Esztergom/Ungarn). Bei der Ausmalung der Ludwigskirche in München assistierte er Peter Cornelius. Ludwigs gleichnamiger Sohn (1851–1931) ließ sich als Kaufmann in Reichenhall nieder. Jakobs Sohn Theodor (1817–77), Hoftheater-Hauptkassier, heiratete die reiche Brauerstochter Maria Louise Pschorr (1834–89). Theodors Sohn Angelo (1856–1906) ließ sich als Kaufmann in London nieder, Rudolf (1858–1922) wurde Hoftheater-Kassier, Theodor Ludwig (1863–1922) Kaufmann. Theodors Tochter Bertha (1870–1948) heiratete den Architekten Adolf Ziebland (1863–1934), Rudolfs Tochter Margarethe (* 1894) den Chirurgen Richard Bestelmeyer. Rudolfs gleichnamiger Sohn (1902–58, s. MGG), über seine Großmutter Pschorr mit Richard Strauss verwandt, begann als Korrepetitor an der Münchener Oper, wurde 1932 musikal. Oberleiter in Kaiserslautern und 1937 Operndirektor in Graz. 1940 holte man ihn als Ersten Kapellmeister und Chefdirigenten an die Wiener Staatsoper. Er führte sich mit einer vielbeachteten „Daphne“-Premiere ein. Zum Verdi-Jahr dirigierte er im April 1942 den „Troubadour“, zu den Geburtstagen von Richard Strauss 1944 den „Rosenkavalier“, 1949 die „Elektra“. Große Beachtung fanden die Richard Strauss-Opernaufführungen „Salome“ (1946), „Intermezzo“ (1954) und vor allem „Arabella“ (1952). Ende 1945 dirigierte er „Fidelio“, 1946 zum 950. Geburtstag Österreichs Mozarts „Entführung“, zum 70. Todestag Richard Wagners den „Tristan“, 1953 d'Alberts „Tiefland“ und.kurz vor seinem Tod die „Josephslegende“. Schallplattenaufnahmen von Werken Anton Dvořáks, Richard Strauss' und Anton Rubinsteins mit den Wiener Philharmonikern und den Wiener Symphonikern fanden weite Verbreitung (s. L).

    Jakobs Zwillingsbruder Philipp (1780–1830), Hof- und Kammermusiker, unternahm als Cellist häufig Konzertreisen. 1824 trat er aus der „Musikalischen Akademie“ aus, um das Orchester der Gesellschaft „Frohsinn“ dirigieren zu können. Seine Söhne, die Cellisten August (1811–86) und Joseph (1816–48) sowie der Violinist und Dirigent Peter (1814–65, s. MGG), wurden ebenfalls Hofmusiker. August und Peter schlossen sich mit ihren Vettern Wilhelm (1815–74) und Anton (1812–83) zu einem zweiten Moralt-Quartett zusammen, mit dem sie Konzertreisen unternahmen. Josephs Sohn August (1842–1906) war Premierleutnant, bevor er sich 1874 als Landwirt in Tölz niederließ. Dessen Sohn Augustin (1875–1927) errichtete eine Möbelschreinerei, die 1909 zu einer Fabrik mit 250 Beschäftigten angewachsen war, drei Jahre später wegen finanzieller Schwierigkeiten jedoch verkauft werden mußte. 1915 erwarb Augustin die Schletzbaumsäge in Tölz, der er bald eine Türenfabrik, 1924 eine Fabrik für Sperrholzplatten anfügte. Sein Sohn August (1905–86) führte die Fabrikation von Sperrholz- und Spanplatten fort.

    Karl (1800–53) wurde als Kontrabassist Hofmusiker, sein Sohn Julius (1827–61) Archivar, Peter (1840–1906) Intendanzrat. Josef (1802–58) mußte sich mit der bescheidenen Stellung eines Hofmusik-Konservators begnügen, ebenso dessen Sohn Josef Anton (1835–74). Karl-Peter (1836–1901) wechselte 1869 von der Stadt- zur Hofmusik. Karl-Peters Söhne Josef (1860–1910) und Karl (1862–1930) wurden Gastwirte, seine Tochter Theodolindedolinde (1861-1916) heiratete den Bauunternehmer Ludwig Vogl (1864–1920). Friedrich (1805–69) wurde der Familientradition gemäß ebenfalls Hofmusiker (Hornist), seine Tochter Luise (1853–84) Opernsängerin. Adams 19. Kind und 8. Sohn Anton (1807–62) gehörte der Hofkapelle als Hornist und Kontrabassist an.

  • Literatur

    H. Bihrle, Die Musikal. Ak. in München 1811-1911, 1911;
    M. Zenger, Gesch. d. Münchener Oper, 1923;
    A. Bauckner, 150 J. Bayer. Nat.theater, 1928;
    A. Aschl, Die M., Lb. e. Fam., 1960 (P zu d. meisten hier erw. Fam.mitgll.);
    L. F. Schiedermair, Dt. Oper in München – e. 200j. Gesch., 1992;
    HBLS V. – Zu Otto ( 1913): A. Dreyer, in BJ 18, 1917, S. 178 f. – Zu Ludwig ( 1088): Festgabe d. Ver. f. Christl. Kunst in München, 1910, S. 85 f. (P);
    ThB. – Zu Willy ( 1947): K. Dreher, W. M., Fröhliche Bilder aus sonnigem Leben, 1923 (Abb. v. W, P);
    R. Braungart, Fälschung od. Anlehnung?, in: Der Kunsthandel 45, 1953, H. 2, S. 14 f.;
    H. Heyn, Süddt. Malerei, 1980;
    U. Hölzermann, W. M. anläßl. seines 100. Geb.tags, Der bayer. Romantiker unter d. Malern d. 20. Jh., in: Weltkunst 54, 1984, S. 1432 f. – Zu Rudolf ( 1958): A. Witeschnik, Wiener Opernkunst, 1959;
    F. Hadamowsky u. A. Witeschnik (Hrsg.), Jubiläumsausst. 100 J. Wiener Oper am Ring, Wien 1969;
    M. Prawy, Die Wiener Oper, 1969 (P);
    H. Christian u. H. Hoyer, Die Wiener Staatsoper 1945–80, 1980 (Verz. d. v. ihm dirigierten Opern).

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Moralt" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 80-82 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139789146.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA