Lebensdaten
1873 bis 1934
Geburtsort
Forchheim (Oberfranken)
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119037521 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Roth, Christian Friedrich
  • Roth, Christian
  • Roth, Christian Friedrich

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Zitierweise

Roth, Christian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119037521.html [15.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Georg ( 1923, kath.), Kaufm. Unternehmer, KR;
    M Anna Prechtel (ev.), T e. Gerbereibes.;
    1900 Clara Babette Walser (kath.), T e. Fabr. aus Bamberg;
    3 S, 1 T.

  • Leben

    R. besuchte in Bamberg die Volksschule und das humanistische Gymnasium, legte 1892 in Erlangen das Abitur ab, leistete als Einjährig-Freiwilliger Militärdienst und studierte Jura in Erlangen und Berlin (1896 1., 1899 2. Staatsexamen, 1898 Dr. iur. in Erlangen). 1902 trat er die Stelle eines Bezirksamtsassessors in Bogen an. Orientiert an klassischen bürgerlichen Wertvorstellungen sowie an übersteigerter Wertschätzung von Monarchie und Militär, bekannte sich R. zu einem konservativen Protestantismus, der mit einer scharfen Ablehnung des politischen Katholizismus einherging. 1906 wurde R. nach München versetzt, wo er seit 1911 in der Polizeidirektion u. a. für Zensur und die Beobachtung politischer Parteien und Vereine zuständig war. Bei Ausbruch des 1. Weltkriegs übernahm er die Leitung der Abteilung P im stellv. Generalkommando des I. Bayer. Armeekorps in München, die sich zu einer bedeutenden Institution bei der Kontrolle des öffentlichen Lebens an der „Heimatfront“ entwickelte. Die militärische Niederlage, die Revolution und das Ende der Monarchie erschütterten R. tief, dessen konservative Grundhaltung sich zunehmend radikalisierte und durch antisozialistische bzw. antisemitische Überzeugungen aufgeladen wurde. 1919/20 betrieb er als Leiter des Rechtsreferats der Stadtkommandantur München bzw. als Chef des Bezirksamts Dachau die Liquidierung der Räteherrschaft und bekämpfte sozialistische Umtriebe mit harter Hand. Seit Juni 1920 vertrat er die Bayer. Mittelpartei (BMP) im Landtag und wurde einen Monat später zum bayer. Staatsminister der Justiz ernannt. In der Folgezeit avancierte R. zu einer Symbolfigur der „Ordnungszelle Bayern“, in der republikfeindliche Kräfte keine Verfolgung zu fürchten brauchten. Als Ministerpräsident Gustav v. Kahr (1862–1934) während eines Konflikts mit der Reichsregierung im Sept. 1921 seine parlamentarische Basis verlor, trat auch R. zurück. Zunehmend radikaler und aggressiver, wurde er nun zu einer Führungsfigur der Vaterländischen Kampfverbände und näherte sich der NS-Bewegung Adolf Hitlers. Im Okt. 1923 trat R. aus der BMP aus und zählte im Jan. 1924 zu den Mitbegründern des Völkischen Blocks, für den er in den Landtag gewählt wurde; 1924 gehörte er als Abgeordneter der Nationalsozialistischen Freiheitspartei auch dem Reichstag an. Mit der Rückkehr Hitlers auf die politische Bühne verlor R. in der völkisch-nationalen Bewegung zunehmend an Bedeutung. 1928 schied er aus dem Landtag aus und übernahm das Amt des Generalstaatsanwalts am Bayer. Verwaltungsgerichtshof. Freilich blieb sein politisches Wirken zugunsten der nationalen Rechten unvergessen; Lion Feuchtwanger (1884–1958) porträtierte ihn in seinem Roman „Erfolg“ (1930) in der Figur des Dr. Otto Klenk. Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler verband R. noch einmal die Hoffnung auf einen Karriereschub, die sich aber trotz seines Eintritts in die NSDAP im März 1933 nicht erfüllte.

  • Werke

    Sonntagsfeier u. Sonntagsruhe in Bayern, 1899 (Diss.);
    Kriegsanordnungen d. stellv. Gen.kommandos d. I. Bayer. Armeekorps, 21918.

  • Literatur

    Münchner Neueste Nachrr. v. 18.9.1934;
    L. Fenske, Konservativismus u. Rechtsradikalismus in Bayern nach 1918, 1969;
    H. Nusser, Kons. Wehrverbände in Bayern, Preußen u. Österr. 1918-1933, 1973;
    W. Zorn, Bayerns Gesch. im 20. Jh., 1986;
    P. Winter, Dr. C. R., 1990 (P);
    H. Hurten, Rev. u. Zeit d. Weimarer Rep., in: M. Spindler/A. Schmid (Hg.), Hdb. d. bayer. Gesch. IV/1, 22003, S. 439-98;
    Biogr. Lex. Burschenschaft (P).

  • Autor/in

    Thomas Schlemmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schlemmer, Thomas, "Roth, Christian" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 110 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119037521.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA