Lebensdaten
erwähnt 1343, gestorben 1374
Geburtsort
Bücken <Grafschaft Hoya>
Sterbeort
Avignon
Beruf/Funktion
Augustinereremit ; Jurist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119151405 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Buken, Jean de
  • Clench, Johannes
  • Clenck, Johannes
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Klenkok, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd119151405.html [26.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich, 1290 Burgmann d. EB v. Bremen zu Thedinghausen; M Margareta.

  • Leben

    K. wird urkundlich 1343 als Weltgeistlicher, 1346 als Augustiner bezeugt. Er dürfte in diesen Jahren in das Augustinerkloster Herford eingetreten sein und anschließend an einem Studium provinciale wie einem Studium generale seine Ausbildung zum Lektor erhalten haben. Zur Erwerbung weiterer akademischer Grade wurde er offensichtlich an die Hochschule in Oxford geschickt. Hier wird er 1354/55 als Baccalaureus und 1359 als Magister genannt. Nach seiner Rückkehr dürfte er als Lehrer der Theologie in Erfurt und (oder?) Magdeburg gewirkt haben. Seine theologischen Werke erfreuten sich auch bei den Ordensbrüdern späterer Zeit (J. Hiltinger von Basel) der Wertschätzung. Am 28.5.1368 wurde er auf dem Provinzkapitel zu Gotha zum thüringisch-sächsischen Provinzialprior gewählt. K.s Bedeutung beruht auf seinem Kampf gegen den Sachsenspiegel Eikes von Repgow, den er in seinen letzten Lebensjahren beharrlich und nicht ohne Erfolg geführt hat. Auf Veranlassung des Dominikaner-Inquisitors Walter Kerlinger legte K. 1369 seine Bedenken gegen 10 Artikel des sächsischen Rechts, die dem kanonischen Recht zu widersprechen schienen, schriftlich nieder. Kerlinger übergab die für die Kurie bestimmte Schrift, das sogenannte Decadecon, dem Rat der Stadt Magdeburg, der darin einen Angriff auf das bestehende Stadtrecht sah und durch ein Sendschreiben an 400 Adressaten im Gebiet des sächsischen Rechts eine lebhafte Diskussion entfachte, die über Bischof Albert von Halberstadt auch auf den Orden übergriff. Ende 1370 begab sich K. nach Prag, wo er zum engeren Kreis um Johann von Neumarkt gehörte. Er lehrte an der Universität Prag vor allem auf dem Gebiet der Moraltheologie und wurde im Frühjahr 1371 mit den Befugnissen eines Inquisitor heredicorum betraut. Im Mai 1371 nahm er am Generalkapitel seines Ordens in Florenz teil, von wo er sich an die Kurie nach Avignon begab. Über den Kardinal Peter von Vernhio übermittelte er 1372 Gregor XI. eine auf 21 Artikel erweiterte Fassung des Decadecons. Er wurde im gleichen Jahr zum päpstlichen Poenitentiar ernannt und wirkte unter anderem bei der Entscheidung über die Auseinandersetzung zwischen der Prager Geistlichkeit und dem Volksprediger Milič von Kremsir mit. 1374 verdammte Gregor XI. in der Bulle Salvator humani generis 14 der von K. kritisierten Artikel des Sachsenspiegels (sogenannte articuli reprobati) und erklärte die auf ihnen beruhenden Schiedssprüche für nichtig. K.s Bemühungen, bei denen er davon ausging, daß die weltliche Gesetzgebung dem Recht der Kirche entsprechen müsse, sind als ein bemerkenswerter Versuch zu werten, das Rechtsbuch Eikes von Repkow der gewandelten Auffassung des Rechts anzupassen.

  • Werke

    Decadecon contra errores Speculi Saxonum 1369 (verloren), erweiterte Fassung f. Gregor XI., 1372, Abdr. b. Ch. L. Scheidt, Bibl. hist. Goettingensis I, 1758, S. 67-102; - Weitere Streit- u. Flugschrr.: an Bischof Albert v. Halberstadt, artium magistro sacreque theologie perito', 1369/70; Universos Christi Fideles, 1370; Reprobationes (Verteidigung gegen d. Magdeburger in nd.-dt. Sprache), 1371. - Theol. Schrr.: Lectura textualis; Quaestio in secundum u. a., bibl. Kommentare, vgl. F. Stegmüller, Rep. biblicum medii aevi III, 1951, Nr. 4752; ders., Rep. commentariorum in sententias Petri Lombardi I, 1947, Nr. 413.

  • Literatur

    ADB 16; C. G. Homeyer, J. K. wider d. Sachsenspiegel, in: Abhh. d. kgl. Ak. d. Wiss. zu|Berlin 1855, 1856, S. 377-432; E. Steffenhagen, Die Articuli reprobati d. Sachsenspiegels, in: Zs. f. Rechtsgesch. 4, 1864, S. 202 f.; H. Böhlau, Zur Chronol. d. Angriffe K.s wider d. Sachsenspiegel, in: ZSRG 4, 1883, S. 118-29; F. de Geer, Gregory en Hingst, Niewe Bijdragen voor Rechtsgeleerdheid en Wetgeving, in: Niewe Recks VIII, 1882, S. 386 ff.; F. Frensdorff, Btrr. z. Gesch. u. Erklärung d. dt. Rechtsbücher I (J. K. u. d. Sachsenspiegel), in: Nachrr. d. kgl. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, Philol.-hist. Kl. 1888, Nr. 15, S. 387-97; H. Bütow, Zur Lebensgesch. d. Augustinermönches J. K., Bekämpfer d. Sachsenspiegels, in: HV 29, 1935, S. 541-75; L. Thüring, Für u. wider d. Sachsenspiegel, jur. Diss. Erlangen 1942 (ungedr.); D. Trapp. Augustiniana Theology of the 14th century, in: Augustiana 6, 1956, S. 146-274; J. Kullmann, K. u. d., articuli reprobati' d. Sachsenspiegels, Diss. Frankfurt 1959; A. Erler, in: Hdwb. z. dt. Rechtsgesch. II, 1974, Sp. 875 f.; G. Kisch, Sachsenspiegel - Bibliogr., in: ZSRG 90, 1973, S. 75-100, bes. S. 88 (J. K. u. d. Articuli reprobati).

  • Autor

    Ruth Schmidt-Wiegand
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt-Wiegand, Ruth, "Klenkok, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 43 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119151405.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Klenkok: Johann K., aus einer Hoya'schen Ritterfamilie stammend, zu Anfang des 14. Jahrhunderts zu Buken, nahe bei Hoya geboren. Er wurde Augustinermönch, erwarb, wahrscheinlich zu Paris, den Magistergrad der Theologie, lehrte eine Zeit lang an der Universität zu Prag, war Provinziell des Augustinerordens in Sachsen und Thüringen und wird auch als familiaris domesticus et commensalis des Bischofs von Olmütz, auch als inquisitor hereticorum bezeichnet. Doch ist es unmöglich aus den zerstreuten biographischen Notizen, welche wir besitzen, bestimmte Resultate über seinen Lebensgang zu gewinnen. Abgesehen von einzelnen anderen Schriften, welche von ihm erwähnt werden, ist er besonders bekannt durch den Kampf, welchen er viele Jahre hindurch gegen die Geltung des Sachsenspiegels führte. Als strenggläubiger, die Satzungen des canonischen Rechts hochhaltender Geistlicher begann er eine Polemik gegen den Sachsenspiegel, welcher die Unterordnung des weltlichen unter das geistliche Recht und des Kaisers unter den Papst leugnete. Er forderte die Verdammung eines Buches, welches Sätze dieser Richtung enthielt, besonders auch darum, weil dasselbe innerhalb ganz Sachsens und weit darüber hinaus ungemessenes Ansehen genoß. Zunächst schrieb er eine gegen 10 Artikel des Sachsenspiegels gerichtete Schrift, welche er decadicon nannte, und erlangte im J. 1356 das Verbot des Sachsenspiegels durch Papst Innocenz VI. Wegen seiner Verfolgung desselben kam er mit Magdeburg, dessen Schöffenstuhl in seiner weitreichenden Spruchpraxis die Grundsätze des Sachsenspiegels befolgte, in bedenklichen Conflikt und mußte die Stadt verlassen. Da er mit jenem ersten Verbot keinen Erfolg erreichte, hat er noch eine Anzahl weiterer Streitschriften gegen den Sachsenspiegel geschrieben und es schließlich durchgesetzt, daß Papst Gregor XI. im J. 1374 eine Bulle erließ, in welcher nicht der ganze Sachsenspiegel, sondern nur 14 von den 21 durch Klenkok hervorgehobenen Stellen verdammt wurden (articuli reprobati). K., welcher im J. 1374 sich bei der Kurie zu Avignon in angesehener Stellung befand, ist in demselben Jahre gestorben.

    • Literatur

      Vgl. besonders Homeyer, Johannes Klenkok wider den Sachsenspiegel, in den Abhandlungen der Berliner Akademie 1855; Stobbe, Gesch. der deutschen Rechtsquellen I. 1860. S. 372—374. — Einzelne Beiträge noch von Steffenhagen, Catal. codicum manuscr. biblioth. Regimontanae fasc. I. 1861. p. 73, in der Zeitschrift f. Rechtsgesch. IV, S. 202 f.; Anz. f. Kunde deutscher Vorzeit 1872. S. 288; Wattenbach ebendaselbst 1866, S. 344. 1871, S. 208. 1872, S. 160.

    • Korrektur

      |: Zu Klenkok vgl. ferner Anz. f. K. d. D. Vorz. 1883, Sp. 80.

  • Autor

    Stobbe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Stobbe, "Klenkok, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 161-162 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119151405.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA