Lebensdaten
um 1240 – 1315 oder 1316
Geburtsort
Dingelstedt am Huy
Sterbeort
Goslar
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 172511461 | OGND | VIAF: 7622149198345674940006
Namensvarianten
  • Pfaffe Konemann
  • Pfaffe Könemann
  • Könemann
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Konemann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd172511461.html [27.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    Aus Ministerialenfam. v. Jerxheim (Kr. Helmstedt) der Grafen v. Wernigerode;
    Ov (?) Friedrich ( n. 1287, S e. Konemann), Dekan d. Domstiftes in G., Förderer K.s.

  • Biographie

    Die Dichtung vom „Kaland“ hat K. als Priester in Dingelstedt für die Eilenstedter Bruderschaft verfaßt; sie wirft ein Licht auf die bedeutsame Rolle, die er da im religiösen Leben des Archidiakonats gehabt hat. Auch die Reimbibel wird seinem Hauptwerk, dem Wurzgarten Mariens, das er am 28.2.1304 in Goslar vollendet hat, vorausgegangen sein. Seit 1301 ist K. in Goslar urkundlich vielfach bezeugt, anfangs als Canonicus, seit 1306 oder 1307 als Scholasticus am Kollegiatstift Sankt Simon und Judas. Aus dem Jahre 1306 oder 1307 ist von ihm ein undatierter ausführlicher niederdeutscher Schiedsspruch in einer Streitsache des Kapitels überliefert.

    Der „Kaland“ (1424 Verse), in einer noch aus den Tagen des Dichters stammenden Abschrift für die Eilenstedter Bruderschaft überliefert, behandelt – in Anlehnung an die lateinische Halberstädter Kalandsatzungen – die Aufgaben und den religiösen Sinn, die dieser aus vielen Städten und Dörfern bekannte|Zusammenschluß von Geistlichen und Laien hatte. Die Weisungen gehen bis auf die Bewirtung bei den Zusammenkünften ein. Vor Unmaß wird gewarnt. Stark hervorgehoben wird der Wert der Freundschaft. Auf die Darlegung der Verpflichtungen beim Tod eines Mitbruders folgt dann die ausführliche Schilderung des doppelten Gerichts über die Einzelseele nach ihrem Abscheiden und über die Menschheit am Jüngsten Tage. Von den Schrecknissen der Verdammung wendet sich der Dichter darauf zu den unbeschreiblichen Freuden des Himmelreichs. Wenn die ostfälischen Dichtungen des 13. Jahrhunderts gemeinhin hochdeutsche Sprachform erstreben, wobei ihnen mehr oder weniger Niederdeutsches unterläuft, so halten sich bei K. Hochdeutsch und Niederdeutsch fast die Waage; er steht damit an der Wende zur Zeit rein niederdeutscher Dichtung. So hat der Ratsherr Johannes Stegeler in Osterwieck (1484 und 1487 bezeugt) den Kaland später in gutes Niederdeutsch umgesetzt. Mitte des 17. Jahrhunderts, als die Zeit der niederdeutschen Schriftsprache vorbei war, entstand noch eine hochdeutsche Übertragung dieser Fassung, die in Osterwieck gefunden wurde.

    Von der Reimbibel sind nur einige alttestamentarische Bruchstücke aus einer Handschrift, die wohl unter den Augen des Dichters entstanden ist, auf uns gekommen. K. folgte der Historia scholastica von Petrus Comestor. Neben Kürzungen und Auslassungen finden sich aber auch Erweiterungen und freie Zusätze. Die Bibel hat er selbständig herangezogen.

    Den Wurzgarten Marions (6 586 Verse), in dem der Ungelehrte sich geistliche Blumen auflesen soll, kennen wir nur aus einer Handschrift des 15. Jahrhunderts, die hochdeutsche Sprachformen ins Niederdeutsche umgesetzt, den Text sonst aber nur durch vielfache Nachlässigkeit und Mißverständnisse entstellt hat. Hier geht es dem Dichter nicht um äußere Tatsachen, sondern um die Grundlinien und bewegenden Gedanken der Heilsgeschichte. In lebendiger Darstellung greift K. dafür zu der auf Bernhard von Clairvaux zurückgehenden, von einer Psalmstelle angeregten Schilderung vom Streit der Töchter Gottes – Gerechtigkeit und Wahrheit, Friede und Barmherzigkeit – um die Erlösung des sündigen Menschen, der seine Erbarmensrufe zu Gott emporschickt: Ihre unvereinbar scheinenden Forderungen weiß die göttliche Weisheit doch zu erfüllen. Eine bestimmte Quelle für die vielfach in lateinischen und deutschen Texten behandelte Parabel ist nicht nachgewiesen. Als die Zeit gekommen ist, führt die Minne den Gottessohn, den ein Minnetrank bezwungen hat, hinab zur Erde und fordert ihn auf, für den Menschen in den Tod zu gehen. Die Dichtung ist Maria gewidmet; mit reicher Bilderfülle läßt sie immer wieder ihren Preis erklingen. Höfisches, das sich in Form und Inhalt finden läßt, steht hier in geistlichem Dienst. Wie in den anderen Werken notiert K. zu seiner Darstellung zahlreiche Belegstellen aus Bibel, Liturgie und theologischen Schriften. Die geistige und dichterische Fülle geben dem Wurzgarten den besonderen Rang.

  • Werke

    Die Dichtungen K.s, Kaland, Wurzgarten, Reimbibel, hrsg. v. L. Wolff, 1953.

  • Literatur

    ADB 16;
    G. Roethe, Die Reimvorreden d. Sachsenspiegels, in: Abhh. d. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, Phil.-hist. Kl., NF II, 8, 1899, S. 52-59;
    L. Wolff, Die dichter. Persönlichkeit d. Pfaffen K., in: Nd.dt. Jb. 60, 1935, S. 31-41;
    F. Mohr, Die literarhist. Stellung K.s v. J., eine stilist. Unters., Diss. Marburg 1944 (ungedr.);
    Vf.-Lex. d. MA.

  • Autor/in

    Ludwig Wolff
  • Zitierweise

    Wolff, Ludwig, "Konemann" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 484-485 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd172511461.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Konemann: Pfäff K., Verfasser eines didaktischen Gedichtes im 13. Jahrhundert. Der Dichter war Priester zu Dingelstedt (Regierungsbezirk Magdeburg) am Huy, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß er selbst ein Niederdeutscher war und in der Benedictinerabtei Huysburg seine Bildung empfangen hatte und sich dann später nicht blos mit dem Studium der Bibel und der Kirchenväter beschäftigte, sondern sich auch an den Liedern der ersten und trefflichsten Dichter seiner Zeit oft ergötzte und manche Erinnerung aus ihnen in sein Gedicht verflocht. Da das Gemüth des Dichters, wie es sich aus seinem Gedichte wiederspiegelt, ein frommes und tiefes war, so mag auch die neue Mystik Hugo's von St. Victor, der in dem nahen Augustinerkloster Hamersleben den Grund zu seinem nachherigen Ruhme gelegt hatte, K. mit ihren Strahlen erwärmt haben. Seinem Gedichte gab er den Namen „Der Kaland“, hergenommen von dem Namen der frommen Brüderschaften, die ihren Ursprung der herrschenden Vorstellung von der Kraft der guten Werke, besonders der Seelenmesse verdankten. Der Name selbst aber ist von Calendae abzuleiten. Schon seit dem 11. Jahrhundert nämlich kamen die Geistlichen eines Sprengels am ersten Tage des Monats zusammen, um die kirchlichen Feste des laufenden Monats zu berathen. Wahrscheinlich hatten die Kalande ursprünglich dieselbe Sitte, von der sie später abwichen, aber den Namen beibehielten. Die Aufgabe der Kalande war gegenseitige Liebe und brüderliche Freundschaft, Austheilung von Almosen und Spenden an Arme und Altersschwache, hauptsächlich aber Bewahrung des Seelenheiles, sowohl der Lebenden wie der Gestorbenen, durch Darreichung der Sacramente, feierliche Bestattung, Memorien, Vigilien und Messen. Die Zahl der Mitglieder war an verschiedenen Orten verschieden; an einigen Orten beschränkten sie sich auf zwölf Priester nach dem Vorbilde der zwölf Apostel, an anderen Orten gehörten Laien zu dem Bunde und selbst Schwestern waren nicht ausgeschlossen. Auch wurden diese Kalande von den Päpsten, wie die Mönchsorden, oder von den Bischöfen der Diöcese ausdrücklich bestätigt und das Verlockendste zum Beitritt war wol neben dem Ablaß, der jedem zugesichert wurde, der den Gottesdienst der Kalande besuchte sowie der Festlichkeit der Prozesstonen und den feierlichen Begängnissen der Verstorbenen, besonders für die Deutschen, die so gern an Gelagen und Schmäußen sich erlabten, der Umstand, daß jede Kalandsversammlung mit einem gemeinschaftlichen Mahle schloß. Aber der Reichthum, den diese Verbrüderungen erlangten, war wie bei den Ritterorden, eine Ursache ihres Verfalls: die gemeinsamen Mahle arteten in Schwelgerei aus, keine Drohungen von Seiten der Bischöfe konnten der Ausartung steuern und die Reformation bewirkte ihren Untergang. In die Blüthezeit aber dieser Kalande gehört auch dieses werthvolle Gedicht, das aus 711 Reimpaaren besteht, bis jetzt aber nur in Auszügen bekannt ist und dessen Abfassungszeit von einigen in das Jahr 1210, von anderen aber und wohl richtiger etwas später gesetzt wird. Denn, wenn der Verfasser, wie wohl nicht zu bezweifeln, mit „Vrîdankes bescheidenheit“ bekannt war, so kann die Kalandsdichtung nicht vor dem Jahre 1229 gedichtet sein, da nach Wilh. Grimm's Forschungen p. XLIII die Abfassung, wenigstens des historischen Theiles des Vrîdank, in das J. 1229 fällt. Die Dichtung des K. hat aber eine große weit reichende Wichtigkeit, sie ist für die Geschichte unserer Litteratur von Interesse und giebt uns einen Beitrag beachtenswerther Aufschlüsse über den Zustand der Bildung im Mittelalter. K. war mit den besten Dichtern seiner Zeit bekannt und vor allem benutzte er „Vrîdank“ und Stellen aus der Bescheidenheit klingen in seinem Gedichte nach. Wie sehr K. von Vrîdank abhängig ist, beweisen nicht allein einzelne Stellen, nicht allein die Aehnlichkeit der Gedanken, sondern auch die Form der Konemann’schen Dichtung. Wie Vrîdank oft von einem deutschen Sprüchworte ausgeht und dasselbe dichterisch erweitert oder ausschmückt und ebenso mit Stellen aus den Bibel verfährt, so auch K. bei seiner poetischen Production, nur mit dem Unterschiede, daß er die Sätze, welche er behandelt, größtentheils Stellen aus den Kirchenvätern, einige auch aus lateinischen Schriftstellern, im Zusammenhange seiner Dichtung anführt, sie als Belegstellen benutzt und die poetische Paraphrase oder Behandlung dann folgen läßt. Die bis jetzt veröffentlichten Auszüge aus dem Gedichte behandeln die Freundschaft (V. 93—271), wobei der Dichter Stellen aus der Bibel so wie solche aus Augustinus, Isidorus, Cicero und Seneca in sein Gedicht verflicht und in einer freieren Weise weiter ausführt und die ganze Art und Weise, wie er die Freundschaft behandelt, ist für die Kenntniß des Mittelalters außerordentlich wichtig, weil wir hier ein Beispiel haben von einer christlich-religiösen Auffassung der Freundschaft. Ein zweiter Abschnitt (V. 615—911) „Ein sunderlîch manunge“ handelt von der Aufforderung zur Reue und Buße und auch hier stimmt er in der tiefen Auffassung wiederum mit Vrîdank und Walther von der Vogelweide ganz überein, nicht aber als ob er Nachahmer und Entlehner wäre. Denn solche Gedanken und Empfindungen, die Gemeingut aller tieferen, um ihr Seelenheil besorgten Laien im Mittelalter waren (man denke auch an Trevrizent's zu Parcival gesprochene Worte in Wolfram's großer Dichtung) mußten dem Priester nahe liegen, der schon durch seinen Beruf auf die Beschäftigung mit der Bibel und den Kirchenvätern gewiesen war. In ästhetischer Beziehung stehen allerdings die Verse des K. denen Vrîdank's und Wolframs nach, und die Vergleichung lehrt, wie diese beiden in Freiheit der Darstellung und in schöner Bildlichkeit, vor Allem an Selbständigkeit bei weitem überlegen sind, während K. den bildlichen Ausdruck meistentheils nur dann hat, wenn er ihn in den Stellen, an die er sich anlehnt, vorfindet, wie die Stelle aus dem Jesaias (V. 705 ff.) dies beweist. Den dritten Abschnitt (V. 1170—1422) hat K. überschrieben „Ein manunge vander vroude des himelrîkes“ und er ist derjenige, in welchem er verhältnißmäßig am meisten Dichter ist, er erhebt sich an manchen Stellen zu lyrischem Schwunge und erzählt mit epischer Anschaulichkeit, indem er die Stellen der Bibel und der Kirchenväter reicher und freier ausführt. Wir glauben den ästhetischen Theil des Gedichtes nicht überschätzt zu haben und stimmen in dieser Beziehung ganz zu der Bemerkung des Herausgebers Wilh. Schatz, welcher mit J. Grimm's schönen Worten die Dichtung als ein verkrochenes Wiesenblümchen bezeichnet. Aber der Herausgeber that sehr Recht, „sich danach zu bücken“. Möchte er nur auch die Dichtung vollständig herausgeben.

    • Literatur

      Wilh. Schatz, Der Kaland. Ein Gedicht des 13. Jahrhunderts. In Auszügen mitgetheilt. Programm des Gymnasiums zu Halberstadt, 1851. Goedete, Gr. II, 1157.

  • Autor/in

    J. Franck.
  • Zitierweise

    Franck, Jakob, "Konemann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 499-501 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd172511461.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA