Lebensdaten
1797 bis 1870
Geburtsort
Florenz
Sterbeort
Rom
Beruf/Funktion
Großherzog von Toskana ; Erzherzog von Österreich
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118827065 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leopold II. von Toskana
  • Pietro Leopoldo
  • Peter Leopold
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Zitierweise

Leopold II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118827065.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ghzg. Ferdinand III. v. Toskana ( 1824, s. NDB V);
    M Louise Prn. beider Sizilien (1773–1802);
    Ov Kaiser Franz II. v. Österreich ( 1835, s. NDB V);
    - 1) Florenz 1817 Maria Anna (1799–1832), T d. Prinzen Maximilian v. Sachsen n. d. Karoline Prn. v. Bourbon, 2) Neapel 1833 Marie Antonia (1814–98), T d. Franz I. (1777–1830), Kg. beider Sizilien, u. d. Maria Isabella Infantin v. Spanien;
    3 T aus 1), u. a. Auguste ( Prinzregent Luitpold v. Bayern, 1912), 5 S, 5 T (2 jung †), aus 2), u. a. Ghzg. Ferdinand IV. v. T. (1835–1908), Erzhzg. Karl Salvator (1839–92), FML (s. ADB 51), Erzhzg. Ludwig Salvator (1847–1915), Erzhzg. Johann („Johann Orth“, * 1852, verschollen 1890).

  • Leben

    L. verbrachte seine Kindheit in Wien, Salzburg und Würzburg. 1799 war die ghzgl. Familie vor den anrückenden franz. Truppen aus Florenz nach Wien geflohen. Im Frieden von Lunéville (1802) mußte Ghzg. Ferdinand III. auf Toskana (nunmehr Kgr. Etrurien) verzichten; er wurde mit dem Fürsterzbistum Salzburg abgefunden, das beim Reichsdeputationshauptschluß (1803) zum Kurfürstentum erhoben wurde. Im Frieden von Preßburg (1805) wurde Salzburg an Bayern abgetreten, Kf. Ferdinand erhielt das neugeschaffene Ghzgt. Würzburg. Erst nach der Niederwerfung Napoleons, nach dem 1. Pariser Frieden, kehrte die ghzgl. Familie in die Toskana zurück. Die in ganz Italien nun einsetzende Reaktion wirkte sich in der Toskana am glimpflichsten aus, weil hier der aufklärerische Geist der Reformen des großen Pietro Leopoldo, des späteren Kaisers Leopold II., lebendig geblieben war. So konnte die wiederhergestellte ghzgl. Regierung auf dieser Basis aufbauen und aus der Toskana den liberalsten Staat des nachnapoleonischen Italien machen. Wenn die Toskana trotz alledem nicht der Kristallisationspunkt für die Einigung Italiens wurde, lag das nicht zuletzt im Charakter L.s begründet: es fehlte ihm an der Energie und Dynamik, die sein Großvater in so eminenter Weise besessen hatte. L. war ein jovialer, volkstümlicher, patriarchalischer Großherzog, dem es jedoch an Elastizität und historischem Weitblick fehlte und der als liberal galt, weil er sich nicht gegen die Zeitströmungen, die er kaum erkannte, stemmte. Allerdings wollte er keinen Polizeistaat und keine überwuchernde Bürokratie, wie sie seine Verwandten im Lombardo-venezian. Königreich demonstrierten. Als die dort erscheinende liberale Zeitschrift „Il Conciliatore“ von der österr. Zensur verboten wurde, übernahm die in der Toskana von Vieusseux gegründete „Antologia“ die Funktion eines Sprachrohres der liberal-nationalen Bewegung. Auch Alessandro Manzoni vollendete sein epochales Werk „I promessi Sposi“ in Florenz.

    L. hatte nach dem Tode Ferdinands III. am 18.6.1824 die Regierung übernommen, wobei er Fossombroni und Neri Corsini in ihren leitenden Stellungen beließ. Er war von Anfang an gewillt, seine Unteranen mit Milde zu behandeln, das Gemeinwohl zu fördern, das Finanz- und Bildungswesen zu heben. Bereits 1829 ließ er das gewaltige Werk der Urbarmachung der versumpften Gebiete um Siena und Grosseto in Angriff nehmen; er ermutigte Industrie, Handel und Gewerbe durch den Ausbau der Verkehrswege zwischen den Provinzen des Großherzogtums. Der Bergbau erlebte einen gewaltigen Aufschwung durch den Abbau der Eisen- und Kupfererze. Die Toskana war damals das einzige Gebiet in Europa, wo Borax abgebaut wurde. L. ließ den Hafen von Livorno großzügig umbauen, reformierte das Gerichtswesen (1838) und förderte die Wissenschaft vor allem durch die Abhaltung wissenschaftlicher Kongresse (erstmals 1839 in Pisa) sowie den Ausbau des Eisenbahnnetzes; bereits 1844 wurde die Strecke Livorno-Pisa eröffnet.

    Die politischen Unruhen und Aufstände, von denen im Gefolge der Juli-Revolution von 1830 in Paris die meisten Staaten Italiens erschüttert wurden, berührten die Toskana dank der liberalen und fortschrittlichen Haltung der großherzogl. Regierung kaum. L. hätte für die ital. Patrioten die Symbolfigur der Einigung werden können, doch er war zu unschlüssig und zaghaft. Als 1846 die „Ewiva“-Rufe auf Papst Pius IX. Italien durchhallten, suchte L. Rat sowohl in Wien, das ihn zu entschiedenerem Durchgreifen aufforderte, als auch in Rom, wo man mit längst fälligen Reformen begann. 1847 schloß er eine Zollunion mit dem Kirchenstaat, mit Sardinien-Piemont und dem Kgr. Neapel. Er gewährte weitgehende Pressefreiheit, reformierte den Staatsrat und bildete – auf Druck der Straße hin – die Regierung um. Am 27.9.1847 wurde die Regierung Cosimo Ridolfi anvertraut, und als Neapel und Sardinien-Piemont eine Verfassung verkündeten, ließ auch L. am 17.2.1848 das Verfassungsstatut proklamieren. Als nach der März-Revolution in Wien sein Schwager, Kg. Karl Albert von Piemont, Österreich den Krieg erklärte, trat auch L. mit einem toskan. Kontingent an seine Seite. Diesen Verrat haben ihm die Habsburger, die die Toskana als österr. Erbland betrachteten, sehr verübelt. Seit dem März 1848 wuchs die Furcht vor der Revolution und dem Republikanismus ständig in ihm. Als der Papst Ende April 1848 seine Truppen aus dem Krieg gegen Österreich abberief, war L. aufs äußerste verunsichert. Die Demission Ridolfis und die schweren Ausschreitungen im Sept. 1848 steigerten seine Angst vor der Revolution. Vor der zunehmenden Radikalisierung der Massen unter Guerazzi und Montanelli floh er am 27.1.1849 mit seiner Familie nach Siena und von dort nach Gaeta zu Pius IX. Zusammen mit dem Papst ersuchte er Österreich um Intervention. Nach dem Einmarsch der österr. Truppen in die Toskana kehrte L. am 28.7.1849 in sein Land zurück. Die österr. Truppen blieben bis 1855, um die alte Ordnung zu garantieren. Als Kg. Viktor Emanuel II. 1859 den Krieg gegen Österreich begann, forderte er L. erfolglos auf, sich ihm und damit der nationalen Erhebung anzuschließen. Da aber nun Heer und Beamtenschaft meuterten und die nationalen Gruppen eine – eher friedliche – Erhebung organisierten, verließ der Großherzog die Toskana, wo eine vorläufige Regierung gebildet wurde, die sich dem Schutze Viktor Emanuels II. unterstellte. L. dankte am 21.7.1859 zu Gunsten seines Sohnes Ferdinand IV. ab in der Hoffnung, damit den in den Friedenspräliminarien von Villafranca zugesicherten Souveränitätsanspruch seines Hauses besser durchsetzen zu können. Die dem Krieg von 1859 folgenden Annexionen und Volksabstimmungen, die in der Toskana, in Modena, Bologna und Parma zum Anschluß an Piemont führten, beendeten die österr. Sekundogenitur im Ghzgt. Toskana und die Tertiogenitur im Hzgt. Modena. – L. zog sich von der Politik zurück. Er lebte auf den Schlössern der böhm. Besitzungen seines Hauses. Im Herbst 1869 begab er sich zu seinem Freund und Weggefährten Papst Pius IX. nach Rom, wo er bald darauf starb.

  • Literatur

    G. Baldasseroni, L. II. granduca di Toscana e i suoi tempi, 1871;
    G. Martina, Pio IX. e L. II., in: Miscellanea Historiae Pontificae 28, 1967;
    S. Camerani, L. II. e l'intervento austriaco in Toscana (1849), in: Archivio Storico Italiano 107, 1950;
    Bibliografia dell'età del risorgimento II, 1972, S. 163;
    Enc. Italiana 20, 1932;
    ÖBL;
    Isenburg II, Tafel 121.

  • Portraits

    im Bildarchiv d. Nat.bibl. Wien;
    Denkmal v. L. Magi, 1846 (Grosseto);
    dass. v. E. Santarelli, 1885 (Livorno).

  • Autor/in

    Richard Blaas
  • Empfohlene Zitierweise

    Blaas, Richard, "Leopold II." in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 298 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118827065.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA