Lebensdaten
1832 bis 1902
Geburtsort
Burg Karlstein (Böhmen)
Beruf/Funktion
Bergingenieur ; Bergwerksdirektor
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 12799582X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jičínský, Wilhelm (korrekte Schreibweise mit Sonderzeichen)
  • Jicínský, Wilhelm
  • jicinský, wilhelm
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Orte

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Zitierweise

Jicínský, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12799582X.html [22.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Wirtsch.dir. auf K.;
    M N. N.;
    1864 Laura Schreiber;
    3 S, 7 T.

  • Leben

    J. besuchte 1847-52 das polytechnische Institut in Prag und 1852-54 die Bergakademie in Přibram. Danach arbeitete er zunächst als Bergeleve, dann als Praktikant in Bergwerken bei Přibram, schied aber 1856 aus dem Staatsdienst aus und trat in die Dienste der Kohlenwerke der Kaiser Ferdinands-Nordbahn, die eine Reihe von Gruben im Ostrau-Karwiner Revier vom Staat erworben hatte. J. war in diesem Unternehmen zunächst Betriebsleiter, dann Markscheider und zuletzt, bis 1871, 15 Jahre lang Ingenieur und Betriebsleiter auf dem großen Grubenbetrieb Zarubek in Poln.-Ostrau. 1870/71 leitete er dort das Abteufen der neuen Jacob-Doppelschachtanlage. 1871 ging J. als Bergdirektor zur Leitung der Gruben der Prager Eisenindustrie-Gesellschaft nach Kladno bei Prag, kehrte aber schon ein Jahr später nach Ostrau zurück und übernahm die Leitung der durch ein Gewerkschaftskonsortium gepachteten Rothschildschen Steinkohlengruben, die er systematisch modernisierte und denen er in den folgenden Jahren ständig weitere Gruben angliederte, u. a. solche in Hruschau, Poln.-Ostrau und Mähr.-Ostrau. 1873 leitete er in Poln.-Ostrau den Neubau einer Zentral-Koksanstalt. 1891 wurde die Louis-Doppelschachtanlage in Witkowitz und 1895 die Oskar-Doppelschachtanlage in Petrzkowitz in Preuß.-Schlesien neugebaut. J., der in den von ihm geleiteten Betrieben besonders den Ausbau der Unfallversicherung gefördert hatte, wurde 1895 Zentraldirektor der neugegründeten Witkowitzer Bergbau- und Eisenhüttengewerkschaft, die die Rothschildschen Anlagen übernahm. Zum Jahresende 1897 trat er in den Ruhestand.

    J.s Wirken war von größter Bedeutung für die Entwicklung des Ostrau-Karwiner Steinkohlenreviers, als dessen bester Kenner er|galt. Erst durch seine Ausbau- und Modernisierungsmaßnahmen gelangte der wegen der schwierigen Lagerungsverhältnisse und der Schlagwettergefahr problematische Bergbau dieser Region zu voller Entfaltung. Seine Erfahrung wurde auch von fremden Unternehmen bei der Beurteilung komplizierter bergtechnischer Probleme häufig genutzt. J. war mehrmals Sachverständiger bei der Untersuchung von Grubenbränden und Wassereinbrüchen. 1885-91 gehörte er der Österr. Schlagwetterkommission an. Auch nach seiner Pensionierung blieb er als Sachverständiger und Gutachter tätig. Seine umfangreiche schriftstellerische Beschäftigung mit technischen, volkswirtschaftlichen und sozialen Problemen des Bergbaus bezeugt den Umfang seiner fachlichen Interessen.

    1873 gründete J. die Ortsgruppe Mähr.-Ostrau des Berg- und Hüttenmännischen Vereins, deren Vorsitzender er bis 1900 blieb. Seit 1888 war er Vorsitzender der Direktoren-Konferenz des Ostrau-Karwiner Steinkohlenreviers und erwarb sich in dieser Stellung große Verdienste um die Begründung einer einheitlichen Revierstatistik. 1882 zum Bergrat ernannt, genoß J. gegen Ende seines Lebens als Montanist auch international hohes Ansehen.

  • Werke

    u. a. Das mähr.-schles. Steinkohlenbecken b. Mähr.-Ostrau, 1865;
    Katechismus d. Wetterführung u. Grubenhaltung, 1875;
    Flözkataster d. Ostrau-Karwiner Steinkohlenreviers, 1880;
    Über d. Heizwerte d. Kohlen d. Ostrau-Karwiner u. d. benachbarten Reviere nebst Anleitung üb. zweckentsprechende Construction v. Kesselanlagen, 1880;
    Monogr. d. Ostrau-Karwiner Steinkohlenreviers, 2 Bde., 1885 (Mitvf.);
    Katechismus d. Bergbau-Bruderladen z. Belehrung deren Mitgl. u. Funktionäre, 1894;
    Beschreibung d. Ostrau-Karwiner Grubenreviers während d. letzten 50 J., in: Die Großindustrie Österreichs, 1898;
    Bergmänn. Notizen a. d. Ostrau-Karwiner Steinkohlenrevier, 1899;
    zahlr. Aufsätze u. a. in: Österr. Zs. f. Berg- u. Hüttenwesen, Berg- u. Hüttenmänn. Jb., Hornické a hutnické listy.

  • Literatur

    A. Fillunger, in: Österr. Zs. f. Berg- u. Hüttenwesen, Beil. Ver.-Mitt. 50, 1902, Nr. 11, S. 07 f.;
    C. k. horní rada Vilem J., in: Hornické a hutnické listy 3, 1902, Nr. 11, S. 169-71 (P);
    W. Serlo, Männer d. Bergbaus, 1937, S. 77 ff.;
    A. Perlick, Oberschles. Berg- u. Hüttenleute, 1953 (W).

  • Autor/in

    Georg Schenk
  • Empfohlene Zitierweise

    Schenk, Georg, "Jicínský, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 430 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12799582X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA