Lebensdaten
erwähnt 1311, gestorben wohl nach 1344
Beruf/Funktion
Chronist ; Deutschordenspriester ; Priester
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119014998 | OGND | VIAF: 289786335
Namensvarianten
  • Nicolaus von Jeroschin
  • Jeroschin, Nicolaus von
  • Jeroschin, Nikolaus von
  • mehr

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Zitierweise

Nikolaus von Jeroschin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119014998.html [04.02.2023].

CC0

  • Biographie

    Über N.s Herkunft ist nichts Gesichertes bekannt. Seit etwa 1311 bis Anfang der 40er Jahre lebte er im preuß. Ordensland, Ende der 20er Jahre höchstwahrscheinlich in Königsberg, da er nach eigener Aussage von Gottfried von Heimberg (1326–29 als Komtur von Königsberg nachweisbar) in den Deutschen Orden aufgenommen worden war. Zu Zeiten des Hochmeisters Dietrich v. Altenburg (1335–41) war er dessen Kaplan. In Gottfrieds von Heimberg Auftrag übertrug bzw. verfaßte N. eine Vita des als Prussenmissionar kanonisierten Prager Bischofs Adalbert ( 997) in mittelhochdeutschen Reimpaarversen, von der nur zwei Vorreden und der Anfang (277 Verse) in einem Fragment des „Väterbuchs“, der ersten deutschen Übersetzung der „Vitaspatrum“, erhalten sind. Vorlage war zumindest die dem Johannes Canaparius zugeschriebene lat. Adalberts-Vita. N.s Hauptwerk – über Jahrhunderte maßgeblich für die in Preußen verfaßte Ordensgeschichtsschreibung – ist die „Kronike von Pruzinlant“, eine ihre lat. Vorlage, das „Chronicon terre Prussie“ des Deutschordenspriesters Peter von Dusburg (abgeschlossen 1326/30) leicht erweiternde und selbständig bearbeitende Übertragung in mittelhochdeutsche Reimpaarverse. Sie wurde nach dem Tod ihres ersten Initiators, des Hochmeisters Luder v. Braunschweig ( 1335), im Auftrag Dietrichs v. Altenburg verfaßt und ist in 20 Handschriften und Fragmenten des 14. und 15. Jh. aus Deutschordensballeien in Preußen und im Reich überliefert. Wie volkssprachliche Bibelübersetzung und -dichtung diente sie offensichtlich der Lesung bei Tisch, um den Brüdern die Ordensgeschichte von deren Anfängen bis zum Tode Luders als eine Kette kreuzzugsartiger Kämpfe des Ordens gegen die heidnischen Prussen und Litauer zu vergegenwärtigen. Seit 1311 scheinen N.s Kenntnisse der Ordensgeschichte mit persönlichem Erleben verbunden zu sein. Die in seiner Vorlage im letzten Buch (IV) dargestellten (zeitgleichen) historischen Ereignisse in anderen Ländern fügt N. in sieben „zurede“ oder „undirredde“ genannten Abschnitten in sein Werk ein. Er folgt ostmitteldeutschen Schreibkonventionen sowie eigens dargelegten rhetorischen und metrischen Regeln (Chronik, Vv. 221-255, 294- 301); er gilt als einer der bedeutendsten Stilisten des Deutschen Ordens.

  • Werke

    ADB 13;
    Kronike, hg. v. E. Strehlke, in: Scriptores rerum Prussicarum 1, 1861, Nachdr. 1965, S. 291-624;
    Leben d. hl. Adalbert, hg. v. dems., ebd. 2, 1863, unveränderter Nachdr. 1965, S. 423-28;
    M. Caliebe, Ein bisher unveröff. Fragment aus Jeroschins Deutschordenschronik, in: Preußenland 15, 1977, S. 25-35;
    Kronike v. Pruzinlant, Chronik d. Preußenlandes, In Ausw. hg. mit e. Übertragung ins Neuhochdt. v. A. Masser, 1993.

  • Literatur

    E. Johansson, Die Deutschordenschronik d. N. v. J., Eine sprachl. Unters. mit komparativer Analyse d. Wortbildung, Ein Btr. z. Erforschung d. Ordenssprache u. ihrer Rolle in d. Entwicklung d. nhd. Schriftsprache, 1964;
    ders., Stud. zu N. v. J.s Adalbertübers., 1967;
    U. Arnold, Hss.bruchstücke d. Chronik J.s, in: Scriptores rerum Prussicarum 6, 1968, S. 36-13;
    Altpreuß. Biogr. I;
    LThK²;
    Vf.-Lex. d. MA²;
    Lex. MA;
    Marienlex. IV, 1992.

  • Autor/in

    Sabine Schmolinsky
  • Zitierweise

    Schmolinsky, Sabine, "Nikolaus von Jeroschin" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 272 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119014998.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Jeroschin: Nicolaus v. J., Priester des deutschen Ordens und hochmeisterlicher Kaplan von unbekannter Herkunft, Verfasser einer preußischen Reimchronik im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Auf Veranlassung des Hochmeisters Herzog Luther von Braunschweig, der nicht blos ein Gönner und Förderer der Dichtkunst, sondern selbst ausübender Dichter war, übernahm er die Uebertragung der in lateinischer Sprache abgefaßten „Chronik des Landes Preußen“ seines Zeitgenossen und Ordensbruders Peter von Dusburg in deutsche Reime, um sie so den des Latein unkundigen Brüdern besser zugänglich zu machen. Nachdem ihm bei dem ersten Angriffe der Neid das kaum begonnene Werk zerstört hatte, nahm er auf den Wunsch des nachfolgenden Meisters, Burggraf Dietrich von Altenburg, die Arbeit noch einmal auf und schuf so eine Reimchronik in 27 738 Versen, die „Kronike von Pruzinlant“. Stofflich ist die Chronik nur von geringem Werth, da der Verfasser sich ganz und gar seinem Originale anschließt und höchstens in den letzten Abschnitten aus mündlicher Ueberlieferung oder eigener Anschauung einige fachliche Zusätze gibt, ihr Hauptwerth liegt hauptsächlich auf der formalen Seite, in ihrer Bedeutung für deutsche Sprache und deutsche Metrik. Die Sprache ist der sogenannte mittelhochdeutsche Dialekt, der für die größeren historischen Dichtwerke des 14. Jahrhunderts in gewissem Sinne als die Schriftsprache bezeichnet werden könnte; als Versmaß hat N. die „kurzen Reimpaare“ in Anwendung gebracht, in welchen der einzelne Vers nicht weniger als sechs und nicht mehr als neun Silben zählt. — In der letzteren Beziehung haben den Dichter und sein Werk eingehend behandelt: Pfeiffer in der Einleitung zu seiner Ausgabe der nach dieser Seite wichtigen Stellen daraus, welche unter dem Titel: „Beiträge zur Geschichte der mittelhochdeutschen Sprache und Litteratur. Die Deutschordenschronik des Nicolaus von Jeroschin“, Stuttgart 1854 erschien, ferner Bartsch im ersten Jahrgange von Pfeiffers Germania (1856) und F. Bech im siebenten Jahrgange (1862). Die einzige vollständige Ausgabe lieferte Strehlke im ersten Bande der Scriptores rerum Prussicarum(1861). Zu vergleichen ist auch Töppen in seiner Einleitung zu Peter von Dusburg (ebendaselbst). — Gleich nach dem Erscheinen des Hauptwerkes fand Johannes Voigt das den Anfang enthaltende Fragment einer ebenfalls von N. in derselben Sprache und Form verfertigten Uebersetzung der Lebensbeschreibung des h. Adalbert, des ersten Preußenapostels, welche dem römischen Mönche Canaparius zugeschrieben wird, und veröffentlichte sie in den Neuen Preußischen Provinzialblättern von 1861 und darnach Strehlke im zweiten Bande der Preußischen Geschichtsquellen (1863).

  • Autor/in

    Lohmeyer.
  • Zitierweise

    Lohmeyer, "Nikolaus von Jeroschin" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 779 unter Jeroschin, Nicolaus von [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119014998.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA