Lebensdaten
1495 bis 1559 oder 1565
Geburtsort
Ettlingen (Baden)
Sterbeort
Gemmingen
Beruf/Funktion
Reformator ; Historiker ; Theologe
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 119193426 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Friedlieb, Franz (eigentlich)
  • Irenicus, Franz
  • Irenicus, Franciscus
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Zitierweise

Irenicus, Franciscus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119193426.html [23.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    1524 N. N.;
    3 S, 1 T.

  • Leben

    Nach Ausbildung in der Lateinschule Georg Simmlers und Johann Hildebrands zu Pforzheim studierte I. ab 1516 in Tübingen mit Melanchthon und A. Blarer. Durch Melanchthon wurde er mit Reuchlin bekannt. 1517 ging er nach Heidelberg, wo er Rektor des Katharinenkontuberniums wurde. Unter dem Einfluß der Disputation Luthers in Heidelberg am 26.4.1518 wandte sich I. der Reformation zu. Weiters wurde er Mitglied der Philosophischen Fakultät. Ein reger Gedankenaustausch mit gelehrten Humanisten wie Peutinger, Pirkheimer und Reuchlin kam seiner weiteren Ausbildung sehr zustatten. 1522 kam er nach Baden-Baden, wo er sich als Stiftsherr und Hofprediger des Mgf. Philipp I. betätigte; diesen begleitete er auch 1524 nach Esslingen zum Reichsregiment. 1526 finden wir ihn als Berater des Markgrafen am Reichstag von Speyer. 1530 schied I. aus den Diensten Philipps und übersiedelte nach Gemmingen, wo er eine Pfarrstelle übernahm. Hier gründete er eine Lateinschule. Chyträus war sein Schüler. I. nahm an der Heidelberger Disputation teil, ebenso 1532 am Sakramentenstreit, wobei er sich auf die Seite Luthers und gegen die zwinglian. Ansicht stellte. – Aufsehen erregte bei den Zeitgenossen sein Jugendwerk „Germaniae exegeseos volumina duodecim“ (1518, 31728), ein Zeugnis des Patriotismus und der nationalen Begeisterung, eine Beschreibung Deutschlands auf historischer Grundlage.

  • Literatur

    ADB 14;
    Schottenloher 9489-94;
    K. F. Vierordt, Gesch. d. ev. Kirche im Ghzgt. Baden I, 1847, S. 111 u. ö.;
    F. X. Wegele, Gesch. d. dt. Historiogr., 1885;
    W. Steinhauser, Eine dt. Altertumskde, a. d. Anfang d. 16. Jh. (F. I.), in: Zs. f. dt. Altertum u. dt. Lit. 66, 1929, S. 25-30;
    G. Kattermann, Die Kirchenpol. Mgf. Philipps I. v. Baden, 1936, S. 20 u. ö.;
    Calwer Kirchenlex. I, 1936, Sp. 969.

  • Autor/in

    Moritz Csáky
  • Empfohlene Zitierweise

    Csáky, Moritz, "Irenicus, Franciscus" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 178 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119193426.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Irenicus: Franz (eigentlich Friedlich) J., Historiker und Theolog, 1495 im jetzt badischen Städtchen Ettlingen geboren, wurde in Pforzheim von Georg Simmler und Johann Hildebrand, tüchtigen Philologen unterrichtet, verkehrte mit Melanchthon und lernte wol auch Reuchlin kennen. In Tübingen, wo er 1516 inscribirt wurde, gehörte er mit Melanchthon und A. Blarer zu den Neckargenossen; 1517 übersiedelte er nach Heidelberg, tritt daselbst 1519 in den Rath der Universität, hörte 1518 Luther zu Heidelberg|disputiren, für dessen Werk er dadurch gewonnen wird. Ein reicher Verkehr mit bedeutenden Männern, wie Peutinger, Pirkheimer, Reuchlin u. A., sowie verschiedene Reisen kamen seiner Bildung sehr zu Statten, was sich auch in seinem größten Werke, in der 1518 erschienenen „Exegesis Germaniae“ (bei Thomas Anshelm in Hagenau) geltend macht. 1524 heirathete J., wurde Pfarrer zu Ettlingen, 1526 begleitet er den Markgrafen Philipp von Baden auf den Reichstag zu Speyer. Doch sank in Folge standhaften Beharrens bei seiner Ueberzeugung sein Einfluß bei Hofe, er mußte 1531 abdiciren, wurde aber in demselben Jahre in dem freundlichen Gemmingen als Pfarrer angestellt, wo er Chyträus als Schüler hatte. Später war er bei Errichtung einer lateinischen Schule in Gemmingen thätig, bethätigte sich an der Heilbronner Disputation, sowie am Sacramentsstreite 1532, wo er für die lutherische gegen die zwinglianische Ansicht stand. J. starb zu Gemmingen wol um das J. 1559, er hatte drei Söhne und eine Tochter. J. soll eine Geschichte des Markgrafen Philipp von Baden in zwei Büchern und die Geschichte des Klosters Odilienberg im Elsaß geschrieben haben, die mir aber nicht bekannt wurden. Außerdem schrieb er lateinische Noten zu Horaz' Epistel an die Pisonen etc., die sein Sohn Paul 1567 herausgab; von der 1569 gedruckten lateinischen Grammatik konnte ich keine Spur finden. — Sein Hauptwerk, die Exegesis aber, hat nicht blos drei Auflagen erlebt, sie ist in der That ein ganz bedeutendes Erzeugniß nationaler Geschichtschreibung, um so bewunderungswürdiger, als er das Werk mit 23 Jahren geschrieben. Der Erfolg war denn auch trotz aller Unvollkommenheiten ein sehr großer, Pirkheimer, J. Schopper, Conring und spätere loben J. außerordentlich, dann freilich wurde er vergessen. Es ist aber nicht zu übersehen, daß er einer der Ersten war, der sich der Geschichte der Deutschen annahm.

    • Literatur

      Vgl. A. Horawitz, Nationale Geschichtschreibung im 16. Jahrhunderte in v. Sybel's Histor. Zeitschrift. 25. Bd.

    • Korrektur

      S. 583. Z. 29 ff. v. o.: Nach den Untersuchungen des P. Odilo Rottmann in Bd. 30 der Mittheilungen des histor. Ver. f. Steyermark, 1882, S. 95 ff. war Irimbert in Michaelsberg bis 1172; darauf Abt von Admont 1172—76 und starb am 26. December 1176.

  • Autor/in

    Horawitz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Horawitz, Adalbert, "Irenicus, Franciscus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 582-583 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119193426.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA