Lebensdaten
1841 bis 1871
Geburtsort
Greifswald
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schattenrißzeichner ; Silhouettenschneider
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119046393 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Konewka, Paul
  • Conewka, Paul

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Zitierweise

Konewka, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119046393.html [18.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Emil Albert ( 1860), Kontrolleur b. d. Univ.kasse in G., S d. Siegfried, Gerichtsaktuar in Sokolka b. Bialystok, u. d. Caroline Elisabeth Eling;
    M Joh. Marie Catharine, T d. Friedrich Michels, reitender Ratsdiener in G., u. d. Marie Elisabeth Gutbier;
    Schw Marie ( Johannes Trojan, 1837–1915, Chefredakteur d. „Kladderadatsch“ 1886-1909); - ledig (?).

  • Leben

    Bereits als Knabe übte sich K. in der Kunst des Scherenschnitts. Nach Absolvierung des Gymnasiums zu Greifswald fand er in Berliner Bildhauer- und Malerateliers (bei Drake, Menzel und Steffeck) für sein Talent des Silhouettierens keine nennenswerte Förderung, da diese Kunst vom Plastischen ebenso weit entfernt ist wie vom Malerischen. Hilfreich dürfte sich dagegen die|Freundschaft mit dem 20 Jahre älteren Silhouettenkünstler Karl Hermann Fröhlich (1821–98, siehe ThB) ausgewirkt haben. Ehe K. mit Buchillustrationen Erfolg hatte, verdiente er sich seinen spärlichen Lebensunterhalt, indem er in Gasthäusern Silhouettenporträts schnitt. Seine erste Publikation „Album, 6 Silhouetten“ (1862) blieb ohne Echo, was auch auf die schlechte Holzschnittwiedergabe zurückgeführt werden kann. Doch mit den „12 Blättern zu Goethes Faust“ (1865; englisch 1871), denen ein Jahr zuvor das Einzelblatt „Osterspaziergang“ vorausgeschickt worden war, machte sich K. einen Namen. 1867 ging er nach Stuttgart, wo er im Kreis Mörikes verkehrte, den er auch silhouettierte, und wo er sein Hauptwerk, 24 Illustrationen zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ (1868) schuf. Es fand mit dem Originaltext auch in England und Amerika Verbreitung. Das letzte von K. publizierte Werk war das Kinderbuch „Der Schwarze Peter“ (1869, 21870, mit Reimen von J. Trojan). Zwei Jahre später starb K. an der Schwindsucht. Sein Schwager Trojan verwaltete den künstlerischen Nachlaß und hat sich neben anderen durch postume Veröffentlichung von Arbeiten um das Werk K.s verdient gemacht.

    K. gilt heute als der bedeutendste deutsche Silhouettenkünstler des 19. Jahrhunderts. Das in gewissem Sinn Dilettantische, das der Kunstübung des Schattenrisses und Scherenschnitts in Deutschland häufig anhaftete, wurde durch ihn zu einer liebenswürdigen Meisterschaft gewandelt. Anders als sein Lehrer Fröhlich ging K. noch über den unmittelbaren, nervöser reagierenden freihändigen Schnitt hinaus. Er begann, direkt auf das Holz des Druckstocks zu zeichnen. Bei seinen Büchern bediente er sich allerdings konsequent der Tuschzeichnung, die Adolf Cloß (1840–94, siehe ThB VII) in Holz schnitt. Aber selbst bei den geschnittenen Silhouetten arbeitete K. meist nach Vorzeichnungen auf der weißen Rückseite des Schwarzpapiers. Dieser um- und vorsichtigere Arbeitsprozeß verhalf K.s Bildern zu einer graziösen Anmut, oft auch zu einer gewissen Glätte, nicht zuletzt aber zu genauer, treffsicherer Charakterisierung bis ins Derbdrollige hinein. Im Gegensatz zu den sich damals ausbreitenden xylographischen Halbtonillustrationen bedeutet K.s Kunst das stilsichere Verharren bei einem einfachen und disziplinierten Illustrationsmittel, das Phantasie und Vorstellungsvermögen des Betrachters in Anspruch nimmt. Daher wurde K. nach dem Ausklingen des Historismus, als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Schwarzweißkunst neuen Aufschwung nahm, wiederum Aufmerksamkeit zuteil. F. Avenarius propagierte damals in seinem „Kunstwart“ wie auch in Neuausgaben K.s Werk aufs nachdrücklichste.

  • Werke

    Weitere W u. a. in: H. Kurz, Falstaff u. s. Gesellen, 1870;
    J. Trojan, Schattenbilder, 1871;
    ders., Allerlei Thiergeschichten, 1872;
    F. Keppler (Hrsg.), Zerstreute Bll. v. P. K., 1873;
    F. Avenarius (Hrsg.), Kinder u. Tiere, Schattenbilder 1907;
    ders., Spaß auf d. Straß, 1912.

  • Literatur

    ADB 16;
    B. Meyer, in: Kunstchronik 7, 1872;
    J. Trojan, in: Velhagen & Klasings Mhh. 6, 1891;
    A. Corsep, Die Silhouette, 1909;
    H. Kunze, Schatzbehalter, 1965;
    M. Bernhard, Schattenrisse, 1977;
    E. Biesalskie, Scherenschnitt u. Schattenriß, 1978;
    Doderer, Lex. d. Kinder- u. Jugendlit. II, 1977 (L);
    ThB.

  • Portraits

    Ganzfiguriges Silhouetten-Selbstporträt in: G. Buss, Aus d. Blütezeit d. Silhouette, 1913, S. 49.

  • Autor/in

    Hans Ries
  • Empfohlene Zitierweise

    Ries, Hans, "Konewka, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 486-487 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119046393.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Konewka: Paul K., Silhouetten- (Schattenriß-) Zeichner, geb. den 5. April 1840 zu Greifswald, den 10. Mai 1871 in Berlin, war der Sohn eines Universitätsbeamten von ursprünglich polnischem Blute, das sich in der graziösen Gestalt und dem leichtlebigen Sinne des jungen K. nicht verleugnete. Der treffliche Vater lieh dem Knaben, welcher sehr frühe durch Ausschneiden von zierlichen Bildern mit der Scheere seines Schwesterleins ein künstlerisches Talent verrieth, eine volle Gymnasialbildung in feiner Vaterstadt zu Theil werden. Dann brachte er ihn nach Berlin in die Werkstatt des Bildhauers Drake, welche aber der Sohn in richtiger Erfassung seines besonderen Talentes bald mit dem Atelier des Malers Adolf Menzel vertauschte. Er theilte mit diesem Meister von Haus aus die Richtung auf das Charakteristische, die scharfe Beobachtung aller eigenthümlichen Besonderheiten der Menschen und Dinge und lernte von ihm die gewissenhafteste zeichnerische Wiedergabe des Gesehenen. Es fand sich aber in K. noch eine andere fast entgegengesetzte Anlage, welche durch seine klassische Bildung geweckt, durch seine Bildhauerlehrzeit genährt und in den freilich damals noch ziemlich dürftigen Antikensammlungen Berlins geläutert wurde, das lebendigste Gefühl für Anmuth und Wohlgefälligkeit der Linien, die Fähigkeit für die Empfindung und Darstellung des Ideal-Schönen. Diese künstlerische Doppel-Natur bewahrte ihn, obwol er sich allezeit mit Stolz eiuen Schüler Menzel's nannte und für die Anerkennung desselben in Süddeutschland mit rührendem Eifer wirkte, doch vor der Gefahr, ein einseitiger Nachtreter des großen Realisten zu werden. Es fehlte ihm freilich auch etwas, was ihn abhalten mußte, ganz in die Fußstapfen seines Lehrers treten zu wollen. Er, der alles Zeug zu einem bedeutenden Maler zu haben schien, besaß keinen feineren oder jedenfalls keinen recht warmen Farbensinn. Nur daraus läßt es sich erklären, daß er bald Pinsel und Palette ganz liegen ließ und eine künstlerische Spielerei. mit deren virtuoser Ausübung er freilich sich und Anderen schon viele Freude gemacht hatte, das Ausschneiden von sogen. Silhouetten, Umrißbildern aus matt-schwarzem Papier, zu einer besonderen Kunstgattung für sich ausbildete. Er setzte an die Stelle des Ausschneidens das Aufzeichnen von schwarzen Figuren für den Holzschnitt und hob diese bekanntlich auch sonst schon geübte Kunstweise weit über die bisherige Entwickelung in humoristischen Blättern und Kinderbüchern hinaus. Steht diese Technik an künstlerischen Ausdrucksmitteln selbst noch hinter der gewöhnlichen Umrißzeichnung (z. B. auf den griechischen Vasenbildern) zurück, so hat sie doch auch wieder ihren besonderen Reiz. Die dabei nöthige sorgfältige Durchbildung des äußeren Umrisses ruft die Phantasie zu dem angenehmen Spiel auf, mit rascher Intuition die fehlenden inneren Formen selbstthätig zu ergänzen. Es stört den Beschauer nicht, eine arme Kunst vor sich zu sehen, weil sie mit dem, was er ihr selbst leiht, so reich erscheint, wie jede andere. Aus diesem Grunde paßt die Schattenrißzeichnung ganz besonders für die Illustration von|Dichterwerken, wo die vollere Behandlung mit ausgiebigeren Kunstmitteln häufig den Leser weniger anspricht, weil seiner eigenen Phantasie nichts mehr zu thun übrig bleibt und überdies auch die Unterschiede zwischen seiner Auffassung und der des Künstlers um so empfindlicher sich fühlbar machen. Es war darum ein richtiger Instinct Konewta's, daß er sich von Anfang an mit Vorliebe auf die Illustration warf, obgleich ihm die Mittel seiner Phantasie wohl erlaubten, sich auf das freie Feld eigener Erfindungen zu wagen. Seine erste Publication"Album. 6 Silhouetten“ (c. 1862—63) enthielt neben Illustrationen zu Volksliedern, zu einem niederdeutschen Sprichwort und zu einem Gedichte von Storm schon auch eine Scene aus dem Faust und eine aus den Luftigen Weibern von Windsor. Fand dieses Album, bei welchem die Wiedergabe im Holzschnitt allerdings zu wünschen übrig ließ, nur langsam Anklang, so eroberte sich sein zweiter Versuch um so schneller die Gunst von ganz Deutschland, jener lange schmale Streifen, auf dem er den Osterspaziergang vor dem Thore nach Goethes Faust darstellte (1864). Der einheitliche Guß und Fluß des ganzen Zuges, der Reichthum an individuellen Gestalten, ihre bald anmuthig leichte, bald drollig derbe Bewegung — Alles wirkte zusammen, um diesem auch xylographisch trefflich ausgeführten Blatte die weiteste Verbreitung zu verschaffen. Ermuthigt durch diesen Erfolg ließ K. bald darauf (1866) „Zwölf Blätter zu Goethe's Faust“ erscheinen, in welchen er auch der Aufgabe, tiefere Empfindungen und leidenschaftlichere Bewegungen darzustellen, auf überraschende Weise gerecht wurde und außerdem durch die Fülle von zierlichen Motiven in den decorativen Beigaben, dem Rahmen- und Rankenwerk zu den Figuren, alle Welt entzückte. So kam er im Sommer 1867 schon mit einem geschätzten Namen nach Stuttgart. Ein ihm von Berlin aus dorthin vorausgegangener schwäbischer Freund, der originelle Photograph Hermann Kayser aus Böblingen ( 1872), an welchem selbst ein humoristischer Zeichner verloren gegangen war, führte ihn in den Kreis von Friedr. Bischer, Ed. Mörike, J. Klaiber u. A. ein, wo er frische Anregung zu fröhlichem Schaffen fand. Er vollendete rasch sein bedeutendstes Werk, die Illustrationen zu Shakespeare's Sommernachtstraum, welche, 24 an der Zahl, mit dem Schlegel'schen Texte im J. 1868 in Heidelberg herauskamen und in kürzester Frist in Deutschland, England und Amerika eine begeisterte Aufnahme fanden. In der maßvollen Schönheit der Liebespaare, in dem köstlichen Humor der reizenden Elfenwelt und nicht am wenigsten in der derben Komik der eckigen Rüpelfiguren, überall fühlte man den congenialen Interpreten Shakespeare's heraus. K. fing denn auch gleich an, sich weitere Stoffe aus diesem dankbaren Boden auszulesen. Fallstaff und seine Gesellen wurden in Angriff genommen. Daneben aber zierte er die damals in Stuttgart von Gustav Weise herausgegebenen „Deutschen Bilderbogen" mit vier vielbegehrten Nummern (im J. 1873 als „Silhouetten-Bilderbuch“ und „Ländlich-sittlich“ zu Kinderbüchern verwerthet) und ließ in Verbindung mit seinem Schwager J. Trojan in Berlin, der hübsche Reime dazu machte, das herzige Bilderbuch „Der schwarze Peter“ erscheinen (1869); auch in verschiedene illustrirte Zeitungen gab er willkommene Beiträge. Unter den Schwaben war K. in diesen wenigen Jahren heimisch geworden, wie selten einer, der von jenseits des Maines gekommen war. Seine fast dämonische Liebenswürdigkeit und die Wunder seiner Zauber-Scheere, mit welcher er wohlgetroffene Bildnisse und ganze Figurengruppen ausschnitt, oft ohne nur auf das Papier zu sehen, gewannen ihm die Herzen von Alt und Jung. Aber es lag in dieser Anziehungskraft seiner Persönlichkeit doch auch die Gefahr eines übergeselligen Lebens, welches weder seinem Schaffen förderlich noch seiner Gesundheit zuträglich war. Er fing deshalb an, die Sommer in einem stillen Schwarzwaldort, Höfen bei Wildbad, zuzubringen, zog sich aber dort im|Herbst 1870 durch Erkältung eine Lungenentzündung zu, deren anfängliche Nichtbeachtung zu einer rasch verlaufenden Schwindsucht führte. Im December jenes Jahres eilte er, schon schwer erkrankt, nach Berlin, wo er im Hause der Schwester die liebevollste Pflege, aber keine Rettung mehr fand. — Von den nach seinem Tode herausgekommenen Werken — einzelne Blätter übergehen wir — waren nur zwei noch von ihm selbst vorbereitet: „Schattenbilder“ (1871) mit Versen von J. Trojan (eine Fortsetzung des „Schwarzen Peter") und „Falstaff und seine Gesellen“ (1872) mit Text von Herm. Kurz. „Allerlei Thiergeschichten“ (1872), eine Zusammenstellung von Bildern mit Versen von J. Trojan aus dem Lahrer hinkenden Boten hätte K. wegen der schlechten Ausführung der Holzschnitte schwerlich anerkannt, so wenig als er die Auswahl von phototypisch wiedergegebenen Scheeren-Ausschnitten aus verschiedenster Zeit gebilligt hätte, welche (1873) mit dem Titel ausgegeben wurde: „Zerstreute Blätter, gesammelt und unter Mitwirkung von Ferd. Freiligrath, Herm. Kurz, Heinr. Leuthold, Herm. Lingg, Heinr. Noë herausgegeben und mit einer Biographie des Verstorbenen versehen von Fritz Keppler“. Die Uebertragung von „Konewka-Bildern“, sei es nach seinen, sei es nach anderer Künstler Zeichnungen oder Ausschnitten, auf Porzellan, Holz, Leder und andere Stoffe ist jetzt ein eigener Zweig des Kunstgewerbes geworden. — Mit einem trefflichen Selbstbildniß in seiner eigenen Kunstweise hat K. den Umschlag des Schwarzen Peter geziert. Vgl. die Nekrologe von J. Klaiber in der Beilage zur Allgem. Zeitung Jahrg. 1871. Nr. 159 und von B. Meyer im Beibl. zur Zeitschr. s. bild. Kunst. Jahrg. 1871. Nr. 6.

  • Autor/in

    A. Wintterlin.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wintterlin, August, "Konewka, Paul" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 501-503 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119046393.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA