Lebensdaten
1576 bis 1636
Geburtsort
Lichtenberg bei Hof
Sterbeort
Groß-Osterhausen bei Querfurt
Beruf/Funktion
evangelischer Kirchenmusiker ; Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119127717 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bodenschatz, Erhard
  • Bodenschatz, E.
  • Bodenschatz, Erhardus
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Bodenschatz, Erhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119127717.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    2 Söhne.

  • Leben

    B. fand 1586 Aufnahme in der kurfürstlichen Kantorei zu Dresden, wurde 1591 Schüler der Landesschule Pforta, wo er musikalisch die wichtige Erziehung des späteren Thomaskantors Sethus Calvisius genoß, und bezog 1595 die Universität Leipzig, an der er 1596 den Grad eines Baccalaureus Artium und 1600 den eines Magisters erwarb. 1601-03 war er Kantor in Schulpforta; als bedeutendste Frucht dieser Jahre musikpädagogischer Arbeit erschien 1603 in Leipzig das „Florilegium selectissimarum cantionum“. 1603-08 war er Pfarrer in Rehhausen bei Pforta, doch ließen ihn ernste Zerwürfnisse in der Gemeinde 1608 das Pfarramt mit dem der Gemeinde Groß-Osterhausen vertauschen. Musikgeschichtlich ist er weniger durch seine eigenen Kompositionen bedeutend, obwohl auch sie ein ausgereiftes satztechnisches Können verraten und besonders in den „XC Bicinia selectissima in usum scholasticae juventutis“ (Leipzig 1615) auch von künstlerischer Einfühlungskraft in die Poesie der Texte zeugen, als vielmehr durch seine für die Geschichte der Motettenkunst bis zu Bach und noch darüber hinaus unentbehrlichen Sammlungen italienischer und deutscher, vereinzelt auch niederländischer Motetten des 16. und 17. Jahrhunderts; am berühmtesten unter ihnen wurde das „Florilegium Portense …“ (2 Teile, Leipzig 1618–21).

  • Werke

    Weitere W Neudrucke b. L. Schöberlein, Schatz d. liturg. Chor- u. Gemeindegesangs, 3 Bde., 1805–73;
    K. Ameln, Hdb. d. dt. ev. Kirchenmusik I/2, 1933;
    A. Schering, Gesch. d. Musik in Beispielen, 2 Bde., 1931;
    G. Grote, Das geistl. Chorlied I, 1935.

  • Literatur

    ADB III;
    K. v. Winterfeld, Der ev. Kirchengesang, 3 Bde., 1843–47;
    Karl Schmid, Mag. E. B., in: Siona, Mschr. f. Liturgie u. Kirchenmusik. Jg. 22, 1897, S. 21-25;
    O. Riemer, E. B. u. sein Florilegium Portense, 1928;
    ders., in: MGG (W. L);
    F. Blume, Die ev. Kirchenmusik, in: Bückens Hdb. d. Musikwiss., 1931.

  • Autor/in

    Otto Riemer
  • Empfohlene Zitierweise

    Riemer, Otto, "Bodenschatz, Erhard" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 354 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119127717.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bodenschatz: Mag. Erhard B., Theologe und Musiker, geb. zu Lichtenberg bei Zwickau, studirte zu Leipzig Theologie und trieb daneben Musik, wurde 1600 Cantor am Gymnasium Schulpforte, 1603 Pfarrer zu Rehausen unter Eckartsberge, 1608 Pastor zu Osterhausen unter Sittichenbach und starb in diesem Amte 1636. Als Musiker war er ein fleißiger und ehrenwerther Arbeiter auf dem Felde des geistlichen Gesanges, im Tonsatze wohl bewandert, wenn auch nicht durch seltene Begabung oder Kunstfertigkeit hervorragend, sondern weit einflußreicher als Sammler und Herausgeber von Blumenlesen ausgewählter Tonstücke der besten Meister seiner Zeit. Seine in erster Reihe für Schulpforte bestimmten Sammelwerke waren allgemein geschätzt und trugen schon allein von Schulpforte aus zur Verbreitung guter Musik sehr viel bei: denn sie waren dort lange im Gebrauch und die vielen Schüler, welche die darin enthaltenen Compositionen sangen und hörten, nahmen die Kenntniß und Eindrücke derselben nach allen Richtungen Deutschlands mit. Es sind: „Florilegium selectissimar. Cantionum, praestantissim. aetatis nostrae autorum 4—8 voc., in illustr. Gymnasii Portensisutilitatem collectum et editum etc.“, 1603, enthält 89 Gesänge; — „Editio altera, auctior et emendatior reddita“, 1618, enthält 115 Gesänge 4—8 voc.; „Florilegii Musici Portensis sacras harmon. sive Motetas 5—10 voc. etc. Pars altera“, 1621, enthält 150 Gesänge. Unter den Componisten sind außer B. selbst: Agazzario, Aichinger, Ammon, Anerio, Bassani, Calvisius, Erlach, M. Franck, die beiden Gabrieli, Gallus, Hasler, Hausmann, Lassus, L. Marenzio, Cl. Merulo, Meiland, Hier und Michael Prätorius, Viadana, Weißensee und sehr viele andere; „Florileg. selectissimor. Hymnorum 4 voc. qui in Gymn. Portensi decantantur“, 1606 und unter vielen Ausgg. noch 1624, 1687, 1713. Diese Sammlung ist noch um 1760 in Schulpforte im Gebrauche gewesen und jeder Ankömmling erhielt für einen geringen Preis ein Exemplar. Von eigenen Arbeiten hat B. noch veröffentlicht: „Magnificat 4 voc.“, 1599; „Psalter. Davidis“ nach der alten Uebertragung, nebst Lobgesängen, Hymnen, Kirchengebeten, 4 voc., 1605; „Harm. Angelicae, das ist: Englische Freudenlieder, und geistl. Kirchen-Psalmen D. M. Lutheri etc. 4 voc.“ (Choralbuch), 1608; „Bicinia XC selectiss., composita in usum scholasticae juventutis“, 1615.

  • Autor/in

    v. Dommer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dommer, Arrey von, "Bodenschatz, Erhard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 6-7 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119127717.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA