Lebensdaten
1801 bis 1830
Geburtsort
Freudenthal (Österreichisch Schlesien)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schauspielerin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119351544 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Krones, Therese
  • Krones, Theresia Hedwig
  • Kronesová, Tereza

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Zitierweise

Krones, Therese, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119351544.html [20.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Josef (1766–1839), Kürschnermeister in F., 1804 Schauspieler in Olmütz, seit 1807 Dir. e. Wandertheatergruppe in Österreich (s. Kosch, Theater-Lex.), S d. Kürschnermeisters Josef in F. u. d. Maria Theresia Josefa Steiner;
    M Anna Theresia (* 1770), T d. Franz Walter, Bäcker in Römerstadt, dann Soldat, u. d. Cäcilia Weis;
    B Josef (1797–1832), Schauspieler, seit 1826 am Josefstädter Theater in W., seit 1830 am Theater an d. Wien, Bühnenschriftsteller (s. W, s. Kosch, Theater-Lex.); - ledig;
    Groß-N Felix K. Edler v. Lichtenhausen ( 1880), Hofschauspieler in Karlsruhe, 1919 Dir. d. Volksbühne in W.

  • Leben

    Als Fünfjährige trat K. bereits mit ihrem Bruder Josef auf der väterlichen Wanderbühne auf. Ihre erste Rolle, den Schutzgeist Jeriel, spielte sie in dem Volksmärchen „Die Teufelsmühle am Wienerberg“ von Karl Friederich Henseler in dem Wiener Vorstadt-Theater in der Leopoldstadt. 1810-21 gastierte sie an verschiedenen Bühnen in Preßburg, Laibach, Agram, Graz und Ödenburg, wo sie von F. Raimund als Ophelia entdeckt wurde. K. verließ 1821 die väterliche Wanderbühne und trat ihr Engagement am Leopoldstädter Theater an. Als Debut wählte sie sich ein ausgelassen närrisches Stück von Phil. Hafner: „Das lustige Trauerspiel Evakathel und Prinz Schnudi oder: Die Belagerung von Ypsilon“. Sie gefiel neben Raimund, der den Schnudi spielte und in den nächsten Jahren neben J. F. Korntheuer und Ignaz Schuster ihr Partner blieb. Den Durchbruch zum Erfolg erlobte K. jedoch erst 1824 mit der Rolle der Rosamunde in Adolf Bäuerles romantischem Zauberspiel „Lindane oder Die Fee der Haarbeutelschneider oder Der Pantoffelmacher im Feenreich“. Von der Presse wurde sie überschwenglich gelobt. In den folgenden Jahren spielte K. vor allem in Stücken Raimunds; sie war das Ideal weiblicher Liebenswürdigkeit in der Wiener Lokalkomik. Ihren größten Erfolg errang sie 1826 mit der Rolle der „Jugend“ in Raimunds „Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär“. Ihr Hosenrollenbild im Kostüm der „Jugend“ wurde nicht nur durch Kriehubers Stich nach Schwinds Zeichnung verbreitet, es wurde in Glas geschliffen, in Seide gewebt, auf Gratulationskarten gedruckt sowie als Statue aus Zuckerguß modelliert. Durch ihre Erfolge übermütig und verschwenderisch geworden, führte K. ein aufwendiges Leben, das sich plötzlich änderte, als ihr Freund, der poln. Adelige Jaroszynski, als Raubmörder entlarvt wurde. K. verließ die Bühne und wollte in ein Kloster gehen, trat jedoch auf Raimunds Bitten nach mehrmonatiger Pause am 6.9.1827 wieder am Leopoldstädter Theater in der Titelrolle der parodierenden Posse „Julerl, die Putzmacherin“ auf. 1828 wurde ihre eigene romantische Zauberposse mit Gesang „Sylphide, das Seefräulein“, in der sie selbst das Nettchen spielte, aufgeführt; K. wurde als weiblicher Raimund gefeiert. Der Erfolg ihres Erstlingswerkes ermutigte sie 1829 zu einem neuen schriftstellerischen Versuch: „Der Branntweinbrenner und der Nebelgeist“ (Zauberspiel mit Musik v. J. Drechsler), mit dem sie keinen Erfolg hatte. 1830 verließ sie mit Raimund das Leopoldstädter Theater und trat im Theater an der Wien auf. Im gleichen Jahr brachte K. wieder ein eigenes Werk, die zweiaktige Travestie „Kleopatra“ mit der Musik von Adolf Müller zur Aufführung. Am Ende dieses Jahres starb sie infolge einer schweren Krankheit.

    K. war eine Volksschauspielerin von überzeugender Natürlichkeit, von Geschmack und Routine. Sie erkannte instinktiv die Wünsche ihres Publikums und erfüllte sie. „Sie gab ihren Rollen gar nichts vom Dichter und alles von sich, und da das dem Beifall zugute kam, so ließen's die Dichter gut sein“ (Saphir).

  • Rollen

    Hauptrollen: „Fisperl“ in „Gisperl u. Fisperl“ v. Bäuerle; „Louise“ in „Kabale u. Liebe“, Parodie v. dems.; „Jugend“ in „Der Bauer als Millionär“ v. Raimund; „Frau v. Springerl“ in „Herr Joseph u. Frau Baberl“ v. A. Gleich. - W zu B Josef: Der blaue Zwerg (Zauberspiel mit Musik v. Jos. Drechsler), 1831; Die Zauberhöhle (im Tulbinger Kogel) od. Der Hausmeister unter d. Hottentotten (Zauberposse mit Musik v. Ad. Müller), 1841.

  • Literatur

    ADB 17;
    J. Seyfried, Th. K., 1864;
    A. Kohut, Th. K. (Die größten u. berühmtesten Soubretten), 1891;
    L. Altmann, Der Raubmörder S. v. Jaroszynski, 1924;
    E. Aldor, Th. K., Diss. Wien 1931 (ungedr.);
    E. Pirchan, Th. K., 1942 (W, L, P);
    O. Rommel, Die Altwiener Volkskomödie, 1952;
    Jos. W. König, Ihr Wort wirkt weiter, 1966;
    Kosch, Theater-Lex.;
    Wurzbach 13. - Behandlung:
    K. Haffner, Th. K. (Dramat. Genrebild), 1854;
    ders., Severin von Jaroszynski oder Der Blaumantel vom Trattnerhof (Dramat. Genrebild mit Gesang u. Tanz), 1856;
    Leopold Krenn u. Julius v. Ludassy, Die tolle Therese (Operette), 1913;
    Alfred Möller, Ferdinand u. d.|Frauen (Drama), 1935;
    Hans Thimig (Regie), Brüderlein fein (Film), 1942 (Marte Harell als K.). -
    Ahnentafel in: Sudetendt. Fam.forschung 3, 1930/31, S. 12 f.

  • Portraits

    2 Lith. v. J. Kriehuber, 1830, Abb. b. Pichan, s. L;
    Ölgem. v. J. Weidner (Köln, Theatermus.), Abb. ebd.

  • Autor/in

    Ingrid Nohl-Badenhausen
  • Empfohlene Zitierweise

    Nohl-Badenhausen, Ingrid, "Krones, Therese" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 87 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119351544.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Krones: Therese K., geb. am 7. Octbr. 1801 zu Freudenthal in Schlesien, 28. Decbr. 1830 in Wien. Die „Grazie der Trivialität“. „das Ideal weiblicher Liebenswürdigkeit in der Wiener Lokalkomik“ wie man die in der Wiener Theatergeschichte so markant hervortretende K. nicht unrichtig genannt hat, war die Tochter eines Schauspieldirectors und Schauspielers K., der sie schon als Kind auf die Bühne brachte, so z. B. frühzeitig in Wien als Schutzgeist bei einer Aufführung der „Teufelsmühle“, in der er selbst den alten Martin spielte. Später nahm sie mit ihrem Bruder ein Engagement in Agram an und wirkte darauf in Olmütz, Brünn, Laibach, Gratz, dann wieder in Agram und Temesvar. 1821 endlich kam sie an die Stätte ihrer späteren Triumphe nach Wien, als Mitglied des Leopoldstädter Theaters, das sie zuerst am 7. Oct. als Evakathel in Perinets Carikaturoper betrat. Nach dem Abgang der vielbeliebten komischen Schauspielerin Madame Raimund wollte es der Zufall, daß die ebenfalls gern gesehene Dlle Kupfer kurz vor Aufführung der Zauberoper „Lindane“ erkrankte und nun|die K. mit der Rolle der Rosamunde betraut wurde. Der Erfolg, den sie errang, stellte sie mit einem Mal in den Vordergrund und machte sie zum wirksamsten Glied des Bundes, den jener Zeit Raimund, Schuster und Korntheuer bildeten. Eine Erschütterung schien die allgemeine Gunst erfahren zu sollen, als der Mörder des Professor Blank in ihrem Verehrer Jaroschinsky entdeckt und in dem Augenblick verhaftet wurde, als sich die K. anläßlich eines Banketts bei demselben befand. Sie hielt sich nach diesem Zwischenfall monatelang von der Bühne fern, ging mit der Idee um in ein Kloster zu gehen, kehrte aber doch schließlich auf die Bretter zurück und fand bis zu ihrem definitiven Austritt vom Leopold-städtischen Theater (1829) den alten Beifall. Sie gastirte nachmals noch an einigen anderen Bühnen, bis sie ein schweres Leiden an der weiteren Ausübung ihres Berufs hinderte und vorzeitig von der Schaubühne des Lebens abrief. Der Jubel, mit dem alle Leistungen der K. aufgenommen wurden, steht außer allem Zweifel, anders die nachhinkende Beurtheilung ihres theatralischen Wirkens. Gefeiert von den Einen, begeiferten sie die Anderen und doch ist zweifellos, daß sie die Grenzlinie des Erlaubten nicht überschritt und bei aller Ungebundenheit und Freiheit, trotz allen Verlockungen nie unanständig wurde, oder die Decenz verletzte, wie wir es heute wohl auf der Operettenbühne erleben können. Ihr Spiel zündete immer, denn es war eben so schalkhaft wie natürlich und ungekünstelt, geschmackvoll und routinirt. „Sie war von ungewöhnlicher Begabung, wußte instinctiv die tiefsten Geheimnisse der Individualität des Publikums zu erfassen, welches stets mehr Sinnenmensch als Nation ist. Sie gab ihren Rollen gar nichts vom Dichter und Alles von sich, und da das dem Beifalle zu gut kam, so ließen's die Dichter gut sein.“ (Saphir). Ein glückliches Aeußere und ein bemerkenswerthes Talent sich geschmackvoll zu kleiden, kam ihrem Spiel noch besonders zu statten. Ihre Hauptleistungen waren neben der „Rosamunde“ (Lindane), in der sie zum ersten Male in Wien durchschlug, „Fisperl" (Gisperl und Fisperl), „Zilli" (Aline), „Louise" (Kabale und Liebe), „Jugend“ (Bauer als Millionär). „Julerl“ (Jacob in Wien und Julerl die Putzmacherin). „Frau Springer!“ (Fleischhauer aus Oedenburg) etc. Von ihr selbst verfaßt wurden u. A. die Stücke „Der Nebelgeist", „Cleopatra", „Sylphide“ etc. Haffner hat die „deutsche Dejazet“, wie man die K. auch nannte, in einem dreiaktigen Genrebild (Wiener Theater-Repertoir Nr. 75) behandelt, Bäuerle ihre Schicksale zum Vorwurf für einen Roman genommen (1853).

  • Autor/in

    Joseph Kürschner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kürschner, Joseph, "Krones, Therese" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 190-191 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119351544.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA