Lebensdaten
1731 oder 1738 bis 1791
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119014807 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gontard, Carl Philipp Christian von
  • Gontard, Karl von
  • Gontard, Carl (bis 1767)
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Gontard, Carl von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119014807.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Alexander (1706/07-47), wahrsch. kurpfälz. Ballettmeister in M., seit 1741 Ballettmeister am markgfl. Hof in Bayreuth, S (?) d. Antoine (Emigrant aus Frankreich);
    M Elisabeth Kurz ( 1776);
    Bayreuth 1756 Sophia (1733–95), markgfl. Kammerfrau, T d. Joh. Stephan v. Erckert (1694–1767), Geh. Reg.rat u. Konsistorialpräs. in Bayreuth, u. d. Louise Enemonde Marquise Rigot de Montjoux;
    11 S (3 jung †), 5 T (4 jung †);
    N Hans Gf. v. Diebitsch ( 1831), russ. Gen. (s. NDB III).

  • Leben

    Nach anfänglicher Tätigkeit als Ballettmeister an der markgräflichen Oper tritt G. 1749 als Kondukteur in das Bayreuther Hofbauamt ein, das von J. Saint Pierre und R. H. Richter geleitet wird. Zur weiteren Ausbildung schickt ihn Markgraf Friedrich 1750 nach Paris, wo er bei J. F. Blondel studiert und von der klassizistischen Architektur der Pariser Schule, insbesondere A. J. Gabriels, entscheidende Impulse empfängt. Im Gefolge des Markgrafenpaares unternimmt er 1754/55 eine Reise nach Südfrankreich und Italien und kommt in Rom und Neapel mit den frühklassizistischen Kunstströmungen der Académie de France sowie der Kreise um R. Mengs und die römischen Archäologen in Berührung. 1754 zum Bauinspektor befördert, führt er seit 1756 zugleich den Titel eines Ingenieurhauptmanns. Nach dem Tode Saint Pierres tritt er neben Richter an die Spitze des Hofbauamtes und wird 1761 als Lehrer für Baukunst und Perspektive an die Bayreuther Kunstakademie berufen. Als nach dem Tode des Markgrafen die Bautätigkeit in Bayreuth erlischt, geht er 1764 nach Potsdam in den Dienst Friedrichs des Großen. Nach einer kurzen Probezeit übernimmt er die Leitung des Potsdamer Baukontors und damit die Direktion über sämtliche königliche Bauten. 1779 wird er in der gleichen Position nach Berlin versetzt. Obwohl Friedrich der Große ihn als Künstler schätzt, erlangt er persönliche Würdigung erst durch Friedrich Wilhelm II., der ihn 1786 zum Major befördert. Im gleichen Jahr wird er Mitglied der Königlich Preußischen Akademie der Künste und mechanischen Wissenschaften, an der er bis zu seinem Tode als Lehrer wirkt.

    G.s Frühwerk in Bayreuth ist bisher nicht in seinem ganzen Umfang zu erkennen. Er verkörpert die Spätphase des „Bayreuther Rokoko“, dessen Wendung zum Frühklassizismus er gemeinsam mit R. H. Richter vollzieht. Hauptwerke seiner Frühzeit sind die südlichen Erweiterungstrakte des Neuen Schlosses (1757/64) sowie zahlreiche Adelspaläste und Bürgerhäuser, Gebäude von hohem künstlerischem Rang, die dem Stadtbild Bayreuths entscheidende Akzente verleihen. In Berlin und Potsdam neben Knobelsdorff der bedeutendste Architekt der friderizianischen Epoche, bestimmt G. mit seiner Schule das architektonische Schaffen nach dem Siebenjährigen Krieg für etwa ein Vierteljahrhundert. Unter dem maßgeblichen Einfluß des Königs prägt er den Spätstil der friderizianischen Architektur,|einen spätbarocken Klassizismus, der retrospektiv auf ältere Stilelemente zurückgreift und das kräftige, malerisch plastische Architekturempfinden des Barock mit der strengeren Formensprache der klassizistischen Richtung verbindet. Die Tätigkeit G.s für Friedrich den Großen und damit die Reihe seiner Meisterwerke beginnt 1765/69 mit der künstlerischen Oberleitung über das seit 1763 in Bau befindliche Neue Palais in Potsdam, dessen großzügige Gesamtanlage durch ihn ihre endgültige Gestalt erhält. Er ist an der Disposition und Ausgestaltung des Schloßinneren wesentlich beteiligt und errichtet seit 1766 nach umgestalteten Entwürfen J. L. Legeays die wirkungsvolle Architekturkulisse der Communs sowie weitere, den Schloßkomplex vervollständigende Wirtschaftsgebäude und Gartenarchitekturen (Antiken- und Freundschaftstempel 1768/70). Danach beschäftigt ihn das 1771-78 ausgeführte Große Militärwaisenhaus. Mit dem monopteral bekrönten Mittelbau, der das eigenartige, in einer Raumspirale hochtürmende Treppenhaus enthält, gehört es zu G.s hervorragendsten Leistungen. In Berlin, wohin der König seit Mitte der 70er Jahre den Schwerpunkt der Bautätigkeit verlagert, errichtet er die dekorativen Kolonnadenbrücken (Spittelkolonnade 1776, Königskolonnade 1777) sowie seit 1780 die theatralisch eindrucksvollen Kuppeltürme auf dem Gendarmenmarkt, das städtebauliche Glanzstück und Hauptwerk seiner Berliner Schaffensperiode. Sehr umfangreich ist daneben seine Tätigkeit im Privatbau. An markanten Stellen entstehen nach seinen Plänen zahlreiche stattliche Bürgerhäuser (in Potsdam zwischen 1765/77 über 80), die für seinen Stil und die Entwicklung des Frühklassizismus besonders kennzeichnend sind. Am Ende der Regierungszeit Friedrichs des Großen ist er durch dessen Ungnade in seinem Schaffen weitgehend eingeschränkt, doch folgt unter Friedrich Wilhelm II. erneut eine Periode fruchtbarer Tätigkeit. Dieser überträgt ihm 1787/90 die Ausstattung von 9 Zimmern der sogenannten Königskammern im Berliner Stadtschloß, die zu den glänzendsten Raumschöpfungen des spätbarocken Klassizismus zählen, sowie 1787/91 den Bau des Marmorpalais in Potsdam, das reife Spätwerk des Meisters, in der Konzeption und formalen Gestaltung eine seiner besten Arbeiten (Inneneinrichtung seit 1790 durch C. G. Langhans). G. knüpft in seinem Schaffen zum Teil bewußt an ältere Traditionen der Berliner Bauschule an, die er seinerseits wiederum außerordentlich zu befruchten vermag. Er hat bedeutende Schüler (G. C. Unger, F. W. Titel, H. Gentz), indessen keine lang wirkende Nachfolge, da sein Stil am Ende der Regierungszeit Friedrichs des Großen bereits überaltert ist.

  • Werke

    Weitere W u. a. Bayreuth: Kaiserkammer, Jagdpavillon, 1761/62 (zerstört);
    Erlangen: Schloß. Inneneinrichtungen, 1763 f. (zerstört);
    Privathäuser u. a. Hofapotheke, 1756 f., Palais d'Adhemar (Schloßcafé), um 1759, Gontardhaus, 1759/61, Palais Künßberg (Handelsschule) Fassade, um 1760, Palais Reitzenstein (Neues Rathaus), 1761 (zerstört), Palais Ellrodt 1761/62;
    Potsdam: Bürgerhäuser (Immediatbauten), zw. 1765/77 u. a. Nauensche Plantage, 1765–68, Alter Markt, 1770/72, 1777, Berliner Str., 1772, Am Kanal, 1776 (ehem. Oberrechnungskammer), Am Bassin, 1773/76;
    Berlin: Kgl. Bibl., Inneneinrichtung, 1780;
    7 Bürgerhäuser am Gendarmenmarkt 1777/81 (u. a. ehem. Generallotteriedirektion, 1780);
    Pläne f. d. Braunschweiger Residenzschloß, 1783/84;
    Stadttorentwürfe, 1786 (Oranienburger Tor, ausgeführt 1787/89);
    Trauerdekorationen f. d. Begräbnis Kg. Friedrichs II., 1786.

  • Literatur

    ADB IX;
    P. Wallé. Leben u. Wirken K. v. G.s, 1891 (P);
    C. F. Foerster, Das Neue Palais b. Potsdam, 1923;
    ders., Friedrich d. Gr. u. d. Stil Friedrichs I, in: SB d. Kunstgeschichtl. Ges. Berlin, Jg. 1934/35;
    A. Geyer, Der Antikentempel im Park v. Sanssouci b. Potsdam, in: Denkmalpflege u. Heimatschutz, 1924;
    H. Kania, Der Baumeister d. Waisenhauses u. d. kunstgeschichtl. Bedeutung s. Werkes, in: Potsdamsches Gr. Waisenhaus, Festschr. z. 200 J.feier, 1924;
    U. v. Alvensleben, Die Braunschweig. Schlösser d. Barockzeit, 1937;
    G. Poensgen, Das Marmorpalais u. d. Neue Garten zu Potsdam, 1937;
    E. Bachmann, Zur Baugesch. d. Neuen Schlosses Bayreuth, in: Zs. f. Kunstwiss., 1948;
    K. Sitzmann, Die Frühzeit d. Architekten C. G. in Bayreuth, in: Archiv f. Gesch. u. Altertumskde. v. Oberfranken 36. H. 1, 1952;
    ders., Künstler u. Kunsthandwerker in Ostfranken, 1957;
    K. Müssel, Bauten, Jagden u. Feste der Bayreuther Markgrafen in Kaiserhammer, in: Archiv f. Gesch. v. Ob.franken 41, 1961;
    H. Kania, Ges. Stud. z. Kunst u. Kulturgesch. Potsdams 2, in: Mitt. d. Ver. f. d. Gesch. Potsdams, NF 6, H. 2, 1928;
    ThB (ältere L).

  • Portraits

    Ölgem. (ehem. Privatbes., verschollen), Abb. b. Wallé, s. L, Kopie v. M. Koch (Berlin, Märk. Mus.);
    zeitgenöss. Ölgem. (Potsdam, Bez.heimatmuseum, z. Z. verschollen).

  • Autor/in

    Horst Drescher
  • Empfohlene Zitierweise

    Drescher, Horst, "Gontard, Carl von" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 643 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119014807.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gontard: Karl von G., Architect, geb. in Mannheim 1738, gest. in Berlin 1802, kam früh nach Bayreuth, wo er sich unter Sempier und Richter in seinem Fache bildete. Zu weiterer Entwicklung sandte ihn Markgraf Friedrich darauf nach Paris zu François Blondel und nahm später den talentvollen Künstler mit sich auf eine Reise durch Italien, Sicilien und Griechenland. Eine Zeit lang lebte G. nun in Bayreuth, trat aber nach dem Tode seines Gönners 1765 in preußische Dienste. Friedrich der Große stellte ihn zuerst als ausführenden Architekten bei dem nach Bühring's Plänen entworfenen Neuen Palais bei Potsdam an. Die dazu gehörigen Communs sind auch von G. gezeichnet. Neben zahlreichen kleineren Werken in Berlin und Potsdam errichtete er in ersterer Stadt die beiden schönen Kirchthürme auf dem Gensd'armenmarkt und die Colonnaden an der Königs- und Spittelbrücke. Unter Friedrich Wilhelm II. begann er den Neubau des Marmorpalais bei Potsdam, bis 1788 Langhans diesen Bau übernahm, als G. beim König in Ungnade gefallen war. G. zeigt sich in allen seinen Schöpfungen als ein Mann von monumentaler Auffassung, von Schönheitsgefühl und Verständniß für malerische Wirkung, welche letztere allerdings den meisten seiner Bauten ein theatralisches Gepräge gibt. Entschiedener Anhänger der römischen Antike, wie sie das 18. Jahrhundert verstand, wird er für Berlin der Begründer des sog. Zopfstiles (Louis XVI.). Seine beiden Gensd'armenmarktthürme, bloße Decorationsbauten, sind in Bezug auf die perspektivische Wirkung für den Betrachter vom Platz aus geradezu mustergültig.

  • Autor/in

    Dohme.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dohme, Robert, "Gontard, Carl von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 368 unter Gontard, Karl von [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119014807.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA