Lebensdaten
1776 bis 1840
Geburtsort
Mainz
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Kunstsammler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119210150 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schönborn, Franz Erwein Damian Joseph Graf von
  • Schönborn-Wiesentheid, Franz Erwein Graf von
  • Schönborn, Franz Erwein Damian Joseph Graf von
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Zitierweise

Schönborn-Wiesentheid, Franz Erwein Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119210150.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Damian Hugo Erwein Franz (1738–1817), aus Aschaffenburg, k. k. Kammerherr, k. k. WGR (s. P), S d. Joseph Franz Bonaventura Kilian (1708–72), kurmainz. u. würzburg. WGR, Vicedom v. Aschaffenburg, u. d. Bern(h)ardine Gfn. v. Plettenberg (1719–96): M Maria Anna (1746–1817), aus Höchst/M. (s. P), T d. Hugo Gf. v. Stadion zu Thannhausen u. Warthausen (1720–85). kurmainz. WGR (s. NDB VII*), u. d. Maria Anna Schenk Freiin v. Stauffenberg (1728–99);
    Ur-Gvv Ferdinand Gf. zu Plettenberg (1690–1737, Reichsgf. 1724), kurköln. Min. u. Obristhofmeister (s. NDB 20);
    Tante-m Sophie Helene Gfn. v. Stadion (1753–1828, ⚭ Friedrich Frhr. Groschlag zu Dieburg, 1729–99, kurmainz. Staats- u. Konferenzmin., s. NDB VII);
    Glückstadt (Holstein) 1802 Fernandine (1781–1813), aus Hildesheim (s. P), T d. Clemens Gf. v. Westphalen (1753–1818, Reichsgf. 1792), Fideikommißherr auf Fürstenberg, Erbküchenmeister d. Fürstbm. Paderborn, k. k. WGR, u. d. Maria Gfn. Waldbott v. Bassenheim (1757–86);
    3 S u. a. Erwein Damian (1805–65), Clemens (1810–77), auf Wiesentheid, bayer. Major (s. P), 1 T Maria Anna (1809–56, ⚭ Maximilian Frhr. v. Loë, 1801–50, auf Allner u. Marienwasser, preuß. Landrat, Mitgl. d. ProvinzialLT, s. Kosch, Kath. Dtld.; NDB 15*);
    E Arthur (1846–1915), auf Wiesentheid, bayer. Oberstlt.; Gvm d. Ehefrau Johann Maria Rudolph Gf. Waldbott v. Bassenheim (1731–1805), kurmainz. Erbschenk, Präs. d. Reichskammerger., k. k. WGR.

  • Leben

    S. studierte Rechtswissenschaft in Würzburg und wurde 1802 Erbe der Schönborn-Besitzungen im Reich. Wie schon sein Vater bayer. Reichsrat, widmete sich S. der Verwaltung seiner fränk. Güter und der Weinanbaugebiete im Rheingau. 1806 erfolgte die Übergabe der Herrschaft Wiesentheid an den bayer. König, nachdem S. als erster Standesherr in Bayern die Subjektionsurkunde unterzeichnet hatte. 1811 zog er mit seiner Familie nach München; 1812 schloß er Bekanntschaft mit dem bayer. Kronprinzen Ludwig. Im selben Jahr begann S. sich als Sammler zu betätigen und mit bedeutenden Künstlern zu korrespondieren. 1814/15 diente er als kgl. bayer. Generalmajor in Aschaffenburg. Zum Aufbau seiner Kunst- und Gemäldesammlung reiste er 1821 nach Paris, 1822/23 nach Rom und auch in die Niederlande (1821, 1834, 1837). S., der nach dem Tod seiner Frau von Schloß Wiesentheid zunächst nach Schloß Gaibach gezogen war. veranlaßte hier den Bau der Konstitutionssäule auf dem Sonnenhügel oberhalb des Schlosses; den Entwurf dazu lieferte Leo v. Klenze, den er 1820 kennengelernt hatte (Grundsteinlegung 1821, feierl. Einweihung in Anwesenheit d. Kronprinzen 1828). Den seit 1825 geplanten und 1828 vollendeten „Konstitutionssaal“ des Schlosses malten auf Klenzes Rat zwei Schüler von Peter v. Cornelius, Karl Hermann und Jakob Götzenberger, aus, Klenze entwarf die Ausstattung. 1827 ließ S., dem Zeitgeschmack entsprechend, sämtliche Schloßgärten in engl. Parks umwandeln.

    S.s vielfältige Interessen spiegeln sich in den von ihm aufgebauten Sammlungen von Gemälden, Büchern und Kupferstichen (das Inventar hierzu verzeichnet ca. 500 Kupferstiche). Die Kunstsammlung, die S. – auch mit Hilfe Martin v. Wagners (1777–1858), dem Kunstagenten des Kronprinzen und späteren Königs, v. a. in Rom – aufbaute, war zu ihrer Zeit neben der Ludwigs I. die bedeutendste Sammlung zeitgenössischer Kunst im süddt. Raum. Zunächst geprägt durch die Porträtmalerei der Wiener Akademie mit Friedrich Heinrich Füger und Joseph Karl Stieler, wurde sie sodann erweitert durch Joseph Anton Kochs Verbindung zu dem Kreis der Nazarener in Rom mit Reinhart als Landschafter, Overbeck als Historienmaler und den Bildhauern Rudolph Schadow und Bertel Thorvaldsen; hinzu kamen Werke der franz. Klassizisten François Gérard und Jacques Louis David sowie niederl. und belg. Zeitgenossen, schließlich auch Bilder der Münchner Landschafter wie Wagenbauer und Dillis. Aus Paris stammten ferner Bronzearbeiten und Uhren von Breguet. – 25 Jahre nach S.s Tod wurde 1865 ein Großteil der Gemäldesammlung durch den jüngeren Sohn Clemens in München versteigert, die übrigen reichen Bestände befinden sich bis heute im Besitz der Familie.

  • Literatur

    Die Gaibacher Konstitutionssäule, Ausst.kat. Würzburg 1978;
    K. Bott, Sammler zu Beginn d. 19. Jh., Die Italienreise d. F. E. v. S. u. seine Begegnung mit Thorvaldsen, in: FS f. Gerhard Bott z. 60. Geb.tag, 1987;
    dies., F. E. Gf. v. S., Kunstsammler zw. Klassizismus u. Romantik, in: Die Grafen v. S., Kirchenfürsten, Sammler, Mäzene, Ausst.kat. GNM Nürnberg 1989, S. 173-79 (L) u. S. 535-39 (zahlr. Abb.);
    dies., Un illustre viaggiatore e collezionista, F. E. v. S. a Koma, in: Bertel Thorvaldsen 1770-1844, Scultore danese a Roma, Ausst.kat. Galleria Nazionale d'Arte Moderna Rom 1989, S. 97-104;
    dies., Ein dt. Kunstsammler zu Beginn d. 19. Jh., F. E. v. S. (1776-1840), 1993;
    J. F. Abort, in: LI. Franken 4,1930, S. 348-78;
    Nassau. Biogr.

  • Portraits

    N. Treu, Hugo Damian Erwein Gf. v. S. mit seinen Söhnen Franz Philipp Joseph u. F. E., Öl/Lwd., um 1779, Abb. in: K. Bott, 1993 (s. L), Abb. 2, S. 236;
    F. Lerehours, F. E. Gf. v. S., 1802, Miniatur, Abb. ebd., Abb. 85, S. 279;
    J. K. Stieler, F. E. Gf. v. S., 1816, Öl/Lwd., Abb. ebd., Abb. 119, S. 297 u. Ausst.kat. 1989 (s. L), Abb. 420a, S. 536;
    zu Maria Anna
    ( 1817): J. K. Stieler, M. A. Gfn. v. S., 1819, Öl/Lwd., Abb. in: K. Bott, 1993 (s. L), Abb. 120, S. 297 u. Ausst.kat. 1989, Abb. 420b, S. 536;
    zu Fernandine:
    F. Lerehours, F. Gfn. v. Schönborn, 1802, Miniatur, Abb. in: K. Bott, 1993 (s. L), Abb. 84, S. 279;
    F. Gérard, F. Gfn. v. S. mit ihrem ältesten Sohn Erwein, Öl/Lwd., Abb. ebd., Abb. 419, S. 535;
    zu Erwein Damian, Clemens u. Maria Anna
    ( 1856): J. B. Lampi, E. Gf. v. S. als Knabe, 1811, Öl/Lwd., Abb. in: K. Bott, 1993 (s. L), Abb. 76, S. 275, u. in: Ausst.kat. 1989 (s. L), Abb. 421, S. 537;
    A. Macco, Die drei Kinder d. Gf. F. E., 1817, Öl/Lwd., Abb. ebd., Abb. 87, S. 280 (alle Gf. v. Schönborn Wiesentheid Kunstslgg.).

  • Autor/in

    Angelika Burger
  • Empfohlene Zitierweise

    Burger, Angelika, "Schönborn-Wiesentheid, Franz Erwein Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 396-397 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119210150.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA