Lebensdaten
1912 bis 1978
Geburtsort
Bernburg/Saale
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Sozialpädagoge ; Jurist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 125887035 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Simonsohn, Berthold Alfons
  • Simonsohn, Berthold
  • Simonsohn, Berthold Alfons
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Zitierweise

Simonsohn, Berthold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd125887035.html [22.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Alfred (1858–1937), Kaufm. in B.;
    M Sidonie (1880–1944 Theresienstadt), T d. Samuel Fried (* 1833), aus Szigetvár (Ungarn), Privatbeamter, u. d. Bertha Engel (* 1842);
    Om Alfred Fried (1864–1921), Pazifist, Publ., Friedensnobelpreis 1911 (s. NDB V); 2 ältere Geschw;
    Zürich 1949 Trude Gutmann (* 1921), aus Olmütz, Überlebende v. Theresienstadt u. Auschwitz, Pflegekraft in Davos, Wilhelm Leuschner-Medaille (s. H. Hoffmann, Frankfurts starke Frauen, 2006, S. 265–78);
    1 S Michael (* 1951), Arzt.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Karlsgymnasium in Bernburg studierte S. seit 1929 Jura und Staatswissenschaften in Leipzig und Halle. Da er als Jude nicht zum jur. Staatsexamen zugelassen wurde, verfaßte er bei Erich Schwinge (1903–94) die Dissertation „Der Hochverrat in Wissenschaft, Gesetzgebung und Rechtsprechung von der franz. Revolution bis zum Reichsstrafgesetzbuch“ (gedr. 1934), aufgrund derer er 1934 zum Dr. iur. promoviert wurde. Als Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschland (SAPD) engagierte er sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus und wurde Ende 1933 wegen des Verdachts des Hochverrats verhaftet, mangels Beweisen aber nach drei Tagen wieder freigelassen. Seit 1938 arbeitete er in der jüd. Sozialarbeit zunächst in Stettin, seit 1939 in Hamburg als Bezirksfürsorger für Nordwestdeutschland bei der Reichsvereinigung der dt. Juden. 1942 wurde er in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er in der jüd. Selbstverwaltung tätig war, zuerst in der „Arbeitszentrale“, dann als stellvertretender Leiter der Jugendfürsorge. Es folgten Deportationen in die Konzentrationslager Auschwitz, Kaufering III und Dachau-Allach, wo er 1945 befreit wurde.

    Im Mai 1945 kehrte S. nach Theresienstadt zurück und organisierte die Auflösung des Ghettos. 1946/47 leitete er in der Schweiz das Sanatorium „Höhwald“, eine Einrichtung der jüd. Flüchtlingshilfe Davos. Danach studierte er Volkswirtschaft, Soziologie und Geschichte an der Univ. Zürich. 1950 kehrte S. nach Hamburg zurück und war bis 1954 Geschäftsführer und Rechtsberater des Verbandes der Jüd. Gemeinden Nordwestdeutschlands. 1951 beauftragte der Zentralrat der Juden in Deutschland S. mit der Wiedergründung der im „Dritten Reich“ verbotenen „Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland“ (ZWST) und setzte ihn als Geschäftsführer ein. Unter seiner Leitung entwickelte sich die ZWST zu einem modernen Wohlfahrtsverband. S. war Experte in Fragen der Wiedergutmachung und gab als verantwortlicher Redakteur die Wiedergutmachungsbeilage der „Jüd. Allgemeinen Wochenzeitung“ heraus. Bereits Anfang der 1960er Jahre bahnte er die ersten Beziehungen zwischen Deutschland und Israel an und engagierte sich für eine arab.-jüd. Verständigung.

    Seit 1962 lehrte S. als ao. Professor, seit 1969 als o. Professor für Sozialpädagogik und Jugendrecht an der Univ. Frankfurt/M. (em. 1977). S. gab u. a. als Mitverfasser der Denkschrift der Arbeiterwohlfahrt „Vorschläge für ein erweitertes Jugendhilferecht“ (1970) wesentliche Impulse für die Reform des Jugendrechts. Als Fachmann für deviantes Verhalten und Fragen der Resozialisierung (Jugendkriminalität, Strafjustiz u. Sozialpäd., 1969, 51975, Hg.) wurde S. 1976 in die „Kommission des Bundesjustizministeriums zur Reform des Jugendstrafvollzugs“ berufen und wirkte hier an der Gestaltung der Gesetzesreform entscheidend mit. Er gehörte zu der kleinen Zahl jüd. Intellektueller, die als Rückkehrer dazu beitrugen, daß wieder jüd. Gemeinden und ein jüd. Kulturleben in Deutschland entstanden. – Die 1980 an der Hebräischen Univ. Jerusalem errichtete „Simonsohn-Gedächtnis-Stiftung“ vergibt jährlich zwei Stipendien an Studenten des Martin-Buber-Zentrums für Erwachsenenbildung. Sie verfolgt damit das Ziel, das friedliche Zusammenleben zwischen Juden und Arabern zu fördern.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Board of Governors d. Hebr. Univ. Jerusalem (1970) u. d. Komm. z. Reform d. Jugendstrafvollzugs d. Arb.gemeinschaft Soz.demokrat. Juristen (ASJ) (1977); Römerplakette d. Stadt Frankfurt/M. in Bronze (1976); Honorary Fellowship d. Hebr. Univ. Jerusalem (1977); – B.-S.-Schule, Zentrum f. Erziehungshilfe, Frankfurt/M. (seit 1995).

  • Literatur

    H. Ma×r, Pionier d. jüd. Lebens, Dr. B. S. z. 50. Geb.tag, in: Jüd. Allg. Wochenztg. v. 24. 4. 1962;
    E. G. Lowenthal, Im Dienst an d. Jugend, Zum 60. Geb.tag v. Prof. B. S., ebd. v. 21. 4. 1972;
    E. Gottfried, Tätig in d. Ruhestand, Zum 65. Geb.tag v. Prof. Dr. B. S., ebd. v. 22. 4. 1977;
    A. Leber (Hg.), Soz.päd., Psychoanalyse u. Soz.kritik, Perspektiven soz. Berufe, FS z. 60. Geb.tag v. B. S., 1972, 21975;
    ders., Zur Emeritierung v. B. S. (z. T. veröff. in: Neue Praxis 3, 1978), in: ZEDAKA, Jüd. Sozialarbeit im Wandel d. Zeit, hg. v. G. Heuberger u. P. Spiegel, 1992, S. 373;
    H. Maòr, Zeugnisse e. engagierten Lebens f. d. Menschlichkeit, B. S. z. Gedenken, 1978;
    W. (Aden-)Grossmann, in: M. Lehmann u. H. Schnorbach (Hg.), Aufklärung als Lernprozeß, FS f. Hildegard Feidel-Mertz, 1992, S. 109–19;
    dies., Soz.päd., Psychoanalyse, Jugendrecht, B. S., in: M. Brumlik u. B. Ortmeyer (Hg.), 90 J. Johann Wolfgang Goethe-Univ., Erziehungswiss. u. Päd. in Frankfurt, Eine Gesch. in Portraits, 2006, S. 103–37;
    dies., B. S., Biogr. d. jüd. Soz.pädagogen u. Juristen, 2007 (vollständ. W-Verz., S. 400–05, L, P);
    |Göppinger;
    Frankfurter Biogr.;
    Who is who d. Soz. Arb., hg. v. H. Maier, 1998;
    Nachlaß:
    BA Koblenz.

  • Autor/in

    Wilma Aden-Grossmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Aden-Grossmann, Wilma, "Simonsohn, Berthold" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 443-445 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd125887035.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA