Lebensdaten
1813 bis 1896
Geburtsort
Hrochowteinitz (Hrochuv Týnec, Böhmen)
Sterbeort
Sankt Gallen (Steiermark)
Beruf/Funktion
Geologe ; Geograph ; Alpenforscher
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119457415 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Simony, Friedrich
  • Simony, Friedr.

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Zitierweise

Simony, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119457415.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., vermutl. Mil.arzt;
    M N. N. Simony;
    1851 Amalie Krakowitzer (1821–77), T e. Auerspergscher Oberpflegers in Wels;
    2 S u. a. Oscar (1852–1915), Prof. f. Math. u. Physik an d. Hochschule f. Bodenkultur, Wien (s. ÖBL; Hist. Lex. Wien), 1 T (früh †).

  • Leben

    S. wurde als uneheliches Kind geboren, seine Mutter verstarb früh und er wuchs bei seinen Onkeln und einem Großvater auf. Den Besuch des Gymnasiums in Mikulov brach er vorzeitig ab und begann mit einer Apothekerlehre in Trentschin. 1833 kam er als Laborant nach Wien und begann das Studium der Pharmazie, das er 1835 mit dem Magisterrigorosum abschloß. Auf Anregung seines Lehrers Joseph Franz v. Jacquin (1766–1839) studierte er seit 1836 Naturwissenschaften an der Univ. Wien. 1840 begann er mit der geomorphologischen und glaziologischen Erforschung des Dachsteingebirges. Vom 8.–10.12.1842 führte S. als Erster eine Winterbesteigung des Hauptgipfels (2995 m) durch, im folgenden Jahr verbrachte er im Sept. zweimal je eine Nacht auf dem Dachsteingipfel. Im Alter von 77 Jahren bestieg er 1890 zum letzten Mal den Berg, dessen wiss. Erforschung sein Hauptwerk bildet (Das Dachsteingebiet, ein geogr. Charakterbild a. d. österr. Nordalpen, 3 Bde., 1889–95). Der Begriff „Dachsteinkalk“ wurde 1847 von S. eingeführt.

    1844 führte S. Lotungen im Hallstätter See durch, deren Ergebnisse jedoch erst sehr viel später im „Atlas der österr. Alpenseen“ (hg. v. A. Penck u. E. Richter, 2 Bde, 1895/96) veröffentlicht wurden. Neben dem Schweizer François Alphonse Forel (1841–1912) zählt S. damit zu den Wegbereitern der Limnologie. S. wurde 1848 zum Kustos des Naturhistorischen Landesmuseums in Klagenfurt und bereits ein Jahr später zum Chefgeologen („zeitlicher Geologe“) der Geologischen Reichsanstalt in Wien bestellt. 1851 erhielt S. an der Univ. Wien die erste Professur für Geographie in Österreich (1885 em.). Daneben war er in so unterschiedlichen Fachgebieten wie Gletscherkunde, Klimatologie, Gewässer- und Höhlenkunde, Ökologie, Astronomie, Volkskunde, Prähistorie und Pflanzengeographie tätig. S. verfaßte mehr als 200 Publikationen, darunter den „Physiognomischen Atlas der österr. Alpen“ (1862) und war seit der Gründung 1846 Mitarbeiter der Zeitschrift „Haidingers Berichte über die Mittheilungen von Freunden der Naturwissenschaften in Wien“ (bis 1851). Er zählte zu den Gründern der „Geographischen Gesellschaft“ (1856) sowie des Österr. Alpenvereins (1862). S. fertigte, z. T. zu didaktischen Zwecken, zahlreiche Abbildungen von außerordentlicher Detailgenauigkeit nach verschiedensten Techniken an (Bleistift- u. Tuschzeichnungen, Aquarelle, Radierungen u. Photographien). Das 2,5 m x 1,6 m große Aquarell „Gletscherphänomene“ wurde auf den Weltausstellungen in London (1862) und Wien (1873) prämiert. Seine wiss. Beobachtungen stellen bis heute eine wesentliche Grundlage für die Forschung in den österr. Alpen dar. Enge Freundschaften verbanden ihn mit dem Entdecker des Hallstätter Gräberfeldes, Johann Georg Ramsauer (1795–1874), und mit Adalbert Stifter (1805–68), der ihn in seinem Roman „Nachsommer“ (1857) in der Figur des Heinrich Drendorf verewigte.

  • Auszeichnungen

    HR (1886); Ehrenbürger v. Hallstatt (1876); österr. Gr. Medaille f. Kunst u. Wiss. (1877); Hauer-Medaille d. k. k. Geogr. Ges. (1896); zahlr. alpine Benennungen: S.scharte, S.höhle u. S.hütte im Dachsteingebiet; S.spitzen, S.kees u. S.schneide in d. Venedigergruppe; S.gletscher im Franz-Josef-Land; Mineral „Simonyit“.

  • Werke

    Über d. Höhlenbildung in d. geschichtl. Kalken, sowie über gewisse, mit d. Namen „Karstbildung“ bez. Gestaltungen d. Gebirgsoberfläche, in: Haidingers Berr. 1, 1847, S. 55–59;
    Über d. Alluvialgebilde d. Etschthales, in: SB d. ksl. Ak. d. Wiss., Math.-naturwiss. Kl. 24, 1857, S. 455–92;
    Verbreitung d. Gletscher in Österr., in: Österr. Revue 1, 1863, S. 238–52;
    Das Pflanzenleben d. afrikan. Wüsten, in: Schrr. d. Ver. z. Verbreitung naturwiss. Kenntnisse in Wien 21, 1881, S. 89–125;
    Qu
    Tagebücher u. mehr als 1000 Bilder im Archiv d. Naturhist. Mus.;
    weiteres Material: Österr. Nat.bibl.;
    Geol. Bundesanstalt;
    Österr. Alpenver., alle Wien;
    Inst. f. Geografie d. Univ. Wien.

  • Literatur

    A. Penck, F. S., Leben u. Wirken e. Alpenforschers, Ein Btr. z. Gesch. d. Geogr. in Österr., 1898 (W-Verz.);
    K. Kadletz, in: Archiv d. Gesch. d. Naturwiss. 1983, S. 441–52;
    A. B. v. Böhm, Zur Biogr. F. S.s, 1899 (W-Verz.);
    H. Spreitzer, F. S., d. Alpenforscher, in: Österr. Naturforscher, Ärzte u. Techniker, 1957, S. 18–20;
    F. Grims, Das wiss. Wirken F. S.s im Salzkammergut, in: Ein Leben f. d. Dachstein, Ausst.kat. 1996, S. 43–71;
    Ch. Riedl-Dorn, Die Slgg. F. S.s am Naturhist. Mus. Wien, ebd., S. 199–236;
    R. Lehr, Ein Leben f. d. Dachstein, F. S., ebd., S. 199–266 (P);
    ders., in: Oberösterreicher I, 1981, S. 56–72;
    Wurzbach;
    F. Ratzel, in: BJ I, S. 332–34;
    Dt. Apothekerbiogr., Erg.bd. II;
    Hist. Lex. Wien;
    ÖBL;
    Personenlex. Österr.

  • Portraits

    mehrere Photogrr. (Bildarchiv d. Österr. Nat.bibl.).

  • Autor/in

    Christa Riedl-Dorn
  • Empfohlene Zitierweise

    Riedl-Dorn, Christa, "Simony, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 445 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119457415.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA