Lebensdaten
1854 bis 1918
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119224178 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jirecek, Konstantin
  • Jireček, Josef Hermenegild (Taufname)
  • Jireček, Konstantin (korrekte Schreibweise mit Sonderzeichen)
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Zitierweise

Jireček, Konstantin (korrekte Schreibweise mit Sonderzeichen), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119224178.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Josef (1825–88), Ministerialbeamter in W., tschech. Lit.hist., 1871 Min. f. Kultus u. Unterricht, 1879 Reichsratsabg. (s. ADB 50; Wurzbach X; ÖBL), S d. Schmiedemeisters Joseph in Hohenmauth u. d. Veronica Tuma;
    M Božena, T d. Pavel Joseph Šafařik (1795-1861), slaw. Altertumsforscher;
    Ov Hermenegild J. v. Samokov (1827–1909), Sektionschef, slaw. Rechtshistoriker (s. Wurzbach X; ÖBL);
    Om Adalbert Šafařik (1829-1902), Prof. d. Chemie am Polytechnikum Prag, Jaroslav S. (1833–62), Feldarzt, med. Schriftsteller (beide s. Wurzbach 28); - ledig.

  • Leben

    J. besuchte bis 1872 das Theresianum in Wien und erlernte schon als Schüler neben der tschech. Mutter- und der deutschen Schulsprache durch die Besucher in dem für die Wissenschaften aufgeschlossenen Elternhaus Französisch, Serbokroatisch und Bulgarisch. Nach dem Rücktritt des Vaters mit dem Kabinett Hohenwart übersiedelte die Familie nach Hohenmauth, dann nach Prag. Hier studierte J. klassische Philologie und Geschichte, letzteres vor allem bei K. v. Höfler und Vaclav V. Tomek. Schon als Student steuerte er Beiträge über die Geschichte der Balkanländer zu tschech. Zeitschriften bei. Er stand damals auch in engen Beziehungen zu dem in Böhmen forschenden franz. Slawisten Ernest Denis. Bereits 1876 wurde der 22jährige mit einer „Geschichte der Bulgaren“ zum Dr. phil. promoviert. Diese im Grunde kompilatorische Arbeit zeigte eine erstaunliche Quellenkenntnis und kritische Ansätze der Quellenbewertung auf einem Felde, das bis dahin noch kaum bearbeitet worden war. Das Buch erschien zu einem Zeitpunkt, als die europ. Öffentlichkeit sich für den Kampf des bulgar. Volkes gegen die türk. Oberhoheit zu interessieren begann. So kam es neben den nur wenig voneinander abweichenden deutschen und tschech. Orginalen bald zu 2 russ., 1 ungar. und 1 bulgar. Übersetzung. Schon im folgenden Jahre habilitierte sich J. in Prag für die Geschichte der Balkan-Halbinsel und der Pontus-Länder mit einer historisch-geographischen Untersuchung über die „Heerstraße von Belgrad nach Konstantinopel und die Balkanpässe“. 2 Jahre lehrte er als Privatdozent und nutzte die Ferien zu Studien in dem neuerschlossenen Archiv von Ragusa, das vor allem für die Wirtschaftsgeschichte Südosteuropas besonders ergiebig war. Im Nov. 1879 erreichte ihn ein Ruf in das eben befreite Fürstentum Bulgarien als Generalsekretär des Unterrichtsministeriums. 1881/82 wurde er Unterrichtsminister, dann Präsident des von ihm eingerichteten Unterrichtsrates und Direktor der Nationalbibliothek. Im Nov. 1884 verließ er dieses Land. Aus der Rückschau späterer Jahre hat er diese praktische Tätigkeit als für die Wissenschaft verlorene Zeit bezeichnet, doch muß festgehalten werden, daß er sich bedeutende Verdienste um die Einrichtung|eines modernen Schulwesens und den Aufbau einer wissenschaftlichen Zentralbibliothek erworben hat. Darüber hinaus bieten seine Briefe und Tagebücher wichtige Zeugnisse. J. folgte einem Ruf auf den Lehrstuhl für allgemeine Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Slawen und der Balkan-Halbinsel an der 1882 durch Teilung entstandenen tschech. Universität in Prag.

    Ohne sich in der Atmosphäre der sich verschärfenden nationalen Auseinandersetzung besonders wohl zu fühlen, wirkte er hier bis 1893. Dann holte ihn die Univ. Wien auf den zweiten, neu eingerichteten Lehrstuhl für slaw. Philologie und Altertumskunde. J. richtete 1907 das Seminar für osteurop. Geschichte ein. Seit seiner 2. Prager Zeit stand die Geschichte der Serben im Vordergrund seiner Forschungstätigkeit. In zahlreichen Quellenveröffentlichungen und Aufsätzen behandelte er alle Aspekte des mittelalterlichen Serbiens und der benachbarten Landstriche Bosniens und Dalmatiens (Literatur, Kirche, Politik, historische Landeskunde, Sozialstruktur und Wirtschaft). Die Vorarbeiten mündeten in eine 2bändige Geschichte Serbiens (bis zur türk. Eroberung, die neuere Zeit konnte J. nicht mehr ausführen), die auch ins Serbokroatische übersetzt wurde. Die Gediegenheit in der Erforschung der Einzelheiten und die breite Quellenbasis, die J. dank seiner Sprachkenntnisse (Rumänisch, Ungarisch, Türkisch, Neugriechisch, Italienisch und Russisch) schaffen konnte, machen seine Arbeiten noch heute zu einer wertvollen Grundlage der Beschäftigung mit dem balkan. Mittelalter. Der allem äußeren Glanz abholde Gelehrte war von prägendem Einfluß auf seine südslaw. Schüler (Jovan Radonić, Aleksa Ivić, Stanoje Stanojević). Ohne sein tschech. Volkstum zu verleugnen, wuchs er hinein in die sich der deutschen Sprache bedienende, ansonsten aber weitgehend übernational denkende geistige Führungsschicht Cisleithaniens.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Wien.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Handelsstraßen u. Bergwerke v. Serbien u. Bosnien während d. MA, 1879;
    Das Fürstentum Bulgarien, 1891;
    Die Bedeutung v. Ragusa in d. Handelsgesch. d. MA, 1899;
    Die Romanen in d. Städten Dalmatiens während d. MA, 3 T., 1901-04;
    Staat u. Ges. im ma. Serbien, 4 T., 1912-19;
    Gesch. d. Serben, I, II, 1, 1911-18;
    Vzájemná korespondence J. K. J. a Hermenegilda J., 1947;
    Bŭlgarski dnevnik, 2 Bde., 1930-32;
    Iz archiva na K. J., 1953;
    Zbornik K. J., 2 Bde., 1959-62 (P;
    enthält biogr. Würdigungen u. d. serbokroat. Übers. d. kleineren Arbb.).

  • Literatur

    V. Jagić, in: Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien 68, 1918, S. 365-419;
    J. A. v. Reiswitz, in: Jbb. f. Gesch. Osteuropas NF 2, 1954, S. 206-11;
    T. Eckhardt, Zur Gesch. d. Seminars f. osteurop. Gesch. d. Univ. Wien…, in: Wiener Archiv f. Gesch. d. Slawentums u. Osteuropas 3, 1959, S. 14-37;
    ÖBL (L).

  • Autor/in

    Gerhard Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Gerhard, "Jireček, Konstantin/korrekte Schreibweise mit Sonderzeichen" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 431-432 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119224178.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA