Lebensdaten
um 1353 bis 1422
Geburtsort
Einbeck
Sterbeort
Sagan
Beruf/Funktion
Augustinerchorherr ; Abt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11896867X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ludolf von Einbeck (Pseudonym)
  • Ludolf von Sagan
  • Ludolf von Einbeck (Pseudonym)
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Zitierweise

Ludolf von Sagan, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11896867X.html [19.07.2019].

CC0

  • Leben

    L., über dessen Familienzugehörigkeit nichts bekannt ist, bezog um 1370 die Univ. Prag. 1373 erscheint er in der Matrikel der hier ein Jahr zuvor nach Bologneser Vorbild organisierten Juristenuniversität. Die kanonistischen Studien schloß L. mit der Promotion zum baccalareus in decretis ab. Bestimmende Bedeutung für sein weiteres Wirken kam seiner Begegnung mit der in den Kreisen um die Prediger Konrad von Waldhausen und Jan Milíč von Kremsier in Prag, imAugustinerchorherrenstift Raudnitz an der Elbe und in der Zisterze Königsaal an der Moldau aufblühenden böhm. „Devotio moderna“ zu. Um 1385 legte L. unter dem nach Raudnitzer Vorbild reformierenden Abt Johannes II. imAugustinerchorherrenstift Sagan Profeß ab, wurde hier bald darauf Subprior und 1394 Abt. Von Sagan aus pflegte er weiterhin enge Beziehungen zum Prager Kulturbereich. 1398|schloß er seinen bis in die Anfänge des eigenen Abbatiats reichenden „Catalogus abbatum Saganensium“ ab, der auch wertvolle Nachrichten über die allgemeinen Zustände in den böhmischen Ländern unter den Luxemburgern enthält. Im selben Jahr nahm er in Breslau im Auftrag des dortigen Bischofs an einem Inquisitionsverfahren gegen einen waldensisch-freigeistigen Wanderprediger namens Stephan teil, das mit dessen Verbrennung endete. Mehrfach predigte L. auf den Synoden der Breslauer Kirche zur Reform des Klerus. Sein besonderes Anliegen war die Wiederherstellung der durch das Große abendländische Schisma zerstörten Einheit der Kirche. Vor dem Pisaner Konzil schrieb L. um die Jahreswende 1408/09 sein „Soliloquium schismatis“ nieder, in dem er den konziliaren Standpunkt der vom röm. Papst Gregor XII. abgefallenen Kardinäle vertrat und die Absetzbarkeit eines häretischen Papstes mit den Maximen der utilitas, necessitas und Caritas begründete. Am Pisanum nahm er als Abgesandter des Breslauer Bischofs und Domkapitels teil und war hier Mitglied der Kommission zur Zeugenvernehmung im Prozeß gegen die einander befehdenden Päpste Gregor XII. und Benedikt XIII. Am Fronleichnamstag 1409 predigte er vor dem Konzil über die Kircheneinheit. Nachdem diese 1417 auf dem Konstanzer Konzil mit der Wahl Papst Martins V. wiederhergestellt war, beschrieb er in dem bis zu seinem Tod fortgeführten „Tractatus de longevo schismate“ Ursachen und Verlauf der Spaltung, rechtfertigte den in Pisa und Konstanz vertretenen Konziliarismus und setzte sich zugleich mit dem vor allem seit 1415 rasch an Boden gewinnenden Hussitismus auseinander. In den letzten Lebensjahren war sein Wirken durch Auseinandersetzungen des Stiftes Sagan mit den schles. Herzögen und der Stadt Sagan belastet.

  • Werke

    Ausgg.: Catalogus abbatum Saganensium, hrsg. v. G. A. Stenzel, in: Scriptores rerum Silesiacarum 1, 1835, S. 173-248;
    Tractatus de longevo schismate, hrsg. v. J. Loserth, in: AÖG 60, 1880, S. 345-561;
    Soliloquium schismate, hrsg. v. F. Bliemetzrieder, in: StMBO 26, 1905, S. 33-47, 226-38, 434-92.

  • Literatur

    F. Machilek, L. v. S. u. s. Stellung in d. Auseinandersetzung um Konziliarismus u. Hussitismus, 1967 (L);
    ders., Das Große abendländ. Schisma in d. Sicht d. L. v. S., in: Das Konstanzer Konzil, 1977, S. 37-95;
    ders., in: Vf.-Lex. d. MA 2IV (Verz. d. ungedr. W);
    B. Leszczyńska, Krytyka duchowieństwa w pismach Ludolfa z Żagania, in: Sobótka 22, 1967, S. 291-303;
    dies., Koncyliaryzm Ludolfa z Żagania, in: Studia z dziejów kultury i ideologii, ofiarowne E. Maleczyńskiej w 50 rocztycznej pracy dydakt. i naukowej, 1968, S. 154-63;
    W. Marschall, Gesch. d. Bistums Breslau, 1980, S. 43 f.

  • Autor/in

    Franz Machilek
  • Empfohlene Zitierweise

    Machilek, Franz, "Ludolf von Sagan" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 301 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11896867X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA