Lebensdaten
1816 bis 1874
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Funktion
Drucker ; Verleger ; Begründer der Großreklame in Berlin ; Buchhändler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119388626 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Litfaß, Ernst Theodor Amandus
  • Litfaß, Ernst
  • Litfaß, Ernst Theodor Amandus
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Zitierweise

Litfaß, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119388626.html [25.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. betätigte sich im Druckereiwesen, seit Friedrich (1601–48) aus Lüneburg in Moskau eine Druckerei erwarb, die von seinem Sohn Daniel nach Königsberg verlegt wurde. - V Ernst (1781–1816), Drucker u. Buchhändler, gründete 1805 in B. eine Druckerei, d. während d. Befreiungskriege 1813-15 durch Extrablätter berühmt wurde, S d. Kaufm. Joh. Daniel in Königsberg (Preußen) u. d. Maria Dorothea Quandt;
    M Joh. Sophie Caroline (1792 - n. 1845), T d. Brauers u. Branntweinbrenners Joh. Peter Kitzing (1757–1807) in B. u. d. Beate Charlotte Maria Kohlen;
    Stief-V Leopold Krause ( 1845), Buchhändler u. Drucker;
    - Berlin 1840 Alexandrine Emilie Adelheid (1816–73), T d. Hanna Caroline Wersig geb. Pietack (Wwe d. Gastwirts Christian Friedrich Wersig in B.);
    2 T.

  • Leben

    Nach einer Buchhändlerlehre unternahm der theater- und literaturbegeisterte L., dessen Vater wenige Tage nach der Geburt des Sohnes gestorben war, Bildungsreisen in Westeuropa (Paris, London, Brüssel). 1845 übernahm er das bis dahin von seinem Stiefvater, dem ehemaligen Administrator der Firma, geleitete Druck- und Verlagshaus und verlegte u. a. Moritz G. Saphirs umstrittene „Berliner Schnellpost“, den späteren „Berliner Curier“ (Zeitung für Literatur, Theater und Geselligkeit). L. modernisierte das Unternehmen, indem er die neuen Schnellpressen einführte, und druckte als erster Plakatgroßflächen bis 20 X 30 Fuß (6,3 X 9,4 Meter) sowie Buntdruck. Im Revolutionsjahr 1848 verlegte er neben zahlreichen Flugblättern den „Berliner Krakehler“, der eine wöchentliche Auflage von 20 000 Exemplaren erreichte. Das Blatt wurde am 13.11.1848 zusammen mit sieben demokratischen Zeitungen während des Belagerungszustandes verboten und 1849 eingestellt. Nachfolger wurde 1851 der „Berliner Tagestelegraph“, der über Theater, Konzerte, Kunst, Unterhaltung und Gastronomie informierte und einen umfangreichen Inseratenteil hatte. 1859 wurde das Blatt, das jetzt auch aktuelle Nachrichten und ein Feuilleton anbot, zur „Theater-Zwischen-Acts-Zeitung“.

    L., bereits im Inseratenwesen stark engagiert, konzentrierte sich zunehmend auf das Reklamegeschäft und bemühte sich um eine ihm ein Monopol sichernde Neuorganisation des Anschlagwesens. Er offerierte Polizeipräsident v. Hinckeldey eine Gratisbereitstellung von 150 öffentlichen Anschlagsäulen (neben 100 der neuentwickelten runden Säulen, wie sie in ähnlicher Form in London und Paris bereits existierten, sollten auch 50 Pumpen und Bedürfnisanstalten umgebaut werden) als Gegenleistung für die erwünschte Konzession. Deren Verleihung für 15 Jahre, die öffentliche Anschläge einer indirekten Zensur unterstellte, führte zu jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen Polizeipräsidium und Magistrat. Die Einweihung der neuen „Annoncir-Säulen“ am 1.7.1855 wurde zu einem multimedialen Werbespektakel von Anzeigen in Tageszeitungen über die Vorstellung der uniformierten Anschlagspediteure, Aufführungen der eigens komponierten „Annoncir-Polka“ bis zur publikumswirksamen „Insertion“ von Couplets in den Erfolgsstücken des Königsstädtischen Theaters. 1865 wurde die Zahl der „Litfaß-Säulen“ – so wurden sie inzwischen allgemein genannt – auf 200 erhöht.

    Während der Versuch, mit einer „Central-Kanzlei“ 1856 eine internationale Künstlervermittlung einzurichten, scheiterte, erzielte L. mit spektakulären patriotischen Aktionen (Wohltätigkeitsveranstaltungen und Spendensammlungen zugunsten von Kriegshinterbliebenen und Katastrophenopfern, Beteiligung an „nationalen“ Stiftungen und Unterstützungsfonds) große Breitenwirkung. In den Kriegen von 1866 und 1870/71 erhielt er die alleinige Konzession für die Erstveröffentlichung von Kriegsdepeschen und Siegesbulletins. L. wurden vom preuß. König zahlreiche hohe Auszeichnungen verliehen (u. a. 1861 Kommissionsrat, 1863 Hof-Buchdrucker, 1867 Geh. Kommissionsrat). Seine Erben verloren 1880 die Anschlagskonzession an die Konkurrenz (Nauck & Hartmann).

  • Literatur

    ADB 18;
    F. Tietz, E. L.s industrielle u. private Wirksamkeit, 1871;
    A. Potthast, Gesch. d. Buchdruckerkunst in Berlin im Umriß, 1926;
    F. Haenschke, Festschr. z. 80j. Bestehen d. Litfaß-Säule, 1935;
    F. Redlich, Die Schöpfer d. Berliner Reklame, in: Zs. d. Ver. f. d. Gesch. Berlins 52, 1935, S. 94-101;
    K. Knudsen, E. L., 1816-74, Diss. Berlin 1941;
    ders., 100 J. Berliner Litfaßsäulen, E. L. in seiner Zeit, in: Der Bär v. Berlin 4, 1954, S. 7-44;
    S. Reichwein, Die Litfaßsäule, Die 125j. Gesch. e. Straßenmöbels aus Berlin, 1980 (P).

  • Autor/in

    Bodo Rollka
  • Empfohlene Zitierweise

    Rollka, Bodo, "Litfaß, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 705-706 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119388626.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA