Lebensdaten
1654 bis 1699
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Dichter ; Diplomat ; brandenburgischer Staatsmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119171090 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Canitz, Friedrich Rudolf Ludwig Freiherr von
  • Canitz, Friedrich Freiherr von
  • Canitz, Friedrich Rudolf Ludwig Freiherr von
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Zitierweise

Canitz, Friedrich Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119171090.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus der preußischen Linie;
    V Ludw. (1626–54), brandenburgischer Hof- u. Kammergerichtsrat, preußischer Landrat u. Hauptmann zu Balge, S des Salomon ( 1636), preußischer Amtshauptmann auf Barten, u. der Maria v. Packmohr ( 1644);
    M Marg. Kath. ( 1691), T des brandenburgischen Staatsmannes Konr. v. Burgsdorff ( 1652 [s. NDB III]);
    1) Febr. 1681 Dor. Emerentia (1656–95), T d. Oberstleutnant Berenth Frdr. v. Arnim u. der Hedw. Sophia v. Kracht (in 2. Ehe verh. mit Raban Frhr. v. Canstein [ 1680, s.|NDB III]), 2) 29.12.1696 Dor. Maria Freiin v. Schwerin (* 1670);
    7 K, u. a. Ludw. ( 1699), mit dem diese Linie erlosch.

  • Leben

    C. studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Leiden und Leipzig, unternahm 1675-77 eine Bildungsreise durch Italien, Frankreich, England und die Niederlande, trat nach seiner Rückkehr in den Dienst Kurfürst Friedrich Wilhelms und bewies bei zahlreichen Gesandtschaften, namentlich am kaiserlichen Hof, in Hamburg und bei den mecklenburgischen Erbstreitigkeiten, ein ungewöhnliches Vermittlungsgeschick. Alle Zeitgenossen rühmten seine vorzüglichen menschlichen Eigenschaften. Trotz seiner lebenslangen Bindung an das brandenburgische Herrscherhaus blieb er im Unterschied zu J. von Besser, mit dem er befreundet war, ein innerlich unabhängiger Mann. Zu Unrecht gilt er daher als der bedeutendste Hofdichter. Nie war er als solcher angestellt, und die Gesellschaftspoesie nimmt in seinen erst postum veröffentlichten Gedichten durchaus einen untergeordneten Platz ein. Obgleich er selbst das Dichten nur als Lieblingsbeschäftigung freier Stunden ansah und über seine eigene Begabung sehr bescheiden dachte, ist er doch sowohl in der Thematik als im Stil vielfach wegbereitend für die Lyrik des 18. Jahrhunderts geworden. Kritisch wandte er sich gegen die negativen Auswirkungen der 2. Schlesischen Schule, erkannte in Boileau sein Vorbild und strebte nach Einfachheit, Klarheit und Geschmeidigkeit der Sprache. Sein Bestes gelang ihm in der Satire, die er zu individualisieren suchte und sie gleichzeitig, allerdings unter Abschwächung ihrer Schärfen, didaktischen Zwecken dienstbar machte. Noch vor Ch. Wernicke hat er als erster Knittelverse für burleske Gedichte verwendet. In seinen Episteln kündet sich schon der Freundschaftskult der Folgezeit an. Am meisten Berühmtheit gewann die „Klagode über den Tod seiner ersten Gemahlin“. In ihr zeigt sich ebenso wie in seinen geistlichen Gedichten der stoizistische Charakter seines Christentums. Wie sehr dieser sich bei seinem eigenen Sterben bewährte, wird von verschiedenen Seiten bezeugt. Als Th. Fontane in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ (Band 4, 1882, S. 189-210) Blumberg, C. Landgut, schilderte, hat er ihm spät noch sein schönstes Epitaphium geschrieben.

  • Werke

    Diss. hist.-politica de Cautelis Principum circa colloquia et congressus mutuos, Leipzig 1674;
    Neben-Stunden Unterschiedener Gedichte, hrsg. v. J. Lange, Berlin 1700, 91719 zuerst mit d. Namen d. Dichters;
    Des Frhr. v. C. Gedichte … nebst dessen Leben u. einer Unters. v. d. guten Geschmack in d. Dicht- u. Redekunst ausgefertigt v. J. U. König, Berlin 1727, 21734 (P), Nachdr., besorgt v. J. J. Bodmer, Zürich 1737;
    Ausw. v. L. Fulda, in: Kürschners Dt. Nat.-Lit., Bd. 39, 1833.

  • Literatur

    ADB III;
    Ch. A. Clodius, in: Neue Vermischte Schrr., T. 2, Leipzig 1780, S. 262 ff.;
    K. A. Varnhagen v. Ense, Frhr. F. v. C., in: Biogr. Denkmale, T. 4, 1826;
    V. Lutz, C., sein Verhältnis z. d. franz. Klassizismus, Diss. München 1887;
    Goedeke III, 1887, S. 345 f. (W);
    Newald, S. 403 f.;
    P. Merker-W. Stammler, Reallex. d. dt. Lit.gesch. I, 1925/26, S. 519-21;
    Kosch, Lit.-Lex. I.

  • Portraits

    Kupf. v. C. Fritzsch nach Zeichnung v. A. M. Werner (Kupf.-Kab. Dresden).

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroisch
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Canitz, Friedrich Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 123 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119171090.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Canitz: Friedrich Rudolf Freiherr v. C., brandenburgischer Staatsrath und deutscher Dichter, geb. 27. Nov. 1654 zu Berlin, 1. Aug. 1699. Geboren nach dem Tode seines Vaters, des kurbrandenburgischen Hof- und Kammergerichtsrathes Ludwig v. C., bezog er 17 Jahre alt die Universität zu Leiden, dann zu Leipzig, bereiste Italien, Frankreich, England und Holland, wurde nach seiner Rückkehr Kammerjunker des Kurfürsten Friedrich Wilhelm und begleitete diesen auf seinen Kriegszügen nach Pommern und Schweden. Nach deren Beendigung wurde er zum Amtshauptmann in Trebbin und Zossen, 1680 aber zum Hof- und Legationsrath ernannt und bei verschiedenen Gesandtschaften verwendet, namentlich verweilte er längere Zeit in Hamburg. Kurfürst Friedrich III. machte ihn 1697 zum geheimen Staatsrath und Kaiser Leopold erhob ihn in den reichsfreiherrlichen Stand. Auf einer Gesandtschaftsreise im Haag erkrankt, nahm er seine Entlassung und starb 44 Jahre alt in Berlin. — Durch seine gesellige Bildung und Gewandtheit, wie durch vielseitige Sprach- und Sachkenntnisse zu diplomatischen Geschäften besonders geeignet, erwarb sich C. als Staatsmann durch die Treue und Geschicklichkeit seiner Geschäftsführung und als Mensch durch die Integrität und Menschenfreundlichkeit seines Charakters hohe Achtung. Von Jugend auf betrieb er die Dichtkunst, doch nur als Nebenbeschäftigung und Erholung in freien Stunden. Eine höhere Anschauung von ihrem Zwecke als seine Zeitgenossen hatte auch er nicht. Dichterruhm war ihm gleichgültig, wie er denn seine Dichtungen nicht einmal selbst veröffentlicht hat; aber freilich war auch seine dichterische Begabung nur untergeordneter Art; in keiner Weise selbständig hat er seinem Namen in der Litteraturgeschichte mehr durch negative als positive Eigenschaften Bedeutung verschafft. Seine Gedichte sind didaktische und lyrische, letztere zum großen Theil Gelegenheitsgedichte. Am glücklichsten war er noch in der Satire, die er, im Stil und Charakter ganz dem Vorbilde Boileau's folgend, als Gattung zuerst wieder in Deutschland ins Leben rief. Trocken und ohne Originalität sind seine lyrischen und geistlichen Gedichte, selbst die berühmte Trauerode auf den Tod seiner Gattin nicht ausgenommen, in der neben dem rhetorischen Schmuck noch am meisten echtes Gefühl durchbricht. Das Ansehen, was C. lange als Dichter genossen hat, beruht unleugbar zum großen Theile, wie das mehrerer seiner adlichen Zeitgenossen, z. B. v. Assig's, auf dem Glanze seiner äußeren Stellung; dennoch bezeichnet seine Dichtungsweise einen wirklichen Fortschritt der Poesie. Gegenüber dem gelehrten Wuste, dem Schwulste und dem Schmutze der zweiten schlesischen und der rohen Natürlichkeit der Weisischen Schule hat C. durch reinen und einfachen Inhalt, geläuterten Geschmack und klare, bestimmte und oft anmuthige Sprache die Dichtkunst würdiger und sittlicher gestaltet und ihr die edleren und besseren Gemüther, auch in höheren Kreisen wieder zugewendet. Dieses, aber kein höheres Verdienst darf ihm zuerkannt werden. Seine Gedichte gab zuerst ohne Namen des Verfassers Joach. Lange 1700 in Berlin heraus, dieser Ausgabe folgten acht andere bis 1719; vollständiger war die Ausgabe von J. U. König, Berlin und Leipzig 1727 u. ö., 1765 mit dem Leben des Dichters. Ein Nachdruck ist die Ausgabe von Bodmer 1737.

    • Literatur

      Hoffmann im Weimarischen Jahrbuche 4, 31. v. Varnhagen, Biograph. Denkmale, Bd. IV. Jacobs, Nachträge zu Sulzer's allgem. Theorie der schönen Künste 3, 2 ff.

  • Autor/in

    Palm.
  • Empfohlene Zitierweise

    Palm, Hermann, "Canitz, Friedrich Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 756 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119171090.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA